Gefahr der finanziellen Ausbeutung: Menschen mit Demenz besonders gefährdet

Die ZQP-Analyse 2025 beleuchtet finanzielle Ausbeutung pflegebedürftiger Menschen aus Sicht von 1.006 pflegenden Angehörigen. Im Zentrum stehen Nähebeziehungen und professionelle Unterstützung – Cyberkriminalität wird ausdrücklich getrennt betrachtet. Insgesamt berichten 16 % der Befragten von mindestens einem Verdachtsfall finanziellen Missbrauchs in den letzten zwölf Monaten; bei Demenz liegt dieser Anteil signifikant höher (23 %) als ohne Demenz (14 %).

Im familiären und nachbarschaftlichen Umfeld nennen 8 % einen frischen Verdachtsfall (weitere 7 % länger zurückliegend). Genannt werden u. a. das An-sich-Bringen von Geld/Wertsachen (3 %), Manipulation zu Übertragungen (3 %), Unterschlagung bei Besorgungen (2 %) sowie das Vereinnahmen von Pflegegeld ohne Zustimmung (1 %). Häufig stammt der Verdacht von der pflegebedürftigen Person selbst (50 %) oder von Angehörigen (49 %). Auch Missbrauch von Vorsorge-/Bankvollmachten wird berichtet (3 % in den letzten zwölf Monaten).

Verdacht auf Leistungsbetrug – Cyberkriminalität und Geschenke nachrangig

Wo externe Dienste eingebunden sind, erinnern sich 12 % an Verdachtsfälle gegen professionelle Unterstützerinnen/Unterstützer im letzten Jahr. Konkret geht es etwa um abgerechnete, aber nicht (voll) erbrachte Leistungen (10 %), über die Wünsche hinausgehende Leistungen (4 %), unrechtmäßig an sich gebrachte Werte (2 %) oder das gezielte Beeinflussen zu Geschenken (1 %). Zusammengenommen nennt die Studie damit ein deutliches Risikobild für Menschen mit Demenz in Nähe- und Unterstützungssystemen.

Parallel zeigen die Befragten eine hohe Grundsorge: 90 % halten Pflegebedürftige allgemein für besonders gefährdet, finanziell geschädigt zu werden; 50 % sorgen sich konkret um die von ihnen betreute Person, bei Demenz 55 %. Zugleich brauchen viele Betroffene Hilfe bei Geldgeschäften: 57 % der Angehörigen unterstützen regelmäßig, derweil ein Teil der Pflegebedürftigen weiterhin über eigene Ressourcen verfügt.

Cyberkriminalität bleibt ein wichtiger, aber nachgeordneter Befund: 37 % berichten mindestens einen Fall von (versuchtem) Betrug/Trickdiebstahl durch Unbekannte.

Transparenz und finanzielle Selbstbestimmung

Finanzielle Ausbeutung spielt sich oft dort ab, wo Vertrauen herrscht – in Familie, Freundeskreis und professioneller Hilfe. Menschen mit Demenz sind dabei besonders vulnerabel. Prävention bedeutet deshalb, finanzielle Selbstbestimmung sensibel zu sichern, Zuständigkeiten transparent zu regeln (z. B. bei Vollmachten) und zugleich Angehörige zu entlasten und zu informieren; Cyberrisiken sollten mitgedacht, aber nicht isoliert behandelt werden.

Quelle: Eggert, S., & Teubner, C. (2025). Finanzielle Ausbeutung pflegebedürftiger Menschen und die Perspektive pflegender Angehöriger in Deutschland. Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP), Berlin. DOI: 10.71059/ATJI8885. ISSN (online): 3052-0231.

Möchten Sie über neue Artikel und Infos rund ums Thema Demenz informiert werden?

Abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter um nichts mehr zu verpassen.

Kein Spam! Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung.

Jochen Gust

Pflegefachperson, Projektmitarbeiter, Demenzbeauftrager im Krankenhaus, Autor, Moderator, Dozent

Related Posts

Neue Studie: Auch frühe Demenzen sind oft mit beeinflussbaren Risiken verbunden

Demenzen vor dem 65. Lebensjahr gelten oft als vor allem genetisch bedingt. Eine neue Auswertung mehrerer großer Kohortenstudien zeichnet jedoch ein anderes Bild: Auch bei frühen Demenzen spielen modifizierbare Risikofaktoren…

Continue reading
Schreien und Rufen bei Demenz: Beruhigen allein reicht nicht

Wenn Menschen mit Demenz anhaltend schreien oder rufen, ist das für alle Beteiligten eine Belastungsprobe. Angehörige geraten an ihre Grenzen, Pflegefachpersonen erleben Hilflosigkeit, und auch in Kliniken oder Pflegeheimen wird…

Continue reading

One thought on “Gefahr der finanziellen Ausbeutung: Menschen mit Demenz besonders gefährdet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

You Missed

Swen Staack über Demenzpolitik, Pflege und falsche Hoffnungen

Swen Staack über Demenzpolitik, Pflege und falsche Hoffnungen

Neue Studie: Auch frühe Demenzen sind oft mit beeinflussbaren Risiken verbunden

Neue Studie: Auch frühe Demenzen sind oft mit beeinflussbaren Risiken verbunden

Schreien und Rufen bei Demenz: Beruhigen allein reicht nicht

Schreien und Rufen bei Demenz: Beruhigen allein reicht nicht

Reaktanz bei Menschen mit Demenz: Wenn Hilfe als Druck erlebt wird

Reaktanz bei Menschen mit Demenz: Wenn Hilfe als Druck erlebt wird

Altersschwerhörigkeit: nicht nur ein Hörproblem

Altersschwerhörigkeit: nicht nur ein Hörproblem

Warum Demenzschulungen mit einer ehrlichen Standortbestimmung beginnen sollten

Warum Demenzschulungen mit einer ehrlichen Standortbestimmung beginnen sollten