Non-Compliance in Therapie und Reha: „….verweigert das therapeutische Setting.“

Eine Demenz bringt mit sich, dass Betroffene immer weniger große und komplexe Anpassungsleistungen erbringen können. Das ist insbesondere in Krankenhäusern ein Problem und daher auch Aufgabe von Demenzbeauftragten dazu beizutragen, dass die Institution sich anpasst statt darin zu verharren etwas zu erwarten, was nicht eintreten kann.

Outcomes, gerade in der Behandlung nach Akutversorgung – z.B. im Rahmen einer geriatrischen Rehabilitation, sind bei Patienten mit Demenz häufig nicht zufriedenstellend. Physio- und Ergotherapeuten z.B. berichten, dass die notwendigen Therapieeinheiten nicht wie erforderlich geleistet werden können. Das führt ggfs. zum frühzeitigen Abbruch der Rehamaßnahme, einer früheren Krankenhausentlassung („Weil es eh nichts bringt.“) oder von vornherein werden Rehaaufenthalte oder Rezepte für die Behandlung gar nicht erst genehmigt bzw. ausgestellt wegen angeblich mangelnder Therapiefähigkeit. Es wird quasi vorausgesetzt, dass der Patient mit Demenz nicht mitwirken wird und kann.

Man kann und muss trefflich über die Strukturen und Ressourcen eines Krankenhauses diskutieren im Hinblick auf die besonderen Bedürfnisse von Patienten mit Demenz. Wenn es um das Verhalten dieser Patientengruppe geht – um das Mitwirken oder Nicht-Mitwirken z.B. an Physio- oder Ergotherapie, ist es wesentlich die Gründe für das Verhalten zu suchen und zu finden. Eine meiner Aufgaben ist es immer wieder, mit Dritten – Pflegeteams, Ärzten, Angehörigen – auf diese Suche zu gehen. Kenne ich die Gründe für ein Verhalten, kann ich es im Zweifel nicht nur besser hinnehmen, sondern möglicherweise auch verändern. Die Herangehensweise zu verändern ist erfolgversprechender, als Druck auf die Betroffenen auszuüben. Patienten, die aufgrund ihrer Erkrankung mit Druck häufig nicht so umgehen, wie erwartet, wohlgemerkt.

Um Menschen zur Mitwirkung zu bewirkt Sog meist mehr als Druck. Demenzbeauftragte im Krankenhaus müssen ihre Teams darin stützen, nach dem Sog für die Mitwirkung zu suchen und Hemmnisse zu beseitigen. Gelingt das, sind die Chancen gut am Ende Compliance zu erreichen. Die Outcomes werden besser, der Stress für alle Beteiligten sinkt und ein Abbruch bzw. frühzeitige Aussteuerung wird vermieden. Welche Schritte in welchem Setting hierfür gegangen werden müssen: diesen Überblick müssen Sie sich als Demenzbeauftragte verschaffen um gemeinsam mit Ihrem Team einen realistischen Fahrplan für die Umsetzung zu entwickeln. Bei den Bemühungen, Mitarbeitenden einen „breiten Werkzeugkoffer“ in Sachen Demenz zur Verfügung zu stellen um bestmögliche Versorgung zu erzielen, darf „die Therapie“ nicht zum Stiefkind werden.

Jochen Gust

Titelfoto von Ron Lach on pexels

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Ein Kommentar

  1. Bei meiner Oma wurde auch einmal das Rezept für die Behandlung nicht genehmigt. Sie konnte dann nicht zur Reha gehen, die sie wirklich gebracht hat. Aber zum Glück geht es ihr jetzt besser und wir kümmern uns, dass mein Opa seine Demenz behandelt wird.

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