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	<title>altenpflege Archive - Demenz im Krankenhaus</title>
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		<title>Schreien und Rufen bei Demenz: Beruhigen allein reicht nicht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Apr 2026 08:59:15 +0000</pubDate>
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<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/04/05/schreien-und-rufen-bei-demenz-beruhigen-allein-reicht-nicht/">Schreien und Rufen bei Demenz: Beruhigen allein reicht nicht</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn Menschen mit Demenz anhaltend schreien oder rufen, ist das für alle Beteiligten eine Belastungsprobe. Angehörige geraten an ihre Grenzen, Pflegefachpersonen erleben Hilflosigkeit, und auch in Kliniken oder Pflegeheimen wird das Phänomen schnell als massive Störung erlebt. Gerade darin liegt ein Teil des Problems: Das Verhalten erzeugt Druck. Möglichst schnell soll wieder Ruhe einkehren. Doch wer Schreien und Rufen nur als Lärm oder gar als bloßes Fehlverhalten versteht, übersieht oft, worum es eigentlich geht und schränkt die eigenen Handlungsoptionen ein.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Denn anhaltendes Schreien ist ein hochbelastendes Dauersignal. Es kann Ausdruck von Not, Überforderung, Schmerz, Angst, Stress, innerer Unruhe oder misslingender Kommunikation sein. In der Fachliteratur wird dieses Verhalten meist unter Begriffen wie „persistent vocalizations“ oder „disruptive vocalizations“ beschrieben. Zugleich zeigt die Forschung: Die Studienlage ist begrenzt und uneinheitlich, gerade deshalb ist im Alltag ein systematisches pflegefachliches Vorgehen so wichtig.</p>



<figure class="wp-block-video"><video height="720" style="aspect-ratio: 1280 / 720;" width="1280" controls src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/04/SchreienKurzSketchFinal.mp4"></video><figcaption class="wp-element-caption"><a href="https://www.youtube.com/channel/UCBkAPMP0XeRVcd9TA2WlY-w">Weitere kurze, informative Filme zum Thema Demenz finden Sie auf dem Youtubekanal: Demenz: Aufmerksam gemacht. </a></figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Nicht nur Lärm, sondern ein Signal</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Schreien und Rufen ist bei Demenz nicht automatisch absichtsvoll, aggressiv oder „charakterbedingt“. Es kann zwar auch mit der Hirndegeneration selbst zusammenhängen, etwa als Teil neuropsychiatrischer Symptome. Fachlich wäre es aber zu kurz gegriffen, das Verhalten allein darauf zu reduzieren. Häufig ist es sinnvoller, von einem Zusammenspiel aus Hirnveränderungen, körperlichen Belastungen, Umweltreizen, Interaktion und unbefriedigten Bedürfnissen auszugehen. Genau deshalb lohnt es sich, hinter das Verhalten zu schauen, statt nur gegen das Symptom anzukämpfen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Hilfreich ist ein Perspektivwechsel: Nicht sofort fragen „Wie kriegen wir das weg?“, sondern zuerst „Was könnte hier gerade dahinterstecken?“ Diese Frage löst nicht alles. Aber sie schützt davor, vorschnell nur das Symptom zum Schweigen zu bringen.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<div style="background:#dff1fb; padding:18px 20px; border-radius:8px; font-size:18px; line-height:1.6; color:#1f2d3d;">
  Schreien und Rufen lässt sich nicht immer vollständig beenden. Aber oft lässt sich die Situation besser verstehen, eingrenzen oder abschwächen. Dafür braucht es ein gemeinsames Vorgehen. Angehörige sollten nicht mit dem Eindruck alleinbleiben, sie hätten einfach „nicht genug beruhigt“. Pflegefachpersonen wiederum brauchen Rückhalt dafür, dass systematische Beobachtung und kleinschrittiges Ausprobieren keine Nebensache, sondern Kern der Versorgung sind.
</div>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Anhaltendes Schreien und Rufen bei Demenz ist so belastend, weil es fast nie nur Lärm ist. Es ist meist ein Signal für Not, Überforderung oder misslingende Kommunikation und trifft zugleich auf ein Versorgungssystem, in dem genau die nötige intensive Ursachenarbeit oft schwer umzusetzen ist. Gerade deshalb braucht es mehr als Beruhigen. Es braucht Beobachtung, Geduld, Dokumentation und den Mut, auch kleine Hinweise ernst zu nehmen. Weitere Informationen finden Sie in anderen Artikeln zum <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/01/27/schreien-und-rufen-als-extremphaenomen/">Thema Schreien und Rufen</a> auf dieser Webseite. Ein <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2021/06/06/verhalten-im-grenzbereich-schreien-und-rufen-bei-demenz/">Interview mit einem Experten </a>finden Sie hier. </p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">(Amazon Affiliate-Link): <a href="https://amzn.to/4meL4Np">Eine etwas umfangreichere Beschreibung des Phänomens und mögliche Lösungsschritte für die Pflege finden Sie in dieser Praxishilfe</a> (Amazon-Affiliate-Link). </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/04/05/schreien-und-rufen-bei-demenz-beruhigen-allein-reicht-nicht/">Schreien und Rufen bei Demenz: Beruhigen allein reicht nicht</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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		<title>Reaktanz bei Menschen mit Demenz: Wenn Hilfe als Druck erlebt wird</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/04/01/reaktanz-bei-menschen-mit-demenz-wenn-hilfe-als-druck-erlebt-wird/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Apr 2026 08:14:27 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Pflegefachpersonen kennen solche Situationen: Ein Mensch mit Demenz zieht bei der Körperpflege die Decke hoch, dreht den Kopf weg oder sagt entschieden: „Lassen Sie mich in Ruhe.“ Beim Essen wird&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/04/01/reaktanz-bei-menschen-mit-demenz-wenn-hilfe-als-druck-erlebt-wird/">Reaktanz bei Menschen mit Demenz: Wenn Hilfe als Druck erlebt wird</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Pflegefachpersonen kennen solche Situationen: Ein Mensch mit Demenz zieht bei der Körperpflege die Decke hoch, dreht den Kopf weg oder sagt entschieden: „Lassen Sie mich in Ruhe.“ Beim Essen wird der Löffel abgewehrt, beim Aufstehen die Hand zurückgezogen, beim Wechseln von Inkontinenzmaterial steigt plötzlich die Spannung. Schnell entsteht dann der Eindruck, jemand „mache nicht mit“ oder sei „schwierig“.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Oft steckt dahinter Reaktanz: ein verständlicher innerer Widerstand gegen erlebten Druck, Fremdbestimmung oder Überrumpelung. Gerade bei Menschen mit Demenz ist dieses Thema im Pflegealltag zentral. Denn gute Pflege muss nicht nur fachlich richtig sein. Sie muss auch so gestaltet werden, dass ein Mensch sich nicht ausgeliefert fühlt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine kompakte Information bietet dieser Film:</p>



<figure class="wp-block-video"><video height="720" style="aspect-ratio: 1280 / 720;" width="1280" controls src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/04/ReaktanzFinal.mp4"></video><figcaption class="wp-element-caption"><a href="https://www.youtube.com/watch?v=J7IMldNCI08">Diesen und weitere Info-Filme zum Thema Demenz können Sie auch über Youtube anschauen.</a></figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Was Reaktanz bedeutet</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Reaktanz ist Widerstand, der entsteht, wenn Menschen sich gedrängt oder in ihrer Selbstbestimmung eingeschränkt fühlen. Einfach gesagt: Wenn jemand den Eindruck hat, „ich soll hier zu etwas gebracht werden“, kommt oft eine Gegenreaktion. Man will dann gerade nicht tun, was verlangt, empfohlen oder durchgesetzt wird.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Psychologisch ist das gut nachvollziehbar. Menschen haben ein Grundbedürfnis nach Selbstbestimmung, Kontrolle und eigener Entscheidung. Sobald dieses Gefühl bedroht ist, entsteht innerer Widerstand. Dieser richtet sich oft nicht einmal gegen die Sache selbst, sondern gegen die Art, wie sie vermittelt oder durchgesetzt wird.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Je stärker der Druck, desto größer oft die Reaktanz.</strong></p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum Reaktanz bei Menschen mit Demenz besonders wichtig ist</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Menschen mit Demenz erleben den Alltag häufig als unsicher, verwirrend oder schwer durchschaubar. Vieles ist unklar, manches fremd, manches beängstigend. Umso wichtiger wird das Gefühl, wenigstens über den eigenen Körper, den eigenen Abstand oder den aktuellen Moment <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/02/08/unterstuetzen-statt-uebernehmen/">noch mitentscheiden zu können.</a></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn dann jemand schnell, bestimmt, korrigierend oder ohne ausreichende Anbahnung auftritt, kann das leicht als Übergriff erlebt werden. Die betroffene Person kann ihr Unbehagen oft nicht mehr differenziert erklären. Stattdessen zeigt sich der Widerstand über Verhalten.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Reaktanz zeigt sich im pflegerischen Alltag besonders häufig in Situationen, die körpernah, schambesetzt oder mit Zeitdruck verbunden sind. Dazu gehören vor allem die Körperpflege, das Anreichen von Essen und Trinken, das Aufstehen oder Umsetzen, die Medikamentengabe, das Wechseln von Inkontinenzmaterial oder Maßnahmen, die gegen den erkennbaren Willen der Person „durchgesetzt“ werden sollen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade dort, wo Nähe, Tempo und Fremdbestimmung zusammenkommen, steigt das Risiko für Widerstand.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Nicht jede Ablehnung ist Reaktanz</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">So wichtig das Konzept ist: Nicht jede Ablehnung bei Demenz ist automatisch Reaktanz. Hinter Abwehr können auch Schmerzen, Angst, Scham, Kälte, Überforderung, Missverständnisse, Hörprobleme, eine ungünstige Tagesform oder eine depressive Stimmung stehen. Auch Hunger, Durst, Müdigkeit, eine ungewohnte Pflegeperson oder eine zu laute Umgebung können eine Rolle spielen.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="background:#dff3ff; border-left:6px solid #5aa9d6; padding:18px 20px; margin:20px 0; border-radius:8px; font-size:18px; line-height:1.6; color:#1f2d3d;">
  <p style="margin:0 0 12px 0;">
    Reaktanz ist deshalb nicht vorschnell eine Erklärung, sondern eher ein Hinweis: Die Person erlebt gerade etwas als zu viel, zu nah, zu schnell oder zu fremdbestimmt.
  </p>
  <p style="margin:0;">
    Für Pflegefachpersonen ist genau das entscheidend. Sie sollten Widerstand nicht vorschnell als „schwieriges Verhalten“ bewerten, sondern als Signal verstehen, dass die Situation anders gestaltet werden muss.
  </p>
</div>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Was Pflegefachpersonen besser nicht tun sollten</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn Reaktanz sichtbar wird, verschärft sich die Lage häufig durch gut gemeinte, aber ungünstige Reaktionen. Dazu gehören vor allem Drängen, Diskutieren, Korrigieren, mehrfaches Auffordern in kurzer Folge oder das Weitermachen gegen erkennbaren Widerstand.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch Sätze wie „Sie müssen jetzt“, „Stellen Sie sich nicht so an“ oder „Das haben wir doch eben erklärt“ erhöhen meist den Druck. Gleiches gilt, wenn Zeitnot sichtbar gemacht wird oder die betroffene Person vor anderen korrigiert wird.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Je deutlicher die Person das Gefühl bekommt, dass über sie hinweg entschieden wird, desto größer wird oft die Gegenreaktion.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was stattdessen sofort hilfreich sein kann</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">In akuten Situationen ist nicht die perfekte Erklärung entscheidend, sondern ein ruhiger, klarer und entlastender Umgang.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Hilfreich ist zunächst, kurz innezuhalten. Nicht sofort weiterarbeiten. Abstand und Tempo prüfen. Blickkontakt suchen, ohne zu bedrängen. Die Situation mit einem einfachen Satz entschärfen. Und, wenn möglich, eine kleine Wahlmöglichkeit anbieten.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Zum Beispiel:<br>„Ich mache langsam.“<br>„Sie entscheiden mit.“<br>„Wir können kurz warten.“<br>„Möchten Sie erst das Gesicht oder erst die Hände waschen?“<br>„Ich sehe, dass Ihnen das gerade unangenehm ist.“</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Solche Sätze wirken nicht deshalb, weil sie besonders raffiniert sind. Sie wirken, weil sie (das Gefühl von) Kontrolle zurückgeben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Erst Beziehung, dann Handlung</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine der wichtigsten pflegerischen Regeln im Umgang mit Reaktanz lautet: Erst Beziehung, dann Handlung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das heißt konkret: nicht einfach anfangen, sondern erst ankommen. Mit Namen ansprechen. Sich bemerkbar machen. Die Situation knapp erklären. Nur einen Schritt auf einmal ankündigen. Den Menschen nicht sofort anfassen. Und auf Mimik, Körperspannung und Unruhe früh achten.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Viele eskalierende Situationen entstehen nicht, weil eine Maßnahme grundsätzlich unmöglich wäre, sondern weil der Einstieg misslingt. Pflege gelingt häufig besser, wenn sie angebahnt statt befohlen wird. Wie viele andere Dinge übrigens auch &#8211; nicht nur bei Menschen mit Demenz.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/04/01/reaktanz-bei-menschen-mit-demenz-wenn-hilfe-als-druck-erlebt-wird/">Reaktanz bei Menschen mit Demenz: Wenn Hilfe als Druck erlebt wird</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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		<title>Warum Sie Krankenhauseinweisungen bei Demenz gut abwägen sollten</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/03/14/warum-sie-krankenhauseinweisungen-abwaegen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 14 Mar 2026 11:49:30 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Krankenhausaufenthalt kann für Menschen mit Demenz medizinisch notwendig sein. Gleichzeitig ist er oft mit erheblichen Risiken verbunden. Genau das macht die Entscheidung so schwierig. Denn das Akutkrankenhaus ist vor&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/03/14/warum-sie-krankenhauseinweisungen-abwaegen/">Warum Sie Krankenhauseinweisungen bei Demenz gut abwägen sollten</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Krankenhausaufenthalt kann für Menschen mit Demenz medizinisch notwendig sein. Gleichzeitig ist er oft mit erheblichen Risiken verbunden. Genau das macht die Entscheidung so schwierig. Denn das Akutkrankenhaus ist vor allem für Diagnostik, Überwachung, Eingriffe und schnelle Abläufe gebaut – nicht für Orientierung, Beziehungskontinuität und langsame alltagsnahe Stabilisierung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für Menschen mit Demenz beginnt die Belastung oft schon mit dem Ortswechsel. Vertraute Personen, Routinen und Orientierungspunkte fallen plötzlich weg. Was für andere nur eine Verlegung ist, kann bei Demenz massiven Stress auslösen: Angst, Unruhe, Abwehr,<a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/01/05/die-pflege-von-menschen-mit-demenz-ist-auch-nachts-eine-herausforderung/"> Schlafstörungen</a>, <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/01/18/mangel-und-unterernaehrung-bei-menschen-mit-demenz-ursachen-folgen-und-massnahmen/">Nahrungs- und Trinkprobleme</a> oder Rückzug, um nur einige zu nennen. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Hinzu <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/08/19/delir-im-krankenhaus-warum-menschen-mit-demenz-besonders-gefaehrdet-sind/">kommt das hohe Delirrisiko</a>. Eine Demenz ist ein unabhängiger <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/01/10/s3-leitlinie-delir-im-hoeheren-lebensalter-was-ist-neu/">Prädikator für ein erhöhtes Delirrisiko</a>. Schmerzen, Infekte, Schlafmangel, Exsikkose, <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/02/28/gegeben-aber-nicht-genommen-der-stille-medikationsfehler/">Medikamente</a> und die ungewohnte Umgebung können rasch zu einer akuten Verschlechterung von Aufmerksamkeit, Denken und Verhalten führen. Auch Stürze, Funktionsverlust und <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/02/11/verhalten-verstehen-und-handhaben/">weitere Komplikationen</a> werden wahrscheinlicher. Viele Betroffene kommen deshalb in den Augen von Angehörigen oder den Kolleginnen und Kollegen der ambulanten Versorgung schlechter zurück, als sie eingewiesen wurden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum man Probleme nicht einfach an die Klinik abgeben kann</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Es ist zu einfach, <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/01/17/unsichtbarer-mehraufwand-demenz-ist-im-krankenhaus-auch-ein-steuerungsproblem/">schwierige Situationen einfach an das Krankenhaus weiterzureichen</a> und zu erwarten, dass dort alles gelöst wird. Kliniken können akute medizinische Probleme behandeln. Sie können aber fehlende Vorausplanung, unklare Behandlungsziele, ungeklärte Zuständigkeiten oder uneinige Angehörige nicht einfach ersetzen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade bei Demenz prallen hier oft zwei Logiken aufeinander: Akutmedizin auf der einen Seite, demenzgerechte Versorgung auf der anderen. Was medizinisch machbar ist, ist nicht automatisch sinnvoll, verhältnismäßig oder lebensqualitätsfördernd.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vor der Einweisung muss die eigentliche Frage klar sein</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nicht jede Krise ist automatisch eine Klinikkrise. Gerade bei fortgeschrittener Demenz braucht es eine bewusste Abwägung von Nutzen, Belastung und realistischer Zielsetzung – nicht nur eine schnelle Reaktion auf Unsicherheit oder Druck. Mehr dazu in diesem kurzen Film. </p>



<figure class="wp-block-video"><video height="720" style="aspect-ratio: 1280 / 720;" width="1280" controls src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/03/KHvermeidenFinal.mp4"></video><figcaption class="wp-element-caption"><a href="https://www.youtube.com/watch?v=y3d7IfwZuEM">Das Video finden Sie auch auf Youtube. </a></figcaption></figure>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Pflegefachpersonen spielen in dieser Abwägung eine wichtige Rolle. Sie beobachten Veränderungen oft zuerst, schätzen Risiken mit ein, bringen Alternativen vor Ort ins Gespräch und helfen, Entscheidungen fachlich nachvollziehbar zu machen. Leitfragen können dabei helfen, in Akutsituationen strukturierter zu prüfen, statt reflexhaft einzuweisen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Am Ende geht es nicht darum, jede Einweisung zu verhindern. Es geht darum, unnötige und belastende Einweisungsautomatismen zu vermeiden – und nur dann einzuweisen, wenn ein klares, realistisches und patientenzentriertes Ziel dahintersteht. Das ist meiner Erfahrung nach leider durchaus nicht immer der Fall. </p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/03/14/warum-sie-krankenhauseinweisungen-abwaegen/">Warum Sie Krankenhauseinweisungen bei Demenz gut abwägen sollten</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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		<item>
		<title>Verhalten verstehen und handhaben – wie geht man sachlich und kriteriumsgeleitet vor?</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/02/11/verhalten-verstehen-und-handhaben/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Feb 2026 17:25:26 +0000</pubDate>
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<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/02/11/verhalten-verstehen-und-handhaben/">Verhalten verstehen und handhaben – wie geht man sachlich und kriteriumsgeleitet vor?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">In Klinik, ambulanter Versorgung und Pflegeheimen begegnet Ihnen Verhalten, das als seltsam, auch als „abnorm“ oder „herausfordernd“ erlebt wird: Unruhe, Abwehr, Rufen, Aggression, Weglaufdrang, Misstrauen, Mitmachen verweigern, Entkleiden, dauerndes Klingeln, Fixiertsein auf ein Thema. Die entscheidende Frage ist selten: &#8222;Wie kriege ich das weg?&#8220; – sondern: &#8222;Was will mir dieses Verhalten sagen, und was braucht die Person jetzt, damit sich die Situation normalisiert?&#8220;. Da der Pflegealltag vielerorts häufig von Zeitdruck geprägt ist, braucht es griffige, einprägsame Methoden. Schritte, die auch unter Druck gelingen sind wichtiger als der gute Rat: &#8222;Setzen Sie sich doch mal ne halbe Stunde zum Betroffenen.&#8220; &#8211; weil man &#8222;die halbe Stunde&#8220; im normalen Dienst einfach meist nicht hat. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Herausforderndes Verhalten wirkt im Moment oft wie ein persönlicher Angriff oder wie „reine Unkooperativität“. Im Alltag hilft es, den emotionalen Impuls kurz zu parken und in einen strukturierten Modus zu wechseln: erst beobachten, dann prüfen, dann handeln – und das Ganze so dokumentieren, dass es in Übergabe, Visite und Verlegungsbericht sofort nutzbar ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Drei Merksätze, die Sie durch fast jede Situation tragen</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/02/zwischenbild1-1-scaled.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="538" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/02/zwischenbild1-1-1024x538.jpg" alt="" class="wp-image-3443" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/02/zwischenbild1-1-1024x538.jpg 1024w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/02/zwischenbild1-1-300x158.jpg 300w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/02/zwischenbild1-1-768x403.jpg 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/02/zwischenbild1-1-1536x806.jpg 1536w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/02/zwischenbild1-1-2048x1075.jpg 2048w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/02/zwischenbild1-1-1320x693.jpg 1320w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Der einfache 5-Schritt-Algorithmus: STOPP – PRÜFEN – EINORDNEN – HANDELN – DOKUMENTIEREN</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">STOPP: Sichern Sie in den ersten 20 Sekunden Beziehung und Sicherheit, indem Sie Tempo rausnehmen (Merksatz: Langsam werden, um schneller zu werden). Halten Sie ggfs. Abstand, bleiben Sie offen in der Körperhaltung, <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2022/03/19/stay-focused-kontakt-und-kommunikationsverhalten-verbessern/">sprechen Sie ruhig und in kurzen Sätzen</a>, reduzieren Sie nötigenfalls Reize (Licht, Lärm, Personenanzahl) und bieten Sie echte Wahlmöglichkeiten an (zwei akzeptable Optionen). Wenn möglich, spricht nur eine Bezugsperson. Mini-Sätze, die fast immer tragen: „Ich sehe, das ist gerade zu viel. Ich bleibe bei Ihnen.“ / „Wir machen erst eine kurze Pause. Dann schauen wir gemeinsam weiter.“ / „Sie müssen das nicht jetzt. Wollen Sie erst sitzen oder erst trinken?“</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">PRÜFEN: Wechseln Sie direkt in den „Körper zuerst“-Schnellcheck, vor allem wenn das Verhalten plötzlich kippt (Merksatz: <strong>Wenn Verhalten plötzlich kippt, ist es oft Körper</strong>) und nicht auf den ersten Blick eine in Frage kommende Ursache wahrscheinlich ist. Prüfen Sie je nach Setting systematisch Schmerz (auch „stumm“: Mimik, Schonhaltung, Abwehr bei Berührung), Harndrang/Obstipation/Übelkeit, Atemnot/Hypoxie, Fieber/Infekt/Dehydratation, Hypo-/Hyperglykämie und Blutdruckentgleisung, Nebenwirkungen/Interaktionen (neue Medikamente, Dosisänderungen, Sedierung), Sinnesprobleme (Brille/Hörgerät fehlt, Blendung, Dunkelheit) sowie Entzug (Nikotin, Alkohol, Benzodiazepine) und Schlafmangel. Pragmatischer Merksatz: Wenn Sie keinen Auslöser finden: Abstimmung mit Team / Arzt und: behandeln Sie zuerst das Naheliegende, das gefährlich ist oder zu werden droht.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">EINORDNEN: Trennen Sie konsequent Fakten von Deutung (Merksatz: Fakt ist messbar. Deutung ist eine Hypothese). Beschreiben Sie konkret, was passiert (was, wie lange, wie oft, in welcher Situation, mit welchen Worten) und markieren Sie erst danach Ihre Vermutung als Hypothese, statt sie als Eigenschaft der Person zu formulieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Drei robuste Interventionsblöcke, die fast immer helfen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">A) Orientierung und Kontrolle zurückgeben</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">ankündigen, erklären, in kleine Schritte zerlegen</li>



<li class="has-medium-font-size">Zustimmung aktiv einholen (auch nonverbal)</li>



<li class="has-medium-font-size">Optionen: „Jetzt oder in 10 Minuten?“ – „Links oder rechts?“</li>
</ul>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">B) Reiz und Tempo anpassen</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Umgebung beruhigen, Personenzahl reduzieren</li>



<li class="has-medium-font-size">Pausen einbauen, Tätigkeiten verkürzen</li>



<li class="has-medium-font-size">bekannte Routinen nutzen (gleiche Reihenfolge, gleiche Worte)</li>
</ul>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">C) Beziehung und Würde schützen</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">nicht diskutieren, nicht belehren, nicht „gewinnen“</li>



<li class="has-medium-font-size">bei Abwehr: „Rückzug statt Druck“</li>



<li class="has-medium-font-size">bei Angst: „Sicherheitssätze“ wiederholen, nicht argumentieren</li>
</ul>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn Gefahr im Verzug ist:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Teamruf, klare Rollen, Schutz vor Verletzungen</li>



<li class="has-medium-font-size">medizinische Abklärung priorisieren (z. B. akutes Delir, Hypoxie, Hypoglykämie)</li>



<li class="has-medium-font-size">freiheitsentziehende Maßnahmen sind Hochrisiko: immer verhältnismäßig, begründet, so kurz wie möglich, sauber dokumentiert und nach Hausstandard/gesetzlichen Vorgaben</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Dokumentieren: Kurz, standardisiert, übergabefähig</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Merksatz: Dokumentation ist Teamgedächtnis und Patientensicherheit.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nutzen Sie ein kurzes Schema, das in Übergabe, Visite und Verlegungsbericht andockt. Am praktikabelsten ist ein kurzer Eintrag im Muster Situation – Observation – Vermutete Faktoren – Maßnahme – Effekt.</p>



<!-- Infobox: S-O-V-M-E für Übergabe / Informationsweitergabe -->
<section class="infobox-so-vme" aria-label="S-O-V-M-E Schema für Übergabe, Visite und Verlegungsbericht">
  <div class="infobox-so-vme__header">
    <span class="infobox-so-vme__icon" aria-hidden="true"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f4e4.png" alt="📤" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /></span>
    <h3 class="infobox-so-vme__title">Kurzschema für Übergabe, Visite und Verlegungsbericht</h3>
  </div>

  <p class="infobox-so-vme__lead">
    Nutzen Sie ein kurzes Schema, das in Übergabe, Visite und Verlegungsbericht andockt:
  </p>

  <div class="infobox-so-vme__acronym">
    <span class="infobox-so-vme__tag">S-O-V-M-E</span>
    <span class="infobox-so-vme__meaning">(Situation – Observation – Vermutete Faktoren – Maßnahme – Effekt)</span>
  </div>

  <ul class="infobox-so-vme__list">
    <li><span class="infobox-so-vme__letter">S</span> Situation: Wann, wo, wodurch ausgelöst?</li>
    <li><span class="infobox-so-vme__letter">O</span> Observation: Was genau, wie stark, wie lange?</li>
    <li><span class="infobox-so-vme__letter">V</span> Vermutete Faktoren: Körper/Kopf/Kontext (nur als Hypothese markieren)</li>
    <li><span class="infobox-so-vme__letter">M</span> Maßnahme: Was wurde konkret getan?</li>
    <li><span class="infobox-so-vme__letter">E</span> Effekt: Was hat sich geändert, woran erkennbar?</li>
  </ul>
</section>

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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wir bewerten Verhalten nicht moralisch – wir lösen ein Versorgungsproblem. Wenn Ihr Team eine gemeinsame Sprache hat (Fakt vs. Deutung, Körper-Kopf-Kontext, S-O-V-M-E), sinkt das Konfliktpotential im Team, Übergaben werden kürzer, und die betroffene Person erlebt mehr Sicherheit und weniger Eskalation. <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/01/17/unsichtbarer-mehraufwand-demenz-ist-im-krankenhaus-auch-ein-steuerungsproblem/">Gerade Krankenhäuser sollten zudem darauf achten, dass möglicher Mehraufwand auch dokumentiert wird.</a> </p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			</item>
		<item>
		<title>„Also, ich bin doch nicht Ihre Tochter!“ &#8211; vom Umgang mit Fehlidentifizierungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Feb 2026 14:40:32 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Bei fortgeschrittener Demenz kommt es vor, dass Betroffene Pflegende als „Tochter“, „Sohn“ oder „Ehepartner“ ansprechen. Das ist keine Art Provokation, sondern eine Verwechslung. Sie entsteht aus einem Zusammenspiel von Gedächtnis-&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/02/05/so-reagieren-sie-professionell-bei-personenverwechslung/">„Also, ich bin doch nicht Ihre Tochter!“ &#8211; vom Umgang mit Fehlidentifizierungen</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei fortgeschrittener Demenz kommt es vor, dass Betroffene Pflegende als „Tochter“, „Sohn“ oder „Ehepartner“ ansprechen. Das ist keine Art Provokation, sondern eine Verwechslung. Sie entsteht aus einem Zusammenspiel von Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, veränderter Verarbeitung von Vertrautheit sowie situativem Stress. Vertraute Signale (Stimme, Gestik, Haltung, Geruch) werden erkannt, aber nicht mehr zuverlässig der richtigen Person im Hier und Jetzt zugeordnet. Das Gehirn greift dann auf emotional bedeutsame Rollen zurück, weil diese Sicherheit geben. Der Satz „Du bist meine Tochter“ ist deshalb häufig ein Bindungsversuch und ein Ausdruck von Bedürfnis nach Nähe und Schutz – keine Faktenbehauptung, die man unbedingt widerlegen muss. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Drei Kernfaktoren</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Zeitanker verschieben sich<br>Aktuelle Informationen werden schlechter gespeichert, ältere, emotional bedeutsame Erinnerungen bleiben länger verfügbar. Das Gehirn greift dann auf vertraute Rollen zurück, weil sie Sicherheit geben.</li>



<li class="has-medium-font-size">Wiedererkennen ohne korrektes Zuordnen<br>Stimme, Gesten, Körperhaltung oder Geruch lösen Vertrautheit aus. Wenn Details fehlen, wird diese Vertrautheit automatisch einer Rolle zugeordnet: Tochter, Ehepartner, Mutter, Kollege.</li>



<li class="has-medium-font-size">Stress verstärkt Verwechslungen<br>Schmerz, Überforderung, Reizüberflutung, Schlafmangel, fremde Umgebung, Infekte oder auch Durst und Hunger senken die Orientierung und erhöhen das Bedürfnis nach Bindung. Die Zuschreibung („Du bist meine Tochter“) ist dann oft ein Bindungsversuch, keine Faktenbehauptung.</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">&#8222;Wollen Sie, dass ich die Patienten anlüge?&#8220;</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Korrigieren, „Rolle spielen“ oder bewusst täuschen? Wie sollen Pflegende in einer solchen Situation reagieren? Wahrhaftigkeit versus Leidreduktion &#8211; das ist das Dilemma, in dem sich manches Team, manche Kollegin und Kollege wiederfindet. Zur Klärung und Information soll dieser kurze Film beitragen: </p>



<figure class="wp-block-video"><video height="1072" style="aspect-ratio: 1904 / 1072;" width="1904" controls src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/02/FinalKorrigieren.mp4"></video><figcaption class="wp-element-caption"><a href="https://youtu.be/oMnEQNdWylg">Den Film können Sie hier bei Youtube sehen. </a></figcaption></figure>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Als professioneller Standard ist deshalb eine Vorgehensweise hilfreich, die Gefühl und Bedarf trifft, ohne überprüfbare Zusagen zu machen, die Sie nicht sicher einlösen können. Bewusst falsche Zusagen bleiben – wenn überhaupt – eine eng begründete Ausnahme für akute Eskalationen, nicht die Routine.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Praxisregel, die Streit im Team meist beendet</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wir bestätigen das Gefühl und versorgen den Bedarf, aber wir bestätigen nicht die falsche Tatsache.<br>Das ist beziehungsorientiertes Arbeiten, keine Lüge.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine professionelle Korrektur klingt nicht wie ein hartes Nein, sondern wie eine kurze Rollenklärung plus Angebot. Oft reicht es, die eigene Rolle zu setzen, ohne die falsche Identität frontal zu verneinen:<br>„Ich bin XY vom Team. Ich bleibe kurz bei Ihnen und erkläre Ihnen, was ich jetzt mache.“.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wie Sie bei Personenverwechslung professionell bleiben, ohne in die Falle zu gehen</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<!-- Infokasten für WordPress (HTML-Block) -->
<div style="border:1px solid #d0d0d0; padding:16px 18px; border-radius:8px; background:#fafafa; margin:18px 0;">
  <div style="font-size:18px; line-height:1.25; margin:0 0 10px 0;">
    Wenn eine falsche Zusage doch als Ausnahme genutzt wird
  </div>

  <p style="margin:0 0 10px 0; line-height:1.5;">
    Damit aus „hat einmal geholfen“ keine riskante Routine wird, helfen Team-Leitplanken.
    Eine bewusst falsche Zusage ist nur dann vertretbar, wenn:
  </p>

  <ul style="margin:0 0 0 18px; padding:0; line-height:1.55;">
    <li style="margin:0 0 6px 0;">
      eine akute Eskalation oder ein Sicherheitsrisiko vorliegt und andere schnelle Beruhigung nicht greift
    </li>
    <li style="margin:0 0 6px 0;">
      es nicht um Einwilligung, Therapieentscheidungen oder belastbare Planung geht
    </li>
    <li style="margin:0 0 6px 0;">
      der Satz nicht als Druckmittel genutzt wird („dann machen Sie jetzt …“)
    </li>
    <li style="margin:0 0 6px 0;">
      die Aussage möglichst klein gehalten wird (keine großen Versprechen)
    </li>
    <li style="margin:0;">
      das Vorgehen im Team abgestimmt ist und die Wirkung beobachtet wird (wirkt es nachhaltig oder verschiebt es nur das Problem?)
    </li>
  </ul>
</div>

</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Zwei typische Fallen in der Praxis</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Überidentifikation<br>Sie werden zur Familienersatzperson. Das fühlt sich kurzfristig wirksam an, führt aber zu Grenzproblemen, Teamkonflikten und emotionaler Erschöpfung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Falsche Versprechen<br>„Ich bleibe die ganze Nacht“, „Ich bringe Sie nach Hause“, „Ich rufe sofort an“ – wenn Sie das nicht sicher einlösen, entsteht Misstrauen. Bei kognitiver Einschränkung zählt nicht Ihr guter Wille, sondern die erlebte Verlässlichkeit.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Professioneller Gegenentwurf: Bindung in kleinen, realistischen Einheiten wie etwa <br>„Ich bleibe jetzt zwei Minuten.“, „Ich setze mich kurz zu Ihnen.“, „Möchten Sie sitzen oder ans Fenster?“ oder „Gleich kommt meine Kollegin. Ich sage ihr, was Ihnen wichtig ist.“. </p>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Kurz dokumentieren, damit das Team konsistent bleibt</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Satz reicht oft, wenn er handlungsleitend ist:<br>„Hält Mitarbeitende für Tochter. Bedarf: Sicherheit und Nähe. Wirksam: Gefühl benennen, kurzer Sitzkontakt, klare Zeitansage. Trigger: harte Korrektur führt zu Unruhe/Abwehr.“. Hingegen ist &#8222;Ruft mal wieder nach der Tochter.&#8220; &#8211; keine sinnvolle Dokumentation. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei Verwechslungen und Fehlidentifizierung geht es meist um Bindung und Sicherheit, nicht um Fakten. Zumindest erlebe ich häufig, dass Fakten keineswegs zur Beruhigung beitragen. Fachlich stark ist eine Vorgehensweise, die Beziehung stabilisiert, ohne falsche Tatsachen zu behaupten. Bewusste Täuschung kann kurzfristig deeskalieren, bleibt aber eine eng begründete Ausnahme mit klaren Grenzen. Wenn Sie konsequent mit „Gefühl bestätigen – Bedarf klären – Angebot machen“ arbeiten, reduzieren Sie Stress, verbessern Kooperation und bleiben professionell klar in Ihrer Rolle.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die &#8222;Ruhe weg haben&#8220;</h2>



<!-- Infokasten für WordPress (HTML-Block) -->
<div style="border:1px solid #b9d7f2; padding:16px 18px; border-radius:8px; background:#eaf4ff; margin:18px 0;">
  <div style="font-size:18px; line-height:1.25; margin:0 0 10px 0;">
    Infokasten: Wann Schweigen hilft
  </div>

  <p style="margin:0; line-height:1.55;">
    Manche Fehlidentifizierungen sind Momentäußerungen oder entstehen aus Überforderung. Dann kann es besser sein,
    nicht zu korrigieren und auch nicht nach Bedürfnissen zu fragen, sondern kurz zu schweigen und Sicherheit
    herzustellen. Das gilt besonders bei hoher Erregung, starker Reizlast (Lärm, viele Personen) oder wenn jede
    Rückfrage die Verwechslung füttert. Professionelles Schweigen heißt: ruhig bleiben, Blickkontakt dosieren,
    Tempo herausnehmen und nonverbal unterstützen. Wenn ein Satz nötig ist, reichen Minimalformeln wie „Ich bin da“,
    „Ich höre Sie“ oder „Einen Moment“. Sobald die Situation abklingt, können Sie wieder gezielt mit
    „Gefühl bestätigen – Bedarf klären – Angebot machen“ arbeiten. Nicht geeignet ist Schweigen bei Einwilligung
    und Intimsphäre, akuter Gefahr oder wenn die Person aktiv und eindeutig um Hilfe bittet.
  </p>
</div>




<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/02/05/so-reagieren-sie-professionell-bei-personenverwechslung/">„Also, ich bin doch nicht Ihre Tochter!“ &#8211; vom Umgang mit Fehlidentifizierungen</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>S3-Leitlinie „Delir im höheren Lebensalter“: Was ist neu?</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/01/10/s3-leitlinie-delir-im-hoeheren-lebensalter-was-ist-neu/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 10 Jan 2026 08:12:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Delir gehört zu den häufigsten und zugleich folgenreichsten Komplikationen im höheren Lebensalter. Neu ist jetzt nicht, dass Delir „wichtig“ ist – neu ist, dass es erstmals eine S3-Leitlinie gibt, die&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/01/10/s3-leitlinie-delir-im-hoeheren-lebensalter-was-ist-neu/">S3-Leitlinie „Delir im höheren Lebensalter“: Was ist neu?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Delir gehört zu den<a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/04/23/persistentes-delir-weit-verbreitet-und-langanhaltend/"> häufigsten und zugleich folgenreichsten</a> Komplikationen im höheren Lebensalter. Neu ist jetzt nicht, dass Delir „wichtig“ ist – neu ist, dass es erstmals eine S3-Leitlinie gibt, die das Thema konsequent über alle Versorgungsbereiche hinweg zusammenbindet: von der <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/01/25/delir-dauer-der-aufnahme-steigert-das-risiko/">Notaufnahme</a> über die Akutstation bis in die Langzeitpflege und die Nachsorge. Menschen mit Demenz sind besonders gefährdet, ein Delir zu erleiden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was bedeutet „S3“</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">„S3“ steht für die höchste Qualitätsstufe medizinischer Leitlinien in Deutschland. Das heißt: Empfehlungen entstehen nicht nur aus Expertenmeinungen, sondern auf Basis systematisch bewerteter Studienlage und eines formalen Konsensverfahrens. Für die Pflegepraxis bedeutet das: Die Empfehlungen sind in der Regel transparenter begründet und verlässlicher als bei S1 (Expertenkonsens ohne systematische Evidenzaufarbeitung) oder S2 (Teilschritte, aber nicht zwingend beides zusammen).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der große Unterschied zu früher: ein transsektoraler Rahmen statt „Insellösungen“</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Viele Einrichtungen kannten Delirempfehlungen bisher vor allem aus einzelnen Kontexten: neurologische Akutversorgung, Intensivstation, Alkoholentzugsdelir oder palliative Situationen. Die neue S3-Leitlinie <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2020/09/01/aus-der-spur-geraten-patient-mit-demenz-und-delir/">„Delir im höheren Lebensalter“</a> setzt hier einen deutlich breiteren Rahmen: Sie richtet sich an Menschen über 65 Jahre, fokussiert auf nicht <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/03/05/antipsychotika-zur-delirbehandlung/">substanzbedingtes Delir </a>(ICD-10 F05) und beschreibt einen durchgängigen Versorgungspfad – inklusive Langzeitpflege sowie Nachsorge/Reha.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ist im Alltag wirklich neu?</p>



<ol class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Delir-Risiko früher und sichtbarer erfassen – auch in der Langzeitpflege<br>Die Leitlinie stärkt ein pragmatisches Delir-Risikoscreening als Standard: bereits in der Notaufnahme, im akutstationären Bereich und präoperativ im chirurgischen Setting. Für Pflegefachpersonen besonders relevant: Auch in der Langzeitpflege soll Delirrisiko bei Aufnahme sowie bei relevanten Veränderungen (z. B. Infekt, Immobilität, <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/06/22/delir-risiko-arzneimittel/">Medikationswechsel</a>) aktiv mitgedacht und in der Dokumentation sichtbar gekennzeichnet werden. </li>



<li class="has-medium-font-size">Delirscreening als Prozess – nicht nur als „wir machen das schon“<br>Dass Delir erkannt werden soll, ist nicht neu. Neu ist, wie deutlich die Leitlinie die Umsetzung als Prozess beschreibt: Screening gezielt bei Risiko und in Phasen hoher Vulnerabilität. Dabei sollen Frequenz und Dauer so angelegt sen, dass fluktuierende Symptome nicht übersehen werden. Und Schulung als Qualitätsstandard: vor Instrumenteneinsatz Delir-/Delirmanagement-Schulung plus Screening-Training; mindestens jährliche Schulungsangebote.</li>
</ol>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein wichtiger Praxispunkt ist außerdem der Umgang mit Belastung und Ablehnung: Wiederholtes Screening kann belastend sein; eine Ablehnung ist zu respektieren. Dann soll auf Fremdbeobachtung und besonders aufmerksames klinisches Beobachten ausgewichen werden. Das ist eine klare Leitplanke für die tägliche Arbeit.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Überblick</h2>



<table style="width:100%; border-collapse:separate; border-spacing:0; font-family:Arial, sans-serif; font-size:15px; line-height:1.45; border:1px solid #d9d9d9; border-radius:8px; overflow:hidden;">
  <thead>
    <tr>
      <th style="width:50%; text-align:left; padding:14px 14px; background:#e9e9e9; color:#222; border-bottom:1px solid #d9d9d9; vertical-align:top;">
        Bisher / alt (typische Praxislage)
      </th>
      <th style="width:50%; text-align:left; padding:14px 14px; background:#dff0ff; color:#222; border-bottom:1px solid #d9d9d9; vertical-align:top;">
        Neu in der S3-Leitlinie 109-001 (pflegerelevant)
      </th>
    </tr>
  </thead>

  <tbody>
    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Delir-Management war häufig settingabhängig und inhaltlich verteilt; Übergänge zwischen Krankenhaus und Langzeitpflege waren oft nicht sauber geregelt.
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Durchgängiger, transsektoraler Versorgungspfad: Empfehlungen sind ausdrücklich für Notaufnahme, Akutstation, Langzeitpflege und Nachsorge gedacht – mit Fokus auf Team-Umsetzbarkeit.
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Delirrisiko wurde in der Pflege oft eher implizit erkannt (Erfahrung), statt als Standardprozess dokumentiert.
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Risikoscreening als strukturierter Standard: Notaufnahme, stationär und auch bei Aufnahme in die Langzeitpflege sowie bei relevanten Veränderungen; hohes Risiko soll sichtbar dokumentiert werden.
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        In der Langzeitpflege wurde Delirprävention teils über einzelne Routinen gedacht (z. B. Bilanzierung als Hauptmaßnahme).
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Flüssigkeitsbilanzierung nicht als isolierte Einzelmaßnahme zur Delirprävention; stattdessen bedarfsgerechte Multikomponenten-Ansätze.
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Delirscreening: Häufigkeit/Timing uneinheitlich; fluktuierende Symptome wurden leichter übersehen.
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Screening so häufig und so lange, dass fluktuierende Symptome erfasst werden; Algorithmus als Handreichung.
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Schulungen zu Screening-Instrumenten waren unregelmäßig; Instrumente wurden uneinheitlich angewandt.
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Qualitätsanforderung: vor Einsatz Schulung zu Delir/Delirmanagement und Screening-Training; mindestens jährliche Schulungsangebote.
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Bei Ablehnung oder Belastung durch Screening fehlte oft ein klarer Alternativweg.
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Ablehnung ist zu respektieren; dann auf Fremdbeobachtung bzw. besonders engmaschige klinische Beobachtung ausweichen.
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Instrumentenwahl war oft hausstandardgetrieben; Notaufnahme und Langzeitpflege blieben teils außen vor.
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Settingbezogene Instrumentenempfehlungen: Notaufnahme z. B. 4AT oder CAM; Akutstation u. a. CAM-Algorithmus/4AT/Nu-DESC/DOS; Langzeitpflege vorrangig klinische Beobachtung, anlassbezogen ergänzt durch Instrumente.
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Medikamentöse Präventionsideen (Melatonin, niedrig dosierte Antipsychotika, Benzodiazepine zur Beruhigung) kamen in der Praxis vor.
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Klare Nicht-Empfehlungen zur Delirprävention: keine Benzodiazepine prä-/intraoperativ, keine Antipsychotika, kein Melatonin, keine Cholinesterasehemmer allein zur Prävention.
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Prävention oft als Sammlung von Einzelmaßnahmen statt konsequenter Bündelansatz.
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Multikomponentenprogramme werden priorisiert: bei chirurgischen Patienten mit Demenz täglich individualisiert; in der Langzeitpflege ebenfalls multikomponentig, angepasst an Bedarfe (z. B. Schlafförderung, Tagesaktivierung).
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Nach Delirereignissen gab es bei Verlegungen oder Entlassungen häufig Informationsverluste (Auslöser, Risiko, Status, Plan fehlen).
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Strukturierter Informationstransfer mit Mindestinhalten: Risiko, auslösende Faktoren, Delirereignis, aktueller kognitiver und physischer Status; ePA als Kommunikationsweg erwähnt.
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Tertiärprävention (Folgen reduzieren, Rückfälle vermeiden) war pflegerisch oft nicht klar mit Bausteinen hinterlegt.
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Empfehlung zu individualisierten Maßnahmen zur kognitiven, sozialen und motorischen Aktivierung als Tertiärprävention.
      </td>
    </tr>
<tr>
  <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
    Akutphase: Sicherheitslogik dominierte; freiheitsentziehende Maßnahmen wurden teils früh erwogen.
  </td>
  <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
    Kernaussage: Ursachen/Auslöser behandeln, Therapie bis Symptomabklingen, körpernahe freiheitsentziehende Maßnahmen vermeiden.
  </td>
<td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
      </td></tr></tbody></table>



<div style="height:37px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Was heißt das konkret für Ihre Pflegepraxis?</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Delirrisiko sichtbar machen (nicht nur „im Kopf behalten“), besonders bei Aufnahme und bei Veränderungen.</li>



<li class="has-medium-font-size">Screening so organisieren, dass Fluktuation nicht durchrutscht (und das Team dafür schulen).</li>



<li class="has-medium-font-size">Prävention als Bündel denken (Schlaf, Aktivierung, Orientierung, Umgebung), nicht als Einzelroutine.</li>



<li class="has-medium-font-size">Bei Ablehnung von Screenings: respektieren, aber strukturiert über Beobachtung und Fremdanamnese auffangen und die Dokumenation nutzen.</li>



<li class="has-medium-font-size">Übergaben nach Delirereignis verbindlich standardisieren (Risiko, Auslöser, aktueller Status, Plan).</li>
</ul>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Quellen / weitere Information: <a href="https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/109-001">AWMF Leitlinienregister: S3-Leitlinie „Delir im höheren Lebensalter“</a> (Reg.-Nr. 109-001, Version 1.0, Stand 30.04.2025). </p>



<p class="wp-block-paragraph">In Überarbeitung: AWMF Leitlinienregister: S1-Leitlinie <a href="https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/030-006">„Delir und Verwirrtheitszustände inklusive Alkoholentzugsdelir“</a> (Reg.-Nr. 030-006).</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/01/10/s3-leitlinie-delir-im-hoeheren-lebensalter-was-ist-neu/">S3-Leitlinie „Delir im höheren Lebensalter“: Was ist neu?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die Pflege von Menschen mit Demenz ist auch nachts eine Herausforderung</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/01/05/die-pflege-von-menschen-mit-demenz-ist-auch-nachts-eine-herausforderung/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Jan 2026 13:48:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nächte sind in vielen Familien und Einrichtungen der „Stresstest“ der Versorgung von Menschen mit Demenz. Unruhe, häufiges Aufwachen, oder nächtliches Umhergehen treffen auf reduzierte Personalstärke, Müdigkeit und ein erhöhtes Risiko&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/01/05/die-pflege-von-menschen-mit-demenz-ist-auch-nachts-eine-herausforderung/">Die Pflege von Menschen mit Demenz ist auch nachts eine Herausforderung</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nächte sind in vielen Familien und Einrichtungen der „Stresstest“ der Versorgung von Menschen mit Demenz. Unruhe, häufiges Aufwachen, oder nächtliches Umhergehen treffen auf reduzierte Personalstärke, Müdigkeit und ein erhöhtes Risiko für Stürze. Häufig wird versucht, dem Problem allein mit Medikamenten zu begegnen. Das ist zumindest zum Teil einer Erklärung für die Feststellung, dass Menschen mit Demenz zu oft bzw. zu lange Psychopharmaka erhalten. Aus der momentanen „Einschlafhilfe“ wird eine Dauerverordnung für die Nachtruhe.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">In diesem kurzen Video finden Sie wichtige Informationen und Punkte zum Thema kompakt zusammengefasst.</p>



<figure class="wp-block-video"><video height="1080" style="aspect-ratio: 1084 / 1080;" width="1084" controls src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/01/SchlafDemenzFinal.mp4"></video><figcaption class="wp-element-caption"><a href="https://youtube.com/shorts/0zqFqkU8H0E">Hier können Sie das Video auf Youtube anschauen. Wenn es Ihnen gefällt, teilen Sie es gerne. </a></figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Schlafprobleme sind typisch und häufig</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Schlafprobleme sind bei Demenz sehr verbreitet. Je nach Studie und Setting ist etwa ein Viertel bis knapp die Hälfte der Betroffenen in relevantem Ausmaß betroffen – in Pflegeheimen oft eher mehr als weniger.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Typische Muster:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">tagsüber viel Schlaf, nachts kaum müde</li>



<li class="has-medium-font-size">fragmentierter Schlaf (häufiges Erwachen, kurze Schlafphasen)</li>



<li class="has-medium-font-size">frühes Erwachen am Morgen</li>



<li class="has-medium-font-size">Einschlafprobleme oder Aufwachen und nicht wieder einschlafen</li>



<li class="has-medium-font-size">nächtliches Aufstehen und Umhergehen („Es ist doch schon Morgen“)</li>
</ul>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Warum das passiert: Ursachenblöcke</p>



<ol start="1" class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Demenzbedingte Veränderungen<br>Die Erkrankung greift Steuerzentren an, die Schlaf-Wach-Rhythmus, Reizfilterung und Schlafphasen stabil halten. Folge: Die „innere Uhr“ läuft unzuverlässiger, Betroffene werden abends nicht müde oder nachts immer wieder wach.</li>



<li class="has-medium-font-size">Umgebung und Reize<br>Zu helles Licht am Abend (Bad, Flur), Geräusche, ungewohnte Räume oder ein unpassendes Raumklima können die Unruhe deutlich verstärken – gerade weil Reize schlechter ausgeblendet werden.</li>
</ol>



<h2 class="wp-block-heading">Struktur und Umgang</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Viele Nachtprobleme werden am Tag vorprogrammiert: zu wenig Aktivität, zu viel Tagschlaf, fehlende Rituale, zu späte oder schwere Mahlzeiten, zu wenig soziale Ansprache. Kritisch wird es auch, wenn nächtliche Unruhe reflexhaft als „Medikationsproblem“ behandelt wird, statt zuerst Struktur und Ursachen zu prüfen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum das mehr ist als „nur anstrengend“</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nächtliche Unruhe erhöht das Risiko für Stürze und Verletzungen. Außerdem begünstigen Schlaf- und Beruhigungsmittel (je nach Wirkstoffgruppe) Tagesmüdigkeit, Gangunsicherheit <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/01/02/demenz-und-desorientierung-viel-mehr-als-nicht-von-a-nach-b-zu-finden/">und Verwirrtheit</a>. Die Lebensqualität kann stark beeinträchtigt werden. Im Ergebnis geraten Angehörige und Teams leichter an Grenzen – und die Versorgung zu Hause wird schwerer aufrechtzuerhalten. Sie kann gerade <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/09/11/pflege-angehoerige-einkommen-ok-aber-ueberlastet/">für Angehörige</a>, sozusagen als „Zweitbetroffene“ der Schlafprobleme, unmöglich werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was in der Praxis meist am besten wirkt (Auszug)</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Am Tag aktivieren: Tageslicht, Bewegung, kleine Aufgaben, soziale Kontakte. Tagschlaf begrenzen, wenn möglich eher im Sessel als lange im Bett.</li>



<li class="has-medium-font-size">Abends Reize senken: Licht dimmen, ruhige Routine, vertraute Rituale beibehalten (Musik, Vorlesen, Gespräch).</li>



<li class="has-medium-font-size">Orientierung und Komfort sichern: vertraute Gegenstände, passende Temperatur, ggf. dezentes Orientierungslicht statt greller Beleuchtung.</li>



<li class="has-medium-font-size">Sicherheit parallel mitdenken: Wege frei, Stolperfallen weg, gefährliche Stoffe bei Verwechslungsgefahr sicher verwahren; Bewegungsmelder.</li>



<li class="has-medium-font-size">Körperliche Ursachen abklären: Schmerz, Infekt, Harndrang, Atemprobleme, Nebenwirkungen oder ungünstige Einnahmezeiten von Medikamenten.</li>



<li class="has-medium-font-size">Medikamente nur wenn nötig: niedrig dosiert, zeitlich begrenzt, eng beobachtet und dokumentiert – gemeinsam mit Ärzteschaft und Apotheke.</li>
</ul>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für Einrichtungen gilt zusätzlich: Ohne tragfähiges Nachtkonzept bleibt es Stückwerk. Abendangebote sowie angepasste Routinen entlasten den Nachtdienst und verbessern die Lebensqualität – oft mehr als jede Einzelmaßnahme. Wenn eine <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/04/30/krankenhaus-report-2025-kliniken-unzureichend-vorbereitet-auf-steigende-zahl-hochaltriger-patienten-pflege-spielt-schluesselrolle/">Einrichtung oder Station</a> von sich behauptet, speziell für Menschen mit Demenz da zu sein, gehört zwingend ein Nachtkonzept dazu.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/01/05/die-pflege-von-menschen-mit-demenz-ist-auch-nachts-eine-herausforderung/">Die Pflege von Menschen mit Demenz ist auch nachts eine Herausforderung</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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		<title>Demenz und Psychopharmaka: &#8222;zu viel“ ist oft „zu lang“ – und wie Pflege Einfluss nehmen kann</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/12/29/demenz-und-psychopharmaka-zu-viel-ist-oft-zu-lang-und-wie-pflege-einfluss-nehmen-kann/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Dec 2025 17:56:41 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn in Deutschland über „zu viele Psychopharmaka“ bei Menschen mit Demenz gesprochen wird, geht es fachlich selten um einzelne Gaben an einem Tag. Der kritische Punkt ist viel häufiger die&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/12/29/demenz-und-psychopharmaka-zu-viel-ist-oft-zu-lang-und-wie-pflege-einfluss-nehmen-kann/">Demenz und Psychopharmaka: &#8222;zu viel“ ist oft „zu lang“ – und wie Pflege Einfluss nehmen kann</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn in Deutschland über „zu viele Psychopharmaka“ bei Menschen mit Demenz gesprochen wird, geht es fachlich selten um einzelne Gaben an einem Tag. Der kritische Punkt ist viel häufiger die Dauer: Ein Medikament wird in einer Krise begonnen und läuft dann über Wochen, Monate oder Jahre weiter, ohne konsequente Reevaluation, Reduktion oder Absetzen. Genau diese Diskrepanz zwischen restriktiven Empfehlungen und Versorgungsrealität wird im <a href="https://www.wido.de/fileadmin/Dateien/Dokumente/Publikationen_Produkte/Buchreihen/Pflegereport/2017/Kapitel%20mit%20Deckblatt/wido_pr2017_kap11.pdf">Pflege-Report 2017</a> sowie in der<a href="https://register.awmf.org/assets/guidelines/038-013l_S3_Demenzen_2025-07.pdf"> S3-Leitlinie Demenzen</a> ausdrücklich beschrieben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zu viel“ ist eine Steuerungsfrage: 43%</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"> Neuroleptika sollten nur zeitlich begrenzt eingesetzt werden; zugleich werde in der Praxis eine Diskrepanz zwischen restriktiven Empfehlungen und tatsächlicher Verordnungsprävalenz beobachtet. Ein häufig zitierter Marker ist die Zahl „43 Prozent“: Laut Berichterstattung zum Pflege-Report 2017 erhalten 43 Prozent der Menschen mit Demenz im Pflegeheim dauerhaft ein Neuroleptikum; dies verstoße gegen Leitlinien. Unabhängig davon, ob man die Zahl als Schlagzeile oder als Versorgungsindikator liest, ist sie vor allem eines: eine Aussage zur Dauer.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Warum ist „zu lang“ so problematisch? Weil die Risiko-Nutzen-Bilanz bei Antipsychotika in der Demenzversorgung eng ist und Risiken nicht nur theoretisch sind. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft dokumentierte bereits früh Signale für erhöhte Mortalität und zerebrovaskuläre Ereignisse unter Antipsychotika bei Demenz. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Wie kann Pflege Einfluss nehmen, wenn Ärzte verordnen?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Mich ärgert es gelegentlich auf Stationen, wenn gestandene Fachkräfte etwas wie &#8222;Naja, wenn der Arzt das so verordnet&#8230;.&#8220; sagen. Das ist häufig nicht mehr, als ein sich-aus-der-Verantwortung-stehlen. : Je strukturierter Pflege beobachtet, dokumentiert und nichtmedikamentös arbeitet, desto leichter wird leitlinienkonformes Überprüfen und Absetzen. Dementsprechend wäre es auch sinnvoll, die eigene Dokumentation zu betrachten: als ein Instrument zur Entscheidung, eine Entscheidungsvorlage &#8211; nicht nur als Pflichtprotokoll.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="996" height="1008" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2025/12/SchaubildPsychopharmaka2jg.jpg" alt="" class="wp-image-3338" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2025/12/SchaubildPsychopharmaka2jg.jpg 996w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2025/12/SchaubildPsychopharmaka2jg-296x300.jpg 296w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2025/12/SchaubildPsychopharmaka2jg-768x777.jpg 768w" sizes="(max-width: 996px) 100vw, 996px" /></figure>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Konkret können Pflegefachpersonen den „zu lang“-Mechanismus durch drei Standards brechen: Erstens bei Start einer antipsychotischen Medikation immer ein Review-Datum (nach etwa zwei Wochen) und einen Absetz- oder Reduktionszeitpunkt (nach wenigen Wochen) verbindlich festhalten. Zweitens <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/08/30/hilfreiches-therapieprinzip-mit-risiken-und-folgen-bedarfsmedikation/">Bedarfsmedikation strikt von Dauermedikation</a> trennen und jede Gabe mit Anlass, Wirkung und Nebenwirkungen dokumentieren, damit „Bedarf“ nicht unbemerkt zur Dauer wird. Drittens in Teamsitzungen oder kurzen Fallbesprechungen die Frage zur Routine machen: Ist das Zielsymptom noch da, und ist ein Auslassversuch fällig?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wenn von „zu vielen Psychopharmaka“ bei Demenz die Rede ist, ist der fachlich Kern häufig „zu lange“</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Zu lange ohne Review, zu lange ohne Reduktions- oder Auslassversuch, zu lange ohne klare Zielsymptome und Stop-Kriterien. Genau hier liegt der wirksamste pflegerische Einfluss: Pflege macht Verlauf, Nutzen und Nebenwirkungen so transparent, dass ärztliches Überprüfen und Absetzen nicht nur möglich, sondern naheliegend wird.</p>



<div style="height:64px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Pflege ist manchmal mächtiger als sie denkt, in jedem Fall aber mächtiger und wichtiger für die Versorgung von Menschen mit Demenz, als sie oft zeigt. Ändern wir das. </p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Hilfreiche Tipps zum Umgang mit nächtlicher Unruhe oder auch Schrei- und Rufphänomen finden Sie bei Amazon (Affiliate-Links / Amzonlinks): <a href="https://amzn.to/4aDjMMU">Schlaf und Demenz</a> / <a href="https://amzn.to/4pgdiHq">Schreien und Rufen bei Demenz</a>. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/12/29/demenz-und-psychopharmaka-zu-viel-ist-oft-zu-lang-und-wie-pflege-einfluss-nehmen-kann/">Demenz und Psychopharmaka: &#8222;zu viel“ ist oft „zu lang“ – und wie Pflege Einfluss nehmen kann</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Demenz: Abwehrend? Übergriffig? Oder vielleicht doch ganz anders?</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/11/21/demenz-abwehrend-uebergriffig-oder-vielleicht-doch-ganz-anders/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Nov 2025 21:25:29 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Das Verhalten eines anderen Menschen zu deuten, ist schwer genug. Das Verhalten von Menschen mit Demenz zu interpretieren, kann eine noch größere Herausforderung sein. Fehlinterpretationen sind dabei nicht nur ärgerlich&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/11/21/demenz-abwehrend-uebergriffig-oder-vielleicht-doch-ganz-anders/">Demenz: Abwehrend? Übergriffig? Oder vielleicht doch ganz anders?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Verhalten eines anderen Menschen zu deuten, ist schwer genug. Das Verhalten von Menschen mit Demenz zu interpretieren, kann eine noch größere Herausforderung sein. Fehlinterpretationen sind dabei nicht nur ärgerlich – sie können gravierende Folgen haben, zum Beispiel wenn <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/03/11/demenz-auf-falscher-faehrte-bei-infektionen-schmerzen/">Infektionen, Schmerzen</a> oder Schwindel dahinterstecken und unbehandelt bleiben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Empathie allein reicht nicht aus </h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Stellen Sie sich vor, Sie müssen sich einer größeren Operation unterziehen. Sie haben zwei Empfehlungen:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">• Krankenhaus A: Alle sind „supernett“, die Atmosphäre ist warm und menschlich.<br>• Krankenhaus B: Dort arbeiten ausgewiesene Expertinnen und Experten, die sehr viele Eingriffe genau dieser Art durchführen – mit hervorragenden Ergebnissen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wo würden Sie sich operieren lassen?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ideal ist natürlich die Kombination: fachliche Exzellenz und ein gutes, zugewandtes Miteinander. In der Versorgung von Menschen mit Demenz gilt genau das Gleiche: Verständnis, Geduld und eine freundliche Haltung sind unverzichtbar. Aber sie dürfen professionelle pflegerische Wachsamkeit nicht ersetzen. Sonst wird es gefährlich – wie im Fall von Herrn M.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Herr M.: „Aggressiv und sexuell übergriffig“?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Herr M. hat eine weit fortgeschrittene Demenz. Verbale Kommunikation gelingt kaum noch. Er wirkt stark untergewichtig, ausgezehrt. Für einige Zeit kommt er nach einem Krankenhausaufenthalt zur Kurzzeitpflege in ein Pflegeheim. Schon in den ersten Tagen zeigt sich ein auffälliges Muster:<br>Jede Mobilisation wird zur Kraftprobe. Beim Setzen auf die Bettkante, beim Transfer in den Rollstuhl oder in den Pflegesessel hält sich Herr M. mit großer Kraft an allem fest, was er greifen kann: Bettgitter, Matratze, Nachttisch, Kleidung der Pflegenden. Es kommt zu Griffspuren und Blutergüssen. Das Team versucht zunächst alles: ruhiges Zureden, kurze Erklärungen, längere Gespräche, „Aromatherapie“ mit Lavendel um eine beruhigende Atmosphäre zu schaffen. Doch der Erfolg bleibt aus. Stück für Stück geht den Mitarbeitenden die Geduld aus.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Eklat</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="background:#f9fafb; border:1px solid #e5e7eb; padding:1.25rem 1.5rem; border-radius:8px; max-width:700px; font-size:1.3rem; line-height:1.6;">
  <p style="margin-top:0; margin-bottom:0.7rem; font-size:1.4rem;">
    Warum Menschen mit Demenz anfälliger für Schwindel sind – kurz erklärt
  </p>

  <ul style="margin:0 0 0.6rem 1.4rem; padding:0;">
    <li>Schäden im „Vestibular-Netzwerk“ des Gehirns:
      Die Gleichgewichtsinformation aus dem Innenohr wird in Hirnstamm, Kleinhirn, Thalamus, Inselrinde und parietalen Arealen verarbeitet. Bei Demenz sind Teile dieses Netzwerks (z. B. temporo-parietale Regionen) oft mitbetroffen – die Integration von Gleichgewichts-, Seh- und Tiefensensibilität wird unsicher.</li>

    <li>Hippocampus und räumliche Orientierung:
      Der Hippocampus ist wichtig für Orientierung, Raumgefühl und Navigation. In vielen Demenzformen (vor allem Alzheimer) schrumpft er deutlich. Studien zeigen: vestibuläre Störungen gehen mit Hippocampus-Atrophie und kognitiven Einbußen einher. Das Gehirn kann Position und Bewegung im Raum schlechter einschätzen – Betroffene fühlen sich schneller „schwankend“ oder verloren.</li>

    <li>Weiße Substanz und Kleingefäßerkrankung:
      Bei älteren Menschen mit Demenz finden sich häufig Mikroinfarkte und Veränderungen der weißen Substanz. Diese stören die Leitungsbahnen zwischen Motorik-, Gleichgewichts- und Planungsarealen. Folge: Gang- und Standunsicherheit, „Schwankschwindel“, unerklärte Stürze – auch ohne klaren Drehschwindel.</li>

    <li>Autonome Dysregulation:
      Besonders bei Lewy-Körper- und Parkinson-Demenz ist das vegetative Nervensystem betroffen. Blutdruck und Herzschlag passen sich langsamer an Lagewechsel an. Orthostatische Hypotonie („Blutdruck sackt beim Aufstehen ab“) führt zu Schwarzwerden vor Augen, Benommenheit und Schwindel – oft ohne dass die Betroffenen das benennen können.</li>

    <li>Überlastete Sinnesintegration:
      Das Gehirn muss ständig Sehen, Gleichgewichtssinn und Körperwahrnehmung abgleichen. Bei Demenz gelingt dieser Abgleich schlechter, vor allem in unruhigen, optisch „vollen“ Umgebungen. Widersprüchliche Signale (z. B. viel Bewegung im Blickfeld, aber stillstehender Körper) werden schneller als Schwindel oder Unsicherheit erlebt.</li>

    <li>Verstärkende Faktoren:
      Hinzu kommen typische „Begleiter“ des Alters: Hör- und Sehverlust, Polyneuropathie, Medikamente mit Schwindel- und Sturzrisiko. Bei Demenz wirken diese Faktoren stärker, weil Kompensation und Rückmeldung („mir ist schwindlig“) eingeschränkt sind.</li>
  </ul>

  <p style="margin:0; font-size:1.1rem; color:#6b7280;">
    Beispielhafte Studien: Agrawal Y et al. Vestibular impairment and cognitive decline in older adults (2019); Lim SJ et al. Vestibular loss increases risk of dementia (Sci Rep 2023); Aedo-Sanchez C et al. Vestibular dysfunction and its association with cognitive impairment (Front Neurosci 2024).
  </p>
</div>

</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eines Tages soll Herr M. wieder von zwei Pflegenden vom Bett in den Pflegesessel mobilisiert werden. Das bekannte Bild: Er klammert sich an Matratze und Bettgestell, „wehrt sich“, wie das Team es nennt. Schließlich gelingt es, ihn auf die Füße zu stellen. Beim Drehen und Hinsetzen greift Herr M. erneut wild um sich. In diesem Moment trifft er eine Kollegin an der Brust.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für das ohnehin bereits genervte Team ist die Situation eindeutig: das geht so nicht mehr.<br>Von „sexuellem Übergriff“, „Sexualstraftat“ und „Gewalttäter“ ist die Rede. Die Tochter wird etwa eine Stunde später telefonisch informiert – emotional, wütend, mit klarer Ankündigung: Der Kurzzeitpflegeplatz sei vermutlich verloren, eine Einweisung in die Psychiatrie dringend erforderlich. Die Tochter ist völlig fassungslos. Tränenreich entschuldigt sie sich für ihren Vater, beschreibt ihn als früher liebevollen, respektvollen Menschen und ist völlig ratlos, ob sie einer Einweisung in eine Psychiatrie zustimmen soll.</p>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Die erste Begegnung</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auf Station erlebe ich Herrn M. zum ersten Mal. Ich habe zu diesem Zeitpunkt bereits viele Spekulationen aus dem Team gehört: mögliche traumatische Erlebnisse, „ungelebte Sexualität“, frühere Gewalt – vieles, was das Verhalten erklären soll. Belegt davon ist wie so oft nichts. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Herr M. liegt im Halbdunkel im Bett, mit einer Tagesdecke zugedeckt, die Augen geschlossen. Die Arme sind ausgestreckt, die Hände liegen am oberen Rand der Oberschenkel. Erst auf den zweiten Blick wird klar: Sie „liegen“ dort nicht zufällig, sondern üben Druck aus – er hält sich offenbar an sich selbst fest. Ich spreche ihn an. Keine Reaktion. Erst als ich deutlich lauter werde, bewegt sich sein Kopf suchend, die Augen öffnen sich kurz, scheinen aber nichts zu fixieren. Er findet mich nicht – und schließt sie wieder.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ich setze mich neben ihn auf die Bettkante und lege eine Hand auf seinen Unterarm. Er öffnet die Augen, greift schnell nach meiner Hand und hält sie fest. Es ist Kraft dahinter, aber er versucht nicht, meine Hand wegzuschieben oder zu stoßen. Das fällt mir sofort auf. Es fühlt sich eher an, als „lauert“ er. Er wartet ab, was ich als nächstes tun werde und gleichzeitig ist sein großer Krafteinsatz auch irgendwie eine Botschaft der Warnung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Herr M. wirkt auf mich „fertig“, erschöpft, fahrig, sieht fahl aus. Ich schiebe es spontan fälschlicherweise auf das Untergewicht und die stressigen Tage.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"></p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="background:#f9fafb; border:1px solid #e5e7eb; padding:1.25rem 1.5rem; border-radius:8px; max-width:700px; font-size:1.4rem; line-height:1.6;">
  <p style="margin-top:0; margin-bottom:0.7rem; font-weight:600; font-size:1.5rem;">
    Schwindel-Verdacht bei Demenz – mögliche Anzeichen
  </p>
  <p style="margin:0 0 0.7rem 0; font-size:1.3rem;">
    Besonders wichtig, wenn die Person stark kognitiv eingeschränkt ist und sich kaum oder gar nicht mehr verbal äußern kann:
  </p>
  <ul style="margin:0 0 0.7rem 1.4rem; padding:0; font-size:1.3rem;">
    <li><strong>Augen:</strong> Nystagmus („Augenpendeln“), Augen werden bei Bewegung fest geschlossen, starrer oder suchender Blick.</li>
    <li><strong>Reaktion auf Lagewechsel:</strong> starke Unruhe beim Drehen, Aufsetzen, Umsetzen; festes Festklammern an Bettgitter, Matratze, Kleidung, Hand; Abwehr bestimmter Bewegungen.</li>
    <li><strong>Vegetative Zeichen:</strong> Übelkeit, häufiges Schlucken, Lippenlecken, Würgereiz; Erbrechen ohne andere deutliche Ursache; Blässe, kalter Schweiß.</li>
    <li><strong>Haltung von Kopf und Körper:</strong> auffällige Kopfhaltung; Zusammenzucken oder Angst bei kleinen Kopfbewegungen; sichtbares „Sichern“ mit Füßen/Händen.</li>
  </ul>
  <p style="margin:0; font-size:1.2rem;">
    Merksatz: Treten mehrere dieser Zeichen wiederholt in Zusammenhang mit Lagewechsel oder Kopfbewegung auf, Schwindel ernst nehmen und ärztlich abklären. Bei neuen Lähmungen, Sprachstörung, Doppelbildern oder starken Kopfschmerzen: Notfall – Rettungsdienst rufen.
  </p>
</div>

</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Die „Abwehr“ unter der Lupe</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nachdem die anwesende Kollegin den Raum verlassen hat, entscheide ich mich, seinen „Problemmoment“ ganz bewusst zu erleben: die Mobilisation. Schon beim Beginn des Lagewechsels kommt es zu dem bekannten Bild: unartikuliertes Schimpfen, Drücken, Zupacken, Abwehr. Doch es fällt schnell etwas auf: </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Je näher wir der aufrechten Position kommen, desto mehr verwandelt sich die Gegenwehr in ein panisches Festhalten und Um-sich-Greifen. Im Sitzen verstärkt sich das: Herr M. leckt sich wiederholt über die Lippen, wirkt hoch angespannt, die Hände suchen Halt, der Blick ist unstet, die Augen werden immer wieder krampfhaft geschlossen. Das Bild erinnert eher an massive Unsicherheit und Angst, als an gezielte Aggression oder gar einen „sexuellen Übergriff“.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">In der anschließenden Fallbesprechung setzen wir im Pflegeteam die Beobachtungen systematisch zusammen:</p>



<ul class="wp-block-list has-medium-font-size">
<li>starke Unruhe und „Abwehr“ vor allem bei Lagewechseln</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list has-medium-font-size">
<li>sobald der Körper bewegt oder aufgerichtet wird, wandelt sich die „Abwehr“ vollständig in ein Greifen, Festklammern: Halt-suchen.</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list has-medium-font-size">
<li>suchende Augen, häufiges Augen schließen – direkt dann, wenn Bewegung beginnt so die Mehrheitsmeinung im Team, auffälliges Lippenlecken wurde auch zuvor bereits dokumentiert und Mundtrockenheit vermutet.</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list has-medium-font-size">
<li>In liegender, halbliegender und sogar sitzender Position versiegt die Abwehr nach und nach völlig.</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list has-medium-font-size">
<li>Herr M. wirkt in keiner Position jemals richtig entspannt, es sei denn er schläft.</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list has-medium-font-size">
<li>Hinzu kommen Anamnesepunkte, die bislang kaum beachtet wurden: Gefäßerkrankungen, und mehrere Stürze in der Vorgeschichte.</li>
</ul>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die weitere Abklärung ergibt: Herr M. leidet unter ausgeprägtem Schwindel, ausgelöst durch eine Kombination aus Kreislaufproblemen und vestibulärer Störung. Es handelt sich also nicht um „grundlose Aggression“ und auch nicht um zielgerichtet sexualisiertes Verhalten, sondern um ein massives, körperlich begründetes Unsicherheits- und Fallgefühl – das er nur noch über Bewegung und Zupacken ausdrücken kann bzw. zu verhindern oder abzuschwächen sucht.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">In der Einrichtung zuvor war das nicht erkannt worden. Man hat mit großem gutem Willen versucht, empathisch, freundlich und beruhigend auf das vermeintlich „abwehrende Verhalten“ zu reagieren. Es gab viele Deutungen über mögliche Traumata oder psychische Belastungen, aber kaum eine gezielte körperliche Spurensuche.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was wir aus diesem Fall lernen können</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="background:#f9fafb; border:1px solid #e5e7eb; padding:1.25rem 1.5rem; border-radius:8px; max-width:750px; font-size:1.4rem; line-height:1.6;">
  <p style="margin-top:0; margin-bottom:0.7rem; font-size:1.6rem;">
    Potenziell problematische Medikamente bei Demenz und Schwindel
  </p>

  <p style="margin:0 0 0.6rem 0;">
    Vorsicht ist besonders geboten bei folgenden Wirkstoffgruppen (immer ärztlich prüfen lassen – keine Eigenänderung der Medikation):
  </p>

  <ul style="margin:0 0 0.7rem 1.6rem; padding:0;">
    <li>Blutdrucksenker und andere kardiovaskuläre Medikamente:
      (z. B. Antihypertensiva, einige Antiarrhythmika) – können Schwindel, orthostatische Hypotonie und Stürze begünstigen.</li>
    <li>Diuretika:
      (entwässernde Medikamente) – Risiko für Volumenmangel, Blutdruckabfall und Kreislauf-Schwindel.</li>
    <li>Psychopharmaka:
      (Antipsychotika, sedierende Antidepressiva, Benzodiazepine, Z-Schlafmittel) – sedierend, teils anticholinerg, mit erhöhtem Risiko für Schwindel, Gangunsicherheit und Stürze.</li>
    <li>Antiepileptika:
      – häufig mit Nebenwirkungen wie Benommenheit, Ataxie und Schwindel verbunden.</li>
    <li>Opioid-Analgetika:
      – können zu Sedierung, Blutdruckabfall, Benommenheit und Schwindel führen.</li>
    <li>Stark anticholinerge Medikamente:
      (z. B. einige Blasenmedikamente, ältere H1-Antihistaminika, bestimmte Antidepressiva/Neuroleptika) – verschlechtern Kognition, Sehen, Kreislaufregulation und erhöhen damit indirekt Schwindel- und Sturzrisiko.</li>
    <li>Demenzmedikamente aus der Gruppe der Cholinesterasehemmer:
      (Donepezil, Rivastigmin, Galantamin) – können bei einem Teil der Betroffenen Schwindel, Bradykardie und Synkopen auslösen.</li>
  </ul>

  <p style="margin:0 0 0.4rem 0;">
    In der Pflegepraxis wichtig: Schwindelzeichen (z. B. Festklammern, Übelkeit, Blässe, Nystagmus, Unsicherheit beim Aufrichten) immer im Zusammenhang mit der aktuellen Medikation denken und strukturiert an Ärztin/Hausarzt zurückmelden – niemals Medikamente eigenständig weglassen oder dosieren.
  </p>

  <p style="margin:0; font-size:1.1rem; color:#6b7280;">
    Beispielhafte Quelle: Seppala LJ et al. &#8222;Fall-risk-increasing drugs and falls in older adults: a systematic review and meta-analysis.&#8220; Age Ageing. 2018.
  </p>
</div>

</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der Fall von Herrn M. zeigt deutlich, wie schnell Verhalten von Menschen mit Demenz fehlinterpretiert werden kann – und wie wichtig es ist, körperliche Ursachen konsequent mitzudenken. Einige Kerngedanken für den Alltag:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">1. Verhalten zuerst als Signal verstehen<br>Bevor wir Verhalten als „aggressiv“, „übergriffig“ oder „unkooperativ“ etikettieren, lohnt sich die genaue Beobachtung und eine Fallbesprechung. Wogegen richtet sich die Reaktion eigentlich? Wie sieht sie konkret aus und in welchen Situationen tritt sie auf und in welchen Situationen nicht?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">2. Situationen genau betrachten<br>Treten Abwehr und „Greifen“ vor allem dann auf, wenn Kopf und Oberkörper bewegt oder aufgerichtet werden? Wenn ja, gehört Schwindel auf die Liste der Verdachtsmomente – neben Schmerzen, Luftnot, Angst oder orthostatischen Problemen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">3. Beobachten statt nur einordnen<br>Eine kurze, präzise Beobachtung („beim Aufsetzen klammert sich Herr M. fest, schließt die Augen, wirkt blass, Lippenlecken, hört auf, wenn er wieder liegt“) hilft Ärztinnen und Ärzten viel mehr als die pauschale Einschätzung „aggressiv“ oder „übergriffig“.</p>
</div>
</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Empathie ist unverzichtbar. Aber sie ersetzt keine klinische Aufmerksamkeit. Menschen mit Demenz brauchen beides: freundliche, zugewandte Begleitung und ein Team, das körperliche Symptome erkennt, ernst nimmt und zur Sprache bringt. Das zeigt auch, warum die Versorgung von Menschen mit Demenz Fachpersonen braucht. Herr M. lebt in der Zwischenzeit wieder Zuhause und wird von der Tochter mit Unterstützung eines Pflegedienstes und eines Betreuungsdienstes versorgt. Eine Einweisung in die Psychiatrie hat nie stattgefunden.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/11/21/demenz-abwehrend-uebergriffig-oder-vielleicht-doch-ganz-anders/">Demenz: Abwehrend? Übergriffig? Oder vielleicht doch ganz anders?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Relevant sprechen statt diskutieren: situative Kommunikation mit Menschen mit Demenz</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/10/27/relevant-sprechen-statt-diskutieren-situative-kommunikation-mit-menschen-mit-demenz/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Oct 2025 08:15:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[altenpflege]]></category>
		<category><![CDATA[alzheimer]]></category>
		<category><![CDATA[demenz]]></category>
		<category><![CDATA[eskalation demenz]]></category>
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		<category><![CDATA[kommunikation mit menschen mit demenz]]></category>
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		<category><![CDATA[Pflegeheim]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Herr, 84 Jahre alt, hat soeben mit Genuss sein Frühstücksbrötchen verspeist und seinen Morgenkaffee gehabt. Er steht vom Tisch auf, macht ein paar Schritte in den Speisesaal des Pflegeheims&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/10/27/relevant-sprechen-statt-diskutieren-situative-kommunikation-mit-menschen-mit-demenz/">Relevant sprechen statt diskutieren: situative Kommunikation mit Menschen mit Demenz</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der Herr, 84 Jahre alt, hat soeben mit Genuss sein Frühstücksbrötchen verspeist und seinen Morgenkaffee gehabt. Er steht vom Tisch auf, macht ein paar Schritte in den Speisesaal des Pflegeheims und baut sich vor der Mitarbeitern der Station auf: „Ich habe noch nichts zu Essen bekommen!“, protestiert er. Die Kollegin, heute für den Speisesaal eingeteilt stutzt. „Aber Herr F., natürlich, schauen Sie mal.“. Sie deutet in Richtung des leeren Stuhls, auf dem Herr F. eben noch saß. „Da saßen Sie eben und haben gefrühstückt.“. Herr F. schaut, schüttelt den Kopf. Kollegin: „Doch.“. Jetzt hört man Herrn F. die Verärgerung deutlich an. „Nein! Da muss jemand anders gesessen haben.“.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Kollegin verdreht die Augen und seufzt, macht einen Schritt auf Herrn F. zu und hakt sich bei ihm unter. „Schauen Sie mal, die Krümel auf dem Teller sind von ihrem Brötchen und den Kaffee hatten sie auch.“. „Nein!“ ruft Herr F., „das muss jemand anders gewesen sein!“. Jetzt ist Herr F. laut geworden, die Atmosphäre merklich aufgeladen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Frustrationsspiralen vermeiden</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Kennen Sie solche Szenen? Häufig geht es in unterschiedlichen Varianten weiter: aus der Diskussion kann ein scharfer Konflikt werden, die Kollegin die sich noch um weitere Menschen mit Demenz kümmern muss, bleibt zeitlich gebunden und Herr F. wird immer aufgeregter. Oder er gibt frustriert auf, weil er nicht verstanden wird, zieht sich zurück.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine Grundregel mit Menschen mit fortgeschrittener Demenz lautet: diskutieren Sie nicht. Einfach, weil es normalerweise nirgendwohin führt. Oder zumindest zu nichts Gutem. Betroffene ziehen sich möglicherweise zurück, wenn sie erleben, dass Diskussionen nichts bringen oder sie am Ende stets die Verlierer sind. Andererseits können sich Diskussionen um die Wirklichkeit, um Fakten, mit Menschen mit Demenz schnell zu größeren Konflikten ausweiten.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<!-- Infokasten: Relevantes Handeln -->
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  <p class="titel">Relevantes Handeln im Umgang mit Demenz</p>

  <div class="grid">
    <div class="block">
      <p class="label">Do</p>
      <ul>
        <li>Kurz, freundlich, konkret sprechen.</li>
        <li>Handlungsangebote.</li>
        <li>Kleine Erfolge markieren („Das hat geholfen.“).</li>
      </ul>
    </div>

    <div class="block">
      <p class="label">Don&#8217;t</p>
      <ul>
        <li>Nicht über „wer Recht hat“ diskutieren.</li>
        <li>Ironie, Korrekturen, Belehrungen.</li>
        <li>Leise Signale nicht überhören – sie kippen sonst später in Lautstärke.</li>
      </ul>
    </div>
  </div>

  <p class="hinweis">Tipp: Eine Sache sofort umsetzen und kurz ankündigen, was als Nächstes folgt.</p>
</div>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Üben Sie sich in relevantem Sprechen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Relevant sprechen meint in diesem Zusammenhang schlicht: drehen Sie sich nicht um eine Aussage, die  faktisch falsch ist bzw. steigern Sie sich nicht hinein. Niemand hat Ihnen den Auftrag erteilt, den Menschen mit Demenz zurück in &#8222;unsere Realität&#8220; zu transportieren, richtig? Stattdessen sprechen Sie über das, was der Person in diesem Moment wichtig ist. Nutzen Sie Ihre empathischen Fähigkeiten und vertrauen Sie durchaus auch einmal auf Ihr Bauchgefühl: worum geht`s ihm/ihr? </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Zwei Beispiele:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">1. Person mit Demenz: „Ich habe noch nichts zu essen bekommen.“. Eine relevante Rückfrage wäre: „Haben Sie Hunger?“. Statt über das eben vertilgte Frühstück zu diskutieren, kümmern Sie sich um das Bedürfnis. Hat der Mensch Hunger, soll er zu essen bekommen – oder? Schließlich ist es in der Versorgung von Menschen mit Demenz oft genug schwer, für eine ausreichende Kalorienzufuhr zu sorgen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">2. Person mit Demenz: „ICH habe noch nichts zu essen bekomme.“. Achten Sie auf Tonlage, Körperhaltung – und ganz allgemein auf den Typ der Äußerung und des Auftretens. Die Betonung liegt in diesem Fall auf „ICH“. Hier muss die Person &#8222;gesehen&#8220; werden. Es geht möglicherweise nicht um das gegessene Brötchen, es geht um das Gesehensein, wahrgenommen werden. In solchen Fällen schimpfe ich gerne auf die Einrichtung, die ausgerechnet den Betroffenen vergessen hat und entschuldige mich förmlich &#8211; anschließend kann wieder gegessen werden oder auch nicht: in jedem Fall eskaliert die Situation nicht. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">In unserem Frühstücks-Beispiel gibt es auch die dritte Variante: eine Person mit Demenz sitzt vor ihrem Teller und sagt vergleichsweise leise, unglücklich wirkend: „Ich habe nichts zu Essen bekommen.“. Dies wird von der sorgenden Umgebung meist besser aufgelöst, da die Person mit ihrer Haltung und dem was sie ausstrahlt häufig einen „Kümmerreflex“ auslöst. Aber auch da ist wichtig: wenn es der Person tatsächlich nicht um Hunger geht – worum dann? Dies wahrzunehmen und (kurz) darauf einzugehen ist wichtig. Es ist leicht, bei der letzten Variante die Person aktiv zu überhören, da sie nicht laut wird, keinen „Auftritt“ hinlegt. Noch nicht, jedenfalls.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit</h2>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nicht die „objektive Wahrheit“ entscheidet, sondern das erlebte Jetzt der betroffenen Person. Diskussionen über Fakten eskalieren – relevantes Sprechen öffnet Wege: Wir reagieren auf das Bedürfnis hinter den Worten (Hunger, Gesehenwerden, Sicherheit), nicht auf die wörtliche Behauptung. So bleiben Beziehung und Alltagsfluss erhalten. Wer Bedürfnisse ernst nimmt statt zu diskutieren, deeskaliert, stärkt Würde – und gewinnt im Alltag schnell wertvolle Zeit für gute Pflege.<br><br>Jochen Gust</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/10/27/relevant-sprechen-statt-diskutieren-situative-kommunikation-mit-menschen-mit-demenz/">Relevant sprechen statt diskutieren: situative Kommunikation mit Menschen mit Demenz</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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