Stay FOCUSED: Kontakt- und Kommunikationsverhalten verbessern

Die Fähigkeiten von Menschen mit Demenz sich auf eine uns vertraute, gewohnte Art auszudrücken werden nach und nach stark beeinträchtigt. Umgekehrt müssen wir unser Kontakt- und Kommunikationsverhalten so anpassen, dass wir unser Gegenüber dennoch erreichen.

Es gibt eine Vielzahl von Hinweisen und Methoden, die dafür gelernt werden können. Der Schlüssel liegt für die meisten Alltagssituationen in der Einfachheit. In der Möglichkeit, gelernte Strategien anwenden zu können, ähnlich selbstverständlich wie man ins englische wechselt, wenn unser Gegenüber dies spricht und kein deutsch kann. Führungskräfte in Pflege und Betreuung sollten bei der Auswahl von Schulungen gemeinsam mit ihren Teams besprechen, was tatsächlich bei der Arbeit benötigt wird. Und wer im Fokus der nächsten Fortbildung stehen sollte. Ist das hippe, ganz „neu“ erdachte Konzept (meistens der berühmte „alte Wein in neuen Schläuchen“) tatsächlich hilfreich? Ist die komplexe Methode wirklich geeignet die Mitarbeitenden in ihrem Alltag, häufig unter Zeitdruck und befasst mit Menschen mit und ohne kognitiven Einschränkungen, zu unterstützen? Ist die Methode aus sich selbst heraus auf einen größeren Zeitaufwand angewiesen, der tatsächlich gar nicht gewährleistet werden kann? Wie viele Wiederholungen der einzelnen Schritte sind nötig, bis sie beherrscht werden können? Welches Vorwissen ist notwendig?

Nicht nur Pflegefachpersonen einbeziehen

Meiner Beobachtung nach wird allzu oft in Einrichtungen übersehen, dass längst nicht nur Pflegefachpersonen mit den Betroffenen in Kontakt treten. Schulungen richten sich häufig an die Profis, die zudem diese selbst einfordern oder gezielt für ihre Bedürfnisse aussuchen. Jeder Referent kennt das: häufig sind gerade jene Mitarbeitenden in Schulungen anzutreffen, die bereits großes Vorwissen mitbringen. Eigentlich brauchen wir aber vor allem die anderen.

Kurz und gut

Viele Kommunikationstipps und Regeln für das Kontaktverhalten im Umgang mit Menschen mit Demenz sind universell anwendbar, aber nicht immer gültig oder sinnvoll. Viele Faktoren, z.B. die Art der Demenz oder wie weit diese fortgeschritten ist, nehmen darauf Einfluss.

Im Umgang mit Menschen mit Demenz ist es daher vorteilhaft, über ein großes Repertoire an Möglichkeiten zu Verfügung auf das Gegenüber einzugehen und erfolgreich in Kontakt zu treten.

Ein bereits in den 90er Jahren in den USA entwickeltes Programm um die Kontakt- und Kommunikationsfähigkeiten (von nursing assistants) zu verbessern ist FOCUSED, bestehend aus 7 Basisprinzipien die sich grundsätzlich jeder merken und erlernen kann:

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Möchten Sie über neue Artikel und Infos rund ums Thema Demenz informiert werden?

Abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter um nichts mehr zu verpassen.

Kein Spam! Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung.

Jochen Gust

Pflegefachperson, Projektmitarbeiter, Demenzbeauftrager im Krankenhaus, Autor, Moderator, Dozent

Related Posts

Kindheit wirkt nach: Langzeitstudie über Alzheimer-Risiko, Gefäßrisiken und „kognitive Reserve“

Viele Präventionsübersichten nennen „Bildung“ als Schutzfaktor gegen Demenz. Das stimmt als grobe Richtung – ist aber unscharf. Eine neue prospektive Kohortenstudie aus Alzheimer’s & Dementia trennt genauer: Welche frühen Einflüsse…

Continue reading
Überforderung der Enkel: wie Pflegefachpersonen bei Demenz unterstützen können

Kinder und Jugendliche erleben Demenz in der Familie oft nicht als „Krankheit im Hintergrund“, sondern als Veränderung, die Beziehungen, Rollen und Sicherheit erschüttert. Wenn ein Großelternteil erkrankt, kann das belastend…

Continue reading

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

You Missed

Kindheit wirkt nach: Langzeitstudie über Alzheimer-Risiko, Gefäßrisiken und „kognitive Reserve“

Kindheit wirkt nach: Langzeitstudie über Alzheimer-Risiko, Gefäßrisiken und „kognitive Reserve“

Überforderung der Enkel: wie Pflegefachpersonen bei Demenz unterstützen können

Überforderung der Enkel: wie Pflegefachpersonen bei Demenz unterstützen können

Verlegungsstress nach Umzug oder Heimaufnahme – was ist normal und was ist zu tun?

Verlegungsstress nach Umzug oder Heimaufnahme – was ist normal und was ist zu tun?

Unsichtbarer Mehraufwand: Demenz ist im Krankenhaus (auch) ein Steuerungsproblem

Unsichtbarer Mehraufwand: Demenz ist im Krankenhaus (auch) ein Steuerungsproblem

Sturzrisiko bei Demenz: Nicht nur die Medikamente zählen

Sturzrisiko bei Demenz: Nicht nur die Medikamente zählen

S3-Leitlinie „Delir im höheren Lebensalter“: Was ist neu?

S3-Leitlinie „Delir im höheren Lebensalter“: Was ist neu?