Delir im Krankenhaus: was Angehörige brauchen

Ein Delir, häufig auch als akute Verwirrtheit bezeichnet, ist ein Zustand der durch eine vorübergehende Störung des Denkens, der Wahrnehmung und des Bewusstseins gekennzeichnet ist. Es tritt häufig plötzlich auf und entwickelt sich schnell über Stunden bis Tage. Delirien können bei Menschen jeden Alters auftreten, treten jedoch besonders häufig bei älteren Personen auf. Eine Demenz ist ein unabhängiger Prädikator für das Risiko, ein Delir zu erleiden. Auch hier auf der Webseite waren delirante Zustände schon Thema.

Die Perspektive der Angehörigen

Im Mabuse-Verlag ist das Buch „Angehörige von Patient:innen mit Delir im Krankenhaus“* erschienen. Autorin Sonja Freyer ist unter anderem Fachkraft für Psychiatrische Pflege und Pflegewissenschaftlerin. In der im Buch dargestellten Studie werden Erfahrungen, Belastungen und Bedürfnisse von Angehörigen von Patienten mit Delir untersucht und Empfehlungen für die Praxis gegeben.

Ein Buch mit wichtigem Inhalt für Umsetzer*innen

Das Buch richtet sich eindeutig an Fachleute in Krankenhäusern. Für diejenigen, die als Demenzbeauftragte tätig sind oder grundsätzlich Verbesserungen beim Thema Delir und Angehörigenarbeit erzielen wollen, ist es eine klare Leseempfehlung. Ein Teil des Buches ist in meinen Augen für diejenigen die direkt Verbesserungsprozesse einleiten und begleiten möchten, verzichtbar: ich bin sicher, dass die Seiten die das methodische Vorgehen innerhalb der Studie erläutern (etwa Seite 73 bis 117), von nicht wenigen Praktiker*innen übersprungen werden.

Von umso größerer Bedeutung dürfte für jene aber alle anderen Inhalte des Werks sein. Es wird alles geliefert für jene, die noch argumentative Grundlagen benötigen um einen angemessenen Angehörigeneinbezug in ihrem Krankenhaus zu schaffen – die Autorin hat sehr ausführlich recherchiert und stellt die Erkenntnisse sehr gut und nachvollziehbar dar was unter anderem deshalb wichtig ist, da es keine internationale Einigung darüber gibt wie das Belastungserleben Angehöriger im Zusammenhang am besten zu messen wäre (S. 148).

„Das System Krankenhaus sollte ein niedrigschwelliges Beratungsangebot für Angehörige schaffen, welches auch Möglichkeiten der Nachsorge durch Gesundheitsfachpersonen beinhaltet.“

S. Freyer in Angehörige von Patient:innen mit Delir im Krankenhaus*; S. 159; Mabuse; 1. Edition (27. Februar 2023); ‎ 193 Seiten

Im Ergebnisteil des Buches fasst Freyer die gewonnen Erkenntnisse zusammen. Insbesondere wird deutlich, wie sehr Angehörige von Delir-Betroffenen durch ihre Erfahrungen belastet werden und welche Faktoren und Vorerfahrungen hierfür eine Rolle spielen.

Zu diesen Empfehlungen gehört, dass sich Gesundheitsfachberufe über die Wirkung nonverbaler Signale bewusst sein sollten, die sie Angehörigen senden.  Gezielte Aufklärung und Information – Kommunikation und zugehende Beratung – gehören ebenfalls dazu. Pflegefachpersonen sollen dabei auch nicht die Wirkung kurzer Gespräche unterschätzen, die Entlastung für Angehörige deliranter Patienten bieten können.

Nicht nur Demenzbeauftragte in Krankenhäusern sollten dieses Buch kennen.

Jochen Gust

*Auf dieser Webseite / in einzelnen Artikeln sind bei einigen Links zu Produkten – Büchern z.B., sog. Amazon-Affiliate-Links gesetzt. Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen: für den Käufer ändert sich nicht, jedoch bekomme ich eine kleine Werbekostenerstattung.

Titelfoto: karolina-grabowska on pexels

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Jochen Gust

Pflegefachperson, Projektmitarbeiter, Demenzbeauftrager im Krankenhaus, Autor, Moderator, Dozent

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