Neue Studie: Auch frühe Demenzen sind oft mit beeinflussbaren Risiken verbunden

Demenzen vor dem 65. Lebensjahr gelten oft als vor allem genetisch bedingt. Eine neue Auswertung mehrerer großer Kohortenstudien zeichnet jedoch ein anderes Bild: Auch bei frühen Demenzen spielen modifizierbare Risikofaktoren eine wichtige Rolle – teils sogar stärker als bei später einsetzenden Demenzen.

Laut der im Fachjournal The Lancet Healthy Longevity veröffentlichten Untersuchung waren die meisten bekannten Risikofaktoren bei frühen Demenzen stärker mit dem Erkrankungsrisiko verbunden als bei spät beginnenden Demenzen. Ausnahmen waren laut Studienangaben unter anderem körperliche Inaktivität, Alkoholkonsum und „race“ als erfasste soziodemografische Variable.

Nicht nur „Schicksal“

Wichtig ist das vor allem für die Prävention: Die Studie stützt die Annahme, dass frühe Demenzen keineswegs nur Schicksal oder Genetik sind. Vielmehr rücken auch hier beeinflussbare Faktoren stärker in den Blick – etwa vaskuläre Risiken, psychische Belastungen oder Sinnesbeeinträchtigungen. Das passt zu den bereits bekannten Empfehlungen der Lancet-Kommission, nach denen ein erheblicher Teil von Demenzfällen durch Prävention zumindest verzögert werden könnte.

Für die Praxis heißt das: Wer über Demenzprävention spricht, sollte nicht nur an Hochaltrigkeit denken. Auch bei jüngeren Erwachsenen mit Belastungsfaktoren lohnt sich ein genauer Blick auf behandelbare und vermeidbare Risiken.

Quellen und weitere Infos:

Deutsches Ärzteblatt. (2026, 10. April). Frühe Demenzen häufiger mit modifizierbaren Risikofaktoren verbunden als spätere.

The Lancet Healthy Longevity. (2026, 2. April). Risk factors for early-onset and late-onset dementia.

Möchten Sie über neue Artikel und Infos rund ums Thema Demenz informiert werden?

Abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter um nichts mehr zu verpassen.

Kein Spam! Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung.

Jochen Gust

Pflegefachperson, Projektmitarbeiter, Demenzbeauftrager im Krankenhaus, Autor, Moderator, Dozent; Freiberufler

Related Posts

Schmerzen bei Demenz: Warum Beobachten im Sitzen nicht reicht

Schmerzen bei Menschen mit Demenz zu erkennen, ist häufig schwierig. Je weiter die Erkrankung fortschreitet, desto schwerer kann es Betroffenen fallen, Schmerzen zuverlässig zu benennen, ihre Stärke einzuschätzen oder zu…

Continue reading
Nicht wegen der Demenz im Krankenhaus – sondern mit ihr

Menschen mit Demenz gehören längst zum Alltag deutscher Krankenhäuser. Das ist keine neue Entwicklung. Schon vor vielen Jahren zeigte sich, dass ein erheblicher Teil der älteren Krankenhauspatientinnen und -patienten kognitiv…

Continue reading

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

You Missed

Schmerzen bei Demenz: Warum Beobachten im Sitzen nicht reicht

Schmerzen bei Demenz: Warum Beobachten im Sitzen nicht reicht

Nicht wegen der Demenz im Krankenhaus – sondern mit ihr

Nicht wegen der Demenz im Krankenhaus – sondern mit ihr

Neue WHO-Leitlinie: Was Demenzprävention leisten kann – und was nicht

Neue WHO-Leitlinie: Was Demenzprävention leisten kann – und was nicht

Delir bei Demenz: Wenn die Akutphase vorbei ist, bleibt dennoch das Risiko

Delir bei Demenz: Wenn die Akutphase vorbei ist, bleibt dennoch das Risiko

Menschen mit Demenz wehren sich nicht gegen Hilfe – sie wehren sich gegen die Botschaft

Menschen mit Demenz wehren sich nicht gegen Hilfe – sie wehren sich gegen die Botschaft

Medienbiografie und -bewußtsein werden Teil der Pflege werden

Medienbiografie und -bewußtsein werden Teil der Pflege werden