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	<title>herausforderndes verhalten Archive -</title>
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		<title>Schreien und Rufen bei Demenz: Beruhigen allein reicht nicht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Apr 2026 08:59:15 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn Menschen mit Demenz anhaltend schreien oder rufen, ist das für alle Beteiligten eine Belastungsprobe. Angehörige geraten an ihre Grenzen, Pflegefachpersonen erleben Hilflosigkeit, und auch in Kliniken oder Pflegeheimen wird&#8230;</p>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn Menschen mit Demenz anhaltend schreien oder rufen, ist das für alle Beteiligten eine Belastungsprobe. Angehörige geraten an ihre Grenzen, Pflegefachpersonen erleben Hilflosigkeit, und auch in Kliniken oder Pflegeheimen wird das Phänomen schnell als massive Störung erlebt. Gerade darin liegt ein Teil des Problems: Das Verhalten erzeugt Druck. Möglichst schnell soll wieder Ruhe einkehren. Doch wer Schreien und Rufen nur als Lärm oder gar als bloßes Fehlverhalten versteht, übersieht oft, worum es eigentlich geht und schränkt die eigenen Handlungsoptionen ein.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Denn anhaltendes Schreien ist ein hochbelastendes Dauersignal. Es kann Ausdruck von Not, Überforderung, Schmerz, Angst, Stress, innerer Unruhe oder misslingender Kommunikation sein. In der Fachliteratur wird dieses Verhalten meist unter Begriffen wie „persistent vocalizations“ oder „disruptive vocalizations“ beschrieben. Zugleich zeigt die Forschung: Die Studienlage ist begrenzt und uneinheitlich, gerade deshalb ist im Alltag ein systematisches pflegefachliches Vorgehen so wichtig.</p>



<figure class="wp-block-video"><video height="720" style="aspect-ratio: 1280 / 720;" width="1280" controls src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/04/SchreienKurzSketchFinal.mp4"></video><figcaption class="wp-element-caption"><a href="https://www.youtube.com/channel/UCBkAPMP0XeRVcd9TA2WlY-w">Weitere kurze, informative Filme zum Thema Demenz finden Sie auf dem Youtubekanal: Demenz: Aufmerksam gemacht. </a></figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Nicht nur Lärm, sondern ein Signal</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Schreien und Rufen ist bei Demenz nicht automatisch absichtsvoll, aggressiv oder „charakterbedingt“. Es kann zwar auch mit der Hirndegeneration selbst zusammenhängen, etwa als Teil neuropsychiatrischer Symptome. Fachlich wäre es aber zu kurz gegriffen, das Verhalten allein darauf zu reduzieren. Häufig ist es sinnvoller, von einem Zusammenspiel aus Hirnveränderungen, körperlichen Belastungen, Umweltreizen, Interaktion und unbefriedigten Bedürfnissen auszugehen. Genau deshalb lohnt es sich, hinter das Verhalten zu schauen, statt nur gegen das Symptom anzukämpfen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Hilfreich ist ein Perspektivwechsel: Nicht sofort fragen „Wie kriegen wir das weg?“, sondern zuerst „Was könnte hier gerade dahinterstecken?“ Diese Frage löst nicht alles. Aber sie schützt davor, vorschnell nur das Symptom zum Schweigen zu bringen.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<div style="background:#dff1fb; padding:18px 20px; border-radius:8px; font-size:18px; line-height:1.6; color:#1f2d3d;">
  Schreien und Rufen lässt sich nicht immer vollständig beenden. Aber oft lässt sich die Situation besser verstehen, eingrenzen oder abschwächen. Dafür braucht es ein gemeinsames Vorgehen. Angehörige sollten nicht mit dem Eindruck alleinbleiben, sie hätten einfach „nicht genug beruhigt“. Pflegefachpersonen wiederum brauchen Rückhalt dafür, dass systematische Beobachtung und kleinschrittiges Ausprobieren keine Nebensache, sondern Kern der Versorgung sind.
</div>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Anhaltendes Schreien und Rufen bei Demenz ist so belastend, weil es fast nie nur Lärm ist. Es ist meist ein Signal für Not, Überforderung oder misslingende Kommunikation und trifft zugleich auf ein Versorgungssystem, in dem genau die nötige intensive Ursachenarbeit oft schwer umzusetzen ist. Gerade deshalb braucht es mehr als Beruhigen. Es braucht Beobachtung, Geduld, Dokumentation und den Mut, auch kleine Hinweise ernst zu nehmen. Weitere Informationen finden Sie in anderen Artikeln zum <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/01/27/schreien-und-rufen-als-extremphaenomen/">Thema Schreien und Rufen</a> auf dieser Webseite. Ein <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2021/06/06/verhalten-im-grenzbereich-schreien-und-rufen-bei-demenz/">Interview mit einem Experten </a>finden Sie hier. </p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">(Amazon Affiliate-Link): <a href="https://amzn.to/4meL4Np">Eine etwas umfangreichere Beschreibung des Phänomens und mögliche Lösungsschritte für die Pflege finden Sie in dieser Praxishilfe</a> (Amazon-Affiliate-Link). </p>
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		<title>Reaktanz bei Menschen mit Demenz: Wenn Hilfe als Druck erlebt wird</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Apr 2026 08:14:27 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Pflegefachpersonen kennen solche Situationen: Ein Mensch mit Demenz zieht bei der Körperpflege die Decke hoch, dreht den Kopf weg oder sagt entschieden: „Lassen Sie mich in Ruhe.“ Beim Essen wird&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/04/01/reaktanz-bei-menschen-mit-demenz-wenn-hilfe-als-druck-erlebt-wird/">Reaktanz bei Menschen mit Demenz: Wenn Hilfe als Druck erlebt wird</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de"></a>.</p>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Pflegefachpersonen kennen solche Situationen: Ein Mensch mit Demenz zieht bei der Körperpflege die Decke hoch, dreht den Kopf weg oder sagt entschieden: „Lassen Sie mich in Ruhe.“ Beim Essen wird der Löffel abgewehrt, beim Aufstehen die Hand zurückgezogen, beim Wechseln von Inkontinenzmaterial steigt plötzlich die Spannung. Schnell entsteht dann der Eindruck, jemand „mache nicht mit“ oder sei „schwierig“.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Oft steckt dahinter Reaktanz: ein verständlicher innerer Widerstand gegen erlebten Druck, Fremdbestimmung oder Überrumpelung. Gerade bei Menschen mit Demenz ist dieses Thema im Pflegealltag zentral. Denn gute Pflege muss nicht nur fachlich richtig sein. Sie muss auch so gestaltet werden, dass ein Mensch sich nicht ausgeliefert fühlt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine kompakte Information bietet dieser Film:</p>



<figure class="wp-block-video"><video height="720" style="aspect-ratio: 1280 / 720;" width="1280" controls src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/04/ReaktanzFinal.mp4"></video><figcaption class="wp-element-caption"><a href="https://www.youtube.com/watch?v=J7IMldNCI08">Diesen und weitere Info-Filme zum Thema Demenz können Sie auch über Youtube anschauen.</a></figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Was Reaktanz bedeutet</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Reaktanz ist Widerstand, der entsteht, wenn Menschen sich gedrängt oder in ihrer Selbstbestimmung eingeschränkt fühlen. Einfach gesagt: Wenn jemand den Eindruck hat, „ich soll hier zu etwas gebracht werden“, kommt oft eine Gegenreaktion. Man will dann gerade nicht tun, was verlangt, empfohlen oder durchgesetzt wird.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Psychologisch ist das gut nachvollziehbar. Menschen haben ein Grundbedürfnis nach Selbstbestimmung, Kontrolle und eigener Entscheidung. Sobald dieses Gefühl bedroht ist, entsteht innerer Widerstand. Dieser richtet sich oft nicht einmal gegen die Sache selbst, sondern gegen die Art, wie sie vermittelt oder durchgesetzt wird.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Je stärker der Druck, desto größer oft die Reaktanz.</strong></p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum Reaktanz bei Menschen mit Demenz besonders wichtig ist</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Menschen mit Demenz erleben den Alltag häufig als unsicher, verwirrend oder schwer durchschaubar. Vieles ist unklar, manches fremd, manches beängstigend. Umso wichtiger wird das Gefühl, wenigstens über den eigenen Körper, den eigenen Abstand oder den aktuellen Moment <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/02/08/unterstuetzen-statt-uebernehmen/">noch mitentscheiden zu können.</a></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn dann jemand schnell, bestimmt, korrigierend oder ohne ausreichende Anbahnung auftritt, kann das leicht als Übergriff erlebt werden. Die betroffene Person kann ihr Unbehagen oft nicht mehr differenziert erklären. Stattdessen zeigt sich der Widerstand über Verhalten.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Reaktanz zeigt sich im pflegerischen Alltag besonders häufig in Situationen, die körpernah, schambesetzt oder mit Zeitdruck verbunden sind. Dazu gehören vor allem die Körperpflege, das Anreichen von Essen und Trinken, das Aufstehen oder Umsetzen, die Medikamentengabe, das Wechseln von Inkontinenzmaterial oder Maßnahmen, die gegen den erkennbaren Willen der Person „durchgesetzt“ werden sollen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade dort, wo Nähe, Tempo und Fremdbestimmung zusammenkommen, steigt das Risiko für Widerstand.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Nicht jede Ablehnung ist Reaktanz</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">So wichtig das Konzept ist: Nicht jede Ablehnung bei Demenz ist automatisch Reaktanz. Hinter Abwehr können auch Schmerzen, Angst, Scham, Kälte, Überforderung, Missverständnisse, Hörprobleme, eine ungünstige Tagesform oder eine depressive Stimmung stehen. Auch Hunger, Durst, Müdigkeit, eine ungewohnte Pflegeperson oder eine zu laute Umgebung können eine Rolle spielen.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="background:#dff3ff; border-left:6px solid #5aa9d6; padding:18px 20px; margin:20px 0; border-radius:8px; font-size:18px; line-height:1.6; color:#1f2d3d;">
  <p style="margin:0 0 12px 0;">
    Reaktanz ist deshalb nicht vorschnell eine Erklärung, sondern eher ein Hinweis: Die Person erlebt gerade etwas als zu viel, zu nah, zu schnell oder zu fremdbestimmt.
  </p>
  <p style="margin:0;">
    Für Pflegefachpersonen ist genau das entscheidend. Sie sollten Widerstand nicht vorschnell als „schwieriges Verhalten“ bewerten, sondern als Signal verstehen, dass die Situation anders gestaltet werden muss.
  </p>
</div>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Was Pflegefachpersonen besser nicht tun sollten</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn Reaktanz sichtbar wird, verschärft sich die Lage häufig durch gut gemeinte, aber ungünstige Reaktionen. Dazu gehören vor allem Drängen, Diskutieren, Korrigieren, mehrfaches Auffordern in kurzer Folge oder das Weitermachen gegen erkennbaren Widerstand.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch Sätze wie „Sie müssen jetzt“, „Stellen Sie sich nicht so an“ oder „Das haben wir doch eben erklärt“ erhöhen meist den Druck. Gleiches gilt, wenn Zeitnot sichtbar gemacht wird oder die betroffene Person vor anderen korrigiert wird.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Je deutlicher die Person das Gefühl bekommt, dass über sie hinweg entschieden wird, desto größer wird oft die Gegenreaktion.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was stattdessen sofort hilfreich sein kann</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">In akuten Situationen ist nicht die perfekte Erklärung entscheidend, sondern ein ruhiger, klarer und entlastender Umgang.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Hilfreich ist zunächst, kurz innezuhalten. Nicht sofort weiterarbeiten. Abstand und Tempo prüfen. Blickkontakt suchen, ohne zu bedrängen. Die Situation mit einem einfachen Satz entschärfen. Und, wenn möglich, eine kleine Wahlmöglichkeit anbieten.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Zum Beispiel:<br>„Ich mache langsam.“<br>„Sie entscheiden mit.“<br>„Wir können kurz warten.“<br>„Möchten Sie erst das Gesicht oder erst die Hände waschen?“<br>„Ich sehe, dass Ihnen das gerade unangenehm ist.“</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Solche Sätze wirken nicht deshalb, weil sie besonders raffiniert sind. Sie wirken, weil sie (das Gefühl von) Kontrolle zurückgeben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Erst Beziehung, dann Handlung</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine der wichtigsten pflegerischen Regeln im Umgang mit Reaktanz lautet: Erst Beziehung, dann Handlung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das heißt konkret: nicht einfach anfangen, sondern erst ankommen. Mit Namen ansprechen. Sich bemerkbar machen. Die Situation knapp erklären. Nur einen Schritt auf einmal ankündigen. Den Menschen nicht sofort anfassen. Und auf Mimik, Körperspannung und Unruhe früh achten.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Viele eskalierende Situationen entstehen nicht, weil eine Maßnahme grundsätzlich unmöglich wäre, sondern weil der Einstieg misslingt. Pflege gelingt häufig besser, wenn sie angebahnt statt befohlen wird. Wie viele andere Dinge übrigens auch &#8211; nicht nur bei Menschen mit Demenz.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>
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		<title>Empathisch leiden lassen: Warum Menschen mit Demenz mehr brauchen als Verständnis</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Mar 2026 07:30:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wer mit Menschen mit Demenz arbeitet oder lebt, hört heute oft Sätze wie diese: Man müsse mehr mitfühlen. Man müsse verstehen, dass Verhalten Ausdruck von Not ist. Man brauche die&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/03/11/empathisch-leiden-lassen-warum-menschen-mit-demenz-mehr-brauchen-als-verstaendnis/">Empathisch leiden lassen: Warum Menschen mit Demenz mehr brauchen als Verständnis</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de"></a>.</p>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wer mit Menschen mit Demenz arbeitet oder lebt, hört heute oft Sätze wie diese: Man müsse mehr mitfühlen. Man müsse verstehen, dass Verhalten Ausdruck von Not ist. Man brauche die richtige Haltung. Das alles stimmt. Und doch beginnt genau hier auch ein Problem, das mir immer wieder begegnet: Empathie allein lindert noch kein Leid.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Mensch mit Demenz hat nicht weniger Schmerzen, nur weil wir ihm freundlich begegnen. Er ist nicht weniger verängstigt, nur weil wir verständnisvoll nicken. Er schläft nicht besser, weil wir sein nächtliches Rufen „einordnen“ können. Und eine Verstopfung, ein Harnwegsinfekt, Hunger, Durst, Reizüberflutung oder ein beginnendes Delir verschwinden nicht durch Zuwendung allein.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das klingt härter, als es gemeint ist. Aber genau dieser Punkt wird im Alltag oft zu weich formuliert. Haltung ist wichtig. Sehr wichtig sogar. Nur: Haltung ohne Analyse bleibt oft unzureichend. Und Unzulänglichkeit bedeutet für Betroffene nicht Neutralität, sondern häufig anhaltendes Leid.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Verstehen ist nicht dasselbe wie helfen ist nicht dasselbe wie pflegerisches Handeln</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Es ist zweifellos ein Fortschritt, dass in Schulungen heute weniger über „schwierige Bewohner“ und mehr über Bedürfnisse, Biografie, Würde und Beziehung gesprochen wird. Das war notwendig. Pflege hat lange genug unter einem Denken gelitten, das Verhalten vor allem kontrollieren wollte.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nur ist die &#8222;Gegenbewegung&#8220; manchmal genauso verkürzt. Dann klingt es so, als genüge es schon, Verhalten anders zu bewerten: nicht als Störung, sondern als Ausdruck. Nicht als Angriff, sondern als Botschaft. Nicht als Widerstand, sondern als Not.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Genau an diesem Punkt wird es heikel. Denn mitunter entsteht der Eindruck, als könne Haltung fachliche Kompetenz ersetzen. Als reiche es aus, empathisch zu sein, um dem Menschen gerecht zu werden. Das tut es nicht.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wer zwar anerkennt, dass ein Verhalten einen Grund hat, diesen Grund aber nicht systematisch prüft, ändert für den betroffenen Menschen oft zu wenig. Dann wird aus einem an sich richtigen Gedanken schnell eine beruhigende Erzählung für Helfende: „Wir haben verstanden, warum er so ist.“ Für die betroffene Person kann das trotzdem heißen: Der Schmerz bleibt. Die Überforderung bleibt. Die Angst bleibt. Die Auslöser bleiben. Und mit ihnen das Leid.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Haltung und Empathie gehören fachlich dazu – aber sie sind nicht alles</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Empathie kann verhindern, dass wir Menschen moralisch abwerten. Sie ersetzt aber keine pflegerische Kompetenz. Jeder Laie kann mitfühlen. Das ist menschlich und wertvoll. Pflegefachpersonen müssen jedoch mehr leisten. Sie müssen beobachten, ohne sich vom ersten Eindruck täuschen zu lassen. Sie müssen Veränderungen wahrnehmen, Hypothesen bilden, Ursachen prüfen und gezielt handeln.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade dort, wo Demenz vermittelt, geschult oder konzeptionell begleitet wird, reicht es nicht, nur Haltung zu predigen. Wer professionell Verantwortung trägt, muss mehr vermitteln als Zugewandtheit. Es geht auch um Schmerzerkennung, Delir, Überforderung, Kommunikation, Umgebung, Auslöser, Verlauf und ganz konkrete Maßnahmen. Es ist teilweise erstaunlich, wer heute alles glaubt Pflegefachpersonen schulen zu können. Führungskräfte scheinen auch immer wieder vor lauter „Haltung“ zu vergessen, dass &#8222;Nettsein&#8220; nicht Aufgabe der Pflege ist. Vor diesem Hintergrund sind die &#8222;Pflege mit Herz&#8220;-Stelleanzeigen und ein &#8222;Wir-haben-alte-Menschen-doch-so-lieb&#8220;-Bild auf SocialMedia durchaus manchmal vielsagend. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Herausforderndes Verhalten ist ein Hinweis. Manchmal ein leiser, manchmal ein massiver</h2>



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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Unruhe kann auf Schmerzen hinweisen. Aggression kann Ausdruck von Angst sein. Abwehr bei der Körperpflege kann bedeuten, dass jemand friert, sich schämt, die Handlung nicht versteht oder eine Bewegung weh tut. Rückzug kann Überforderung sein – oder Depression. Nächtliches Rufen kann Einsamkeit bedeuten, aber auch Desorientierung, Durst, Schmerzen oder einen gestörten Tag-Nacht-Rhythmus. Ständiges Aufstehen kann Bewegungsdrang sein, aber ebenso Harndrang, innere Unruhe oder das Bedürfnis, „nach Hause“ zu müssen.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<div style="background:#ffffff; border-left:6px solid #7a5aa6; padding:28px 32px; margin:32px 0; border-radius:10px; box-shadow:0 2px 8px rgba(0,0,0,0.04);">
  <p style="margin:0; font-size:1.65rem; line-height:1.7; color:#222222; font-weight:500;">
    Wer hier nur mitfühlt, aber nicht prüft, bleibt an der Oberfläche. Das kann freundlich aussehen und kurzfristig sogar beruhigend wirken – und dennoch unzureichend sein.
  </p>
</div>
</div>
</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade darin liegt die fachliche Herausforderung: Das sichtbare Verhalten sagt noch nicht, was die Ursache ist. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Mit anderen Worten: Wer Verhaltenssymptome nur als „demenztypisch“ hinnimmt oder nur beziehungsorientiert beantwortet, riskiert, behandelbare Ursachen zu übersehen. Das ist nicht nur ein fachliches Defizit. Es ist für den betroffenen Menschen eine reale Belastung. Wichtige und in der Praxis tragfähige und umsetzbare Strategien und Vorgehensweisen zu etablieren hat daher die größere Bedeutung, als &#8222;Freundlichkeit&#8220; zu trainieren. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Empathie ist unverzichtbar. Aber sie ist kein Ersatz für Analyse</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wer Menschen mit Demenz wirklich helfen will, darf sich nicht damit zufriedengeben, Verhalten freundlich zu betrachten. Er muss nach Ursachen suchen, Auslöser erkennen, körperliche Belastungen mitdenken, Situationen verändern und die Wirkung seines Handelns prüfen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Mitgefühl ohne Fachlichkeit kann gut gemeint sein. Für Betroffene bleibt es trotzdem oft unzureichend. Oder zugespitzt gesagt: Nett sein nimmt keinem Menschen mit Demenz den Schmerz durch Harnverhalt. Fachlich gutes Handeln am Ende schon. Denken Sie immer daran: Haltung darf nicht gegen Analyse ausgespielt werden &#8211; und sie auch nicht überstimmen oder gar dazu führen, dass sie für Pflegeprofis obsolet wird. </p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			</item>
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		<title>Verhalten verstehen und handhaben – wie geht man sachlich und kriteriumsgeleitet vor?</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/02/11/verhalten-verstehen-und-handhaben/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Feb 2026 17:25:26 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>In Klinik, ambulanter Versorgung und Pflegeheimen begegnet Ihnen Verhalten, das als seltsam, auch als „abnorm“ oder „herausfordernd“ erlebt wird: Unruhe, Abwehr, Rufen, Aggression, Weglaufdrang, Misstrauen, Mitmachen verweigern, Entkleiden, dauerndes Klingeln,&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/02/11/verhalten-verstehen-und-handhaben/">Verhalten verstehen und handhaben – wie geht man sachlich und kriteriumsgeleitet vor?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de"></a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">In Klinik, ambulanter Versorgung und Pflegeheimen begegnet Ihnen Verhalten, das als seltsam, auch als „abnorm“ oder „herausfordernd“ erlebt wird: Unruhe, Abwehr, Rufen, Aggression, Weglaufdrang, Misstrauen, Mitmachen verweigern, Entkleiden, dauerndes Klingeln, Fixiertsein auf ein Thema. Die entscheidende Frage ist selten: &#8222;Wie kriege ich das weg?&#8220; – sondern: &#8222;Was will mir dieses Verhalten sagen, und was braucht die Person jetzt, damit sich die Situation normalisiert?&#8220;. Da der Pflegealltag vielerorts häufig von Zeitdruck geprägt ist, braucht es griffige, einprägsame Methoden. Schritte, die auch unter Druck gelingen sind wichtiger als der gute Rat: &#8222;Setzen Sie sich doch mal ne halbe Stunde zum Betroffenen.&#8220; &#8211; weil man &#8222;die halbe Stunde&#8220; im normalen Dienst einfach meist nicht hat. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Herausforderndes Verhalten wirkt im Moment oft wie ein persönlicher Angriff oder wie „reine Unkooperativität“. Im Alltag hilft es, den emotionalen Impuls kurz zu parken und in einen strukturierten Modus zu wechseln: erst beobachten, dann prüfen, dann handeln – und das Ganze so dokumentieren, dass es in Übergabe, Visite und Verlegungsbericht sofort nutzbar ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Drei Merksätze, die Sie durch fast jede Situation tragen</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/02/zwischenbild1-1-scaled.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="538" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/02/zwischenbild1-1-1024x538.jpg" alt="" class="wp-image-3443" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/02/zwischenbild1-1-1024x538.jpg 1024w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/02/zwischenbild1-1-300x158.jpg 300w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/02/zwischenbild1-1-768x403.jpg 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/02/zwischenbild1-1-1536x806.jpg 1536w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/02/zwischenbild1-1-2048x1075.jpg 2048w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/02/zwischenbild1-1-1320x693.jpg 1320w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Der einfache 5-Schritt-Algorithmus: STOPP – PRÜFEN – EINORDNEN – HANDELN – DOKUMENTIEREN</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">STOPP: Sichern Sie in den ersten 20 Sekunden Beziehung und Sicherheit, indem Sie Tempo rausnehmen (Merksatz: Langsam werden, um schneller zu werden). Halten Sie ggfs. Abstand, bleiben Sie offen in der Körperhaltung, <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2022/03/19/stay-focused-kontakt-und-kommunikationsverhalten-verbessern/">sprechen Sie ruhig und in kurzen Sätzen</a>, reduzieren Sie nötigenfalls Reize (Licht, Lärm, Personenanzahl) und bieten Sie echte Wahlmöglichkeiten an (zwei akzeptable Optionen). Wenn möglich, spricht nur eine Bezugsperson. Mini-Sätze, die fast immer tragen: „Ich sehe, das ist gerade zu viel. Ich bleibe bei Ihnen.“ / „Wir machen erst eine kurze Pause. Dann schauen wir gemeinsam weiter.“ / „Sie müssen das nicht jetzt. Wollen Sie erst sitzen oder erst trinken?“</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">PRÜFEN: Wechseln Sie direkt in den „Körper zuerst“-Schnellcheck, vor allem wenn das Verhalten plötzlich kippt (Merksatz: <strong>Wenn Verhalten plötzlich kippt, ist es oft Körper</strong>) und nicht auf den ersten Blick eine in Frage kommende Ursache wahrscheinlich ist. Prüfen Sie je nach Setting systematisch Schmerz (auch „stumm“: Mimik, Schonhaltung, Abwehr bei Berührung), Harndrang/Obstipation/Übelkeit, Atemnot/Hypoxie, Fieber/Infekt/Dehydratation, Hypo-/Hyperglykämie und Blutdruckentgleisung, Nebenwirkungen/Interaktionen (neue Medikamente, Dosisänderungen, Sedierung), Sinnesprobleme (Brille/Hörgerät fehlt, Blendung, Dunkelheit) sowie Entzug (Nikotin, Alkohol, Benzodiazepine) und Schlafmangel. Pragmatischer Merksatz: Wenn Sie keinen Auslöser finden: Abstimmung mit Team / Arzt und: behandeln Sie zuerst das Naheliegende, das gefährlich ist oder zu werden droht.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">EINORDNEN: Trennen Sie konsequent Fakten von Deutung (Merksatz: Fakt ist messbar. Deutung ist eine Hypothese). Beschreiben Sie konkret, was passiert (was, wie lange, wie oft, in welcher Situation, mit welchen Worten) und markieren Sie erst danach Ihre Vermutung als Hypothese, statt sie als Eigenschaft der Person zu formulieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Drei robuste Interventionsblöcke, die fast immer helfen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">A) Orientierung und Kontrolle zurückgeben</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">ankündigen, erklären, in kleine Schritte zerlegen</li>



<li class="has-medium-font-size">Zustimmung aktiv einholen (auch nonverbal)</li>



<li class="has-medium-font-size">Optionen: „Jetzt oder in 10 Minuten?“ – „Links oder rechts?“</li>
</ul>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">B) Reiz und Tempo anpassen</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Umgebung beruhigen, Personenzahl reduzieren</li>



<li class="has-medium-font-size">Pausen einbauen, Tätigkeiten verkürzen</li>



<li class="has-medium-font-size">bekannte Routinen nutzen (gleiche Reihenfolge, gleiche Worte)</li>
</ul>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">C) Beziehung und Würde schützen</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">nicht diskutieren, nicht belehren, nicht „gewinnen“</li>



<li class="has-medium-font-size">bei Abwehr: „Rückzug statt Druck“</li>



<li class="has-medium-font-size">bei Angst: „Sicherheitssätze“ wiederholen, nicht argumentieren</li>
</ul>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn Gefahr im Verzug ist:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Teamruf, klare Rollen, Schutz vor Verletzungen</li>



<li class="has-medium-font-size">medizinische Abklärung priorisieren (z. B. akutes Delir, Hypoxie, Hypoglykämie)</li>



<li class="has-medium-font-size">freiheitsentziehende Maßnahmen sind Hochrisiko: immer verhältnismäßig, begründet, so kurz wie möglich, sauber dokumentiert und nach Hausstandard/gesetzlichen Vorgaben</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Dokumentieren: Kurz, standardisiert, übergabefähig</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Merksatz: Dokumentation ist Teamgedächtnis und Patientensicherheit.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nutzen Sie ein kurzes Schema, das in Übergabe, Visite und Verlegungsbericht andockt. Am praktikabelsten ist ein kurzer Eintrag im Muster Situation – Observation – Vermutete Faktoren – Maßnahme – Effekt.</p>



<!-- Infobox: S-O-V-M-E für Übergabe / Informationsweitergabe -->
<section class="infobox-so-vme" aria-label="S-O-V-M-E Schema für Übergabe, Visite und Verlegungsbericht">
  <div class="infobox-so-vme__header">
    <span class="infobox-so-vme__icon" aria-hidden="true"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f4e4.png" alt="📤" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /></span>
    <h3 class="infobox-so-vme__title">Kurzschema für Übergabe, Visite und Verlegungsbericht</h3>
  </div>

  <p class="infobox-so-vme__lead">
    Nutzen Sie ein kurzes Schema, das in Übergabe, Visite und Verlegungsbericht andockt:
  </p>

  <div class="infobox-so-vme__acronym">
    <span class="infobox-so-vme__tag">S-O-V-M-E</span>
    <span class="infobox-so-vme__meaning">(Situation – Observation – Vermutete Faktoren – Maßnahme – Effekt)</span>
  </div>

  <ul class="infobox-so-vme__list">
    <li><span class="infobox-so-vme__letter">S</span> Situation: Wann, wo, wodurch ausgelöst?</li>
    <li><span class="infobox-so-vme__letter">O</span> Observation: Was genau, wie stark, wie lange?</li>
    <li><span class="infobox-so-vme__letter">V</span> Vermutete Faktoren: Körper/Kopf/Kontext (nur als Hypothese markieren)</li>
    <li><span class="infobox-so-vme__letter">M</span> Maßnahme: Was wurde konkret getan?</li>
    <li><span class="infobox-so-vme__letter">E</span> Effekt: Was hat sich geändert, woran erkennbar?</li>
  </ul>
</section>

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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wir bewerten Verhalten nicht moralisch – wir lösen ein Versorgungsproblem. Wenn Ihr Team eine gemeinsame Sprache hat (Fakt vs. Deutung, Körper-Kopf-Kontext, S-O-V-M-E), sinkt das Konfliktpotential im Team, Übergaben werden kürzer, und die betroffene Person erlebt mehr Sicherheit und weniger Eskalation. <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/01/17/unsichtbarer-mehraufwand-demenz-ist-im-krankenhaus-auch-ein-steuerungsproblem/">Gerade Krankenhäuser sollten zudem darauf achten, dass möglicher Mehraufwand auch dokumentiert wird.</a> </p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/02/11/verhalten-verstehen-und-handhaben/">Verhalten verstehen und handhaben – wie geht man sachlich und kriteriumsgeleitet vor?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de"></a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>„Also, ich bin doch nicht Ihre Tochter!“ &#8211; vom Umgang mit Fehlidentifizierungen</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/02/05/so-reagieren-sie-professionell-bei-personenverwechslung/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Feb 2026 14:40:32 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Bei fortgeschrittener Demenz kommt es vor, dass Betroffene Pflegende als „Tochter“, „Sohn“ oder „Ehepartner“ ansprechen. Das ist keine Art Provokation, sondern eine Verwechslung. Sie entsteht aus einem Zusammenspiel von Gedächtnis-&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/02/05/so-reagieren-sie-professionell-bei-personenverwechslung/">„Also, ich bin doch nicht Ihre Tochter!“ &#8211; vom Umgang mit Fehlidentifizierungen</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de"></a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei fortgeschrittener Demenz kommt es vor, dass Betroffene Pflegende als „Tochter“, „Sohn“ oder „Ehepartner“ ansprechen. Das ist keine Art Provokation, sondern eine Verwechslung. Sie entsteht aus einem Zusammenspiel von Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, veränderter Verarbeitung von Vertrautheit sowie situativem Stress. Vertraute Signale (Stimme, Gestik, Haltung, Geruch) werden erkannt, aber nicht mehr zuverlässig der richtigen Person im Hier und Jetzt zugeordnet. Das Gehirn greift dann auf emotional bedeutsame Rollen zurück, weil diese Sicherheit geben. Der Satz „Du bist meine Tochter“ ist deshalb häufig ein Bindungsversuch und ein Ausdruck von Bedürfnis nach Nähe und Schutz – keine Faktenbehauptung, die man unbedingt widerlegen muss. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Drei Kernfaktoren</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Zeitanker verschieben sich<br>Aktuelle Informationen werden schlechter gespeichert, ältere, emotional bedeutsame Erinnerungen bleiben länger verfügbar. Das Gehirn greift dann auf vertraute Rollen zurück, weil sie Sicherheit geben.</li>



<li class="has-medium-font-size">Wiedererkennen ohne korrektes Zuordnen<br>Stimme, Gesten, Körperhaltung oder Geruch lösen Vertrautheit aus. Wenn Details fehlen, wird diese Vertrautheit automatisch einer Rolle zugeordnet: Tochter, Ehepartner, Mutter, Kollege.</li>



<li class="has-medium-font-size">Stress verstärkt Verwechslungen<br>Schmerz, Überforderung, Reizüberflutung, Schlafmangel, fremde Umgebung, Infekte oder auch Durst und Hunger senken die Orientierung und erhöhen das Bedürfnis nach Bindung. Die Zuschreibung („Du bist meine Tochter“) ist dann oft ein Bindungsversuch, keine Faktenbehauptung.</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">&#8222;Wollen Sie, dass ich die Patienten anlüge?&#8220;</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Korrigieren, „Rolle spielen“ oder bewusst täuschen? Wie sollen Pflegende in einer solchen Situation reagieren? Wahrhaftigkeit versus Leidreduktion &#8211; das ist das Dilemma, in dem sich manches Team, manche Kollegin und Kollege wiederfindet. Zur Klärung und Information soll dieser kurze Film beitragen: </p>



<figure class="wp-block-video"><video height="1072" style="aspect-ratio: 1904 / 1072;" width="1904" controls src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/02/FinalKorrigieren.mp4"></video><figcaption class="wp-element-caption"><a href="https://youtu.be/oMnEQNdWylg">Den Film können Sie hier bei Youtube sehen. </a></figcaption></figure>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Als professioneller Standard ist deshalb eine Vorgehensweise hilfreich, die Gefühl und Bedarf trifft, ohne überprüfbare Zusagen zu machen, die Sie nicht sicher einlösen können. Bewusst falsche Zusagen bleiben – wenn überhaupt – eine eng begründete Ausnahme für akute Eskalationen, nicht die Routine.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Praxisregel, die Streit im Team meist beendet</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wir bestätigen das Gefühl und versorgen den Bedarf, aber wir bestätigen nicht die falsche Tatsache.<br>Das ist beziehungsorientiertes Arbeiten, keine Lüge.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine professionelle Korrektur klingt nicht wie ein hartes Nein, sondern wie eine kurze Rollenklärung plus Angebot. Oft reicht es, die eigene Rolle zu setzen, ohne die falsche Identität frontal zu verneinen:<br>„Ich bin XY vom Team. Ich bleibe kurz bei Ihnen und erkläre Ihnen, was ich jetzt mache.“.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wie Sie bei Personenverwechslung professionell bleiben, ohne in die Falle zu gehen</h2>



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  <div style="font-size:18px; line-height:1.25; margin:0 0 10px 0;">
    Wenn eine falsche Zusage doch als Ausnahme genutzt wird
  </div>

  <p style="margin:0 0 10px 0; line-height:1.5;">
    Damit aus „hat einmal geholfen“ keine riskante Routine wird, helfen Team-Leitplanken.
    Eine bewusst falsche Zusage ist nur dann vertretbar, wenn:
  </p>

  <ul style="margin:0 0 0 18px; padding:0; line-height:1.55;">
    <li style="margin:0 0 6px 0;">
      eine akute Eskalation oder ein Sicherheitsrisiko vorliegt und andere schnelle Beruhigung nicht greift
    </li>
    <li style="margin:0 0 6px 0;">
      es nicht um Einwilligung, Therapieentscheidungen oder belastbare Planung geht
    </li>
    <li style="margin:0 0 6px 0;">
      der Satz nicht als Druckmittel genutzt wird („dann machen Sie jetzt …“)
    </li>
    <li style="margin:0 0 6px 0;">
      die Aussage möglichst klein gehalten wird (keine großen Versprechen)
    </li>
    <li style="margin:0;">
      das Vorgehen im Team abgestimmt ist und die Wirkung beobachtet wird (wirkt es nachhaltig oder verschiebt es nur das Problem?)
    </li>
  </ul>
</div>

</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Zwei typische Fallen in der Praxis</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Überidentifikation<br>Sie werden zur Familienersatzperson. Das fühlt sich kurzfristig wirksam an, führt aber zu Grenzproblemen, Teamkonflikten und emotionaler Erschöpfung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Falsche Versprechen<br>„Ich bleibe die ganze Nacht“, „Ich bringe Sie nach Hause“, „Ich rufe sofort an“ – wenn Sie das nicht sicher einlösen, entsteht Misstrauen. Bei kognitiver Einschränkung zählt nicht Ihr guter Wille, sondern die erlebte Verlässlichkeit.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Professioneller Gegenentwurf: Bindung in kleinen, realistischen Einheiten wie etwa <br>„Ich bleibe jetzt zwei Minuten.“, „Ich setze mich kurz zu Ihnen.“, „Möchten Sie sitzen oder ans Fenster?“ oder „Gleich kommt meine Kollegin. Ich sage ihr, was Ihnen wichtig ist.“. </p>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Kurz dokumentieren, damit das Team konsistent bleibt</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Satz reicht oft, wenn er handlungsleitend ist:<br>„Hält Mitarbeitende für Tochter. Bedarf: Sicherheit und Nähe. Wirksam: Gefühl benennen, kurzer Sitzkontakt, klare Zeitansage. Trigger: harte Korrektur führt zu Unruhe/Abwehr.“. Hingegen ist &#8222;Ruft mal wieder nach der Tochter.&#8220; &#8211; keine sinnvolle Dokumentation. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei Verwechslungen und Fehlidentifizierung geht es meist um Bindung und Sicherheit, nicht um Fakten. Zumindest erlebe ich häufig, dass Fakten keineswegs zur Beruhigung beitragen. Fachlich stark ist eine Vorgehensweise, die Beziehung stabilisiert, ohne falsche Tatsachen zu behaupten. Bewusste Täuschung kann kurzfristig deeskalieren, bleibt aber eine eng begründete Ausnahme mit klaren Grenzen. Wenn Sie konsequent mit „Gefühl bestätigen – Bedarf klären – Angebot machen“ arbeiten, reduzieren Sie Stress, verbessern Kooperation und bleiben professionell klar in Ihrer Rolle.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die &#8222;Ruhe weg haben&#8220;</h2>



<!-- Infokasten für WordPress (HTML-Block) -->
<div style="border:1px solid #b9d7f2; padding:16px 18px; border-radius:8px; background:#eaf4ff; margin:18px 0;">
  <div style="font-size:18px; line-height:1.25; margin:0 0 10px 0;">
    Infokasten: Wann Schweigen hilft
  </div>

  <p style="margin:0; line-height:1.55;">
    Manche Fehlidentifizierungen sind Momentäußerungen oder entstehen aus Überforderung. Dann kann es besser sein,
    nicht zu korrigieren und auch nicht nach Bedürfnissen zu fragen, sondern kurz zu schweigen und Sicherheit
    herzustellen. Das gilt besonders bei hoher Erregung, starker Reizlast (Lärm, viele Personen) oder wenn jede
    Rückfrage die Verwechslung füttert. Professionelles Schweigen heißt: ruhig bleiben, Blickkontakt dosieren,
    Tempo herausnehmen und nonverbal unterstützen. Wenn ein Satz nötig ist, reichen Minimalformeln wie „Ich bin da“,
    „Ich höre Sie“ oder „Einen Moment“. Sobald die Situation abklingt, können Sie wieder gezielt mit
    „Gefühl bestätigen – Bedarf klären – Angebot machen“ arbeiten. Nicht geeignet ist Schweigen bei Einwilligung
    und Intimsphäre, akuter Gefahr oder wenn die Person aktiv und eindeutig um Hilfe bittet.
  </p>
</div>




<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/02/05/so-reagieren-sie-professionell-bei-personenverwechslung/">„Also, ich bin doch nicht Ihre Tochter!“ &#8211; vom Umgang mit Fehlidentifizierungen</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de"></a>.</p>
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		<title>Demenz und Desorientierung: viel mehr, als nicht von A nach B zu finden</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/01/02/demenz-und-desorientierung-viel-mehr-als-nicht-von-a-nach-b-zu-finden/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Jan 2026 14:23:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[alzheimer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn von „Desorientierung“ oder &#8222;Orientierungslosigkeit&#8220; die Rede ist, wird das Thema häufig auf einen einzigen Punkt verkürzt: Menschen mit Demenz finden z.B. das Bad nicht oder verirren sich auf dem&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/01/02/demenz-und-desorientierung-viel-mehr-als-nicht-von-a-nach-b-zu-finden/">Demenz und Desorientierung: viel mehr, als nicht von A nach B zu finden</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn von „Desorientierung“ oder &#8222;Orientierungslosigkeit&#8220; die Rede ist, wird das Thema häufig auf einen einzigen Punkt verkürzt: Menschen mit Demenz finden z.B. das Bad nicht oder verirren sich auf dem Weg nach Hause. Das kommt vor – aber diese Verkürzung ist fachlich riskant. Sie macht aus einem komplexen neurokognitiven Problem ein reines Navigationsproblem. In der Folge greifen Anpassungs- und Umgangsstrategien zu kurz, Missverständnisse häufen sich, und Verhalten wird vorschnell als „unkooperativ“ oder „auffällig“ eingeordnet &#8211; obwohl es sich bei näherer Betrachtung um eine nachvollziehbare Reaktion auf den Verlust von Orientierung handelt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Welche Orientierungsqualitäten gibt es?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Orientierung ist eine Grundfunktion, mit der Menschen sich in der Welt und in sich selbst verorten: Wo bin ich, wann ist jetzt, was passiert hier, wer ist vor mir – und wer bin ich selbst? Bei Demenz können genau diese Qualitäten einzeln oder gemeinsam beeinträchtigt sein. Wer das versteht, kann Verhalten besser deuten, Risiken früher erkennen und Pflege individueller gestalten. Daher ist es wichtig zu wissen, worum es geht wenn von Desorientierung die Rede ist. Mehr dazu in diesem kurzen Film zum Thema:</p>



<figure class="wp-block-video"><video height="1080" style="aspect-ratio: 1084 / 1080;" width="1084" controls src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/01/DemenzundOrientierungF.mp4"></video><figcaption class="wp-element-caption"><a href="https://youtube.com/shorts/7fpH0kcXnhk?feature=share">Hier können Sie das Video auf Youtube ansehen.</a></figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Differenzierung macht Pflege besser</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Je genauer Pflegefachleute verstehen, welche Orientierungsqualität eingeschränkt ist, desto zielgerichteter können sie reagieren. Das verändert die Praxis ganz konkret:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Verhalten wird als Signal gelesen (nicht als Absicht).</li>



<li class="has-medium-font-size">Kommunikation wird passender: weniger Korrektur, mehr Einordnung, mehr Sicherheit.</li>



<li class="has-medium-font-size">Risiken werden früher erkannt: Delir, Schmerzen, Exsikkose, Infekte, Medikamentennebenwirkungen.</li>



<li class="has-medium-font-size">Maßnahmen werden individueller: Umgebung, Tagesstruktur, Reizniveau, Biografie, Teamabsprachen.</li>
</ul>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Am Ende ist Desorientierung kein einzelnes Symptom, sondern eine veränderte Art, Welt, Menschen, Situation und Körper zu erleben. Nur mit erweitertem Wissen über die Wirkungen von Demenzerkrankungen in ihren verschiedenen Facetten und Ausprägungen gelingt eine angemessene, respektvolle und individuelle Pflege. Wer Orientierung differenziert betrachtet, reduziert Eskalationen, stärkt Sicherheit – und arbeitet näher an dem, was Betroffene tatsächlich erleben.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/01/02/demenz-und-desorientierung-viel-mehr-als-nicht-von-a-nach-b-zu-finden/">Demenz und Desorientierung: viel mehr, als nicht von A nach B zu finden</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de"></a>.</p>
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		<item>
		<title>Was an die Nerven geht – Wortwiederholungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Jan 2024 20:51:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
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		<category><![CDATA[neurologie]]></category>
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		<category><![CDATA[wiederholung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie sich Symptome einer Demenz ausprägen, ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig. Nicht auf alles kann man jederzeit vorbereitet sein. Und wie gut wir mit einem bestimmten Verhalten eines Menschen&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/01/07/was-an-die-nerven-geht-wortwiederholungen/">Was an die Nerven geht – Wortwiederholungen</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Wie sich Symptome einer Demenz ausprägen, ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig. Nicht auf alles kann man jederzeit vorbereitet sein. Und wie gut wir mit einem bestimmten Verhalten eines Menschen mit Demenz umgehen können, ist höchst unterschiedlich.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color has-link-color wp-elements-cd4fd2c8022e1c3d57a85d269f467bac">Echolalie als nervliche Belastung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In einem Videocall berichtete mir kürzlich eine pflegende Angehörige nebst interessiertem Ehemann von der Versorgung der Mutter mit <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/05/27/alzheimer-demenz-grundlagen-diagnose-therapie/">Alzheimererkrankung</a>. So weit, so machbar – allerdings ist eine Verhaltensweise dabei, die allen Beteiligten sehr auf die Nerven geht: die Mutter wiederholt ständig Sätze, bzw. Satzteile, Satzenden oder auch nur Wörter, wenn mit ihr gesprochen wird. Zunehmend auch scheinbar ohne jeden Reiz, ohne dass irgendein Zusammenhang erkennbar ist. Das Ganze wiederholt sich sehr häufig und schien beschriebenermaßen stärker zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sogenannte Echolalien kommen auch bei Demenz vor. Es ist wichtig zu betonen, dass nicht alle Menschen mit Demenz zwangsläufig Echolalien entwickeln und wenn, kann die Form variieren. Die genauen neurologischen Mechanismen dahinter sind nicht vollständig verstanden und keineswegs ist das Phänomen auf Menschen mit Demenz beschränkt. Die Zusammenarbeit mit Neurologie und Logopädie ist auch hier empfehlenswert.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color has-link-color wp-elements-39c26836157e707b4e8ff11704bba2a5">Mögliche Ursachen von Echolalie</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Mechanismen sind je nach Variante und den zugrunde liegenden Ausgangsbedingungen nicht ohne weiteres bestimmbar. In Frage kommen u.a.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Störungen in der Informationsverarbeitung und der Konnektivität im Gehirn. </li>



<li>Störung der sensorischen Verarbeitung auditiver Informationen.</li>



<li>Störung in Hemmung oder Modulation, so dass es zu diesen stereotypen, automatischen Reaktionen kommt.&nbsp;</li>
</ul>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/01/Echolaliebild-1.jpg"><img decoding="async" width="1024" height="576" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/01/Echolaliebild-1-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-2205" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/01/Echolaliebild-1-1024x576.jpg 1024w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/01/Echolaliebild-1-300x169.jpg 300w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/01/Echolaliebild-1-768x432.jpg 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/01/Echolaliebild-1.jpg 1280w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Häufig ist schon viel erreicht, wenn es ein Grundverständnis für das Verhalten an sich gibt. Wissen schafft Verständnis und stärkt vielfach den Geduldsfaden. Ein spezifisches Medikament gegen Echolalien gibt es nicht, ebenso wenig <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2021/06/06/verhalten-im-grenzbereich-schreien-und-rufen-bei-demenz/">wie gegen anhaltendes Schreien und Rufen</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch hier, sofern man etwas unternehmen möchte, gilt es systematisch auf Spurensuche zu gehen. Trigger und Muster identifizieren, Umstände beeinflussen falls möglich sowie die eigene Kommunikation und persönliche Umgangsverhaltensweisen zu reflektieren. Das verhindert auch, dass z.B. ein Kommunikationsversuch des Betroffenen übersehen oder missinterpretiert wird und hilft, eine mögliche Intension hinter der Wiederholung zu entdecken. </p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Titelbild: Ann H on pexels</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/01/07/was-an-die-nerven-geht-wortwiederholungen/">Was an die Nerven geht – Wortwiederholungen</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de"></a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Pflegeexpertin Imane Henni Rached: verstehende Diagnostik bei Demenz</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/07/18/pflegeexpertin-imane-henni-rached-verstehende-diagnostik-bei-demenz/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Jul 2023 14:59:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Verhaltensweisen von Menschen mit Demenz können für die sorgende Umgebung schwer zu nehmen sein. Zusammenfassend spricht man von „herausforderndem Verhalten“, wenn Betroffene z.B. große Unruhe zeigen, der Kontakt von Gereiztheit&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/07/18/pflegeexpertin-imane-henni-rached-verstehende-diagnostik-bei-demenz/">Pflegeexpertin Imane Henni Rached: verstehende Diagnostik bei Demenz</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Verhaltensweisen von Menschen mit Demenz können für die sorgende Umgebung schwer zu nehmen sein. Zusammenfassend spricht man von „herausforderndem Verhalten“, wenn Betroffene z.B. große Unruhe zeigen, der Kontakt <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/01/13/und-dann-schlug-sie-ploetzlich-zu/">von Gereiztheit geprägt ist</a> oder es gar zu selbstgefährdenden Verhaltensweisen wie sogenannten <em><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2020/11/03/verlaufen-vermisst-verstorben/">Hinlauftendenzen</a></em> kommt. </p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color">Medikamente als Krücken</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In der Praxis wird dem Verhalten von Menschen mit Demenz häufig mit Medikamenten begegnet, die darauf zielen die „Störung“ die Betroffene mit ihrem Tun verursachen zu begrenzen oder abzustellen. Menschen mit Demenz erhalten überdurchschnittlich häufig und lange sogenannte Psychopharmaka – auch, weil <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2020/12/11/pillen-statt-personal-die-pflege-von-menschen-mit-demenz-ist-nicht-ausreichend-durch-kompetentes-personal-abgesichert/">die Versorgung nicht durch ausreichend kompetentes Personal sichergestellt ist</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color">Krankenhäuser im Wandel der Demenz</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2020/01/27/die-mangelnde-abbildung-der-aufwaendigeren-demenzbetreuung-im-drg-system-stellt-ein-grosses-problem-dar/">Krankenhäuser haben ein Sonderproblem</a>, welche die Demographie in Deutschland mit sich bringt: <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2022/12/11/wie-gut-ich-das-kenne-liebe-regina-demenzversorgung-ist-nur-nice-to-have/">mehr alte Menschen bedeutet auch mehr alte Patienten mit Demenz</a>. Seit Jahren nehmen die entsprechenden Zahlen zu. <a href="https://www.dggeriatrie.de/spezialstationen-fuer-patienten-mit-kognitiver-einschraenkung">Doch nur wenige Krankenhäuser sind auf die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Demenz ausreichend vorbereitet. </a>Das hat den Effekt, dass Klinikaufenthalte für Betroffene risikoreich sind. Überdurchschnittlich oft erleiden <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2020/09/01/aus-der-spur-geraten-patient-mit-demenz-und-delir/">sie delirante Zustände</a>, haben ein erhöhtes Risiko nosokomialer Infektionen, das Mortalitätsrisiko ist für sie erhöht und häufig geht es für sie nicht mehr zurück nach Hause, <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2020/10/29/die-muss-ins-heim-wirklich/">sondern ins Pflegeheim</a>. </p>



<div class="wp-block-media-text has-media-on-the-right is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:auto 32%"><div class="wp-block-media-text__content">
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>&#8222;Die Herausforderung liegt vor allem daran, dass oftmals von vielen Seiten die Erwartungshaltung besteht, den Menschen mit Demenz und seinen Verhaltensweisen medikamentös „einzustellen“.</em></strong></p>
<cite> Pflegeexpertin Imane Henni Rached</cite></blockquote>
</div><figure class="wp-block-media-text__media"><img decoding="async" width="313" height="473" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/07/ImaneHenniRached.png" alt="" class="wp-image-1793 size-full" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/07/ImaneHenniRached.png 313w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/07/ImaneHenniRached-199x300.png 199w" sizes="(max-width: 313px) 100vw, 313px" /></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph">Der Personalmangel ist vor allen Dingen auch ein Zeitmangel – und Zeit ist es, was Patienten mit Demenz häufig in besonderem Maße erfordern, will man sie angemessen versorgen, behandeln, therapieren <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/06/19/betreuung-unter-druck/">und auch betreuen</a>. Ein weiteres Problem ist die Missinterpretation sogenannten herausfordernden Verhaltens. Allzu schnell wird jedes Problem, jede Äußerung und jede absonderliche Verhaltensweise schlicht „der Demenz“ zugeschrieben. Die dahinterstehenden Bedürfnisse werden nicht erkannt oder ignoriert, so dass unter Umständen lediglich reaktive Maßnahmen wie Medikamente zur Dämpfung zum Einsatz kommen.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color">Andere Wege gehen: verstehende Diagnostik</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Haus Alsenztal der Rheinhessen-Fachklinik Alzey geht man einen anderen Weg. Imane Henni Rached ist Pflegeexpertin APN (Advanced Practice Nurse) und Altenpflegerin und kann das erläutern:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Frau Henni Rached, können Sie auf eine Kurzformel bringen, was die wesentliche Verbesserung der verstehenden Diagnostik im Krankenhaus ist und welche Effekte sie hat?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Imane Henni Rached: </strong>Die wesentliche Verbesserung der <a href="https://www.landeskrankenhaus.de/media/Landeskrankenhaus/Landeskrankenhaus/Aktuelles/NeeDz-Interventionen.jpg">„verstehenden Diagnostik“</a> ist, dass wir im multiprofessionellen Team versuchen die Verhaltensweisen des Menschen mit Demenz zu verstehen. Dies geschieht dadurch, dass wir die Perspektive der Betroffenen einnehmen und uns fragen: „Warum verhält sich dieser Mensch in der bestimmten Art und Weise? Was ist sein Bedürfnis?“ Das ist manchmal eine richtige Detektivarbeit – im Endeffekt geht es immer um Versuch und Irrtum, besonders wenn PatientInnen ihre Bedürfnisse nicht mehr artikulieren können. Die Effekte sind ehrlicherweise ganz unterschiedlich, nicht immer lässt sich das Bedürfnis ausfindig machen. Letztendlich hat es einen großen Nutzen für die Betroffenen, wenn auf z.B. Grundbedürfnisse eingegangen werden kann. Wenn jemand motorisch unruhig ist, weil er oder sie zur Toilette muss, dann nützt ein Beruhigungsmittel leider nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust: </strong>Nun sind die Vorgehensweisen – Verhaltensweisen und Äußerungen von Menschen mit Demenz im individuellen Kontext zu betrachten &#8211;  nicht grundsätzlich neu, in der speziellen Pflege von Menschen mit Demenz teilweise seit vielen Jahren etabliert.<a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2020/02/05/es-ist-ein-unding-dass-es-keine-kriterien-dafuer-gibt/"> Sie in einem Krankenhaus zum Standard zu machen</a>, nochmal eine ganz andere Herausforderung – oder?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Imane Henni Rached: </strong>Das stimmt. Die Herausforderung liegt vor allem daran, dass oftmals von vielen Seiten die Erwartungshaltung besteht, den Menschen mit Demenz und seinen Verhaltensweisen medikamentös „einzustellen“. Wir bieten ein umfangreiches Schulungsprogramm für die MitarbeiterInnen an, haben unterschiedlichste psychosoziale Interventionen etabliert, haben auch durch Fallbesprechungen und Umsetzung von Dementia Care Mapping das Verhalten und vor allem die Reaktion von MmD auf Handlungen der MitarbeiterInnen näher unter die Lupe genommen und reflektiert. Trotz allem bleibt es ein immerwährender Prozess, die Mindset-Änderung geschieht nicht über Nacht und am Ende muss unsere Haltung und Behandlung von herausfordernden Verhaltensweisen auch in die Gesellschaft getragen und von dieser getragen werden. Es muss verstanden werden, dass Psychopharmaka nur das vermeintlich leichtere Mittel der Wahl sind, da Evidenzen gering und die Folgen für PatientInnen sehr hoch sind. Dazu stehe ich auch im Kontakt mit den Pflegeheimen und Angehörigen und<a href="https://www.landeskrankenhaus.de/media/Landeskrankenhaus/Landeskrankenhaus/Aktuelles/Needz_RFK.pdf"> lade zu meiner Pflegeexperten-Sprechstunde ein</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Um den Gründen für Verhaltensweisen, insbesondere bei der im Verlauf stark eingeschränkten verbalen Kommunikationsfähigkeit Betroffener, auf die Spur zu kommen, ist manchmal ein regelrechtes detektivisches Wissenwollen erforderlich. Nachforschen, ausprobieren, Fehler machen, erneut ausprobieren – wie kommt es, dass man sich bei der Rheinhessen-Fachklinik Alzey die Zeit dafür nimmt – obwohl es doch so sehr an Zeit mangelt überall im Gesundheitswesen?</p>


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<figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/07/HausAlsenztal-5-1024x548.jpg" alt="" class="wp-image-1800" style="width:532px;height:285px" width="532" height="285" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/07/HausAlsenztal-5-1024x548.jpg 1024w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/07/HausAlsenztal-5-300x161.jpg 300w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/07/HausAlsenztal-5-768x411.jpg 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/07/HausAlsenztal-5-1536x822.jpg 1536w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/07/HausAlsenztal-5-900x480.jpg 900w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/07/HausAlsenztal-5-1320x706.jpg 1320w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/07/HausAlsenztal-5.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 532px) 100vw, 532px" /></figure>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Imane Henni Rached: </strong>Unser NeeDz-Projekt, indem es um die Verstehende Diagnostik herausfordernden Verhaltens von Menschen mit Demenz in die Gerontopsychiatrie geht, wurde für 2 Jahre gefördert vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung. Dadurch war es möglich meine Stelle als Pflegeexpertin APN (Advanced Practice Nurse) zu schaffen, aber auch auf Station Voraussetzungen zu schaffen nicht-medikamentöse/psychosoziale Maßnahmen zu etablieren. Wir haben zum Beispiel einen Therapieraum geschaffen, indem es überhaupt möglich ist z.B. einen Menschen mit Demenz und psychomotorischer Unruhe in einer ruhigeren Umgebung mit beispielsweise beruhigender Musik und Aromatherapie zur Ruhe zu bringen. Das sind auch für die Pflegepersonen ganz andere Voraussetzungen mal eine pflege-therapeutische Intervention zu gestalten. Es war aber vor allem sehr wichtig, dass die MitarbeiterInnen verstehen, wie wichtig es ist, die Ursache für das Verhalten herauszufinden, oder zumindest alle Faktoren durchzugehen, um nichts zu übersehen. Häufig finden wir Infekte <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/05/02/schmerz-und-demenz/">oder Schmerzen</a>, die hinter den herausfordernden Verhaltensweisen stehen, oftmals sind es aber auch banale Dinge wir das Bedürfnis nach Wertschätzung, Anerkennung, Sinn und Beschäftigung. Ich denke dieser Ansatz ist einfach nur menschenwürdig, dass auf Bedürfnisse eingegangen wird und nicht mit Psychopharmaka sediert wird. Nichts anderes als das haben unsere alten Menschen verdient. Es bleibt aber auch bei uns stets eine Herausforderung, denn der Fachkräftemangel in der Pflege geht auch an uns nicht vorbei – doch wir bleiben dran!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust: </strong>Die Etablierung der verstehenden Diagnostik war sicher ein Prozess, der ebenfalls mit einigem Aufwand verbunden war. Als Demenzbeauftragter im Krankenhaus habe ich selbst erlebt, wie viele Widerstände zu überwinden sind, wie mühsam es sein kann Veränderungen in Abläufen und Strukturen herbeizuführen. Wie haben Sie das erlebt und haben Sie abschließend einen guten Rat oder einen <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2019/11/02/was-macht-eigentlich-ein-demenzbeauftragter-im-krankenhaus/">Tipp für Pflegefachleute, die in ihrem Krankenhaus ebenfalls Veränderungen für Patienten mit Demenz herbeiführen wollen</a>?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Imane Henni Rached: </strong>Widerstände zu überwinden ist nicht immer leicht, im Endeffekt braucht man einen langen Atem und Durchhaltevermögen. Doch wenn man selbst für eine Sache von Grund auf „brennt“ kann man meistens auch Andere begeistern. Ich würde mal behaupten, dass ein Großteil der Pflegepersonen in den Pflegeberuf gegangen ist, weil er oder sie Menschen helfen möchte und eine bestmögliche Patientenversorgung gewährleisten möchte. Die Bedingungen des Alltags, der Personalmangel, die politischen Finanzierungsgrundlagen, all das erschwert uns die tägliche Arbeit. Doch es bringt auch nichts auf nicht-funktionierende alte Strukturen zu beharren und „den Kopf in den Sand zu stecken“. Wenn man Veränderungen hervorbringen möchte muss man ins Tun kommen, die Wege dazu können ganz unterschiedlich sein, pflegepolitisch, beratend gegenüber KollegInnen und Angehörigen oder im 1:1-Kontakt am Patienten. Was gut tut ist Netzwerkarbeit, auch über Sektorengrenzen hinweg, Vernetzungen mit denjenigen, die auch für eine gute Patientenversorgung kämpfen, das baut Vorurteile ab und stärkt!<br></p>



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<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Fotos: v. Imane Henni Rached; Portrait und das Haus Alsenztal</p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Titelbild: iStock ID:587941910</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/07/18/pflegeexpertin-imane-henni-rached-verstehende-diagnostik-bei-demenz/">Pflegeexpertin Imane Henni Rached: verstehende Diagnostik bei Demenz</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de"></a>.</p>
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