Mit 20 Cents die Feinmotorik prüfen und stärken

Mit zunehmendem Alter kommt es häufig zu einer Verminderung der Muskelmasse und einem Nachlassen von Tempo und Präzision bei feinmotorischen Bewegungen der Hände und Finger. Da viele Alltagsaktivitäten von der Feinmotorik abhängen, gilt sie als Indikator für die Selbstständigkeit im höheren Lebensalter. Einschränkungen in der Feinmotorik können somit die Bewältigung alltäglicher Aufgaben erschweren und zu einer erhöhten Pflegebedürftigkeit führen.

Feinmotorik und Demenz

Studien zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Schweregrad einer Demenz und der motorischen Leistungsfähigkeit gibt. Je ausgeprägter die kognitive Beeinträchtigung, desto stärker sind oft die Einschränkungen in der Motorik, einschließlich der Feinmotorik. Betroffene stehen zudem im Risiko, dass Tätigkeiten für Sie frühzeitig übernommen werden und es ihnen dadurch verfrüht an alltäglicher Anforderung an die Motorik fehlt.

Feinmotorik: Status ermitteln

Der 20-Cents-Test ist ein einfach durchzuführendes Verfahren zur Beurteilung der Feinmotorik der Hände bei älteren Menschen. Hierfür werden 20 1-Cent-Münzen, ein Blatt Zeichenpapier und ein Auffanggefäß (z.B. eine leere Cremedose) benötigt. Die Testperson nimmt die Münzen einzeln mit den Fingerspitzen auf und legt sie in das Gefäß, wobei die benötigte Zeit für jede Hand separat gemessen wird. Wird die Aufgabe innerhalb von 30 Sekunden abgeschlossen, gilt die Feinmotorik als unauffällig. Ein Zeitbedarf von über 40 Sekunden deutet auf mögliche Beeinträchtigungen hin, und bei mehr als 50 Sekunden ist eine Störung der feinmotorischen Alltagsfähigkeiten wahrscheinlich. Der Test eignet sich auch für Personen mit kognitiven Einschränkungen oder vermindertem Sehvermögen und kann als Verlaufsparameter eingesetzt werden. Mehr Informationen dazu bei der Forschungsgruppe Geriatrie Lübeck.

Konsequenzen und Empfehlungen

Die Feinmotorik ist entscheidend für viele alltägliche Aktivitäten, da sie die präzise Steuerung kleiner Muskeln in Händen, Fingern und manchmal auch im Gesicht oder den Füßen ermöglicht. Menschen mit Demenz profitieren davon, wenn Pflege Greif- und Fingerübungen, Übungen welche die Handkraft stärken nutzt. Auch sollten Alltagsaktivitäten als Training betrachtet werden und auf vorschnelle Unterstützung verzichtet werden. Zudem kann Pflege für Hilfsmittel zur Unterstützung (z.B. Greifhilfen, ergonomische Griffe etc.) sorgen und die Expertise von Physio- und Ergotherapeuten in die Versorgung mit einbeziehen.

Die Bedeutung der Feinmotorik für die Selbstständigkeit und Lebensqualität im Alter darf nicht unterschätzt werden. Regelmäßige körperliche Aktivität und gezieltes Training der Feinmotorik können helfen, motorische Fähigkeiten zu erhalten und somit Selbständigkeit im Alter länger zu erhalten.

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Jochen Gust

Pflegefachperson, Projektmitarbeiter, Demenzbeauftrager im Krankenhaus, Autor, Moderator, Dozent

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