Desorientierung: mehr als nicht von A nach B kommen

Demenzerkrankungen werden häufig generalisiert mit Vergesslichkeit erklärt. Vielleicht weil das Gedächtnis – wenn es denn nicht mehr wie gewohnt funktioniert, als erstes auch der Umgebung auffällt. Absprachen und Termine werden vergessen – das bekommt die Umgebung mit. Kompensationsstrategien die Betroffene entwickeln können anfangs noch helfen, reichen aber irgendwann nicht mehr aus. Eine Demenzerkrankung bedeutet aber weit mehr, als die Nachteile zunehmender Vergesslichkeit zu erleben.

Desorientierung und Demenz

Verschiedene kognitive Fähigkeiten und Prozesse können im Rahmen einer Demenz beeinträchtigt werden. Es ist dabei wichtig zu beachten und zu verstehen, dass Demenzen keine „Gleichmacher“ sind. Fähigkeitseinschränkungen oder Schwierigkeiten die Betroffene haben, sind unterschiedlich ausgeprägt, können zu unterschiedlichen Zeitpunkten manifest werden und sich auf ganz verschiedene Weise zeigen – oder gar nicht.

Aufgrund einer Nachfrage hier einige Beispiel zum Thema Orientierung bzw. Desorientierung. Diese sind hier nicht abschließend (vollständig). Vielmehr soll damit an dieser Stelle aufgezeigt werden, wie eine Demenz auf die dargestellten Orientierungsqualitäten wirken kann und welche Folgen ggfs. damit verbunden sind.

Verstehen hat Wirkung

Diese Beispiele zeigen: Vorträge und Schulungen sollten das Thema Orientierung aufgreifen, aber keinesfalls auf ein umherirren / verlaufen reduzieren. Schon deshalb nicht, weil in der Versorgung eine Menge getan werden kann, um Menschen mit Demenz bei der Orientierung zu jeder Qualität zu unterstützen. Dies kann von einer situations- und fähigkeitsfördernden Ansprache bis hin zur Ausstattung der Umgebung mit entsprechender Beschilderung, Kontrastfarben, der Vermeidung von Veränderungen in der Wohnumgebung bis hin zur Nutzung von Technologie ganz verschiedene Aspekte umfassen. Welche Unterstützungsmaßnahmen wann bei wem greifen und sinnvoll sind, bleibt eine der spannenden Antworten, die Pflege und Betreuung bieten kann.

Jochen Gust

Möchten Sie über neue Artikel und Infos rund ums Thema Demenz informiert werden?

Abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter um nichts mehr zu verpassen.

Kein Spam! Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung.

Jochen Gust

Pflegefachperson, Projektmitarbeiter, Demenzbeauftrager im Krankenhaus, Autor, Moderator, Dozent

Related Posts

Warum Sie Krankenhauseinweisungen bei Demenz gut abwägen sollten

Ein Krankenhausaufenthalt kann für Menschen mit Demenz medizinisch notwendig sein. Gleichzeitig ist er oft mit erheblichen Risiken verbunden. Genau das macht die Entscheidung so schwierig. Denn das Akutkrankenhaus ist vor…

Continue reading
Empathisch leiden lassen: Warum Menschen mit Demenz mehr brauchen als Verständnis

Wer mit Menschen mit Demenz arbeitet oder lebt, hört heute oft Sätze wie diese: Man müsse mehr mitfühlen. Man müsse verstehen, dass Verhalten Ausdruck von Not ist. Man brauche die…

Continue reading

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

You Missed

Warum Sie Krankenhauseinweisungen bei Demenz gut abwägen sollten

Warum Sie Krankenhauseinweisungen bei Demenz gut abwägen sollten

Empathisch leiden lassen: Warum Menschen mit Demenz mehr brauchen als Verständnis

Empathisch leiden lassen: Warum Menschen mit Demenz mehr brauchen als Verständnis

Gegeben, aber nicht genommen: der stille Medikationsfehler

Gegeben, aber nicht genommen: der stille Medikationsfehler

Neuer Alzheimer-Bluttest: Kann man damit den Krankheitsbeginn vorhersagen?

Neuer Alzheimer-Bluttest: Kann man damit den Krankheitsbeginn vorhersagen?

Enkel betreuen scheint gut fürs Gehirn zu sein

Enkel betreuen scheint gut fürs Gehirn zu sein

Verhalten verstehen und handhaben – wie geht man sachlich und kriteriumsgeleitet vor?

Verhalten verstehen und handhaben – wie geht man sachlich und kriteriumsgeleitet vor?