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	<title>tod Archive - Demenz im Krankenhaus</title>
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		<title>Todesnachricht überbringen – trotz Demenz?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Nov 2023 10:48:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Frage kommt immer wieder auf: soll man einem Menschen mit Demenz mitteilen, wenn eine im nahestehende Person gestorben ist? Oder sollte man lieber darauf verzichten, zumal er die Information&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/11/02/todesnachricht-ueberbringen-trotz-demenz/">Todesnachricht überbringen – trotz Demenz?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Frage kommt immer wieder auf: soll man einem Menschen mit Demenz mitteilen, wenn eine im nahestehende Person gestorben ist? Oder sollte man lieber darauf verzichten, zumal er die Information wahrscheinlich wieder vergisst?</p>



<h2 class="wp-block-heading has-primary-color has-text-color has-link-color wp-elements-dfada197ba3ff78b37f905c06bf27ee5">„Ihr Sohn ist gestorben.“</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vor vielen Jahren starb der einzige Sohn einer alten Dame. Er hatte sie regelmäßig in dem Pflegeheim für Menschen mit Demenz besucht, in dem ich arbeitete. Er war einer dieser freundlich-zurückhaltenden Angehörigen, die häufig auch von den Mitarbeitenden sehr geschätzt werden. Er kam bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Alle waren sehr bestürzt über die Nachricht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnell stellte sich die Frage: sagen wir es Frau B.? Sollen wir, dürfen wir? Und wenn ja, wer macht es? Die Fraktion „Wir sagen es ihr.“ setzte sich durch und ich meldete mich freiwillig, das Gespräch zu führen. Ich war auf alles mögliche gefasst, denn die Dame war eine, sagen wir, sehr „kernige“ Person im Versorgungsalltag. Wir saßen uns also gegenüber, abgeschirmt von Störungen. Und da Wahrheiten häufig platt sind, sagte ich ihr in einem Satz, was geschehen war. Frau B. sah mich an, reagierte zunächst überhaupt nicht. Ich begann unsicher zu werden, ob sie mich inhaltlich verstanden hatte. Und als ich in meinem Kopf noch nach einem guten, klärenden, anknüpfenden Satz suchte &#8211; da begannen ihre Tränen zu fliessen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich am nächsten Tag zum Dienst kam, war ihr die Nachricht vom verstorbenen Sohn nicht anzumerken. Sie war wie immer, keine Anzeichen von Trauer oder Traurigkeit. Hätte ich ihr das gestrige Gespräch ersparen sollen? Meine Gegenfragen dazu wären: Darf Trauer &#8222;kurz&#8220; sein aufgrund von Vergesslichkeit? Ist sie dann weniger &#8222;wert&#8220;. Muss sich Trauer &#8222;lohnen&#8220;, zeitlich gesehen? Ist Trauer weg, wenn sie unsichtbar geworden ist? </p>



<h2 class="wp-block-heading has-primary-color has-text-color has-link-color wp-elements-896b1914744752129a5f7dd2b22251cc">Menschen mit Demenz und Trauer</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="http://trauerforschung.de/index.php/forschungsbereiche/auswirkungen/264-verlust-und-trauer-eine-besondere-herausforderung-fuer-aeltere-menschen-mit-demenz-fallbeschreibungen-und-schlussfolgerungen-fuer-die-praxis">Ich habe bis heute keinen sachlichen Grund anzunehmen, Menschen mit Demenz könnten und würden nicht trauern.</a> Ich glaube sogar, das Gegenteil ist der Fall und wir sehen täglich in der Versorgung auch Auswirkungen des (ständigen) Verlusterlebens von Menschen mit Demenz. Wir ordnen das Verhalten nur nicht vor dem Hintergrund „Trauer“ zu. Gleichsam wie bei manchem Verhalten pflegender Angehöriger, die sich wiederholt und Stück für Stück von ihrem geliebten Verwandten verabschieden müssen, während die Demenz fortschreitet kommen uns alle möglichen Begründungen dafür in den Sinn. Aber Trauer? </p>



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<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/11/pexels-karolina-grabowska-8532480-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-1944" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/11/pexels-karolina-grabowska-8532480-1024x683.jpg 1024w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/11/pexels-karolina-grabowska-8532480-300x200.jpg 300w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/11/pexels-karolina-grabowska-8532480-768x512.jpg 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/11/pexels-karolina-grabowska-8532480-1536x1024.jpg 1536w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/11/pexels-karolina-grabowska-8532480-2048x1365.jpg 2048w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/11/pexels-karolina-grabowska-8532480-1320x880.jpg 1320w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">In meinen Augen ist es grundsätzlich unethisch einem Menschen nicht mitzuteilen, wenn jemand für ihn bedeutsames gestorben ist. Er hat ein Recht darauf es zu erfahren. Daran ändert eine Demenz nichts. Menschen mit Demenz nicht die Möglichkeit zu geben zu trauern ist ein Ausschluss, der uns Dritten nicht zusteht. Ja, Betroffene bedürfen der Begleitung. Ja, Trauer wirkt sich ggfs. auf das Verhalten aus und damit müssen wir dann umgehen.</p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Trauer sieht individuell anders aus und dementsprechend muss die Begleitung gestaltet werden. Entscheidend dafür ist sicher auch der persönliche Kontext – vom Krankheitsfortschritt bis zur Beziehung. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich plädiere auch nicht dafür, einem Menschen der das Gespräch von heute Morgen oder gestern wieder vergessen hat, nun täglich neu aufzunötigen und ihn so immer und immer wieder neu die Todesnachricht zu überbringen, sozusagen mit Gewalt auf „die Wahrheit“ zu stoßen. Da wäre die Grenze zur Quälerei für mich erreicht. Aber einen Todesfall „zum Schutz“ völlig vorenthalten? </p>



<h2 class="wp-block-heading has-primary-color has-text-color has-link-color wp-elements-84ee994ac9f144e1ef477609a1ab44a9">Wir können das aushalten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Hinter der Frage, ob einem Menschen mit Demenz eine Todesnachricht überbracht werden sollte oder nicht, steht in meinen Augen sehr oft nicht die Sorge, ob und wie der Mensch mit Demenz damit umgehen wird. Das Problem, die Hürde, die Schwierigkeit und die sich daraus ergebende Frage ist meist eher nicht „die Demenz“. Vielmehr fürchten wir, was wir dann vielleicht zu sehen bekommen, wenn die schlimme Nachricht beim Gegenüber ankommt. Oder vielmehr: was wir dann zu fühlen bekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unser Wunsch, die Trauer(reaktionen) des Gegenübers nicht erleben zu müssen darf uns nicht dazu verführen, Betroffenen die Möglichkeit zu entziehen, ihre eigene Trauer zu leben. Trauer ist etwas Lebendiges, Normales – und muss im Regelfall auch nicht medikamentös gedämpft werden. &nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Dritte, als Außenstehende können wir manchmal wenig tun, außer zu bleiben. Mit auszuhalten. Da zu sein, wenn jemand etwas so unfassbar Widernatürliches ertragen muss wie den Tod des eigenen Kindes. Manchmal ist nichts menschlicher als gemeinsam mit jemandem zu nehmen, was ist. Und seine Reaktion mit aller Geduld mitzutragen, die eigenen Gefühle davon zu trennen – und sie dennoch anzunehmen. Auch die, die uns schmerzlich sind.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-primary-color has-text-color has-link-color wp-elements-980a3f7b49369d2049bd9ae13c7337ed">Trauer kann gestaltet werden – auch für Menschen mit Demenz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie Trauerbegleitung aussehen kann, eine Verabschiedung gestaltet oder eine kurze persönliche Andacht – das sind Dinge, mit denen sich Dritte für den Menschen mit Demenz befassen müssen und können. Darin liegt eine Aufgabe und je nach Stellung auch das Recht etwas zu entscheiden weil Betroffene dabei mindestens Unterstützung benötigen, gerade wenn es um organisatorisches geht. <a href="https://www.heuse-bestattungen.de/hilfsmoeglichkeiten-fuer-familien-freunde-bei-einem-trauernden-mit-demenz/">Bestattungsunternehmen haben hierfür durchaus Lösungen</a> und auch PastorInnen ist das Thema Demenz in dieser Beziehung nicht mehr so fremd, Hospizvereine unterstützen hierbei sicher auch gerne. Unter trauernden Angehörigen können auch Menschen mit Demenz sein – das ist so ungewöhnlich nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir sollten uns nicht selbst ermächtigen, Menschen mit Demenz als Trauernde aufgrund ihrer Erkrankung auszuschließen.&nbsp;</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Titelfoto von Kindel Media: on pexels<br>Foto von Karolina Grabowska on pexels</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/11/02/todesnachricht-ueberbringen-trotz-demenz/">Todesnachricht überbringen – trotz Demenz?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Detlef Rüsing am 01. Januar 2023 verstorben</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/01/06/detlef-ruesing-am-01-januar-2023-verstorben/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Jan 2023 15:38:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik und Panorama]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit Detlef Rüsing hat die „Demenz-Szene“ nicht nur einen interessanten, streitbaren Charakterkopf verloren. Mein Nachruf. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann ich Detlef kennengelernt habe. Es ist viele&#8230;</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Mit Detlef Rüsing hat die „Demenz-Szene“ nicht nur einen interessanten, streitbaren Charakterkopf verloren. Mein Nachruf. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann ich Detlef kennengelernt habe. Es ist viele Jahre her und es war gewiss auf einer Veranstaltung in Schleswig-Holstein. Viele Jahre hatte ich immer wieder losen Kontakt und lernte ihn als einen umtriebigen, interessierten Menschen kennen. Als jemanden, den ich – auch wenn ich längst nicht jede seiner Ansichten teilte, sehr für seine Deutlichkeit schätzte. Auf Veranstaltungen und in Vorträgen mal augenzwinkernd, mal sehr kritisch bis an der Grenze zu dem, was einige Zuhörer hinnehmen mochten. Gerne habe ich mit für ihn Gastartikel in der Zeitschrift <a href="pflegen:demenz verfasst wenn er anfragte. 2006 hatte er sie gegründet: die erste deutsche Fachzeitschrift für die professionelle Versorgung von Menschen mit Dehttps://demenz-im-krankenhaus.de/2021/01/06/pflegendemenz-kuenftig-ohne-detlef-ruesing/menz.">pflegen:demenz verfasst wenn er anfragte. 2006 hatte er sie gegründet: die erste deutsche Fachzeitschrift für die professionelle Versorgung von Menschen mit Demenz.</a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Detlef war einer jener Menschen, die sich nicht leicht abbringen lassen, nicht leicht auf den leichteren Weg locken lassen und die sagen, was ihrer Meinung nach gesagt werden muss. Geschäftemacherei mit Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen war ihm zutiefst zuwider. Ich erlebte ihn als entschlossen, wenn er etwas als richtig und wichtig identifiziert hatte. Er war an vielen Dingen in Sachen Demenz nicht nur interessiert, sondern brachte sich auch aktiv ein. Gemeinsam mit Christian Müller-Hergl bauten er z.B. das Dialogzentrum Demenz (DZD) an der Universität Witten/Herdecke auf. Das war etwas, was ihm sehr wichtig war und – soweit ich weiß – immer blieb: der Wissenstransfer in die Praxis aus der (Pflege-)Wissenschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin dankbar, dass ich ihn kennenlernen durfte – mit allen Ecken und Kanten.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.dzla.de/persoenlicher-nachruf-zum-tod-von-detlef-ruesing/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zum Nachruf beim dzla.  </a></p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Foto: Rahul</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/01/06/detlef-ruesing-am-01-januar-2023-verstorben/">Detlef Rüsing am 01. Januar 2023 verstorben</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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		<title>SARS-CoV-2: krank im System</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2020/05/29/sars-cov-2-krank-im-system/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 May 2020 13:47:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik und Panorama]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Um Menschen medizinisch und pflegerisch zu versorgen braucht es Profis im Gesundheitswesen: Medizinerinnen und Mediziner, Pflegefachfrauen und -männer und viele andere in helfenden Berufen. Insbesondere in Medizin und Pflege wird&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2020/05/29/sars-cov-2-krank-im-system/">SARS-CoV-2: krank im System</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Um Menschen medizinisch und pflegerisch zu versorgen braucht es Profis im Gesundheitswesen: Medizinerinnen und Mediziner, Pflegefachfrauen und -männer und viele andere in helfenden Berufen. Insbesondere in Medizin und Pflege wird auch während einer Infektionswelle weitergearbeitet, obwohl die Bedingungen häufig zum Davonlaufen sind – auch ohne Pandemie schon. Homeoffice geht nicht. Richtigerweise werden die Angehörigen dieser Berufsgruppen systemrelevant genannt.</p>



<h4 class="has-text-align-center has-primary-color has-text-color wp-block-heading">Kontakt ist unvermeidlich</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Da diese Menschen in einer Krisenlage wie einer Pandemie in direktem Kontakt mit infizierten Personen sind, unterliegen sie einem zusätzlichen Risiko selbst zu erkranken. Zugleich gehen damit Gefahren für besonders <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7174538/" target="_blank">vulnerable Personengruppen</a> aus. Mediziner und Pflegende können ungewollt Menschen anstecken, die ohnehin bereits aus anderen Gründen geschwächt sind. Die Folgen können verheerend sein. Zudem gerät ein Gesundheitswesen in Gefahr zusammenzubrechen, wenn diejenigen die darin arbeiten in großer Zahl ausfallen. In Deutschland muss das noch nicht einmal extrem viele Gesundheitsberufler in absoluter Zahl betreffen – denn vielerorts sind die Personaldecken so dünn, dass bereits der Regelbetrieb schwer aufrecht zu erhalten ist. Nicht umsonst hat das BMG die Personaluntergrenzen ausgesetzt. Auch der hilflos wirkende Versuch über Zwangsverpflichtungen in Landesgesetzen eine Mindestbesetzung und damit Sicherstellung der Versorgung zu gewährleisten, spricht Bände.</p>



<h4 class="has-text-align-center has-primary-color has-text-color wp-block-heading">Ländersache</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Sicher wird es über regionale Gesundheitsstrukturen, sprich die Gesundheitsämter, Krisenreaktionspläne für lokales Ausbruchsgeschehen in Gesundheitseinrichtungen geben. Die Länder sollten ihre systemrelevanten Berufsgruppen eigentlich mit Argusaugen beobachten um frühestmöglich auf ihre Bedarfe und Probleme in der Krise reagieren zu können. Die untenstehende Tabelle zeigt das Ergebnis einer Recherche in deren Rahmen ich versucht habe in Erfahrung zu bringen, wie viele Ärzt*innen und Pflegefachfrauen und -männer im Rahmen der Corona-Pandemie im jeweiligen Bundesland infiziert wurden. Und ob welche in diesem Zusammenhang gestorben sind. Die Zahlen geben allerdings keinen Aufschluss darüber, ob die Ansteckung jeweils tatsächlich bei der Arbeit erfolgte. Dies wird nicht erfasst (soweit dies im Einzelfall mit hinreichender Wahrscheinlichkeit überhaupt möglich wäre). Nicht alle Landesgesundheitsministerien haben geantwortet, ansonsten hat man sich bemüht den jeweiligen Informationsstand für das Bundesland darzustellen (ausgenommen Hamburg). Ich update den Beitrag und <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2020/05/TabelleCorona290520.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">die Tabelle</a>, wenn mich weitere Informationen aus den entsprechenden Ministerien erreichen. </p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized is-style-default"><img decoding="async" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2020/05/TabelleCorona29052020-1024x724.jpg" alt="" class="wp-image-430" width="1024" height="724" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2020/05/TabelleCorona29052020-1024x724.jpg 1024w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2020/05/TabelleCorona29052020-300x212.jpg 300w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2020/05/TabelleCorona29052020-768x543.jpg 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2020/05/TabelleCorona29052020-1536x1086.jpg 1536w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2020/05/TabelleCorona29052020-2048x1448.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Angaben enthalten, abgesehen von möglichen Fehleingaben, erhebliche Unschärfen. Wenn Daten nach §23 (od. 36) IfSG übermittelt wurden, sind <strong>nicht nur Ärzt*innen und Pflegefachfrauen und -männer erfasst</strong>. Insofern ist die Frage nach betroffenen Pflegekräften und Ärzten derzeit offenbar zumeist <strong>nicht</strong> direkt zu beantworten, es sei denn die Länder erfassen dies aus eigenem Interesse. Manches Bundesland registriert die &#8222;Exposition Heilberuf&#8220;. Das unterscheidet dann zwar noch immer nicht zwischen Ärzten und Pflegekräften, jedoch sind damit Mitarbeiter aus administrativen und sonstigen Bereichen außen vor. Es ist also durchaus damit etwas genauer. Das IfSG sollte dennoch nachgebessert werden um Berufsgruppen verpflichtend zu erfassen, die für die Patientenversorgung unabdingbar sind. Nun kann man einwenden, dass dies auf alle Mitarbeiter des Gesundheitswesens und alle Mitarbeiter sonstiger sozialer Einrichtungen zutrifft. Das will ich selbstverständlich nicht in Abrede stellen. Aber in einer akuten Krisenlage macht es durchaus einen Unterschied in einem Krankenhaus, ob 10 Physiotherapeuten erkrankt sind und unter Quarantäne gestellt werden müssen, oder ob dies 10 Intensivpflegefachkräfte betrifft. Beides ist nicht gut, aber hat eine unterschiedliche Auswirkung auf die akute Patientenversorgung. In den meisten Pflegeheimen dürfte der Ausfall von 10 Pflegefachkräften zur gleichen Zeit den Betrieb zusammenbrechen lassen – nicht einmal die Grundversorgung wäre dann ohne Hilfe von außen noch gewährleistet. Grundsätzlich unterscheidet das IfSG auch weitere Einrichtungen (§36 IfSG, Obdachlosenunterkünfte, Justizvollzugsanstalten u.a. ). In so fern ist es doch erstaunlich, dass es zumindest auf Landesebene meistens eher &#8222;globale&#8220; Erkenntnisse gibt und das Infektionsschutzgesetz nicht entsprechend geschärft wird. Hier besteht auch im Hinblick auf Krisenpläne Nachbesserungsbedarf &#8211; mindestens in der Umsetzung des Gesetzes. </p>



<h4 class="has-text-align-center has-primary-color has-text-color wp-block-heading">Mehr als Applaus und Einmalzahlungen</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Das Rechercheergebnis ist unbefriedigend. Aber die große &#8222;Ansehenswelle&#8220; für die Kolleginnen und Kollegen im Gesundheitswesen droht gerade folgenlos abzuebben. Der Einsatz derjenigen die ihre eigene Gesundheit für andere riskiert haben und jeden Tag riskieren ist nur dann angemessen gewürdigt, wenn sich im Gesundheitswesen nachhaltig was ändert. Nicht durch Applaus, nicht durch Einmalzahlungen. Von daher ist es eigentlich bestürzend, wie wenig konkret die meisten Länder über Sars-CoV-2-Infektionen ihrer doch systemrelevanten medizinischen und pflegerischen Kräfte wissen. Wissen wollen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <a rel="noreferrer noopener" href="https://uebergabe.de/podcast/" target="_blank">„Übergabe“</a> hat auf Ihren Seiten ein Kondolenzbuch eingerichtet für jene Kolleginnen und Kollegen, die im Rahmen dieser Pandemie ihre Leben ließen. Einen Beitrag über die Überlebenden, also die an Covid-19 erkrankten und heute als „genesen“ geltenden Personen, finden Sie beim <a rel="noreferrer noopener" href="https://www.zdf.de/politik/frontal-21/covid-19-ueberlebende-berichten-lang-100.html#xtor=CS5-91" target="_blank">gebührenfinanzierten ZDF</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Teilnahme an sog. &#8222;Hygienedemos&#8220;, auf der Wirrköpfe, Reichsbürger, Rechte und Verschwörungstheoretiker sich ein Stelldich eingeben, verhöhnt die Opfer dieser Pandemie. Bitte teilen Sie auch keine Beiträge dieser Leute bei SocialMedia unkommentiert. </p>



<div style="height:41px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2020/05/29/sars-cov-2-krank-im-system/">SARS-CoV-2: krank im System</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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