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	<title>Fachkräftemangel Archive - Demenz im Krankenhaus</title>
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	<title>Fachkräftemangel Archive - Demenz im Krankenhaus</title>
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		<title>AOK-Qualitätsatlas zeigt alarmierende Pflegeunterschiede – kaum Fortschritte bei riskanter Medikation</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Jun 2025 16:07:28 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die neueste Auswertung des Qualitätsatlas Pflege 2025 offenbart weiterhin eklatante regionale Unterschiede in der stationären Pflege. So erhalten bundesweit 7,14 % der Pflegeheimbewohner dauerhaft Benzodiazepine oder vergleichbare Substanzen – ein Wert,&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/06/02/aok-qualitaetsatlas-zeigt-alarmierende-pflegeunterschiede-kaum-fortschritte-bei-riskanter-medikation/">AOK-Qualitätsatlas zeigt alarmierende Pflegeunterschiede – kaum Fortschritte bei riskanter Medikation</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die neueste Auswertung des Qualitätsatlas Pflege 2025 offenbart weiterhin eklatante regionale Unterschiede in der stationären Pflege. So erhalten bundesweit 7,14 % der Pflegeheimbewohner dauerhaft Benzodiazepine oder vergleichbare Substanzen – ein Wert, der sich trotz langjähriger Kritik kaum verbessert hat. Besonders häufig erhalten Heimbewohner im Saarland und in NRW solche Mittel. Auch sturzbedingte Klinikeinweisungen und mangelnde augenärztliche Vorsorge bei Diabetikern bleiben ungelöst.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Stürze und fachärztliche Versorgung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die aktuelle Auswertung des <a href="https://www.qualitaetsatlas-pflege.de/">AOK-Qualitätsatlas Pflege</a> zeigt erneut deutliche Versorgungsprobleme in der stationären Altenpflege – insbesondere bei der Medikation, Prävention und augenärztlichen Vorsorge. Besonders auffällig bleibt der hohe und regional sehr unterschiedliche Einsatz von Beruhigungsmitteln. Man darf davon ausgehen, dass besonders häufig Menschen mit Demenz diese Mittel verabreicht werden. Besorgniserregend sind auch die sturzbedingten Krankenhausaufenthalte, insbesondere bei Bewohnern mit risikobehafteter Dauermedikation.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein weiterer zentraler Schwachpunkt betrifft die augenärztliche Versorgung von Pflegebedürftigen mit Diabetes. Fast 80 % von ihnen erhalten keine regelmäßige augenärztliche Kontrolle – obwohl dies dringend empfohlen wird, um Folgeschäden wie Erblindung zu verhindern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jede Pflegefachperson kennt die Probleme, für schwer Pflegebedürftige und oder Menschen mit fortgeschrittener Demenz neben einer neurologischen fachärztlichen Versorgung auch andere fachärztliche Expertise für Heimbewohner zu gewinnen, egal ob zahnärztliche, gynäkologische, dermatologische oder eben augenärztliche regelmäßige Behandlung: für Pflegeheimbewohner ist das kritisch, sobald sie nicht mehr ohne Begleitung durch Dritte eine fachärztliche Praxis aufsuchen können. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Quelle: aktualisierter Qualitätsatlas Pflege; <a href="https://www.aok.de/pp/bv/qualitaetsatlas-pflege/">zur Pressemitteilung</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/09/22/aok-pflege-report-2023-starke-regionale-qualitaetsunterschiede-in-pflegeheimen/">Zur Meldung aus dem Pflegereport / Qualitätsatlas 2023. </a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/06/02/aok-qualitaetsatlas-zeigt-alarmierende-pflegeunterschiede-kaum-fortschritte-bei-riskanter-medikation/">AOK-Qualitätsatlas zeigt alarmierende Pflegeunterschiede – kaum Fortschritte bei riskanter Medikation</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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		<title>Vom „Recht auf Verwahrlosung“ zur Vernachlässigung</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/05/31/vom-recht-auf-verwahrlosung-zur-vernachlaessigung/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 31 May 2025 10:08:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Verwahrlosung ist ein sensibles Thema in der Versorgung von Menschen mit Demenz. Es betrifft nicht nur die persönliche Würde eines Menschen, sondern immer wieder stellen sich in der Praxis schwierige&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/05/31/vom-recht-auf-verwahrlosung-zur-vernachlaessigung/">Vom „Recht auf Verwahrlosung“ zur Vernachlässigung</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Verwahrlosung ist ein sensibles Thema in der Versorgung von Menschen mit Demenz. Es betrifft nicht nur die persönliche Würde eines Menschen, sondern immer wieder stellen sich in der Praxis schwierige Fragen: wann ist es noch Selbstbestimmung? Wann muss eingegriffen werden? Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen bringt mit sich, dass es mehr Fälle geben wird. Freikaufen können wir uns aber nicht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Recht auf Selbstbestimmung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In der Diskussion um Selbstbestimmung wird das Konzept des &#8222;Rechts auf Verwahrlosung&#8220; regelmäßig thematisiert. Dieses besagt, dass Menschen das Recht haben, ihr Leben nach eigenen Vorstellungen zu führen, selbst wenn dies zu einem Zustand führt, <a href="https://www.seniorenberatung-hannover.de/media/shared/infoseiten/veroeffentlichungen/Verwahrlosung_im_haeuslichen_Umfeld_aelterer_Menschen_-_eine_Vorstudie.pdf">den andere als verwahrlost</a> empfinden. „Verwahrlosung“ ist kein juristischer Begriff. &nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das deutsche Grundgesetz schützt das Recht auf Selbstbestimmung – auch dann, wenn andere diese Lebensweise als „verwahrlost“ empfinden. Auch Menschen mit Demenz sind sehr lange in verschiedenen Bereichen ihres Lebens in der Lage, selbst zu entscheiden. <a href="https://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/Alz/pdf/empfehlungen/empfehlungen_selbstbestimmung.pdf?utm_source=chatgpt.com">Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft hat für Angehörige hier (pdf) Hilfreiches zusammengefasst.</a></p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Grundgesetz ist der Maßstab – auch in der Pflege</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Art. 1 GG – Die Menschenwürde ist unantastbar.</strong> Auch wenn ein Bewohner nach außen verwahrlost wirkt, darf das nicht automatisch zu einem Eingreifen führen. Die Würde verlangt Respekt vor individuellen Lebensentwürfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Art. 2 Abs. 1 GG – Freie Entfaltung der Persönlichkeit.</strong> Jeder Mensch – auch mit Pflegebedarf – darf sein Leben so gestalten, wie er es für richtig hält. Selbst dann, wenn andere das Verhalten als „unzumutbar“ empfinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Klarstellung im Zusammenhang mit Verwahrlosung, sofern damit vor allem der hygienische Zustand eines Betroffenen oder seines Lebensumfeldes gemeint ist: Pflegefachleute sind nicht dazu verpflichtet, ein „ordentliches“ oder „hygienisches“ Leben durchzusetzen noch ist ihnen das aufgrund einer Sonderstellung ohne Einwilligung einfach „erlaubt“.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Garantiert: <strong>die Pflicht zur Hilfe </strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt auch die Verpflichtung zu helfen: Pflegefachpersonen tragen ggfs. auch Verantwortung dann, wenn sie nichts tun. Denn nach § 13 StGB kann strafbar sein, wer eine Gefahr nicht abwendet, obwohl er rechtlich dazu verpflichtet ist. Dennoch folgt hier schon das nächste „aber“: die Pflicht zum Eingreifen gilt nicht bedingungslos. Es geht immer um die <strong>Verhältnismäßigkeit</strong> – und um die Frage, ob die betreffende Person ihre Entscheidung überhaupt noch selbst treffen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pflegeprofis stehen vor der Herausforderung, das richtige Maß zwischen Zurückhaltung und Handlungspflicht zu finden. Einerseits garantiert das Grundgesetz die freie Persönlichkeitsentfaltung – selbst wenn individuelle Lebensweisen von außen als befremdlich empfunden werden. Andererseits verlangt die gesetzliche Garantenstellung, dass ernstzunehmende Gefahren für Gesundheit und Leben nicht unbeachtet bleiben dürfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wichtig: besteht eine <strong>akute Gefahr</strong> für den Menschen mit Demenz oder andere Personen, besteht eine klare Handlungspflicht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Spannungsfeld oft schwer auflösbar</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen ethischen Fragen und Juristerei geraten (nicht nur) Pflegefachleute häufig unter Druck bei diesen Fragen. Hinzu kommt oft die Bewertung durch Dritte die „schlechte Pflege“ unterstellt, wenn der Pflegezustand oder auch das nahe Lebensumfeld eines Menschen mit Demenz nicht den Wünschen oder erwarteten Normen entspricht. Hilfreich für eine ethische Entscheidungsfindung in der Pflege ist die sogenannte Nijmegener Methode („Nimwegener Methode“). Dabei geht es vor allem darum, nicht einfach „Normen durchsetzen“, und isolierte, einsame Entscheidungen darüber zu treffen was „das Beste ist“. Vielmehr geht es um einen strukturierten Prozess zur Entscheidungsfindung, wenn sich Fragen an der Grenze zwischen Selbstbestimmung und Fürsorge stellen. Damit unterscheidet sich die Nimwegener Methode grundlegend von konfrontierenden oder nur hygienisch motivierten Maßnahmen. Zwar missfällt mir der „Comic-Stil“, dennoch empfehle ich<strong> <a href="https://www.youtube.com/watch?v=tjuav2AtgGM">hier ein Youtube-Video dazu</a>.</strong></p>



<h2 class="wp-block-heading">Putzen ist nicht die Lösung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Je weiter eine Demenzerkrankung fortschreitet, desto weniger ist der Erkrankte in der Lage, darauf angemessen zu reagieren. Das unterscheidet Demenzen ganz wesentlich von vielen anderen Erkrankungen und erklärt, warum im Verlauf immer mehr und weitere Unterstützung nötig wird – und zwar auch dann, wenn eine Person rein körperlich noch in der Lage wäre, sich selbst zu helfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fachkräftemangel ist ein systemischer Risikofaktor für Verwahrlosung im Alter.</strong><br>Wenn nicht genug qualifizierte Mitarbeitende vorhanden sind, können wichtige Schutzmechanismen wie Zuwendung, Beobachtung, Tagesstruktur oder wertschätzende Kommunikation nicht mehr verlässlich greifen. Wenn Pflege nur noch Zeit hat das „Allernötigste“ zu „erledigen“ versagt das System auch in dieser Hinsicht. Frühe Anzeichen werden übersehen – oder zwar wahrgenommen, aus Zeitmangel und vielleicht auch aus Resignation wird jedoch nicht mehr reagiert.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Desweiteren steigt das Risiko, dass sorgfältige Abwägungsprozesse nicht mehr vorgenommen werden. Ethische Betrachtung, Wissen um juristische Grenzen und notwendige Gespräche erfordern, Schulung, Auseinandersetzung, Zeit. Wer unter Zeitdruck steht und wenig Fachwissen hat, greift eher zu schnellen, auch übergriffigen Lösungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der Entscheidungs- und auch der Kontrollebene – z.B. im Entlassmanagement eines Krankenhauses oder auch im Rahmen der Heimaufsichten ebenso wie in der Arbeit der sozialpsychiatrischen Dienste liegt die Gefahr, dass Zustände toleriert werden im Wissen, dass aufgrund der personellen Situation in der Versorgung nur schwer oder mit großem Aufwand etwas zu erreichen ist. Dann ist der Verweis auf das „Recht zur Verwahrlosung“ leicht und schnell: Fall abgeschlossen, „der/die will das ja so.“. &nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Mehr Menschen mit Demenz werden als verwahrlost auffällig werden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn es der Gesellschaft nicht gelingt, den Fachkräftemangel im Gesundheits- und Pflegesektor wirksam zu bekämpfen, sind die Folgen für ältere und insbesondere demenzkranke Menschen dramatisch vorhersehbar:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr Fälle von Verwahrlosung und Selbstvernachlässigung. Menschen mit Demenz sind besonders vulnerabel, weil sie auf regelmäßige Ansprache, Struktur und Unterstützung angewiesen sind. Verwahrlosung entsteht nicht in erster Linie durch Staub, Unordnung oder schmutzige Wäsche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Konsequenz muss uns als Gesellschaft klar sein: von Themen wie Verwahrlosung und Selbstvernachlässigung bei Demenz können wir uns nicht via „Hauswirtschaftshilfen“ über die Pflegekassen freikaufen. <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/04/07/demenz-und-community-health-nursing/">Wirksam sind nur Versorgungsmodelle, die körperliche, soziale und psychische Bedürfnisse im Blick haben</a> &#8211; und die Zeit dafür gegeben ist, auf Bedarfe angemessen zu reagieren.</p>
</div>
</div>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/05/31/vom-recht-auf-verwahrlosung-zur-vernachlaessigung/">Vom „Recht auf Verwahrlosung“ zur Vernachlässigung</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Probleme im deutschen Gesundheitssystem: viel Geld &#8211; und trotzdem unterversorgt</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/03/31/probleme-im-deutschen-gesundheitssystem-viel-geld-und-trotzdem-unterversorgt/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 Mar 2025 06:53:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik und Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[alzheimer]]></category>
		<category><![CDATA[analyse des gesundheitswesens]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Trotz hoher Gesundheitsausgaben droht Deutschland eine erhebliche Unterversorgung. Seit 1990 stieg die Zahl der Ärzte von 238.000 auf 429.000, doch die Anzahl der Hausärzte blieb nahezu unverändert. Ein Drittel der&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/03/31/probleme-im-deutschen-gesundheitssystem-viel-geld-und-trotzdem-unterversorgt/">Probleme im deutschen Gesundheitssystem: viel Geld &#8211; und trotzdem unterversorgt</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Trotz hoher Gesundheitsausgaben droht Deutschland eine erhebliche Unterversorgung. Seit 1990 stieg die Zahl der Ärzte von 238.000 auf 429.000, doch die Anzahl der Hausärzte blieb nahezu unverändert. Ein Drittel der Allgemeinmediziner geht in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand, was die Situation verschärft. In der Pflege droht der Mangel an Fachpersonen stark zuzunehmen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine umfassende Analyse struktureller Probleme im deutschen Gesundheitssystem mit besonderem Fokus auf die zunehmende Unterversorgung warnt vor dramatischen Zuständen: <a href="https://www.monitor-versorgungsforschung.de/abstract/unterversorgung-im-deutschen-gesundheitswesen-das-unterschaetzte-problem/?cookie-state-change=1743400761279">&#8222;Unterversorgung im deutschen Gesundheitswesen – das unterschätzte Problem&#8220;</a>. </p>



<h2 class="wp-block-heading has-vivid-cyan-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-cd01dad8173a27b7957bc1575cf9ac72">Pflege wird es besonders treffen &#8211; unter den Pflegebedürftigen sind Menschen mit Demenz besonders vulnerabel</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>300.000 Pflegekräfte fehlen schon heute</strong>, bis 2034 gehen weitere 250.000 in Rente.</li>



<li><strong>Pflegeeinrichtungen schließen</strong> oder belegen Pflegeplätze nicht, weil sie keine Fachkräfte mehr finden und die vorhandenen nicht überlastet werden dürfen. Das kann im Einzelfall bedeuten, dass Menschen mit Demenz mit großen Verhaltensaufforderungen bei der Auswahl benachteiligt werden. </li>



<li><strong>Angehörige pflegen und betreuen in großem Umfang, s</strong>toßen aber oft an ihre Grenzen – gerade bei fortgeschrittenen Stadien einer Demenz.</li>
</ul>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="677" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2025/03/unbessetztepflegestellen-1024x677.png" alt="" class="wp-image-2787" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2025/03/unbessetztepflegestellen-1024x677.png 1024w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2025/03/unbessetztepflegestellen-300x198.png 300w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2025/03/unbessetztepflegestellen-768x508.png 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2025/03/unbessetztepflegestellen.png 1180w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Für Menschen mit Demenz ist Unterversorgung besonders gravierend. Denn ihre Versorgung ist nicht nur eine Frage von Medikamenten oder Diagnosen – sondern von Zuwendung, Struktur und Orientierung. Drei Faktoren verschärfen die Lage:</p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zugangsprobleme</strong><br>o Haus- und Fachärzte sind schwer häufig überlastet und schwer erreichbar, vor allem auf dem Land. Fachärztliche Visiten in stationären Pflegeeinrichtungen sind die absolute Ausnahme.<br>o Wartezeiten auf Termine sind für gesetzlich Versicherte oft unzumutbar, für Menschen mit Demenz sind die Wartezeiten in Wartezimmern häufig eine zusätzliche Herausforderung: mangels zeitlicher Orientierung kann es zu Unruhezuständen kommen &#8211; Dienste und Angehörige müssen wesentliche Zeit für die Begleitung und Betreuung einplanen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Komplexität des Systems</strong><br>o Die Navigation durch das Gesundheitssystem ist selbst für Gesunde schwer, für Menschen mit kognitiven Einschränkungen wird es nahezu unmöglich, Leistungen zu finden oder zu verstehen. Angehörigen werden oft zu inoffiziellen Pflegekoordinatorinnen &#8211; das bindet Zeit und Kraft und benötigt weitere professionelle Unterstützung in vielen Fällen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fehlversorgung statt Fürsorge</strong><br>o  Standardisierte Abläufe, Zeitdruck und eine Misstrauenskultur die viel Dokumentation abfordert, verdrängen die menschliche Begegnung.<br>o In der Pflege und besonders in Sachen Demenz findet &#8211; politisch akzeptiert &#8211; eine &#8222;Verlaiung&#8220; der Versorgung statt. Die Anforderungen an der Versorgung von Menschen mit Demenz werden stetig abgesenkt in dem Hilfsberufe geschaffen werden, die unterstützen sollen. Das entlastet Angehörige, und sorgt auch insgesamt sicher für mehr Unterhaltung und Teilhabe von Menschen mit Demenz. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>So weit, so gut?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, schon. In der Realität übernehmen allerdings oft genug pflegerische Laien Aufgaben für die sie nicht ausgebildet sind, werden von der Versichertengemeinschaft finanzierte Betreuungskräfte zu Putzkräften degradiert &#8211; und zwar nicht immer ausschließlich für die Wohnräume der Pflegebedürftigen. In der Folge dieser &#8222;Verlaiung&#8220; der Versorgung, haben Pflegefachpersonen gerade im ambulanten Bereich nur noch punktuell mit Menschen mit Demenz zu tun, sind aufs Medikamentegeben oder die Wundversorgung reduziert. Das bedeutet: Menschen mit Demenz, gerade im fortgeschrittenen Stadium, können nur hoffen, dass Symptome z.B. für eine Infektion oder eine Dysphagie rechtzeitig &#8211; &#8222;zufällig&#8220; &#8211; erkannt werden. Präventiv kann gezielt kaum noch gearbeitet werden. Das System &#8222;spart&#8220; Zeit, denn Zeit ist Geld. Natürlich nur, um später ein Vielfaches für die Folgen fehlender pflegefachlicher Intervention auszugeben.  </p>



<h2 class="wp-block-heading">Regionale Ungleichheit: Pflege nach Postleitzahl</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ob ein Pflegeplatz verfügbar ist, hängt zunehmend vom Wohnort ab. In einigen ostdeutschen Landkreisen ist fast jede fünfte versicherte Person pflegebedürftig – doch gerade dort fehlt es an Pflegeplätzen und Fachpersonal. Lange Wartelisten, Ablehnungen und überlastete Krankenhäuser sind die Folge. <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/09/22/aok-pflege-report-2023-starke-regionale-qualitaetsunterschiede-in-pflegeheimen/">Für Menschen mit Demenz zeigte schon der Pflegereport 2023 die enormen regionalen Unterschiede auf.</a> </p>



<h2 class="wp-block-heading">Unterversorgung im deutschen Gesundheitswesen – das unterschätzte Problem</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Autoren <a href="https://www.monitor-versorgungsforschung.de/abstract/unterversorgung-im-deutschen-gesundheitswesen-das-unterschaetzte-problem/?cookie-state-change=1743400761279">der Analyse</a>, Prof. Dr. med. Matthias Schrappe / Hedwig François-Kettner / Franz Knieps / Univ.-Prof. Dr. Klaus Kraemer / Hartmut Reiners / Prof. Dr. med. Martin Scherer / Dr. med. Thomas Voshaar / Prof. Dr. Jürgen Windeler legen mit ihrem Papier die Finger in die Wunden des deutschen Gesundheitsystems. Unterversorgung ist kein Randphänomen – sie ist ein strukturelles Problem. Und sie trifft diejenigen am härtesten, die sich am wenigsten wehren können. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Papier jedenfalls ist lesenswert &#8211; nicht nur für Gesundheitsprofis. </p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/03/31/probleme-im-deutschen-gesundheitssystem-viel-geld-und-trotzdem-unterversorgt/">Probleme im deutschen Gesundheitssystem: viel Geld &#8211; und trotzdem unterversorgt</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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		<item>
		<title>PeBeM in der Langzeitpflege: nicht mehr, sondern anders verteilt</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/07/05/pebem-in-der-langzeitpflege-nicht-mehr-sondern-anders-verteilt/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Jul 2024 08:22:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[§ 113c]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Fachkräftemangel ist schon lange Thema in der Pflege. Er war dort früher präsent als in anderen Branchen. Und es fehlt nicht nur an Fachkräften, sondern überhaupt an Mitarbeitenden –&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/07/05/pebem-in-der-langzeitpflege-nicht-mehr-sondern-anders-verteilt/">PeBeM in der Langzeitpflege: nicht mehr, sondern anders verteilt</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Der Fachkräftemangel ist schon lange Thema in der Pflege. Er war dort früher präsent als in anderen Branchen. Und es fehlt nicht nur an Fachkräften, sondern überhaupt an Mitarbeitenden – auch Assistenzkräfte für die Pflege werden vielerorts händeringend gesucht. Wir haben in Sachen Pflege in Deutschland auch ein Masseproblem. Zu viele Pflegebedürftige, zu wenig von jenen, die sie versorgen können. Was bringt ein neues <a href="https://www.gs-qsa-pflege.de/wp-content/uploads/2020/09/Abschlussbericht_PeBeM.pdf">Personalbemessungsverfahren (PeBeM)</a>?</p>



<h2 class="wp-block-heading has-secondary-color has-text-color has-link-color wp-elements-e7d1f8d09c8cef10004e86c225826803"><strong>Einführung des Personalbemessungsverfahrens (PeBeM)</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ziel des Verfahrens nach § 113c Abs. 1 SGB XI ist es, die Qualität der Versorgung zu verbessern. Das möchte man durch eine verbindliche Festlegung der Verteilung personeller Ressourcen erreichen. Berechnungsgrundlage ist die Anzahl und Pflegegrad der zu pflegenden Personen – und die Qualifikation der Mitarbeitenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für viele Kolleginnen und Kollegen der Altenhilfe ist das <a href="https://pflegenetzwerk-deutschland.de/faq-das-neue-personalbemessungsverfahren-in-der-langzeitpflege">Personalbemessungsverfahren noch eine Art Blackbox</a>. Effekte unbekannt, Befürchtungen groß. Ist die Qualität der Versorgung von Menschen mit Demenz durch PeBeM in Gefahr? Zeit also, mit einem Profi zu sprechen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Das Personalbemessungsinstrument berücksichtigt den zusätzlichen Aufwand für die Pflege von Menschen mit Demenz (&#8230;).&#8220;. &#8211; <a href="https://www.umbruch-pflege.de/">Nicole Böldt</a></p>
</blockquote>



<h2 class="wp-block-heading has-secondary-color has-text-color has-link-color wp-elements-7541cfe8de3e9ba795c49d9636bdb4ae"><strong>Fragen an die PeBeM-Expertin </strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Frau Böldt, Sie beschäftigen sich schon lange und intensiv mit der Umsetzung des Personalbemessungsverfahrens. Können Sie grob umreißen, was ich als Altenpflege im Pflegeheim davon konkret erwarten sollte?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nicole Böldt:</strong> Ihre Aufgaben als Pflegefachmann werden hauptsächlich die Umsetzung der Vorbehaltsaufgaben sein. Dazu gehören das Planen und Steuern des Pflegeprozesses sowie die Versorgung der Bewohner*innen, die die Kompetenz einer Fachkraft benötigen. Das bedeutet, Sie werden weniger mit Tätigkeiten belastet, die Ihrem Qualifikationsniveau nicht entsprechen. Grundsätzlich wird mit den Personalressourcen effizienter umgegangen, was bedeutet, dass Ihre Fähigkeiten und Kenntnisse optimal genutzt werden. So können Sie Ihre Arbeit effektiver gestalten und sich auf die wesentlichen pflegerischen Aufgaben konzentrieren.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://www.umbruch-pflege.de/"><img decoding="async" width="769" height="1024" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/07/PortraitNB-769x1024.jpeg" alt="" class="wp-image-2450" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/07/PortraitNB-769x1024.jpeg 769w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/07/PortraitNB-225x300.jpeg 225w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/07/PortraitNB-768x1022.jpeg 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/07/PortraitNB-1154x1536.jpeg 1154w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/07/PortraitNB.jpeg 1232w" sizes="(max-width: 769px) 100vw, 769px" /></a><figcaption class="wp-element-caption"><a href="https://www.umbruch-pflege.de/">Nicole Böldt ist Inhaberin von Umbruch Pflege.</a> Die Pflegefachfrau ist Qualitätsmanagerin und mit ihrer Beratung auf die Veränderungen durch das Personalbemessungsverfahren spezialisiert.</figcaption></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="wp-block-paragraph">Das PeBeM zielt darauf ab, die Wünsche und Bedürfnisse der Bewohner*innen besser zu berücksichtigen und gleichzeitig auch mehr Menschen wieder für die Pflege zu gewinnen. Dies wird einerseits durch eine detaillierte Analyse der Pflegebedarfe und eine darauf abgestimmte Tourenplanung ermöglicht und andererseits durch die zunehmende Flexibilisierung der Dienste und der Dienstzeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch die klare Zuordnung von Aufgaben und die kompetenzbasierte Planung werden die Pflegequalität und die Zufriedenheit der Bewohner*innen gesteigert. Dies schafft ein angenehmeres Arbeitsumfeld für Sie und Ihre Kollegen.</p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Das Verhältnis <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/11/06/buchvorstellung-soziale-dienste-in-langzeitpflegeeinrichtungen/">zur sozialen Betreuung, zusätzlichen Betreuungskräften</a> wird sich ändern?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nicole Böldt:</strong> <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/06/15/betreuung-und-pflege-die-zusammenarbeit-ist-vielerorts-katastrophal-schlecht/">Die Zusammenarbeit zwischen der Pflege und der sozialen Betreuung wird sich zweifellos intensivieren und verbessern müssen</a>, um den Bedürfnissen der Bewohner*innen gerecht zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist notwendig, die soziale Betreuung weiter zu professionalisieren. Dies bedeutet, dass die Leitung dieses Bereichs genau weiß, wie viele Betreuungsstunden zur Verfügung stehen und wie diese effizient eingesetzt werden können. So können möglichst viele Bewohner*innen nach ihren individuellen Wünschen betreut werden. Durch die Professionalisierung wird die soziale Betreuung auf Augenhöhe mit der Pflege arbeiten. Dies führt zu einer gesteigerten Wertigkeit des Bereichs und fördert das gegenseitige Verständnis und die Zusammenarbeit. Einige Träger sind bereits dabei, Tourenplanungen auch für die soziale Betreuung einzuführen. Dies ermöglicht eine strukturierte und effiziente Arbeitsweise, die sowohl den Pflegekräften als auch den Betreuungskräften zugutekommt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn beide Bereiche auf demselben Organisationssystem arbeiten, wird die Vernetzung wesentlich verbessert. Dies führt zu einer besseren Koordination und einem reibungslosen Ablauf im Alltag. Die Intensivierung der Zusammenarbeit und die Professionalisierung der sozialen Betreuung werden die Qualität der Pflege und Betreuung erheblich steigern. Beide Bereiche werden voneinander profitieren und gemeinsam die Bedürfnisse der Bewohner*innen besser erfüllen können.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-secondary-color has-text-color has-link-color wp-elements-60aef620bb6a54832ab78c3ceb982236"><strong>Der zusätzliche Zeitaufwand für Menschen mit Demenz wird berücksichtigt</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Berücksichtigt Ihrer Meinung nach PeBeM den zusätzlichen Aufwand, den es für Menschen mit Demenz benötigt, ausreichend? Ein Mensch mit Demenz mit Pflegegrad 3 ist doch schwerlich mit dem gleichen Aufwand zu bemessen wie jemand mit Pflegegrad 3 ohne Demenz?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nicole Böldt:</strong> Die Frage, ob das Personalbemessungsinstrument (PeBeM) den zusätzlichen Aufwand, der für die Pflege von Menschen mit Demenz erforderlich ist, ausreichend berücksichtigt, ist berechtigt. Die Pflegebedürftigkeit und die damit verbundenen Anforderungen unterscheiden sich erheblich zwischen Menschen mit und ohne Demenz, auch wenn beide den gleichen Pflegegrad haben. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Empfehlungen nach § 113c Abs. 4 SGB XI betonen die Notwendigkeit einer bedarfsgerechten Personalausstattung. Diese Empfehlungen beinhalten Regelungen, die sicherstellen sollen, dass auch spezielle Bedarfe, wie sie bei der Betreuung von Menschen mit Demenz auftreten, adäquat berücksichtigt werden. Die Mindestpersonalausstattung schließt auch pflegegradunabhängige Personalanhaltswerte für Sonderfunktionen ein, die für die Versorgung von Menschen mit demenziellen Erkrankungen notwendig sind​​. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Personalbemessungsinstrument berücksichtigt den zusätzlichen Aufwand für die Pflege von Menschen mit Demenz, indem es spezifische Regelungen und Empfehlungen zur Personalmindestausstattung und zum Qualifikationsmix beinhaltet. Diese Maßnahmen sollen sicherstellen, dass die besonderen Anforderungen dieser Personengruppe adäquat erfüllt werden. Es muss allerdings auch durch die Einrichtungen sichergestellt werden, dass die dafür ausgebildeten Fachkräfte auch bei den Bewohner*innen zum Einsatz kommen. Darin waren wir in der Vergangenheit überhaupt nicht gut. Mitarbeiter*innen mit speziellen Ausbildungen und Qualifizierungen sind nach ihren Qualifizierungsmaßnahmen leider nicht entsprechend ihren Kompetenzen eingesetzt worden. Das führte gerade bei unseren Fachkräften zu einer hohen Frustration und nicht selten auch zu Kündigungen. Deshalb sollten diese Empfehlungen aktiv umsetzen und ihren Personaleinsatz entsprechend organisieren, um die Pflegequalität für Menschen mit Demenz zu gewährleisten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Vielfach wird von „Verbesserungen“ im Zusammenhang mit PeBeM gesprochen. Das darf aber nicht mit einem mehr an Pflegepersonen verwechselt werden, oder? Vielmehr handelt es sich doch um eine Optimierung der Verteilung. Konkret: es sorgt für den vermehrten Einsatz von Hilfs- / und Assistenzkräften. Mehr Mitarbeitende bringt PeBeM nicht – oder zumindest nicht automatisch, richtig?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nicole Böldt:</strong> Ich habe in den vergangenen Tagen in einem Beitrag gelesen: „So viele Mitarbeitende in der Pflege, wie jetzt werden wir nie wieder sein.“ Ganz schön erschreckende Vorstellung. Gerade deshalb müssen wir den Pflegeberuf attraktiver gestalten.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Ihre Annahme ist also weitgehend korrekt. Bei der Personalbemessung in der Pflege, insbesondere im Kontext des Personalbemessungsinstruments (PeBeM), geht es primär um eine bessere Verteilung und einen effizienteren Einsatz der vorhandenen Pflegekräfte, anstatt um eine automatische Erhöhung der Mitarbeiterzahl. In den meisten Fällen können durch die aktuellen Pflegesatzverhandlungen auch mehr Mitarbeiter*innen im Qualifikationsniveau 3, also Pflegehelfer*innen mit einer zusätzlichen einjährigen Ausbildung (in SH) eingestellt werden. Aber hier liegt auch die Herausforderung. Wir haben uns in den vergangenen Jahren nicht um eine entsprechende Qualifizierung unserer Pflegehelfer*innen gekümmert. Folglich sind diese Kollegen nun Mangelware auf dem Arbeitsmarkt. Hier müssen wir dringend nachqualifizieren.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow"><div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="576" height="1024" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/07/PeBeMzwischenbild-1-576x1024.png" alt="" class="wp-image-2452" style="width:322px;height:auto" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/07/PeBeMzwischenbild-1-576x1024.png 576w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/07/PeBeMzwischenbild-1-169x300.png 169w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/07/PeBeMzwischenbild-1-768x1365.png 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/07/PeBeMzwischenbild-1-864x1536.png 864w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/07/PeBeMzwischenbild-1.png 1080w" sizes="auto, (max-width: 576px) 100vw, 576px" /></figure>
</div></div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Das Personalbemessungsinstrument hat mehrere Ziele. Es soll sicherstellen, dass die vorhandenen Pflegekräfte effizient und bedarfsgerecht eingesetzt werden. Dabei wird vornehmlich darauf geachtet, dass die Aufgaben entsprechend der Qualifikation der Pflegekräfte zugeordnet werden. Wenn wir allerdings nur mehr Pflegehelfer*innen in unseren Einrichtungen einstellen, ohne auch die Abläufe in der Pflege zu verändern, wird diese Maßnahmen verpuffen und keine wirkliche Veränderung herbeiführen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Herausforderung des Fachkräftemangels bleibt bestehen und erfordert weitergehende Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen, Weiterbildung und Attraktivität des Pflegeberufs.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust</strong>: Ich danke Ihnen für Ihre Antworten.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Fotos: Jsme MILA on Pexels</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/07/05/pebem-in-der-langzeitpflege-nicht-mehr-sondern-anders-verteilt/">PeBeM in der Langzeitpflege: nicht mehr, sondern anders verteilt</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Studie: „Oftmals können Leistungen nicht in Anspruch genommen werden, weil die Anbieter oder Plätze fehlen.“</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/04/16/studie-oftmals-koennen-leistungen-nicht-in-anspruch-genommen-werden-weil-die-anbieter-oder-plaetze-fehlen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Apr 2024 06:36:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik und Panorama]]></category>
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<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/04/16/studie-oftmals-koennen-leistungen-nicht-in-anspruch-genommen-werden-weil-die-anbieter-oder-plaetze-fehlen/">Studie: „Oftmals können Leistungen nicht in Anspruch genommen werden, weil die Anbieter oder Plätze fehlen.“</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Der überwiegende Teil Pflegebedürftiger wird in der eigenen Häuslichkeit versorgt. In der Regel durch nahestehende Angehörige die z.B. von einem ambulanten Pflege- und Betreuungsdienst unterstützt werden. Doch es knirscht im System.  Ob ambulanter Dienst, Tagespflege oder Kurzzeitpflege – immer öfter kann der eigentliche Bedarf an Unterstützung nicht gedeckt werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-secondary-color has-text-color has-link-color wp-elements-130b1d91eff32b5d2064bad1d8502d15">Nächstenpflege-Studie: finanzieller Druck und Gesundheitsrisiken</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.vdk-naechstenpflege.de/vdk-pflegestudie/">Die VdK-Nächstenpflege-Studie</a> hat die Bedarfe pflegender Angehörige untersucht. Nicht nur, dass Pflege Geld kostet bzw. daran hindert, Erwerbseinkommen zu erzielen und damit finanzielle Unsicherheit bis hin zur Armut bedeutet. <a href="https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/149896/Pflegende-Angehoerige-laut-Befragung-haeufiger-psychisch-erkrankt?fbclid=IwAR0BNmNCTwYt_9Yyb5g1YrETPGZmuykkFEO_zUB3rbicNRBPYXQQ1_ZVMZc">Auch die Gesundheit leidet.</a> Die dauernde „Rufbereitschaft“ führt zu Schlafstörungen, etwa ein Drittel ist sogar regelmäßig nachts mit der Versorgung ihres pflegebedürftigen Angehörigen beschäftigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mittlerweile mehren sich die Berichte, dass Pflegebedürftige bzw. ihre Angehörigen keinen oder erst nach intensiver und längerer Suche einen ambulanten Dienst zur Unterstützung finden konnten. „Ambulant vor stationär“ – das ist gesellschaftlich gewollt. Es zu verwirklichen kostet Kraft, Geld – und wird ganz ohne Unterstützung immer schwieriger oder unmöglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/03/15/kurzzeitpflege-verzweifelt-gesucht/?fbclid=IwAR2YdnlNtz2I2VUiRF3TRACP1RaQUw0Fj7LpTxZ-dc2THkXI9WAO2ZMHijk">Mit Kurzzeitpflegeplätzen sieht es noch schwieriger aus.</a> Einrichtungsleiter geben mehr oder minder offen zu, dass sie <a href="https://www.waz.de/wirtschaft/article241622902/Triage-in-der-Altenpflege-Zu-krank-fuers-Heim.html?fbclid=IwAR2uaV5TCsqeBDPIz4cjt0sC1O9cuOotJAaIJtU-49iep713SIwmTtFw98o">nach Schwere der Fälle selektieren ob sie jemanden aufnehmen</a>. Die geschieht in Abwägung, wie stark die verbliebenen Mitarbeiter in der Pflege zusätzlich belastet würden &#8211;  aus Sorge, diese könnten kündigen. Gerade auch für herausfordernde Pflegesituationen, dünnt sich das Angebot aus. Z.b. berichtet der Soester Anzeiger hier über eine Änderung des Angebots der Caritas in Bad Sassendorf: <a href="https://www.soester-anzeiger.de/lokales/bad-sassendorf/caritas-mit-massiven-personalproblemen-pflegebeduerftige-bewohner-stehen-vor-ungewisser-zukunft-93009673.html">„Das neue Konzept für die drei WGs mit je acht Nutzern soll sich deshalb an Bewohner mit einem geringeren Unterstützungsgrad (Pflegegrad 2/3) richten, ohne ausgeprägte demenzielle Beeinträchtigungen.“,</a> kurz: aufgrund des Fachkräftemangels in der Pflege wird das Angebot auf leichte Fälle beschränkt.   </p>



<h2 class="wp-block-heading has-secondary-color has-text-color has-link-color wp-elements-6ea2dee96f7a6f3a51f8cefb9bb2465c">Krankenhäuser im Stau</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Krankenhäusern wiederum führt dies zum Patientenstau, oder „Flussstörungen“ in der Belegung: ohne eine gesicherte Weiterversorgung dürfen Patienten nicht entlassen werden<a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/06/29/kurzzeitpflege-verzweifelt-gesucht-uebergangspflege/">. Zwar wird Übergangspflege im Krankenhaus vergütet</a> – das schafft jedoch an sich noch keinen Kurzzeitpflegeplatz. Dadurch bleiben Pflegebedürftige mitunter deutlich länger in Kliniken als aus medizinischer Sicht notwendig – kommen aber aufgrund mangelnder ambulanter Versorgung nicht selten erst überhaupt dort hin. Medizinisch liegt kein wirklicher Grund für die Aufnahme vor – dieser muss dann für die Abrechnung vorgeschoben werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color has-link-color wp-elements-7c56a0c50c81951d9741d7fa76e2786f">3 Fragen an Martin Kilimann, Referent für Pflegepolitik beim VdK-Bundesverband</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Die Studie des VdK hat die Bedarfe und Belastungen untersucht und belegt, die pflegenden Angehörigen entstehen. Der Fachkräftemangel in der Pflege wird dazu führen, dass sich die Situation verschärft, wo Pflegebedürftige und Angehörige eigentlich Unterstützung erfahren sollten in der Versorgung. Was müsste aus Ihrer Sicht politisch sofort getan werden um pflegende Angehörige besser zu unterstützen?</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Martin Kilimann:</strong> Der wichtigste Schritt, den die Politik gehen muss, ist die Anerkennung der Arbeit der Angehörigen. Dafür muss sie endlich die Maßnahmen umzusetzen, die bereits auf dem Tisch liegen. Doch sowohl der Pflegelohn und die Lohnersatzleistung für die pflegenden Angehörigen als auch der umfangreiche Ausbau der Tages-, Nacht- und Kurzzeitpflegeplätze sind Lösungen, die es nicht umsonst gibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daher scheitert die Anerkennung der Nächstenpflege bisher vor allem an dem Wunsch der Politik, dass diese nichts kosten darf. Doch die erwähnten Maßnahmen sind dringend notwendig, um den Angehörigen den Rücken freizuhalten. Oftmals können Leistungen nicht in Anspruch genommen werden, weil die Anbieter oder Plätze fehlen. </p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="576" height="1024" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/04/Scheitern-weil-es-nichts-kosten-darf-576x1024.png" alt="" class="wp-image-2395" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/04/Scheitern-weil-es-nichts-kosten-darf-576x1024.png 576w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/04/Scheitern-weil-es-nichts-kosten-darf-169x300.png 169w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/04/Scheitern-weil-es-nichts-kosten-darf-768x1365.png 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/04/Scheitern-weil-es-nichts-kosten-darf-864x1536.png 864w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/04/Scheitern-weil-es-nichts-kosten-darf.png 1080w" sizes="auto, (max-width: 576px) 100vw, 576px" /></figure>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist beispielsweise so gut wie unmöglich, deutschlandweit einen Nachtpflegeplatz zu erhalten. Darüber hinaus ist die Beantragung der Leistungen ein großes Problem. Sie kostet Angehörigen Zeit und Kraft, die sie eigentlich für die Pflege brauchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Verschiedene Verbände bzw. VertreterInnen der professionellen Pflege kritisieren eine „Deprofessionalisierung“, wenn immer mehr Hilfs- und Helferberufe zugelassen und deren Arbeit abseits des Ehrenamts refinanziert wird. Haben wir nicht schon jetzt und auch auf lange Sicht ein „Masseproblem“, welches die professionelle Pflege gar nicht wird auffangen können?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Martin Kilimann:</strong> Über die Pflegekräftevorausberechnung des Statistischen Bundesamtes wissen wir, dass bis 2034 bis zu 350.000 Pflegekräfte fehlen werden. Diese Entwicklung lässt sich zum einen durch einen höheren Bedarf an Pflegekräften aufgrund von immer mehr Pflegebedürftigen erklären. Gleichzeitig halten sich die Berufseinsteiger und jene, die den Arbeitsmarkt verlassen, nicht die Waage. Diese beiden Seiten des demografischen Wandels führen zu dem von Ihnen genannten „Masseproblem“. Wie der kürzlich erschienene DAK-Pflegereport deutlich gemacht hat, stellt sich das aber in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich dar. Nordrhein-Westfalen beispielsweise wird voraussichtlich keinen grundsätzlichen Engpass zu befürchten haben. Im Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel in der Pflege ist es wichtig, die vorhandenen Pflegekräfte deutlich gezielter zur Entlastung der Angehörigen einzusetzen.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-primary-color has-text-color has-link-color wp-elements-ead0fb17fecdf5086731330e9ce73821">Krankenhausreform – Sektorengrenzen überwinden </h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Eine Krankenhausreform war und ist notwendig. Zu teuer, zu viel, mancherorts auf zu niedrigem Niveau: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat das heiße Eisen angefasst. Bei mir kommt es immer wieder zu Rückmeldungen von pflegenden Angehörigen, dass das Entlassmanagement nicht ausreichend gut funktioniert. In wie weit wäre aus Ihrer Sicht die Krankenhausreform ein geeignetes Mittel, das Entlassmanagement der Kliniken zu verbessern?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Martin Kilimann:</strong> Ein Ziel der Krankenhausreform ist, den Finanzierungsdruck aus dem System zu nehmen. Dabei kommt das Entlassmanagement derzeit noch etwas zu kurz. Dabei werden die Patientinnen und Patienten heute zum Teil viel zu früh entlassen, um die Betten schnell neu belegen zu können. Dieser Druck führt jedoch häufig zu einer Überforderung der Angehörigen, die die anschließende Pflege selbst stemmen müssen. Auch die kurzfristige Suche nach einem ambulanten oder gar stationären Pflegedienstleister gestaltet sich häufig schwierig. Der derzeitige Entwurf der Krankenhausreform macht hier einige interessante Vorschläge. So soll zum einen der stationäre und ambulante Bereich enger vernetzt werden, beispielsweise durch sektorenübergreifende Versorgungszentren, aber auch eine Übergangspflege soll im Krankenhaus ermöglicht werden. Dies soll im Besonderen dann geschehen, wenn im unmittelbaren Anschluss an eine Krankenhausbehandlung andere Pflegeleistungen nach dem SGB XI nicht erbracht werden können. Es ist ein richtiger Schritt, die harten Sektorengrenzen zwischen SGB V und SGB XI abzubauen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Ich danke Ihnen für Ihre Antworten.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Informiert zum Thema Demenz bleiben Sie über den Newsletter dieser Seite oder abonnieren Sie den <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/10/23/demenzinfos-auf-dem-smartphone-whatsapp-kanal-demenz-gestartet/">Whatsapp-Kanal Demenz</a>.<br></p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Titelbildhintergrund: Foto von La Miko via pexels; Frau am Tisch: Foto von Karolina Grabowska via pexels</p>



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<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/04/16/studie-oftmals-koennen-leistungen-nicht-in-anspruch-genommen-werden-weil-die-anbieter-oder-plaetze-fehlen/">Studie: „Oftmals können Leistungen nicht in Anspruch genommen werden, weil die Anbieter oder Plätze fehlen.“</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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		<title>Arbeiten Sie noch? Oder pflegen Sie schon?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Oct 2022 17:48:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik und Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[betreuung]]></category>
		<category><![CDATA[Fachkräftemangel]]></category>
		<category><![CDATA[KDA]]></category>
		<category><![CDATA[pflege]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Stellen Sie sich ein Land vor, dessen Bevölkerung dank gesellschaftlichen und medizinisch-pflegerischen Fortschritts immer älter wird. Und stellen Sie sich weiter vor, dass kluge Menschen dieses reichen Landes in die&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2022/10/28/arbeiten-sie-noch-oder-pflegen-sie-schon/">Arbeiten Sie noch? Oder pflegen Sie schon?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Stellen Sie sich ein Land vor, dessen Bevölkerung dank gesellschaftlichen und medizinisch-pflegerischen Fortschritts immer älter wird. Und stellen Sie sich weiter vor, dass kluge Menschen dieses reichen Landes in die Zukunft blicken und feststellen: es werden hier weniger Kinder geboren als nötig und unsere Zuwanderung von Menschen aus anderen Ländern ist nicht ausreichend geregelt. Und können Sie sich obendrein vorstellen, dass dieses Land damit zwar die wichtigsten Faktoren kennt die seinen Wohlstand und seine Errungenschaften gefährdet – aber nichts dagegen unternimmt? Nein? Natürlich nicht &#8211; das wäre ja irrsinnig. </p>



<h2 class="has-tertiary-color has-text-color wp-block-heading">Fachkräftemangel bedeutet: Wartezeiten, Fehler, Leid </h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fachkräftemangel hat viele Folgen. In manchen Branchen dauert es einfach länger, bis Aufträge abgearbeitet werden können. In anderen nimmt die Fehler- und Reklamationsquote zu. Manche Unternehmen verlieren die Fähigkeit, progressiv nach vorne zu arbeiten und Neues zu entwickeln. In anderen Bereichen wird es gefährlich: fehlen Pflegeprofis im Krankenhaus, kann dies Lebensgefahr bedeuten für die Patienten. Fehlen Pflegeprofis im Pflegeheim ebenfalls, häufiger aber noch bedeutet es längeres, vermeidbares Leid oder verfrühte Umzüge ins Pflegeheim oder auch vermehrte Klinikeinweisungen. Aber auch um den Klimawandel zu bewältigen sind viele Fachkräfte nötig.</p>



<h2 class="has-tertiary-color has-text-color wp-block-heading">Beste Führung, gute Bezahlung und ein Billiardtisch – dann schlägt das Leben zu</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Stellen Sie sich vor, Sie wären Inhaber*in eines Unternehmens. In Ihrem Unternehmen, in Ihrem eigenen Pflegedienst oder Krankenhaus, in Ihrer Produktionshalle oder Ladengeschäft – Sie haben erfolgreich dafür gesorgt, dass Ihre Mitarbeitenden bleiben. Ihre Profis, Ihre Könner – Sie bezahlen Sie gut und sorgen als echte Führungspersönlichkeit dafür, dass diese Fachkräfte gerne bleiben und ihre Aufgaben bewältigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und trotzdem kündigt die hochgeschätzte Stationsleiterin plötzlich. Dennoch kündigt die IT-Spezialistin an, zum Jahresende mindestens ihre Stunden zu reduzieren – oder ganz auszusteigen und nur noch als Freelancerin zu arbeiten. Trotz all Ihrer intensiven Bemühungen um gute Arbeitsbedingungen – z.B. gibt’s jetzt immer frisches Obst im Aufenthaltsraum, will Ihr Sachgebietsleiter „Bau“ Ihres Landkreises immer weiter Stunden reduzieren und es fällt auf, dass er öfter krankheitsbedingt fehlt oder einige Urlaubstage beansprucht.</p>



<h2 class="has-tertiary-color has-text-color wp-block-heading">Ein Pflegefall in der Familie ist ein Pflegefall für die Firma</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht selten ist ein pflegebedürftiges Familienmitglied des Mitarbeitenden der Grund, dass es bei der Arbeit plötzlich „unrund“ läuft. Ein Pflegesituation in der Familie führt auch zum Brain-Drain – denn es fehlen eben nicht nur &#8222;Hände&#8220;, sondern mit den Arbeitnehmenden gehen auch Wissen, Können, Erfahrung. Pflege und Betreuung im Zusammenhang mit der eigenen Berufstätigkeit bedeutet ein Mehrfaches an Belastung für die Arbeitnehmer und es gilt Wege zu finden, mit diesen adäquat umzugehen. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=ebSKMO4_fsw" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Im Rahmen des Equal-Care-Day schilderte hier eine berufstätige Frau eindrücklich, was die Doppelbelastung durch Beruf und private Care-Belastung für sie bedeutet</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne die Vereinbarkeit von Beruf und Angehörigenpflege fehlen in der Republik der Langlebigkeit nicht nur Profis, die nicht da sind weil nie geboren oder integriert, sondern auch jene die gehen <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2022/09/16/mitten-unter-uns-demenz-in-nordrhein-westfalen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">um Pflege- und Betreuungsverantwortung</a> zu übernehmen.</p>



<h2 class="has-tertiary-color has-text-color wp-block-heading">Landesprogramm zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In <a href="https://kda.de/vereinbarkeit-von-beruf-und-pflege-staerken-neues-programm-fuer-nrw-gestartet/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nordrhein-Westfalen wurde im März 2022 ein eigenes Programm zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege gestartet</a>. Ziel der gemeinsamen Initiative des Landes, der AOK Rheinland/Hamburg dem DGB und der Unternehmen sowie Trägern der Pflegeversicherung NRW und weiteren Projektpartnern ist es dafür zu sorgen, dass Berufstätigkeit und Pflegesituation von Angehörigen besser miteinander vereinbart werden können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Work-care-balance soll und muss sich verbessern, denn die meisten Menschen werden Zuhause gepflegt. Schätzungsweise eine halbe Mio. Menschen sind in NRW berufstätig und zugleich pflegende Angehörige. Das Landesprogramm setzt sowohl bei den Arbeitnehmern als auch bei den Unternehmen an. Adelheid von Spee, <a href="https://kda.de/mitarbeitende/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">wissenschaftliche Mitarbeiterin des Kuratoriums Deutsche Altershilfe</a>, hat Fragen zum Programm hier beantwortet:</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">

</div><figcaption class="wp-element-caption">Landesprogramm Vereinbarkeit Beruf und Pflege: im Gespräch mit Adelheid von Spee vom KDA</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Bisher hat nur <a href="https://berufundpflege.hessen.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">das Bundesland Hessen ein ähnliches Programm</a>. Es ist zu hoffen, dass noch mehr Bundesländer ähnliche Programme fördern und auch Unternehmen die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf nicht etwa als ein Incentive betrachten wie einen Obstkorb oder Billardtische. Vielmehr ist die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege ein notwendiger, wichtiger Beitrag dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und Bestandteil einer Unternehmenskultur, die auch mit dem Blick auf die eigenen Interessen die Mitarbeitenden in den Fokus nimmt.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Titelfoto: Lukas v. Pexels</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2022/10/28/arbeiten-sie-noch-oder-pflegen-sie-schon/">Arbeiten Sie noch? Oder pflegen Sie schon?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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