Virtuelle Fahrradtouren – Spaß und Bewegung trotz Demenz und Mobilitätseinschränkungen?

Bewegung ist gesund viele Menschen schätzen zudem das gefühl, unterwegs zu sein. Radfahren ist für Menschen in Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern häufig nicht möglich. Sei es, weil Radtouren nicht organisierbar sind oder Einschränkungen in der Kognition oder Mobilität dies nicht mehr hergeben.

Geradelt ist (fast) jeder mal

Ein Vorteil des Radfahrens auch für ältere Menschen mit Versorgungsbedarf ist, dass sie in der Regel Erfahrung damit haben. „Radfahren verlernt man nicht.“, sagt der Volksmund. Und da ist was dran – fast jeder Mensch kann im Gespräch Erinnerungen zum Thema Fahrradfahren beisteuern, auch wenn er selbst lange nicht mehr gefahren ist.

Vorbereitung einer virtuellen Radtour im Bernhard-Salzmann-Haus Meschede.

In Möglichkeiten denken, Möglichkeiten schaffen

In Deutschland gibt es in vielen Regionen Ableger der Initiative Radeln ohne Alter. Ehrenamtliche Rikschapiloten ermöglichen es Menschen mit Pflegebedarf, an einer Radtour teilzuhaben. Eine tolle Sache.

Einen anderen Weg bietet die Firma Bike Labyrinth. Deren Gerät bietet Radtouren an Ort und Stelle an. Nutzende treten dabei in die Pedale wie bei einem Hometrainer, während ihnen auf dem Bildschirm die Tour angezeigt wird. Hört die Person auf in die Pedale zu treten, stoppt auch die Tour auf dem Bildschirm. Umgebungsgeräusche sowie die Möglichkeit den eigenen Wunschweg innerhalb einer Tour per Knopf am Lenker zu wählen, sollen zum Weiterfahren und -erkunden motivieren. Mehre hundert Touren sind möglich, von leicht bis anspruchsvoll(er) in den verschiedensten Regionen und Orten. Auch haben Nutzer die Möglichkeit eigene Touren hinzuzufügen, die sie selbst gefilmt haben. Im Bernhard-Salzmann-Haus in Meschede steht so ein System. Es ermöglicht Heimbewohnern und Tagespflegegästen Fahrradausflüge, ohne die Einrichtung zu verlassen. Wie das realisiert wurde und ob das ankommt erfahren Sie hier im Video.

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Mehr Informationen

Vielleicht ist das auch eine Möglichkeit für Ihre Einrichtung – und motiviert Patienten Ihrer Geriatrie im Sequenzraum zu mehr Muskeltraining? Da ein solches System mit mehreren tausend Euro zu buche schlägt, sind die Hinweise zur Finanzierung im Video wertvoll. Weitere finden Sie hier. Gelegenheit zur Bewegung, die Möglichkeiten irgendwo Kraft zu lassen und zu trainieren fehlen häufig in Gesundheitseinrichtungen. Virtuelle Radtouren zu erleben scheinen die Motivation zu steigern – was kaum verwundern kann. Wer jemals einen Hometrainer sein eigenen nannte weiß, dass zum Training meist der Fernseher oder das Radio, Musik oder ein Hörbuch lief. Wenn Heimbewohner oder Krankenhauspatienten bekannte Orte erradeln können und zudem Gespräche angeregt werden, verstärkt das den Nutzen zusätzlich.

Jochen Gust

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Jochen Gust

Pflegefachperson, Projektmitarbeiter, Demenzbeauftrager im Krankenhaus, Autor, Moderator, Dozent

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