Krankenhaus-Report 2025: Kliniken unzureichend vorbereitet auf steigende Zahl hochaltriger Patienten – Pflege spielt Schlüsselrolle

Die Versorgung alter und insbesondere hochaltriger Menschen steht vor einer doppelten Herausforderung: Immer mehr Menschen über 80 Jahre treffen auf eine sinkende Zahl an Fachkräften. Besonders betroffen: Menschen mit Demenz und Pflegebedarf. Das zeigt der aktuelle Krankenhaus-Report 2025 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

Viele Krankenhausaufenthalte wären vermeidbar

Der Anteil der über 80-Jährigen an allen Krankenhausfällen stieg von 13 % im Jahr 2005 auf 22 % im Jahr 2023 – Tendenz weiter steigend. Diese Patientengruppe ist häufig multimorbid, gebrechlich und leidet überdurchschnittlich oft an Demenz. Damit geht ein hoher Bedarf an medizinischer, vor allem aber auch pflegerischer Versorgung einher – auf den viele Kliniken unzureichend vorbereitet sind. Die Folge: erhöhtes Risiko für Komplikationen, Versorgungslücken und sogenannte „Drehtür-Effekte“.

Ein zentrales Ergebnis des Reports: Rund 1,4 Millionen Krankenhausaufenthalte pro Jahr bei pflegebedürftigen Menschen gelten als vermeidbar – etwa bei Diagnosen wie Herzinsuffizienz oder Diabetes. Der Report sieht hier ein massives Verbesserungspotenzial durch eine stärkere ambulante Versorgung, auch im Pflegeheim oder häuslichen Umfeld. Ziel sei es, Krankenhausaufenthalte nur dann zuzulassen, wenn sie medizinisch notwendig sind.

Auch in der Pflege sieht der Report erheblichen Reformbedarf: Pflegekräfte brauchen mehr Handlungssicherheit im Umgang mit spezifischen Bedarfen Hochaltriger – insbesondere bei Demenz, Delir, Frailty und Polypharmazie. Der Report fordert gezielte Schulungen, den Ausbau geriatrischer Kompetenz in Kliniken sowie digitale Instrumente wie Medikations-Management, um Pflege und Versorgung sicherer und effizienter zu gestalten.

Im Ausland funktioniert es besser

Professor Clemens Becker (Universitätsklinikum Heidelberg) betont die Vorbildfunktion europäischer Nachbarn: Länder wie die Niederlande und Dänemark setzen stärker auf Prävention, Allgemeinmedizin und Pflegeheimversorgung – mit nachweislich besseren Ergebnissen und geringeren Kosten. In Deutschland dagegen sei die Kliniklastigkeit weiterhin hoch.

Fazit: Ohne eine tiefgreifende Ambulantisierung und strukturelle Reform der Versorgungslandschaft droht eine Überlastung der Kliniken – mit negativen Folgen insbesondere für pflegebedürftige und und speziell auch für Menschen mit Demenz.

Jochen Gust

Den Krankenhausreport 2025 finden Sie hier, zur Pressemitteilung geht es hier entlang.

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Jochen Gust

Pflegefachperson, Projektmitarbeiter, Demenzbeauftrager im Krankenhaus, Autor, Moderator, Dozent

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