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	<title>Demenz im Krankenhaus</title>
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	<title>Demenz im Krankenhaus</title>
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		<title>Schmerzen bei Demenz: Warum Beobachten im Sitzen nicht reicht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Aug 2026 18:24:59 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Schmerzen bei Menschen mit Demenz zu erkennen, ist häufig schwierig. Je weiter die Erkrankung fortschreitet, desto schwerer kann es Betroffenen fallen, Schmerzen zuverlässig zu benennen, ihre Stärke einzuschätzen oder zu&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/08/16/schmerzen-bei-demenz-warum-beobachten-im-sitzen-nicht-reicht/">Schmerzen bei Demenz: Warum Beobachten im Sitzen nicht reicht</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Schmerzen bei Menschen mit Demenz zu erkennen, ist häufig schwierig. Je weiter die Erkrankung fortschreitet, desto schwerer kann es Betroffenen fallen, Schmerzen zuverlässig zu benennen, ihre Stärke einzuschätzen oder zu erklären, wo genau etwas wehtut.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Dann gewinnt die Beobachtung an Bedeutung: Verzieht der Mensch das Gesicht? Stöhnt er? Schützt er einen Körperteil? Verändert sich seine Haltung oder sein Verhalten? Für die Schmerzbeurteilung sind in der Pflege verschiedene Skalen etabliert. Doch dabei gibt es ein Problem: oftmals werden Schmerzskalen in relativer Ruhe benutzt. Konkret: die Pflegefachperson setzt sich neben den sitzenden oder liegenden Pflegebedürftigen und füllt das Formular aus.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Aber: es reicht möglicherweise nicht, sich neben einen ruhig sitzenden oder liegenden Menschen zu setzen und ihn einige Minuten zu beobachten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>In Ruhe unauffällig – bei Bewegung Schmerzen</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wie groß der Unterschied sein kann, zeigte eine britische Untersuchung mit 230 älteren Menschen mit Demenz, die ungeplant in ein Akutkrankenhaus aufgenommen worden waren. Während ihres Krankenhausaufenthaltes wurde wiederholt auf Schmerzverhalten geachtet – sowohl in Ruhe als auch bei Bewegung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Ergebnis ist bemerkenswert:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Bei 19 Prozent wurde mindestens einmal Schmerzverhalten in Ruhe beobachtet. Bei Bewegung waren es 57 Prozent.</strong> Das bedeutet nicht, dass alle diese Menschen dauerhaft Schmerzen hatten. Es zeigt aber sehr deutlich, wie stark die Situation beeinflussen kann, ob Schmerz überhaupt erkennbar wird. Eine spätere wissenschaftliche Auswertung derselben Patientengruppe kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Die beobachteten Schmerzwerte waren während Aktivität deutlich höher als in Ruhe. Die Forschenden sprechen dabei von einem möglichen Floor-Effekt: In Ruhe sammeln sich die Werte am unteren Ende einer Beobachtungsskala. Der Mensch erscheint unauffällig – obwohl sich bei Bewegung durchaus Schmerzzeichen zeigen können.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Der Schmerz entsteht nicht erst beim Aufstehen</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Man kann sich das an einer alltäglichen Situation vorstellen. Eine Person sitzt ruhig in ihrem Sessel. Sie stöhnt nicht, ihr Gesicht wirkt entspannt, die Körperhaltung erscheint unauffällig. Dann soll sie aufstehen. Beim Vorbeugen verzieht sie plötzlich das Gesicht. Beim Hochkommen hält sie das rechte Bein steif. Sie klammert sich an der Armlehne fest und stöhnt. Der naheliegende Gedanke wäre: Jetzt hat sie Schmerzen. Genauer wäre jedoch:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Jetzt werden die Schmerzen sichtbar.</strong></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Bewegung muss den Schmerz nicht verursacht haben. Möglicherweise bestand beispielsweise bereits eine schmerzhafte Arthrose, eine Verletzung, eine Druckstelle oder ein muskuloskelettales Problem. Solange der betroffene Körperbereich nicht belastet oder bewegt wurde, war davon im Verhalten kaum etwas zu erkennen. Gerade bei Menschen, die ihre Beschwerden nicht mehr zuverlässig mitteilen können, kann dieser Unterschied entscheidend sein. Also auch bei Menschen mit fortgeschrittener Demenz.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/08/textunterbrecher.png"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/08/textunterbrecher-1024x768.png" alt="" class="wp-image-3723" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/08/textunterbrecher-1024x768.png 1024w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/08/textunterbrecher-300x225.png 300w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/08/textunterbrecher-768x576.png 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/08/textunterbrecher-1320x990.png 1320w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/08/textunterbrecher.png 1448w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch andere Studien zeigen höhere Schmerzwerte bei Bewegung. Bereits 2010 untersuchten Forschende 60 Pflegeheimbewohner mit Demenz und bekannten Schmerzproblemen. Die Bewohner wurden sowohl in Ruhe als auch während standardisierter Bewegungen beobachtet. Bei unterschiedlichen Verfahren zur Schmerzbeobachtung zeigten sich während der Bewegung signifikant mehr Schmerzzeichen als in Ruhe.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch andere Forschungsgruppen haben deshalb gezielt Bewegungen in die Schmerzerfassung einbezogen. Dahinter steht ein einfacher Gedanke: Wer wissen möchte, ob beispielsweise Hüfte, Knie, Schulter oder Rücken Schmerzen verursachen, erhält möglicherweise mehr Informationen, wenn diese Körperbereiche bei einer ohnehin notwendigen Alltagshandlung bewegt oder belastet werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Beobachtung in Ruhe ist trotzdem nicht falsch</strong></h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Aus den Forschungsergebnissen sollte allerdings nicht der umgekehrte Schluss gezogen werden, Menschen müssten ausschließlich bei Bewegung beobachtet werden. Auch Schmerzen in Ruhe sind wichtig. Manche Erkrankungen verursachen gerade dann Beschwerden, wenn ein Mensch liegt oder längere Zeit dieselbe Position einnimmt.Sinnvoller ist deshalb die Kombination:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wie verhält sich der Mensch in Ruhe – und was verändert sich bei Bewegung? </p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="background:#f4f8fb; border-left:5px solid #3b82a0; padding:18px 20px; margin:24px 0; border-radius:6px; line-height:1.6;">
  
  <div style="font-size:1.15em; font-weight:700; margin-bottom:8px;">
    <span style="margin-right:7px;" aria-hidden="true"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/26a0.png" alt="⚠" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /></span>
    Bewegung beobachten heißt nicht, Schmerzen zu provozieren
  </div>

  <p style="margin:0 0 8px 0;">
    Ein wichtiger Punkt darf dabei nicht missverstanden werden:
    Niemand sollte einen Menschen absichtlich in eine schmerzhafte Bewegung zwingen, nur um herauszufinden, ob etwas wehtut.
  </p>

  <p style="margin:0;">
    Es geht vielmehr darum, <strong>notwendige und ohnehin stattfindende Bewegungen bewusster zu beobachten</strong>.
  </p>

</div>
</div>
</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch internationale Empfehlungen zur Schmerzerfassung bei Demenz weisen darauf hin, dass Beobachtungen sowohl in Ruhe als auch während Transfers und Aktivitäten des täglichen Lebens erfolgen sollten. Der Vergleich kann zusätzliche Informationen liefern, die eine einzelne Momentaufnahme nicht bietet.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Unauffälliges Verhalten in Ruhe beweist keine Schmerzfreiheit.</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wo eine verständliche Selbstauskunft noch möglich ist, sollte sie weiterhin genutzt werden. Fremdbeobachtung ergänzt diese Einschätzung insbesondere dann, wenn Kommunikation zunehmend schwierig wird. Vielleicht müssen wir nicht nur anders beobachten – sondern im richtigen Moment. In der Pflege wird viel darüber gesprochen, welches Instrument zur Schmerzerfassung verwendet werden sollte. Diese Frage ist wichtig. Aber möglicherweise beginnt das Problem noch früher.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn eine Pflegefachperson einen Menschen nur ruhig im Bett oder im Sessel erlebt, fehlen unter Umständen genau die Situationen, in denen sich Schmerzen bemerkbar machen. Die Forschung zeigt inzwischen recht deutlich, dass Schmerzverhalten bei Menschen mit Demenz während Bewegung wesentlich häufiger sichtbar werden kann als in Ruhe.</p>



<p class="has-text-align-left has-medium-font-size wp-block-paragraph">Deshalb lohnt sich im Pflegealltag eine zusätzliche Frage. Nicht nur: <strong>„Welche Schmerzzeichen sehe ich?“, s</strong>ondern auch: <strong>„Wann schaue ich eigentlich hin?“</strong>.<br> Denn manchmal reicht Beobachten im Sitzen schlicht nicht aus.</p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph"><br><br>Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Quellen und zum Weiterlesen:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Sampson EL, White N, Lord K et al. (2015):</strong> Pain, agitation, and behavioural problems in people with dementia admitted to general hospital wards: a longitudinal cohort study. <em>Pain</em>.<br><a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25790457/">https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25790457/</a></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Dunford E et al.</strong> <strong>(2022):</strong> Psychometric evaluation of the Pain Assessment in Advanced Dementia scale in an acute general hospital setting.<br><a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9828226/">https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9828226/</a></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Ersek M et al. (2010):</strong> Comparing the psychometric properties of the Checklist of Nonverbal Pain Behaviors and the Pain Assessment in Advanced Dementia scale in persons with dementia.<br><a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20088854/">https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20088854/</a></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Husebø BS et al.</strong> <strong>(2007):</strong> Mobilization-Observation-Behavior-Intensity-Dementia Pain Scale (MOBID): development and validation of a nurse-administered pain assessment tool for use in dementia.<br><a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17509814/">https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17509814/</a></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>International Association for the Study of Pain (IASP):</strong> Pain Assessment in Dementia.<br><a href="https://www.iasp-pain.org/resources/fact-sheets/pain-assessment-in-dementia/">https://www.iasp-pain.org/resources/fact-sheets/pain-assessment-in-dementia/</a></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Lautenbacher S, Schreiber V, Grupp C et al.</strong> <strong>(2026):</strong> Pain differences in cognitive impairment appear only during active motor tasks. <em>Frontiers in Pain Research</em>.<br><a href="https://www.frontiersin.org/journals/pain-research/articles/10.3389/fpain.2026.1849507/full">https://www.frontiersin.org/journals/pain-research/articles/10.3389/fpain.2026.1849507/full</a></p>
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		<title>Nicht wegen der Demenz im Krankenhaus – sondern mit ihr</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/08/08/nicht-wegen-der-demenz-im-krankenhaus-sondern-mit-ihr/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 08 Aug 2026 08:48:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[Akutkrankenhaus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Menschen mit Demenz gehören längst zum Alltag deutscher Krankenhäuser. Das ist keine neue Entwicklung. Schon vor vielen Jahren zeigte sich, dass ein erheblicher Teil der älteren Krankenhauspatientinnen und -patienten kognitiv&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/08/08/nicht-wegen-der-demenz-im-krankenhaus-sondern-mit-ihr/">Nicht wegen der Demenz im Krankenhaus – sondern mit ihr</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Menschen mit Demenz gehören längst zum Alltag deutscher Krankenhäuser. Das ist keine neue Entwicklung. Schon vor vielen Jahren zeigte sich, dass ein erheblicher Teil der älteren Krankenhauspatientinnen und -patienten kognitiv beeinträchtigt ist. Verändert hat sich vor allem etwas anderes: Wir verstehen heute wesentlich besser, welche Folgen eine Demenz für nahezu den gesamten Krankenhausaufenthalt haben kann.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die entscheidende Frage lautet deshalb vielleicht nicht mehr: Was müssen Mitarbeitende in  Krankenhäusern über Demenz lernen? Sondern: Warum gelingt es noch immer nicht überall, vorhandenes Wissen zuverlässig in Strukturen und Abläufe zu übersetzen?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Demenz gehört schon lange dazu</h2>



<div style="background:#f4f7f9; border-left:5px solid #4f7896; padding:20px 22px; margin:28px 0; border-radius:4px;">

  <div style="font-size:1.25em; font-weight:700; margin-bottom:16px;">
    Demenz im Krankenhaus – vier Zahlen
  </div>

  <div style="display:grid; grid-template-columns:repeat(auto-fit,minmax(180px,1fr)); gap:20px;">

    <div>
      <div style="font-size:1.8em; font-weight:700; color:#365f7d;">
        18,4 %
      </div>
      <div style="margin-top:5px;">
        der untersuchten Krankenhauspatientinnen und -patienten ab 65 Jahren hatten eine Demenz.
      </div>
    </div>

    <div>
      <div style="font-size:1.8em; font-weight:700; color:#365f7d;">
        nur 36,7 %
      </div>
      <div style="margin-top:5px;">
        der in der Studie festgestellten Demenzerkrankungen waren auch in der Krankenakte dokumentiert.
      </div>
    </div>

    <div>
      <div style="font-size:1.8em; font-weight:700; color:#365f7d;">
        +33 %
      </div>
      <div style="margin-top:5px;">
        mehr Krankenhauseinweisungen gab es bei Menschen mit Demenz im Vergleich zu Menschen ohne Demenz.
      </div>
    </div>

    <div>
      <div style="font-size:1.8em; font-weight:700; color:#365f7d;">
        10,6 %
      </div>
      <div style="margin-top:5px;">
        der Krankenhausfälle mit Demenz hatten 2023 ein dokumentiertes Delir – gegenüber 3,4 % aller Krankenhausfälle ab 65 Jahren.
      </div>
    </div>

  </div>

  <div style="font-size:0.82em; color:#666; margin-top:18px; border-top:1px solid #d7dee3; padding-top:10px;">
    Quellen: GHoSt; Motzek et al.; BARMER Krankenhausreport 2025
  </div>

</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><br>Die General Hospital Study (GHoSt) untersuchte 2014 und 2015 ältere Patientinnen und Patienten in deutschen Allgemeinkrankenhäusern. Bei 18,4 Prozent der über 65-Jährigen wurde eine Demenz festgestellt, weitere 19,8 Prozent hatten eine leichte kognitive Beeinträchtigung. Insgesamt waren damit rund 40 Prozent kognitiv beeinträchtigt. Bemerkenswert ist ein anderer Befund: Nicht einmal bei vier von zehn der tatsächlich betroffenen Patientinnen und Patienten war die Demenz in der Krankenakte dokumentiert. Bei fast zwei Dritteln fehlte ein entsprechender Hinweis.<br><br>Das bedeutet wohl nicht, dass Krankenhäuser zwei Drittel aller Demenzerkrankungen schlicht „übersehen“ hätten. Manche Erkrankungen waren vermutlich zuvor nicht diagnostiziert, zudem kann die Abgrenzung zwischen Demenz, Delir und akuter kognitiver Verschlechterung schwierig sein. Für die Versorgung bleibt der Befund dennoch relevant: Ein Krankenhaus kann nicht darauf vertrauen, dass eine bestehende Demenz bei der Aufnahme bereits bekannt und dokumentiert ist. Und darf die Wirkung dieser Diagnose auf Behandlung und Verlauf des Krankenhausaufenthalts nicht unterschätzen. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Schon einige Jahre zuvor hatte eine Untersuchung im Auftrag der Deutschen Alzheimer Gesellschaft ein ähnliches Strukturproblem sichtbar gemacht. 2009 berichteten 81,9 Prozent der befragten Pflegekräfte, immer häufiger Menschen mit Demenz zu versorgen. Gleichzeitig fühlten sich nur rund 30 Prozent dafür ausreichend qualifiziert. Lediglich 27,7 Prozent der befragten Krankenhausleitungen konnten überhaupt ein demenzsensibles Versorgungskonzept benennen. Erfolgreiche Modellprojekte wurden damals noch als „Insellösungen“ beschrieben.<br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Menschen mit Demenz kommen häufiger ins Krankenhaus</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ob Menschen mit Demenz allerdings <strong>heute häufiger als früher</strong> ins Krankenhaus kommen, lässt sich nicht eindeutig sagen. Zwar stiegen die dokumentierten Krankenhausfälle mit Demenz bis 2019, nach der Corona-Pandemie liegen sie aber unter diesem Höchststand. Zudem beeinflussen Demografie, Diagnostik und Kodierung die Zahlen.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<div style="
  background-color: #eef5f8;
  border-left: 5px solid #28708a;
  padding: 16px 18px;
  margin: 24px 0;
  border-radius: 4px;
  font-size: 1.05em;
  line-height: 1.5;
">
  <span style="font-size: 1.3em; margin-right: 8px;">&#128269;</span>
  <strong>Belegt ist das höhere Hospitalisierungsrisiko – nicht ein kontinuierlicher Anstieg über die Jahre.</strong>
</div>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Warum Menschen mit Demenz im Krankenhaus behandelt werden</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Interessanter als die reine Zahl der Krankenhausaufenthalte ist möglicherweise der Blick auf ihre Ursachen. Menschen mit Demenz werden häufig aufgrund akuter Erkrankungen und Krisen aufgenommen – beispielsweise nach Frakturen und Verletzungen, bei Flüssigkeitsmangel oder Erkrankungen des Harnsystems.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/08/statistikqueerbehandlung.png"><img decoding="async" width="1024" height="725" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/08/statistikqueerbehandlung-1024x725.png" alt="" class="wp-image-3714" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/08/statistikqueerbehandlung-1024x725.png 1024w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/08/statistikqueerbehandlung-300x212.png 300w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/08/statistikqueerbehandlung-768x543.png 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/08/statistikqueerbehandlung-1320x934.png 1320w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/08/statistikqueerbehandlung.png 1491w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade hier zeigt sich, dass Demenz weit mehr ist als eine zusätzliche Diagnose in der Patientenakte. Ein Mensch mit Demenz kann möglicherweise nicht zuverlässig daran denken, ausreichend zu trinken. Er kann die Aufforderung, nach einem Sturz nicht allein aufzustehen, wenige Minuten später vergessen haben. Eine Infektion äußert sich womöglich zunächst durch Unruhe, Rückzug oder Nahrungsverweigerung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Krankenhaus behandelt dann vielleicht eine Fraktur, eine Herzinsuffizienz oder einen Flüssigkeitsmangel – die Demenz beeinflusst jedoch maßgeblich, wie diese Erkrankung überhaupt behandelt werden kann bzw. das Outcome der Maßnahmen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Krankenhausaufenthalt bringt zusätzliche Risiken</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Besonders deutlich wird das beim Delir. 2023 wurde bei 10,6 Prozent der Krankenhausfälle von Menschen mit Demenz ein Delir dokumentiert. Bei allen Krankenhausfällen ab 65 Jahren waren es 3,4 Prozent. Bei Demenz in Verbindung mit einer Femurfraktur lag der Anteil sogar bei 18,6 Prozent.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Hinzu kommen erhebliche Anforderungen an die Pflege. In der GHoSt-Studie berichteten Pflegefachleute bei 87,5 Prozent der Patientinnen und Patienten mit Demenz und/oder Delir mindestens eine herausfordernde Pflegesituation. Bei 57 Prozent wurde mehr Pflegezeit als üblich benötigt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das ist kein Hinweis darauf, dass Menschen mit Demenz „schwierige Patienten“ wären. Es zeigt vielmehr einen Konflikt zwischen kognitiven Einschränkungen und einem Versorgungssystem, das stark auf Orientierung, Gedächtnis, Kooperation und Selbstständigkeit angewiesen ist. Im ambulanten Bereich wird das Thema Delir häufig ebenfalls stark unterschätzt. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Viel hat sich verändert – aber nicht überall</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Inzwischen ist demenzsensible Krankenhausversorgung auch gesundheitspolitisch längst kein Randthema mehr. Sie ist Bestandteil der Nationalen Demenzstrategie. Kognitive Screenings, Angehörigenintegration, Delirprävention, kürzere Wartezeiten, Orientierungshilfen und angepasste Behandlungsabläufe werden seit Jahren diskutiert und erprobt. Wissen ist jedoch das eine, die Umsetzung eine andere. Es erstaunt mich immer wieder: in Schulungen in Krankenhäusern sind Teilnehmer manchmal regelrecht erstaunt zu hören, dass es im eigenen Haus einen speziellen Qualitätszirkel Demenz oder Delir gibt. Nie von gehört&#8230;. .</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine Untersuchung des Deutschen Krankenhausinstituts zeigte 2021/22 beispielsweise, dass zwar 52 Prozent der befragten Allgemeinkrankenhäuser in der Notaufnahme regelhaft ein kognitives Kurzscreening älterer Patienten durchführten. Eine Delirgefährdung war jedoch nur in 42 Prozent Bestandteil der Triage. Nur 28 Prozent gaben an, dass alle Beschäftigten in Notaufnahme beziehungsweise Rettungsdienst im Umgang mit Menschen mit Demenz geschult seien. Einen akustisch und visuell abgeschirmten Wartebereich hatten lediglich sieben Prozent.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Damit hat sich gegenüber den „Insellösungen“ von vor 15 Jahren zweifellos viel verändert. Von einer flächendeckend demenzsensiblen Krankenhausversorgung kann dennoch kaum gesprochen werden, betrachtet man diese Zahlen. Mein eigenes Erleben als Referent bestätigt das auch in der Hinsicht, dass Demenz immernoch &#8222;stiefmütterlich&#8220; behandelt wird und im Schulungsbereich häufig ein &#8222;nice to have&#8220; ist, aber nicht mehr. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Kein Erkenntnisproblem mehr?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für viele Menschen mit Demenz ist ein Krankenhausaufenthalt zudem eine kritische Phase ihres weiteren Krankheits- und Pflegeverlaufs. Nach BARMER-Daten benötigten rund 19 Prozent der zuvor ambulant oder teilstationär versorgten Menschen mit Demenz nach dem Krankenhausaufenthalt Kurzzeitpflege oder eine vollstationäre Versorgung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Daraus darf nicht geschlossen werden, dass der Krankenhausaufenthalt diese Verschlechterung verursacht hat.</strong> Menschen kommen schließlich gerade deshalb ins Krankenhaus, weil sie akut erkrankt oder verletzt sind. Die Zahlen zeigen aber, wie vulnerabel diese Patientengruppe ist.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Was Menschen mit Demenz im Krankenhaus benötigen, ist heute in vielen Bereichen bekannt. Die spannendere – und unbequemere – Frage lautet daher:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn wir so viel darüber wissen, warum hängt eine gute Versorgung noch immer so stark davon ab, in welchem Krankenhaus und auf welcher Station ein Mensch mit Demenz landet?</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/08/08/nicht-wegen-der-demenz-im-krankenhaus-sondern-mit-ihr/">Nicht wegen der Demenz im Krankenhaus – sondern mit ihr</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Neue WHO-Leitlinie: Was Demenzprävention leisten kann – und was nicht</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/07/20/neue-who-leitlinie-was-demenzpraevention-leisten-kann-und-was-nicht/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Jul 2026 11:07:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[Alzheimerprävention]]></category>
		<category><![CDATA[bluthochdruck]]></category>
		<category><![CDATA[demenzprävention]]></category>
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		<category><![CDATA[kognitive Stimulation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Weltgesundheitsorganisation hat ihre Leitlinie zur Verringerung des Risikos für kognitiven Abbau und Demenz grundlegend überarbeitet. Die zweite Auflage bewertet, welche konkreten Maßnahmen bei bekannten Risikofaktoren tatsächlich einen Nutzen für&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/07/20/neue-who-leitlinie-was-demenzpraevention-leisten-kann-und-was-nicht/">Neue WHO-Leitlinie: Was Demenzprävention leisten kann – und was nicht</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Weltgesundheitsorganisation hat ihre Leitlinie zur Verringerung des Risikos für kognitiven Abbau und Demenz grundlegend überarbeitet. Die zweite Auflage bewertet, welche konkreten Maßnahmen bei bekannten Risikofaktoren tatsächlich einen Nutzen für die Kognition oder das Demenzrisiko zeigen. Dabei fällt die WHO vielfach deutlich vorsichtiger aus, als es manche öffentliche Botschaft über Demenzprävention vermuten lässt. Manche Schlagzeile verfälscht völlig, was wir über das Thema Prävention bei Demenz wissen &#8211; und dabei <a href="https://www.sciencemediacenter.de/angebote/praevention-von-14-risikofaktoren-koennte-demenzfaelle-verhindern-24109?utm_source=chatgpt.com">spielen &#8222;45%&#8220; eine besondere Rolle</a>. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Risikofaktor ist noch keine wirksame Präventionsmaßnahme</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bluthochdruck, Diabetes, Depressionen oder Schlafprobleme können mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden sein. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass ihre Behandlung nachweislich eine Demenz verhindert.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die WHO unterscheidet deshalb zwischen allgemeinen medizinischen Empfehlungen und einem zusätzlichen demenzpräventiven Nutzen. Depressionen und Schlafstörungen sollen selbstverständlich behandelt werden. Für die Aussage, dass ihre Behandlung zugleich das spätere Demenzrisiko senkt, reicht die bisherige Evidenz jedoch nicht aus.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was neu ist oder aktualisiert wurde</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Neu ist eine bedingte Empfehlung für kognitive Stimulation, etwa durch Lesen, Erzählen, Spiele oder strukturierte Gruppenangebote. Die Evidenzsicherheit ist allerdings sehr gering. Auch soziale Aktivitäten können nun bedingt empfohlen werden. <strong>Ob sie ursächlich vor Demenz schützen, ist damit nicht bewiesen.</strong></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Neu aufgenommen wurden außerdem Maßnahmen zur Verringerung der Luftverschmutzung sowie individuell zugeschnittene Programme, die mehrere vorhandene Risikofaktoren gleichzeitig angehen. Bei diesen Mehrkomponentenprogrammen stuft die WHO die Evidenzsicherheit teilweise als moderat bis hoch ein. Das beschreibt jedoch nicht die Größe der Wirkung, sondern wie verlässlich das gefundene Ergebnis ist. Und dieses Ergebnis fällt ernüchternd aus: In den wenigen Studien, die neu auftretende Demenzerkrankungen erfassten, hatten solche Programme wenig oder keinen Effekt. Verbesserungen in kognitiven Tests waren sehr klein.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Aktualisiert wurden unter anderem <a href="https://www.who.int/publications/i/item/9789240123557">die Empfehlungen</a> zu ausgewogener Ernährung, Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck und Hörgeräten. Die meisten dieser Empfehlungen bleiben bedingt; die Evidenz reicht je nach Maßnahme von sehr gering bis moderat.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/07/WhoTabelle.png"><img decoding="async" width="1024" height="768" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/07/WhoTabelle-1024x768.png" alt="" class="wp-image-3698" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/07/WhoTabelle-1024x768.png 1024w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/07/WhoTabelle-300x225.png 300w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/07/WhoTabelle-768x576.png 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/07/WhoTabelle-1320x990.png 1320w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/07/WhoTabelle.png 1448w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Was die WHO nicht empfiehlt</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Von Vitamin B und E, Omega-3-Fettsäuren sowie Multivitamin- und Mineralstoffpräparaten zur gezielten Demenzprävention rät die WHO bei Menschen ohne nachgewiesenen Mangel ab. Hier spricht sie eine starke Empfehlung aus.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine menopausale Hormontherapie soll bei Frauen ab 65 Jahren ebenfalls nicht eigens begonnen oder eingesetzt werden, um kognitiven Abbau oder Demenz zu verhindern. Für jüngere Frauen reicht die Evidenz weder für eine Empfehlung dafür noch dagegen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Keine ausreichenden Belege sieht die WHO außerdem für einen demenzpräventiven Nutzen der Behandlung von Depressionen, Schlafstörungen und Sehbeeinträchtigungen sowie bestimmter Maßnahmen nach einem Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma. <strong>Das bedeutet nicht, diese Erkrankungen oder Beeinträchtigungen unbehandelt zu lassen.</strong> Es markiert vielmehr die Grenze dessen, was derzeit über eine zusätzliche Wirkung auf das Demenzrisiko behauptet werden sollte.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<aside style="margin: 2rem 0; padding: 1.4rem 1.6rem; background-color: #f3f7f8; border-left: 5px solid #39778a; border-radius: 4px;" aria-labelledby="infokasten-praevention">

  <h3 id="infokasten-praevention" style="margin: 0 0 0.8rem 0; font-size: 1.2em; line-height: 1.35;">
    Was bedeutet die Zahl von 45 Prozent?
  </h3>

  <p style="margin: 0; line-height: 1.65;">
    Die WHO verweist auf eine Modellschätzung der Lancet-Kommission, nach der
    <strong>14 veränderbare Risikofaktoren zusammengenommen mit bis zu 45 Prozent des weltweiten Demenzgeschehens verbunden sein könnten.</strong>
  </p>

  <p style="margin: 1rem 0 0 0; padding: 0.9rem 1rem; line-height: 1.65; background-color: #ffffff; border: 2px solid #39778a; border-radius: 4px;">
    <strong>Wichtig:</strong> Die Zahl von 45 Prozent bedeutet nicht, dass tatsächlich 45 Prozent aller Demenzerkrankungen verhindert werden können. Sie bedeutet ebenso wenig, dass ein einzelner Mensch sein persönliches Demenzrisiko durch einen gesunden Lebensstil annähernd halbieren kann.
  </p>

  <p style="margin: 1rem 0 0 0; line-height: 1.65;">
    Die neue WHO-Leitlinie prüft vielmehr, welche konkreten Interventionen nachweislich wirken – und fällt dabei wesentlich zurückhaltender aus.
  </p>

</aside>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Prävention ist keine persönliche Vollkaskoversicherung</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, Rauchstopp und die Behandlung gesundheitlicher Risiken sind sinnvoll. Einen garantierten Schutz vor Demenz bieten sie nicht. Zudem liegen viele Voraussetzungen nicht allein in der Hand des Einzelnen. Bildungschancen, medizinische Versorgung, soziale Teilhabe, sichere Lebensbedingungen und saubere Luft sind auch gesellschaftliche und politische Aufgaben.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade deshalb ist ein verantwortungsvoller Umgang mit der Zahl von 45 Prozent notwendig. Sie lässt sich leicht in die scheinbar eingängige Botschaft übersetzen, ein Mensch könne sein persönliches Demenzrisiko durch 14 Maßnahmen nahezu halbieren. <strong>Das sagen weder die zugrunde liegende Modellrechnung noch die neue WHO-Leitlinie. Eine vollständige Beseitigung aller Risikofaktoren ist unrealistisch, und selbst aufwendige Programme verhindern Demenz nicht zuverlässig.</strong></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Überschriften, die dennoch eine persönliche Halbierung des Risikos versprechen, vermitteln eine Illusion umfassender Kontrolle. Im schlimmsten Fall entsteht daraus sogar der rückblickende Verdacht, Erkrankte hätten nicht gesund, aktiv oder diszipliniert genug gelebt. Das alles schrammt stets hart an der Grenze entlang, Betroffenen letztlich selbstverschulden zu unterstellen. Prävention verdient eine ernsthafte Debatte – aber kein Versprechen, das die Wissenschaft nicht einlösen kann. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade Gesundheitsberufler, aber auch Redaktionen die sich als seriös betrachten, sollten dem Thema Demenz mit der notwendigen Ernsthaftigkeit begegnen. Schlagzeilen wie &#8222;So halbieren Sie Ihr Demenzrisiko&#8220; mögen Klicks bringen &#8211; gerade im Umgang mit Erkrankungen wäre es aber angebracht, wenn sich Journalistinnen und Journalisten selbst verpflichtet sähen, Informationen zu bieten und diese einzuordnen, statt Luftblasen &#8211; oder sogar Falschinformationen, zu verbreiten. </p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Kolleginnen und Kollegen der Pflege sind auch aufgerufen, solche Behauptungen nicht unkommentiert weiterzuverbreiten. Das heißt auch, entsprechende Beiträge in den sozialen Medien nicht zu teilen / liken. Das mag im Zeitalter der Sekundenaufmerksamkeit vielleicht nicht viel bedeuten. Fördern muss man unsinnige / unbelegte Behauptungen jedoch auch nicht. <br><br>Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Grafiken mit KI erstellt. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Auszug verwendeter Quellen</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>WHO-Leitlinie, zweite Auflage:</strong><br><a href="https://www.who.int/publications/i/item/9789240123557?utm_source=chatgpt.com">https://www.who.int/publications/i/item/9789240123557</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>WHO-Pressemitteilung zur neuen Leitlinie:</strong><br><a href="https://www.who.int/news/item/15-07-2026-new-who-guidelines--up-to-45--of-dementia-risk-could-be-prevented-or-delayed?utm_source=chatgpt.com">https://www.who.int/news/item/15-07-2026-new-who-guidelines&#8211;up-to-45&#8211;of-dementia-risk-could-be-prevented-or-delayed</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lancet Commission 2024:</strong><br><a href="https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736%2824%2901296-0/fulltext?utm_source=chatgpt.com">https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736%2824%2901296-0/fulltext</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Deutsches Ärzteblatt:</strong><br><a href="https://www.aerzteblatt.de/news/neue-empfehlungen-der-weltgesundheitsorganisation-gegen-demenz-erschienen-4511b953-9ff1-4640-8192-e30c604727a8?utm_source=chatgpt.com">https://www.aerzteblatt.de/news/neue-empfehlungen-der-weltgesundheitsorganisation-gegen-demenz-erschienen-4511b953-9ff1-4640-8192-e30c604727a8</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kritische Einordnung durch Fachleute beim Science Media Center Germany:</strong><br><a href="https://www.sciencemediacenter.de/angebote/praevention-von-14-risikofaktoren-koennte-demenzfaelle-verhindern-24109?utm_source=chatgpt.com">https://www.sciencemediacenter.de/angebote/praevention-von-14-risikofaktoren-koennte-demenzfaelle-verhindern-24109</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/07/20/neue-who-leitlinie-was-demenzpraevention-leisten-kann-und-was-nicht/">Neue WHO-Leitlinie: Was Demenzprävention leisten kann – und was nicht</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Delir bei Demenz: Wenn die Akutphase vorbei ist, bleibt dennoch das Risiko</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/07/07/delir-bei-demenz-wenn-die-akutphase-vorbei-ist-bleibt-dennoch-das-risiko/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Jul 2026 16:33:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
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		<category><![CDATA[sturzrisiko]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Delir ist akut gefährlich. Aber auch nach dem scheinbaren Abklingen darf es pflegefachlich nicht abgehakt werden. Wenn Unruhe, Halluzinationen oder starke Desorientierung nachlassen, entsteht leicht der Eindruck von Stabilisierung.&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/07/07/delir-bei-demenz-wenn-die-akutphase-vorbei-ist-bleibt-dennoch-das-risiko/">Delir bei Demenz: Wenn die Akutphase vorbei ist, bleibt dennoch das Risiko</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Delir ist akut gefährlich. Aber auch nach dem scheinbaren Abklingen darf es pflegefachlich nicht abgehakt werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn Unruhe, Halluzinationen oder starke Desorientierung nachlassen, entsteht leicht der Eindruck von Stabilisierung. Dieser Eindruck kann trügen. <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/04/23/persistentes-delir-weit-verbreitet-und-langanhaltend/">Ein Delir kann persistieren</a>, hypoaktiv weiterbestehen oder zwar remittieren, aber neue funktionelle Risiken hinterlassen: weniger Mobilität, schlechtere Trinkmenge, mehr Stürze, Dysphagie, Schlafstörungen, neue Angst und ein erhöhtes Risiko für weitere Delire.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade bei Menschen mit Demenz ist das frühere Ausgangsniveau nach einem Delir nicht immer wieder erreichbar. Die entscheidende pflegefachliche Frage lautet deshalb nicht: Ist die Person wieder wie vorher? Sondern: Ist das Delir remittiert – und welche neuen oder verstärkten Risiken bleiben danach bestehen?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für Pflegefachpersonen ist deshalb nicht nur die akute Delirerkennung wichtig. Entscheidend ist auch, was danach passiert. Und damit dann auch wieder erneut klar, wer die Hauptlast hinsichtlich Versorgung und auch Prävention trägt. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wann ist ein Delir denn vorbei?</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Delir gilt fachlich als remittiert, wenn die delirtypischen Merkmale nicht mehr nachweisbar sind: keine akute oder fluktuierende Aufmerksamkeitsstörung, keine auffällige Veränderung von Bewusstsein, Wahrnehmung, Denken oder psychomotorischem Verhalten im Sinne des Delirs.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei Menschen mit Demenz ist das schwer zu beurteilen, weil Demenzsymptome und Delirsymptome überlappen. Maßstab ist der Zustand vor dem Delir – auch wenn dieser Zustand nach dem Delir nicht wieder vollständig erreicht wird. Dazu braucht es strukturierte Beobachtung, Fremdanamnese und bei Verdacht ein standardisiertes Screening. Geeignet sind je nach Setting zum Beispiel 4AT, Nu-DESC, DOS/DOSS, auf Intensivstationen CAM-ICU oder ICDSC. Der 4AT erfasst unter anderem Wachheit, Orientierung/Kognition, Aufmerksamkeit und akute Veränderung beziehungsweise fluktuierenden Verlauf. Bei schwerer Demenz muss das Ergebnis besonders vorsichtig im Verlauf und mit Fremdinformation interpretiert werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wichtig ist: Ein Screening ersetzt nicht die fachliche Gesamtbeurteilung. Es verhindert aber, dass Pflege nur nach Eindruck dokumentiert: „besser“, „ruhiger“, „verwirrt“ oder „klarer“.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wie lange muss Pflege nach einem Delir aufmerksam bleiben?</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Pflege muss immer aufmerksam sein. Deswegen verlangt professionelle Pflege eben auch mehr, als Laienpflege. </p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine harte Frist gibt es nachfolgend eines deliranten Zustandes so nicht. Fachlich sinnvoll ist eine gestufte Nachsorge.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für mindestens drei Monate sollte ein erlittenes Delir als aktives Risikoereignis präsent bleiben. Diese Frist ist keine starre Leitlinienvorgabe, aber sie ist pflegefachlich begründbar. Eine deutsche Nachbeobachtungsstudie zu Menschen mit Demenz beziehungsweise Delir auf Demenz fand, dass innerhalb der ersten drei Monate nach Entlassung 14 Prozent der Patientinnen und Patienten mit Delir auf Demenz starben, aber keine Person aus der Vergleichsgruppe mit Demenz ohne Delir.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="border: 2px solid #8a4b00; background: #fff7e8; padding: 18px 20px; margin: 24px 0; border-radius: 10px; font-family: inherit; color: #222; line-height: 1.55; font-size: 18px;">
  
  <div style="font-weight: 700; font-size: 20px; margin-bottom: 12px; color: #5c3200;">
    <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/26a0.png" alt="⚠" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Delir bleibt ein Risikomarker
  </div>

  <p style="margin: 0 0 14px 0;">
    Auch nach dem scheinbaren Abklingen bleibt ein Delir dauerhaft 
    <strong>anlassbezogen relevant</strong>.
  </p>

  <ul style="margin: 12px 0 16px 0; padding-left: 1.2em;">
    <li><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f9a0.png" alt="🦠" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Infekt</li>
    <li><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f4a7.png" alt="💧" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Exsikkose</li>
    <li><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1fa79.png" alt="🩹" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Sturz oder Operation</li>
    <li><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/26a1.png" alt="⚡" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Schmerz</li>
    <li><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f6bd.png" alt="🚽" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Harnverhalt oder Obstipation</li>
    <li><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f48a.png" alt="💊" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Sedierung oder Medikamentenänderung</li>
    <li><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f501.png" alt="🔁" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Ortswechsel</li>
    <li><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f9e0.png" alt="🧠" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> auffällige Verhaltensänderung</li>
  </ul>

  <p style="margin: 0;">
    In diesen Situationen muss ein <strong>erneutes Delir früh mitgedacht</strong> werden. 
    Die S3-Leitlinie nennt ein Delir in der Vorgeschichte ausdrücklich als 
    <strong>Risikofaktor für ein weiteres Delir</strong>.
  </p>

</div>

</div>
</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nach einem Delir bedeutet „drei Monate aufmerksam bleiben“ nicht, dass täglich routinemäßig ein Delirbogen ausgefüllt werden muss. Ich meine damit eine niedrigere Schwelle für pflegefachliches Handeln. Jede akute Veränderung gegenüber dem bekannten Zustand muss ernst genommen werden: neue Schläfrigkeit, schwankende Aufmerksamkeit, Trinkmengenrückgang, Mobilitätsverlust, Sturz, Schmerzzeichen, Fieber, Harnverhalt, Obstipation, Halluzinationen, Angst oder auffällige Unruhe. Wer viel oder gar ausschließlich mit Menschen mit Demenz arbeitet, steht stets im Risiko Verhaltensveränderungen &#8222;der Demenz&#8220; zuzuordnen. Daher dieser Aufruf zur besonderen Sensibilität nach einer deliranten Episode. Das frühere Delir ist deshalb kein abgeschlossener Eintrag in der Vorgeschichte, sondern ein Risikohinweis für die aktuelle Versorgung.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein durchgemachtes Delir erhöht das Risiko für weitere Delire</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Frage nach dem Rezidivrisiko lässt sich nicht mit einer einzigen belastbaren Prozentzahl für „Menschen mit Demenz nach Delir“ beantworten. Dafür unterscheiden sich Settings, Demenzschwere, Frailty, Multimorbidität, <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/02/28/gegeben-aber-nicht-genommen-der-stille-medikationsfehler/">Medikation</a>, <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/03/11/demenz-auf-falscher-faehrte-bei-infektionen-schmerzen/">Infektlast</a> und Erhebungsmethoden zu stark.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Richtung ist aber klar: Ein Delir in der Vorgeschichte gilt als Risikofaktor für ein weiteres Delir. <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/01/10/s3-leitlinie-delir-im-hoeheren-lebensalter-was-ist-neu/">Die S3-Leitlinie</a> formuliert für die Tertiärprävention, dass die nach einem Delir relevanten Risikofaktoren und deren Management weiter bedeutsam bleiben. In der stationären Langzeitpflege seien präventive nicht-pharmakologische Maßnahmen essenziell, um erneute Delirien zu vermeiden. Zugleich sei kontinuierliche interdisziplinäre Beobachtung nötig, um ein Wiederauftreten frühzeitig zu erkennen und eine rasche Ursachenbehandlung zu ermöglichen. Pflegefachlich folgt daraus: Wer einmal ein Delir hatte, gehört bei neuer akuter Belastung wieder in die Delir-Risikogruppe. Bei Menschen mit Demenz gilt das besonders.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Willkommen in der Drehtür: <strong>Entlassung nach Delir ohne Nachsorgeempfehlung bleibt Risiko</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/06/29/kurzzeitpflege-verzweifelt-gesucht-uebergangspflege/">Krankenhäuser entlassen Menschen mit Demenz</a> nicht selten nach einem behandelten oder sich bessernden Delir. Die akute Ursache ist therapiert, die Medikation angepasst, die Person wirkt ruhiger oder wieder besser erreichbar. Oder wehrt sich wenigstens weniger gegen die Versorgung. Hilfreich wäre, konkrete Aussage zur Delirnachsorge zu treffen.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/07/delirnachsorgegrafik.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="725" height="1024" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/07/delirnachsorgegrafik-725x1024.png" alt="" class="wp-image-3691" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/07/delirnachsorgegrafik-725x1024.png 725w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/07/delirnachsorgegrafik-212x300.png 212w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/07/delirnachsorgegrafik-768x1085.png 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/07/delirnachsorgegrafik.png 1055w" sizes="auto, (max-width: 725px) 100vw, 725px" /></a></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn ein Mensch mit Demenz während des Aufenthalts ein Delir hatte, reicht es nicht, nur die Medikation zu übergeben. Die Anschlussversorgung muss wissen, ob das Delir remittiert war oder ob noch Auffälligkeiten bestanden, welche Form beobachtet wurde, welche Auslöser wahrscheinlich waren und worauf Pflege, Hausarztpraxis und Angehörige in den nächsten Tagen und Wochen achten sollen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Krankenhäuser stehen hier in der Verantwortung. Ein behandeltes oder gebessertes Delir ist kein erledigtes Randereignis, sondern ein relevantes Risiko für die weitere Versorgung. Deshalb gehören in Arztbrief und Pflegeverlegungsbericht konkrete ärztliche und pflegefachliche Handlungsempfehlungen: Wann ist eine erneute ärztliche Rückmeldung nötig? Welche Warnzeichen sprechen für ein persistierendes oder erneutes Delir? Welche körperlichen Auslöser müssen weiter beobachtet werden? Welche Medikationsrisiken bestehen? Welche Einschränkungen sind neu hinzugekommen?</p>
</div>
</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Delirnachsorge muss deshalb Teil der Entlassungsqualität sein – ärztlich und pflegefachlich.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Was Pflege konkret beobachten muss</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nach einem Delir reicht eine allgemeine Formulierung wie „weiter beobachten“ nicht aus. Beobachtung muss konkretisiert werden. Pflegefachlich relevant sind vor allem: Aufmerksamkeit und Wachheit bzw. Fluktuation, Mobilität und Transfers (Bedarf), Essen, Trinken und Schlucken, Ausscheidung, Schlaf-Wach-Rhythmus, Schmerz und Infektzeichen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nach einem Delir darf Pflege nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Auch wenn das Delir formal vorbei ist, bleibt es relevant: zunächst wegen möglicher Persistenz, dann wegen erhöhter Komplikations- und Sterberisiken, langfristig wegen des Risikos weiterer Delire. In Verlegungsberichten bzw. Entlassbriefen darf und sollte dieser Nachsorgebedarf deutlich betont werden. </p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Quellen bzw. weitere Links zum Thema</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie / Deutsche Gesellschaft für Geriatrie. S3-Leitlinie „Delir im höheren Lebensalter“. AWMF-Register Nr. 109-001. 2025/2026.<br>Wichtig für Risikofaktoren, Follow-up Care, Tertiärprävention und Informationstransfer.<br><a href="https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/109-001">https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/109-001</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Houdelet-Oertel, A., Lauer, R., Molitor, V., Walter, R., Dörner, J., Palm, R., Otte, I., Vollmar, H. C., &amp; Holle, B. Prevalence of delirium among older nursing home residents: a systematic review and meta-analysis. European Geriatric Medicine. 2026.<br>Wichtig für Delir im Pflegeheim.<br><a href="https://link.springer.com/article/10.1007/s41999-026-01422-0">https://link.springer.com/article/10.1007/s41999-026-01422-0</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Whitby, J., Nitchingham, A., Caplan, G., Davis, D., &amp; Tsui, A. Persistent delirium in older hospital patients: an updated systematic review and meta-analysis. Delirium. 2022.<br>Wichtig für persistierendes Delir nach der Akutphase.<br><a href="https://deliriumjournal.com/article/36822-persistent-delirium-in-older-hospital-patients-an-updated-systematic-review-and-meta-analysis">https://deliriumjournal.com/article/36822-persistent-delirium-in-older-hospital-patients-an-updated-systematic-review-and-meta-analysis</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnorr, T. S., Fleiner, T. F., Schroeder, H., Reupke, I., Woringen, F., Trumpf, R., Schroeder, S., Zijlstra, W., &amp; Haussermann, P. Post-discharge mortality in patients with delirium and dementia: A 3-year follow up study. Frontiers in Psychiatry. 2022.<br>Wichtig für die frühe Hochrisikophase nach Delir auf Demenz.<br><a href="https://www.frontiersin.org/journals/psychiatry/articles/10.3389/fpsyt.2022.835696/full">https://www.frontiersin.org/journals/psychiatry/articles/10.3389/fpsyt.2022.835696/full</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">National Institute for Health and Care Excellence. Delirium in adults. Quality statement 5: Communication of diagnosis to GPs. NICE Quality Standard QS63.<br>Wichtig für die Forderung, ein aktuelles oder abgeklungenes Delir in der Entlassungskommunikation ausdrücklich zu benennen.<br><a href="https://www.nice.org.uk/guidance/qs63/chapter/quality-statement-5-communication-of-diagnosis-to-gps">https://www.nice.org.uk/guidance/qs63/chapter/quality-statement-5-communication-of-diagnosis-to-gps</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/07/07/delir-bei-demenz-wenn-die-akutphase-vorbei-ist-bleibt-dennoch-das-risiko/">Delir bei Demenz: Wenn die Akutphase vorbei ist, bleibt dennoch das Risiko</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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		<title>Menschen mit Demenz wehren sich nicht gegen Hilfe – sie wehren sich gegen die Botschaft</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/07/01/menschen-mit-demenz-wehren-sich-nicht-gegen-hilfe-sie-wehren-sich-gegen-die-botschaft/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 20:06:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[Abwehrverhalten]]></category>
		<category><![CDATA[aggression bei demenz]]></category>
		<category><![CDATA[Autonomie]]></category>
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		<category><![CDATA[Kommunikation bei Demenz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Pflegefachpersonen erleben es immer wieder: Unterstützung ist fachlich notwendig, wird aber von Menschen mit Demenz abgewehrt. Die Körperpflege eskaliert. Eine Anleitung wird als Bevormundung erlebt. Eine gut gemeinte Erinnerung führt&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/07/01/menschen-mit-demenz-wehren-sich-nicht-gegen-hilfe-sie-wehren-sich-gegen-die-botschaft/">Menschen mit Demenz wehren sich nicht gegen Hilfe – sie wehren sich gegen die Botschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Pflegefachpersonen erleben es immer wieder: Unterstützung ist fachlich notwendig, wird aber von Menschen mit Demenz abgewehrt. Die Körperpflege eskaliert. Eine Anleitung wird als Bevormundung erlebt. Eine gut gemeinte Erinnerung führt zu Gereiztheit. Eine Aktivierung wird verweigert.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Schnell wird solches Verhalten als „aggressiv“, „uneinsichtig“ oder „unkooperativ“ beschrieben. Das ist nachvollziehbar, erklärt aber oft zu wenig. Eine hilfreiche zusätzliche Perspektive ist das sozialpsychologische Konzept der Statusbedrohung. Statusbedrohung bedeutet: Ein Mensch erlebt, dass sein Rang, seine Würde, seine Kompetenz, seine Selbstbestimmung oder seine Rolle infrage gestellt wird. Er fühlt sich nicht einfach gestört, sondern herabgesetzt. Gerade bei Demenz kann das eine wichtige Rolle spielen, weil viele alltägliche Hilfen ungewollt genau diese Botschaft transportieren können: Du kannst das nicht mehr. Andere bestimmen jetzt. Du bist nicht mehr zuständig. Nicht einmal für Dich selbst. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Unterstützung kann Abhängigkeit vor Augen führen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Aus Sicht der Pflege ist eine Handlung oft sachlich klar: Jemand braucht Unterstützung beim Waschen, Anziehen, Essen, bei der Orientierung oder bei der Sicherheit. Für die betroffene Person kann dieselbe Handlung aber eine andere Bedeutung haben. Hilfe kann als Beweis von Abhängigkeit erlebt werden. Anleitung kann wie Kontrolle wirken. Korrektur kann beschämend sein. Sicherheit kann sich wie Entmündigung anfühlen.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das ist besonders bedeutsam, weil Menschen mit Demenz häufig Fähigkeiten verlieren, aber ihr Gefühl für Würde, Beschämung und Behandlung oft lange erhalten bleibt. Sie können vielleicht nicht mehr genau erklären, warum eine Situation sie verletzt. Aber sie spüren, ob sie ernst genommen werden, ob über sie bestimmt wird oder ob sie ihr Gesicht verlieren.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/04/01/reaktanz-bei-menschen-mit-demenz-wenn-hilfe-als-druck-erlebt-wird/">Die Reaktion richtet sich dann weniger gegen die konkrete Pflegehandlung.</a> Sie richtet sich gegen die erlebte soziale Botschaft dieser Handlung.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<aside style="border-left: 5px solid #6f8f72; background: #f6f3ec; padding: 1.1em 1.2em; margin: 2em 0; border-radius: 8px; font-family: inherit; line-height: 1.55;">
  <h3 style="margin-top: 0; color: #2f4f34;">Was bedeutet Statusbedrohung?</h3>

  <p>
    <strong>Definition:</strong> Statusbedrohung meint, dass ein Mensch eine Situation als Angriff auf seine Würde, Kompetenz, Rolle, Selbstbestimmung oder soziale Anerkennung erlebt.
  </p>

 
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Warum Menschen mit Demenz besonders verletzlich sind</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Demenz bedroht viele Bereiche, an denen Menschen ihren Status und ihr Selbstbild festmachen: Selbstständigkeit, Orientierung, Kontrolle, Sprache, Alltagskompetenz und soziale Rolle.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wer früher selbst entschieden, organisiert, versorgt, gearbeitet, geführt oder Verantwortung getragen hat, erlebt Hilfe nicht automatisch als Entlastung. Hilfe kann auch als Bruch mit dem bisherigen Selbstbild empfunden werden. Besonders anfällig sind Situationen, in denen Defizite sichtbar werden. Auch Korrekturen sind heikel, weil sie nicht nur eine sachliche Information enthalten, sondern oft eine beziehungsbezogene Botschaft: Deine Wahrnehmung stimmt nicht. Ich weiß es besser.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei einem Menschen, der ohnehin Kontrolle verliert, kann das als massiver Angriff auf Würde und Erwachsensein erlebt werden. Menschen mit Demenz erleben das wiederholt &#8211; auch dann, wenn es &#8222;nicht so gemeint&#8220; ist. Die zentrale Frage lautet deshalb nicht nur: Was macht die Person? Sondern auch: Welche Rolle oder welche Selbstständigkeit ist in dieser Situation gerade bedroht bzw. sieht diese Person möglicherweise bedroht?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was Pflegefachpersonen praktisch daraus ableiten können</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/07/zwischenbild.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="819" height="1024" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/07/zwischenbild-819x1024.png" alt="" class="wp-image-3679" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/07/zwischenbild-819x1024.png 819w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/07/zwischenbild-240x300.png 240w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/07/zwischenbild-768x960.png 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/07/zwischenbild.png 1122w" sizes="auto, (max-width: 819px) 100vw, 819px" /></a></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der wichtigste Perspektivwechsel lautet: Hilfe sollte so angeboten werden, dass möglichst wenig Status verloren geht. Dazu gehört, Defizite nicht unnötig sichtbar zu machen. Unterstützung sollte nicht als Kontrolle erscheinen, sondern als Assistenz. Wahlmöglichkeiten sollten erhalten bleiben, ohne zu überfordern. Körpernahe Pflege braucht besonders viel Schutz von Intimsphäre, Tempo und Selbstbestimmung. Und manchmal gilt für alle Beteiligten, schlicht nicht so viel Aufhebens um das Geschehen zu machen. <br>Hilfreich sind kleine Entscheidungen, klare Orientierung, ruhige Übergänge und eine Sprache, die Komfort, Sicherheit oder Gewohnheit betont, statt Unfähigkeit in den Vordergrund zu stellen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/06/08/demenz-und-trauma-alte-wunden-neue-herausforderungen-fuer-die-pflege/">Auch Biografie ist hier wichtig. </a>Wer weiß, welche Rollen ein Mensch früher hatte, versteht besser, welche Situationen heute beschämend oder entmachtend wirken können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Der fachliche Nutzen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Konzept der Statusbedrohung erklärt Demenzverhalten nicht vollständig. Es sollte auch nicht als neue Universaltheorie verkauft werden. Aber es bietet eine brauchbare Brille für den Pflegealltag.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">aus „<a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/04/27/nach-dem-vorfall-nicht-einfach-weitermachen-warum-sie-in-der-pflege-einen-buddy-check-etablieren-sollten/">aggressiv</a>“ wird dann möglicherweise: Die Situation bedroht Kontrolle oder Intimsphäre. </li>



<li class="has-medium-font-size">aus „uneinsichtig“ wird: Die Person schützt vielleicht ein altes Selbstbild.</li>



<li class="has-medium-font-size">aus „unkooperativ“ wird: Die Person versucht, Selbstbestimmung zurückzugewinnen.</li>
</ul>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Diese Sicht entschuldigt nicht jedes Verhalten und ersetzt keine Gefährdungseinschätzung. Aber sie verhindert, dass Menschen mit Demenz vorschnell moralisch bewertet werden. Und sie eröffnet Handlungsmöglichkeiten: weniger Druck, weniger Bloßstellung, weniger Korrektur, mehr Würde, mehr Wahl, mehr Beziehung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wer Statusbedrohung mitdenkt, fragt deshalb nicht nur, was erledigt werden muss. Er fragt auch, wie die Situation für den Menschen mit Demenz wirkt. Der entscheidende Gedanke für die Praxis lautet:</p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Menschen mit Demenz wehren sich nicht immer gegen die Hilfe selbst. Manchmal wehren sie sich gegen den Verlust von Würde, Rolle und Selbstbestimmung, den diese Hilfe für sie bedeutet. Und wir sind gefordert Wege zu finden, diese Hilfe anders anzubieten. <br><br>Jochen Gust</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/07/01/menschen-mit-demenz-wehren-sich-nicht-gegen-hilfe-sie-wehren-sich-gegen-die-botschaft/">Menschen mit Demenz wehren sich nicht gegen Hilfe – sie wehren sich gegen die Botschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Medienbiografie und -bewußtsein werden Teil der Pflege werden</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/06/27/medienbiografie-und-bewusstsein-werden-teil-der-pflege-werden/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 27 Jun 2026 12:10:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[alzheimer]]></category>
		<category><![CDATA[demenz]]></category>
		<category><![CDATA[demenzpflege]]></category>
		<category><![CDATA[digitale Teilhabe]]></category>
		<category><![CDATA[falsche Erinnerungen]]></category>
		<category><![CDATA[herausforderndes verhalten]]></category>
		<category><![CDATA[jochen gust]]></category>
		<category><![CDATA[KI-Bilder]]></category>
		<category><![CDATA[KI-Videos]]></category>
		<category><![CDATA[klinik]]></category>
		<category><![CDATA[Medienbewusstsein]]></category>
		<category><![CDATA[Medienbiografie]]></category>
		<category><![CDATA[Pflege der Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[pflegeethik]]></category>
		<category><![CDATA[Schutzkonzepte]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die heutige Generation alter Menschen ist in einer Welt aufgewachsen, in der Erinnerungen vor allem aus eigenem Erleben, Familienerzählungen, Briefen, Fotos, Zeitungen, Radio und analogem Fernsehen gespeist wurden. Natürlich konnten&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/06/27/medienbiografie-und-bewusstsein-werden-teil-der-pflege-werden/">Medienbiografie und -bewußtsein werden Teil der Pflege werden</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die heutige Generation alter Menschen ist in einer Welt aufgewachsen, in der Erinnerungen vor allem aus eigenem Erleben, Familienerzählungen, Briefen, Fotos, Zeitungen, Radio und analogem Fernsehen gespeist wurden. Natürlich konnten auch diese Medien Erinnerungen färben. Auch früher wurden Geschichten ausgeschmückt, Fotos falsch gedeutet, Filme mit dem eigenen Leben vermischt oder Ereignisse im Rückblick verändert.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Aber etwas ist neu: Die kommenden Generationen werden ihr ganzes Leben lang von einer kaum überschaubaren Flut digitaler Bilder, Videos, Nachrichten, Reels, Chats, Computerspiele, Avatare und KI-generierter Inhalte begleitet worden sein. Sie werden nicht nur Erinnerungen an ihr eigenes Leben mitbringen, sondern auch Milliarden medialer Eindrücke, die sich über Jahrzehnte emotional aufgeladen, wiederholt, geteilt und gespeichert haben.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Entscheidende ist: Emotionen prüfen keine Echtheit. Ein KI-generiertes Video kann Angst, Trost oder Sehnsucht auslösen, auch wenn es kein reales Ereignis abbildet. Für das spätere Erinnern kann diese emotionale Aufladung trotzdem wirksam werden. Was oft gesehen, stark empfunden und immer wieder innerlich aufgerufen wird, kann sich im Gedächtnis mit einer Bedeutung festsetzen, die unabhängig davon ist, ob die Szene tatsächlich erlebt wurde.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für die Versorgung von Menschen mit Demenz ist das keine technische Randfrage. Es wird eine der vielen fachlichen Herausforderungen der Zukunft werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Erinnerung ist kein Archiv</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wir neigen dazu, Erinnerung wie ein inneres Archiv zu verstehen: Was geschehen ist, wird abgelegt und später wieder hervorgeholt. So funktioniert das menschliche Gedächtnis aber nicht. Erinnern ist (auch) Rekonstruktion. Beim Erinnern werden Bruchstücke, Gefühle, Bedeutungen, Bilder, spätere Informationen und aktuelle Bedürfnisse neu zusammengesetzt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Schon heute erleben Pflegende, dass Menschen mit Demenz Vergangenheit und Gegenwart vermischen, Orte verwechseln, Angehörige anders einordnen oder aus einer inneren Wirklichkeit heraus handeln, die für Außenstehende zunächst unverständlich wirkt. Das ist nicht neu. Neu ist aber die Frage, aus welchem Material diese innere Wirklichkeit künftig zusammengesetzt sein wird.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Falsche Erinnerungen können echtes Verhalten auslösen</strong></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine Erinnerung muss nicht faktisch richtig sein, um handlungsleitend zu werden. Eine Person kann Angst haben, weil sie etwas als bedrohlich erlebt. Sie kann Scham empfinden, weil eine innere Szene beschämend wirkt. Sie kann misstrauisch werden, weil eine Erklärung für eine Lücke im Gedächtnis gesucht wird. Sie kann aufbrechen wollen, weil ein alter oder medial geprägter Handlungsimpuls plötzlich Gegenwart wird.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Genau hier kann herausforderndes Verhalten entstehen. Nicht als bloße Folge einer „falschen Erinnerung“, sondern weil eine falsch zugeordnete Erinnerung zur Wirklichkeit des Augenblicks wird. Wenn ein inneres Bild Angst macht, ist die Angst echt. Wenn eine vermeintliche Verpflichtung drängt, ist der Druck echt. Wenn eine erlebte Kränkung als aktuell empfunden wird, ist die Abwehr echt. Das macht die Situation fachlich so anspruchsvoll. Pflegende dürfen falsche Aussagen nicht blind bestätigen. Aber sie dürfen die erlebte Not auch nicht einfach wegkorrigieren.<br></p>



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<h2 class="wp-block-heading"><strong>Warum die Quelle der Angst zählt</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für die erste Reaktion ist es oft egal, ob eine Erinnerung stimmt. Angst bleibt Angst. Wer sich bedroht fühlt, braucht Schutz, Ruhe und Orientierung. Für den weiteren Umgang ist die Quelle aber entscheidend. Denn Pflege muss nicht nur beruhigen, sondern verstehen, was die Not immer wieder auslöst. Kommt die Angst aus Schmerz, aus einer Verkennung, aus einer alten Lebenserfahrung — oder aus Bildern, Nachrichten, Social Media oder KI-Videos, die immer wieder innere Not aktivieren?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Davon hängt ab, wo Pflege ansetzt: bei der Ansprache, bei der Umgebung, bei Reizen im Zimmer, bei Gesprächen mit Angehörigen, beim Umgang mit digitalen Geräten oder bei der Auswahl von Bildern und Videos. Die Angst ist echt. Aber ihre Quelle entscheidet mit darüber, was Pflege verändern kann.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Werden Pflegende auch Medienwächter sein müssen?</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine unbequeme Frage schließt sich daran an: Werden Pflegende künftig auch eine Art Medienwächter sein müssen? Ganz neu ist das Problem nicht. Schon heute achten Pflegefachpersonen darauf, was ein Mensch mit fortgeschrittener Demenz noch gut verarbeiten kann. Kriegsnachrichten, Katastrophenbilder, Thriller, Horrorfilme oder aufwühlende Fernsehsendungen können Unruhe, Angst, Schlaflosigkeit oder Misstrauen verstärken. Im Alltag wird dann oft pragmatisch reagiert: Das Programm wird gewechselt, der Fernseher ausgeschaltet, die Situation beruhigt, manchmal auch mit Angehörigen besprochen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Doch die digitale Zukunft macht diese Frage schwieriger. Wenn Smartphone, Tablet, Sprachassistenz, digitaler Bilderrahmen und Computer selbstverständlich verfügbar sind, liegt der Zugang zu belastenden Bildern, KI-Videos, Verschwörungserzählungen, Kriegsclips oder täuschend echten künstlichen Stimmen nicht mehr nur im Gemeinschaftsraum oder im Fernsehprogramm. Er liegt in der Hand, auf dem Nachttisch, im Chatverlauf, im Algorithmus, vielleicht auch jederzeit verfügbar und gegenwärtig z.B. in der smarten Brille, im ständig vernetzten Rollator oder Rollstuhl und in der smarten Uhr am Handgelenk. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Wer greift dann regulierend ein? Und mit welchem Recht?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Pflege hat keine pauschale Befugnis, Medienzugang einfach zu beschränken. Auch Menschen mit Demenz behalten Rechte, Vorlieben, Gewohnheiten und ein Recht auf Teilhabe. Ein Smartphone wegzunehmen, Apps zu sperren oder Inhalte zu filtern, nur weil sie irritierend wirken, wäre keine pflegerische Selbstverständlichkeit, sondern ein erheblicher Eingriff. Gleichzeitig hat Pflege eine Schutzaufgabe, wenn Inhalte erkennbar Angst auslösen, Verkennungen verstärken, herausforderndes Verhalten befeuern oder die Person überfordern. Genau darin liegt die Spannung: Nichtstun kann fachlich falsch sein, vorschnelles Eingreifen aber ebenfalls.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bemerkenswert ist: Bei Kindern und Jugendlichen wird derzeit intensiv darüber diskutiert, ob und wie der Zugang zu sozialen Medien begrenzt werden sollte. Es geht um Altersgrenzen, Plattformverantwortung, algorithmische Risiken, Suchtverhalten, schädliche Inhalte und technische Schutzmechanismen. Man muss Menschen mit Demenz nicht mit Kindern gleichsetzen, um festzustellen: Auch hier geht es um verletzliche Menschen, digitale Überforderung, Schutz und Teilhabe.<br></p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="background:#eaf6ff; border-left:6px solid #2b7dbd; border-radius:14px; padding:24px 26px; margin:32px 0; font-family:Arial, Helvetica, sans-serif; color:#1f2f3a; box-shadow:0 2px 10px rgba(0,0,0,0.06);">

  <div style="display:flex; align-items:center; gap:12px; margin-bottom:16px;">
    <div style="font-size:34px; line-height:1;"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/2753.png" alt="❓" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /></div>
    <h3 style="margin:0; font-size:24px; line-height:1.3; color:#174f7a;">
      Offene Fragen für die Pflege der Zukunft
    </h3>
  </div>

  <p style="font-size:19px; line-height:1.65; margin:0 0 18px 0;">
    Wenn wir Schutzräume für Kinder im digitalen Raum diskutieren, müssen wir dann nicht auch über Schutzkonzepte für Menschen mit fortgeschrittener Demenz sprechen?
  </p>

  <p style="font-size:19px; line-height:1.65; margin:0 0 18px 0;">
    <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/2696.png" alt="⚖" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Dürfen Pflegeeinrichtungen zum Beispiel bestimmte Apps oder Nachrichtenportale innerhalb ihres hauseigenen Netzwerks sperren, weil deren Aussagen nicht mit der eigenen politischen Haltung übereinstimmen?
  </p>

  <p style="font-size:19px; line-height:1.65; margin:0;">
    <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f6e1.png" alt="🛡" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Wer verhindert, dass die Aussage <strong>„zum Schutz“</strong> am Ende nur der Zensur dient?
  </p>

</div>

</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Pflege wird diese Fragen nicht allein beantworten können. Vielleicht braucht es künftig klare ethische, rechtliche und fachliche Leitlinien dazu, wie mit digitalen Medien bei fortgeschrittener Demenz umzugehen ist. Nicht als Zensur. Nicht als Bevormundung. Sondern als verantwortliches Abwägen: Was gehört zur Autonomie dieses Menschen? Was beruhigt? Was überfordert? Was aktiviert Angst? Was verstärkt Verkennung? Und wann wird aus Mediennutzung ein Schutzthema? Medienbewusstsein in der Pflege bedeutet deshalb nicht, Pflegende zu Kontrolleuren zu machen. Es bedeutet, digitale Inhalte als mögliche Einflussfaktoren auf Erleben, Verhalten und Wohlbefinden ernst zu nehmen.</p>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Medienbiografie als neue Pflegefrage</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bisher fragt Biografiearbeit nach Familie, Beruf, Gewohnheiten, Verlusten, Rollen, Werten und prägenden Lebensereignissen. Das bleibt wichtig. Aber es wird nicht mehr reichen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Zur Lebensgeschichte wird künftig auch gehören, in welchen digitalen Räumen ein Mensch gelebt hat. Welche sozialen Netzwerke waren Alltag? Welche Plattformen haben Nähe, Angst, Empörung, Trost oder Zugehörigkeit erzeugt? Welche digitalen Routinen gehörten zum Leben? Welche beruflichen Tools wurden täglich genutzt? Gab es Chatbots, Avatare, KI-Bilder, rekonstruierte Stimmen oder Videos von Menschen und Orten, die emotional bedeutsam waren? Pflegekräfte werden das nicht lückenlos prüfen können. Niemand kann rekonstruieren, welche Inhalte ein Mensch über Jahrzehnte gesehen hat. Aber Medienbiografie muss als fachliche Kategorie ernst genommen werden. Nicht als digitale Spurensicherung, sondern als Teil der Frage: Aus welchen Bildern, Geschichten, Medien und Gefühlen baut dieser Mensch gerade seine Wirklichkeit?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das ist nicht nebensächlich. Wer nur nach klassischen biografischen Auslösern sucht, übersieht künftig möglicherweise einen Teil der Lebenswirklichkeit. Medienbiografie kann helfen, Verhalten besser einzuordnen, belastende Reize zu erkennen, Angehörige zu sensibilisieren und biografisches Material nicht unkritisch als Wahrheit zu übernehmen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Nicht entlarven, sondern verstehen</strong></h2>



<p class="has-text-align-left has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Aufgabe der Pflege wird nicht darin bestehen, Menschen mit Demenz ihre falschen Erinnerungen auszureden. Das wäre häufig beschämend, beziehungsgefährdend und vor allem zumindest akut wirkungslos. Die Aufgabe wird eher darin bestehen, zwischen Fakt und Gefühl zu unterscheiden. Ohne ausreichende Kompetenzen dazu, wird das schwierig. Es bleibt: die Aussage selbst kann falsch sein. Die Angst dahinter jedoch nicht. Die Erinnerung kann vermischt sein. Der Wunsch nach Sicherheit aber ist real. Der Anlass kann unklar sein. Die Handlungslogik aber kann verstehbar werden. Pflege hat gelernt, Verhalten nicht nur als Störung zu sehen, sondern als Ausdruck. Künftig müssen wir vielleicht noch einen Schritt weitergehen: Verhalten kann auch Ausdruck einer erinnerten, falsch erinnerten, medial geprägten oder sogar forcierten Stimmung oder künstlich verstärkten Wirklichkeit sein. <br><br>All das macht Pflege künftig möglicherweise nicht einfacher. Es wird jedoch zu den wichtigen Skills gehören, künftig mehr von KI, SocialMedia und Algorithmen zu verstehen. &#8222;Lustige&#8220; TikTok-Videos über Pflege oder banalste Aussagen in Instagramvideos über die Versorgung von Menschen mit Demenz werden nicht ausreichen.  <br></p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"></p>



<ol start="1" class="wp-block-list"></ol>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/06/27/medienbiografie-und-bewusstsein-werden-teil-der-pflege-werden/">Medienbiografie und -bewußtsein werden Teil der Pflege werden</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>KI-Sprachanalyse kann Hinweise geben – ersetzt aber keine Demenzdiagnostik</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/06/17/ki-sprachanalyse-kann-hinweise-geben-ersetzt-aber-keine-demenzdiagnostik/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Jun 2026 05:09:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik und Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[demenz]]></category>
		<category><![CDATA[demenzdiagnostik]]></category>
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		<category><![CDATA[ki]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine neue Studie in JAMA Neurology untersucht, ob künstliche Intelligenz aus kurzen Mitschnitten normaler Gespräche zwischen Patienten und Hausärzten Hinweise auf kognitive Beeinträchtigungen erkennen kann. Ausgewertet wurden Audioaufnahmen von 966&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/06/17/ki-sprachanalyse-kann-hinweise-geben-ersetzt-aber-keine-demenzdiagnostik/">KI-Sprachanalyse kann Hinweise geben – ersetzt aber keine Demenzdiagnostik</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine neue Studie in JAMA Neurology untersucht, ob künstliche Intelligenz aus kurzen Mitschnitten normaler Gespräche zwischen Patienten und Hausärzten Hinweise auf kognitive Beeinträchtigungen erkennen kann. Ausgewertet wurden Audioaufnahmen von 966 englischsprachigen Menschen ab 55 Jahren, bei denen bislang keine Demenz oder leichte kognitive Beeinträchtigung dokumentiert war. Als Vergleich diente der Montreal Cognitive Assessment, kurz MoCA.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wichtig: Es geht um Screening, nicht um Diagnose</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Ergebnis klingt zunächst interessant: Das beste Modell erreichte in der externen Validierungsgruppe eine Sensitivität von 68,2 Prozent und eine Spezifität von 63,6 Prozent. Der positive Vorhersagewert lag jedoch nur bei 30,4 Prozent. Praktisch bedeutet das: Viele auffällige KI-Hinweise wären falsch positiv. Anders gesagt: Von den Personen, die das System als auffällig markiert, hätte ein großer Teil nach dem Studienkriterium keine kognitive Beeinträchtigung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für die Praxis heißt das: Solche Verfahren könnten künftig helfen, in der Hausarztpraxis frühzeitig genauer hinzuschauen. Sie ersetzen aber keinen diagnostischen Standard. Eine Demenzdiagnose bleibt eine fachliche Gesamteinschätzung mit Anamnese, Fremdanamnese, kognitiver Testung, Alltagsbezug, Ausschluss anderer Ursachen und gegebenenfalls weiterführender fachärztlicher Diagnostik. Die Studie zeigt also nicht: „KI erkennt Demenz.“ Sie zeigt: Sprach- und Stimmmerkmale könnten ein zusätzlicher Hinweisgeber sein – mehr nicht.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><a href="Quelle: Joseph T. Colonel, Jacqueline Becker, Lili Chan et al.: Acoustic Analysis of Primary Care Patient–Clinician Conversations to Screen for Cognitive Impairment. JAMA Neurology. Online veröffentlicht am 15. Juni 2026. doi: 10.1001/jamaneurol.2026.1868.">Quelle: Joseph T. Colonel, Jacqueline Becker, Lili Chan et al.: Acoustic Analysis of Primary Care Patient–Clinician Conversations to Screen for Cognitive Impairment. JAMA Neurology. Online veröffentlicht am 15. Juni 2026. doi: 10.1001/jamaneurol.2026.1868.</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/06/17/ki-sprachanalyse-kann-hinweise-geben-ersetzt-aber-keine-demenzdiagnostik/">KI-Sprachanalyse kann Hinweise geben – ersetzt aber keine Demenzdiagnostik</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Glucosamin bei Alzheimer: Neue Studie liefert Warnsignal</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Jun 2026 08:31:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[alzheimer]]></category>
		<category><![CDATA[Alzheimer-Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[demenz]]></category>
		<category><![CDATA[Glucosamin]]></category>
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		<category><![CDATA[Medikamentencheck]]></category>
		<category><![CDATA[nahrungsergänzungsmittel]]></category>
		<category><![CDATA[Verbraucherschutz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine neue Studie in Nature Metabolism lenkt den Blick auf einen bisher wenig beachteten Mechanismus bei Alzheimer: eine gestörte Verzuckerung von Proteinen im Gehirn. Gemeint ist nicht einfach „zu viel&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/06/14/glucosamin-bei-alzheimer-neue-studie-liefert-warnsignal/">Glucosamin bei Alzheimer: Neue Studie liefert Warnsignal</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine neue Studie in Nature Metabolism lenkt den Blick auf einen bisher wenig beachteten Mechanismus bei Alzheimer: eine gestörte Verzuckerung von Proteinen im Gehirn. Gemeint ist nicht einfach „zu viel Zucker im Essen“, sondern ein biochemischer Prozess, bei dem Zuckerstrukturen an Proteine angehängt werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Forschenden beschreiben, dass diese sogenannte Hyperglycosylierung bei Alzheimer verstärkt auftritt und möglicherweise selbst zur Krankheitsentwicklung beiträgt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum Glucosamin in den Blick gerät</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Besonders brisant ist der Blick auf Glucosamin. Dieses Nahrungsergänzungsmittel wird häufig bei Gelenkbeschwerden eingenommen und gilt vielen Menschen als vergleichsweise harmlos.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">In Alzheimer-Modellen der Studie verschlechterte Glucosamin jedoch kognitive Leistungen. In einer rückblickenden Auswertung von Patientendaten war dokumentierte Glucosamin-Einnahme bei Menschen mit Alzheimer-verwandten Demenzen zudem mit schlechterem Überleben verbunden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kein endgültiger Beweis, aber ein Warnsignal</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das heißt nicht, dass Glucosamin jetzt für alle Menschen als gefährlich bewiesen ist. Die Patientendaten zeigen zunächst einen Zusammenhang, keinen endgültigen Kausalbeweis.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Trotzdem ist die Botschaft für die Praxis wichtig: Nahrungsergänzungsmittel sollten bei Menschen mit Alzheimer oder leichter kognitiver Beeinträchtigung nicht nebenbei, dauerhaft und ohne klare Indikation eingenommen werden.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="background:#f4f7fb; border-left:6px solid #2E5593; padding:18px 20px; margin:26px 0; font-size:22px !important; line-height:1.55; color:#222;">
  <p style="margin:0 0 10px 0; font-size:26px !important; line-height:1.35;">
    Gut zu wissen
  </p>
  <p style="margin:0 0 12px 0;">
    Nahrungsergänzungsmittel wirken oft harmlos, werden aber mit vielen Gesundheitsversprechen beworben. Unabhängige Informationen, Warnungen und Faktenchecks bietet die Verbraucherzentrale.
  </p>
  <p style="margin:0;">
    <a href="https://www.klartext-nahrungsergaenzung.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer" style="color:#2E5593; text-decoration:underline;">
      Klartext Nahrungsergänzung der Verbraucherzentrale
    </a>
  </p>
</div>
</div>
</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gerade in einer zeit, in der sich viele Menschen über Instagram oder Tiktok informieren, ist es seitens von Gesundheitsprofis wichtig darauf hinzuweisen, dass auch &#8222;Ergänzungsmittel&#8220; nicht ohne Absprache gegeben werden sollten. Vor allem Menschen mit fortgeschrittener Demenz können solchen Gaben durch Angehörige häufig nicht aktiv selbst widersprechen. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Studie zeigt vor allem eines: „Natürlich“, „frei verkäuflich“ oder „nur ein Nahrungsergänzungsmittel“ bedeutet nicht automatisch sicher. Bei Menschen mit Alzheimer oder MCI sollten solche Präparate bewusst geprüft und nicht einfach dauerhaft weitergegeben werden.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Quelle:<br><a href="https://www.nature.com/articles/s42255-026-01538-4">Hawkinson, T. R. et al.: Hyperglycosylation is a metabolic driver of Alzheimer’s disease. Nature Metabolism, veröffentlicht am 9. Juni 2026. DOI: 10.1038/s42255-026-01538-4.</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/06/14/glucosamin-bei-alzheimer-neue-studie-liefert-warnsignal/">Glucosamin bei Alzheimer: Neue Studie liefert Warnsignal</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Demenzprävention ist mehr als Bewegung und gesunde Ernährung</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/06/07/demenzpraevention-ist-mehr-als-bewegung-und-gesunde-ernaehrung/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Jun 2026 11:45:50 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[American Heart Association]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Demenzprävention und Gehirngesundheit dürfen nicht auf „mehr Bewegung und gesünder essen“ verkürzt werden. Darauf weist ein neues wissenschaftliches Statement der American Heart Association hin. Die Autorinnen und Autoren beschreiben Gehirngesundheit&#8230;</p>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Demenzprävention und Gehirngesundheit dürfen nicht auf „mehr Bewegung und gesünder essen“ verkürzt werden. Darauf weist ein neues wissenschaftliches Statement der American Heart Association hin. Die Autorinnen und Autoren beschreiben Gehirngesundheit als Ergebnis vieler Einflüsse über die gesamte Lebensspanne – von frühen Kindheitserfahrungen bis ins hohe Alter.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Im Mittelpunkt stehen ausdrücklich nicht nur klassische vaskuläre Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Rauchen. Das Papier rückt weitere Faktoren in den Blick: psychische Gesundheit, chronischer Stress, Schlafqualität, Umweltbelastungen, chronische Entzündung, das Darmmikrobiom, soziale Benachteiligung, Bildung, belastende Kindheitserfahrungen, chronische Erkrankungen und Infektionen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gehirngesundheit unter Bedingungen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Damit wird deutlich: Wer über Demenzprävention spricht, darf die Verantwortung nicht allein beim einzelnen Menschen abladen. Natürlich bleiben Bewegung, ausgewogene Ernährung, guter Schlaf, Rauchverzicht und ein maßvoller Umgang mit Alkohol wichtig. Aber sie sind nur ein Teil des Bildes. Gehirngesundheit hängt auch davon ab, unter welchen Bedingungen Menschen aufwachsen, arbeiten, wohnen, altern und medizinisch versorgt werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Botschaft des AHA-Statements ist deshalb weniger eine einfache Verhaltensregel als ein Perspektivwechsel: Gehirngesundheit entsteht im Zusammenspiel biologischer, psychischer und sozialer Faktoren. Wer Demenzprävention ernst nimmt, muss dieses Zusammenspiel berücksichtigen – im Alltag, in der Versorgung und in politischen Entscheidungen.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Quelle: <a href="https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/STR.0000000000000518">Marsh EB et al.: Brain Health Across the Life Span: A Framework for Future Studies. Scientific Statement der American Heart Association, veröffentlicht in Stroke, 2026. DOI: 10.1161/STR.0000000000000518.</a></p>
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		<title>Demenz: Wer hat hier eigentlich das Problem?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Jun 2026 12:39:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine einfache Frage kann im Umgang mit Menschen mit Demenz viel Stress herausnehmen. Sie lautet: Wer hat hier eigentlich das Problem? Diese Frage wirkt zunächst fast zu schlicht. Im Pflegealltag&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/06/05/demenz-wer-hat-hier-eigentlich-das-problem/">Demenz: Wer hat hier eigentlich das Problem?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine einfache Frage kann im Umgang mit Menschen mit Demenz viel Stress herausnehmen. Sie lautet: Wer hat hier eigentlich das Problem?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Diese Frage wirkt zunächst fast zu schlicht. Im Pflegealltag kann sie aber verhindern, dass Verhalten vorschnell als Störung bewertet wird. Denn nicht alles, was von unserer Routine abweicht, ist für den Menschen mit Demenz ein Problem. Manchmal ist es vor allem ein Problem für unsere Ordnungsvorstellungen, unseren Zeitplan oder unser Bedürfnis, eine Situation sofort zu korrigieren. Wenn ich mit Teams arbeite, ist das daher für mich eine Leitfrage. Denn häufig eröffnet sie die Möglichkeit, Druck und Stress im Alltag zu verringern – und davon haben Pflegeprofis meist mehr als genug.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass Pflegefachpersonen wegsehen sollen. Es bedeutet: Erst prüfen, dann eingreifen. Und letztlich: öfter einfach machen lassen, statt im eigenen Arbeitsalltag Menschen mit Demenz ständig korrigierend hinterherzuhechten.<br></p>



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</div></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Wann müssen Sie wirklich handeln?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eingreifen müssen wir immer dann, wenn Gefahr besteht, ein Mensch leidet, Gesundheit gefährdet ist oder andere Menschen beeinträchtigt werden. Grenzen und Rechte anderer Menschen dürfen und müssen geschützt werden. Das steht nicht in Frage – eher manchmal, wie wir das machen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Anders sieht es aus, wenn ein Verhalten vor allem ungewohnt, unordentlich oder störend wirkt, aber niemandem schadet. Dann lohnt sich ein kurzer innerer Stopp: Muss ich jetzt wirklich handeln? Oder halte ich gerade nur schwer aus, dass etwas nicht so ist, wie ich es gewohnt bin? Diese Unterscheidung ist besonders wichtig bei Menschen mit Demenz. Viele Handlungen haben für Außenstehende keinen erkennbaren Sinn, können für die betroffene Person aber beruhigend, vertraut oder orientierend sein.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Kleiderschrank wird immer wieder ausgeräumt</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein typisches Beispiel aus einer Pflegeeinrichtung: eine Bewohnerin räumt ihren Kleiderschrank aus. Eine Pflegefachperson kommt ins Zimmer, sieht die Unordnung und räumt alles wieder ein. Beim nächsten Rundgang ist der Schrank erneut ausgeräumt. Wieder wird aufgeräumt. Nach dem dritten oder vierten Mal entsteht Ärger, Zeitdruck und die Einschätzung: Die Bewohnerin ist unruhig, schwierig oder kaum zu bremsen, agitiert – obwohl bei ihr kein erkennbarer Leidensdruck vorhanden ist. Im Gegenteil: wechselt man die Perspektive, ist sie beschäftigt, schafft ihre eigene Ordnung, kümmert sich um ihre eigenen Sachen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Hier hilft die Frage: Wer hat das Problem? Und für Kolleginnen und Kollegen die Unordnung besonders schlecht aushalten können: natürlich heißt das nicht, alles so lassen zu müssen. Aber statt den Schrank viermal pro Schicht aufzuräumen, kann das Team festlegen: der Schrank wird einmal täglich zu einem geeigneten Zeitpunkt überprüft und geordnet. Alles andere darf (vorübergehend) unordentlich sein.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das spart Zeit, reduziert Konflikte und verhindert, dass aus einem harmlosen Verhalten ein Dauerthema wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Selbstverursachter Stress entsteht oft durch Korrekturreflexe</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Viele belastende Situationen entstehen nicht nur durch das Verhalten des Menschen mit Demenz. Sie entstehen auch dadurch, dass Pflegefachpersonen immer wieder korrigieren, zurückräumen, erklären oder umlenken, obwohl die Situation objektiv nicht gefährlich ist. Das kostet Zeit, schafft Stress – und es entstehen neue Risiken: z.B. der unangemessene Einsatz von Bedarfsmedikation gegen „Unruhe“.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die praktische Leitfrage lautet deshalb: Entsteht gerade Schaden, Gefahr oder Leidensdruck? Oder stört es vor allem mich? Wenn es vor allem mich stört, ist Innehalten oft die bessere Intervention.</p>



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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Frage „Wer hat hier eigentlich das Problem?“ eignet sich gut für Fallbesprechungen, Übergaben und kurze Teamreflexionen. Sie hilft, eingefahrene Reaktionsmuster zu erkennen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wichtig ist: Nicht-Eingreifen bedeutet nicht Nichtstun. Es kann eine bewusste fachliche Entscheidung sein. Dazu gehört, Risiken einzuschätzen, Grenzen zu setzen, Alternativen anzubieten und die Situation weiter zu beobachten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Angehörige brauchen Erklärung, nicht perfekte Ordnung</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein häufiges Gegenargument lautet: Die Angehörigen beschweren sich, wenn das Zimmer unordentlich ist oder Dinge herumliegen.</p>



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</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das kann passieren. Oft entsteht die Beschwerde aber nicht wegen der Unordnung. Angehörige haben häufig Angst, dass niemand hinsieht, dass zu wenig Personal da ist oder dass es den Pflegefachpersonen egal ist. Wenn sie nur die Unordnung sehen, aber die fachliche Entscheidung dahinter nicht kennen, wirkt die Situation schnell wie eine Art Vernachlässigung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Deshalb ist Erklärung entscheidend. Pflege wird auch deshalb häufig unterschätzt, weil Sie nicht gut kommuniziert, was sie macht. Oder eben bewusst nicht macht. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Pflegefachpersonen können Angehörigen ruhig und klar vermitteln:</p>



<ul class="wp-block-list has-medium-font-size">
<li>Wir sehen die Situation.</li>



<li>Wir lassen Ihre Mutter oder Ihren Vater nicht allein damit.</li>



<li>Wir unterscheiden zwischen Menschen und Dingen.</li>



<li>Zuerst achten wir darauf, ob es dem Menschen gut geht.</li>



<li>Wenn keine Gefahr besteht, greifen wir nicht jedes Mal sofort ein.</li>



<li>Wir kümmern uns zu einem geeigneten Zeitpunkt um Ordnung, Wäsche und Sicherheit.</li>
</ul>
</div>
</div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">So wird aus „Die kümmern sich gar nicht!“ eine andere Wahrnehmung: Das Team handelt bewusst. Es setzt Prioritäten. Es schützt den Menschen vor unnötigen Konflikten und kümmert sich trotzdem. Gerade diese Erklärung schafft Vertrauen. Angehörige erleben dann nicht Gleichgültigkeit, sondern fachliches Vorgehen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Frage „Wer hat hier eigentlich das Problem?“ ist keine Ausrede fürs Wegsehen. Sie ist ein Werkzeug für bewusstes Handeln. Sie hilft Pflegefachpersonen, zwischen echter Gefahr und eigener Irritation zu unterscheiden. Sie verhindert unnötige Konflikte. Und sie gibt Menschen mit Demenz mehr Raum, sich in ihrer Umgebung auf ihre Weise zu beschäftigen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nicht alles, was uns stört, ist auch ein Problem für den Menschen mit Demenz. Manchmal beginnt gute Pflege genau dort, wo wir „nichts“ machen.</p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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