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	<title>interview Archive - Demenz im Krankenhaus</title>
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	<title>interview Archive - Demenz im Krankenhaus</title>
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		<title>Swen Staack über Demenzpolitik, Pflege und falsche Hoffnungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Apr 2026 18:23:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik und Panorama]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Swen Staack ist Geschäftsführer der Alzheimer Gesellschaft Schleswig-Holstein e.V. und seit November 2024 1. Vorsitzender der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V.. Dazu noch einer der Sprecher der AG Landesfachstellen Demenz der&#8230;</p>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Swen Staack ist Geschäftsführer der <a href="https://www.alzheimer-sh.de/">Alzheimer Gesellschaft Schleswig-Holstein e.V.</a> und seit November 2024 1. <a href="https://www.deutsche-alzheimer.de/">Vorsitzender der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V.</a>. Dazu noch einer der Sprecher der AG Landesfachstellen Demenz der Länder.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ich habe ihn nach seiner persönlichen Meinung zu gerade aktuellen Themen rund um Demenz gefragt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust: </strong>Herr Staack, Sie sagen selbst, Sie regen sich gerade über vieles auf. Was ist im Moment der Punkt, an dem Sie beim Thema Demenzpolitik in Deutschland am meisten fassungslos macht?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Swen Staack:</strong> Das stimmt. Da gibt es leider gerade einige Themen: von der Diskussion um die neuen Medikamente über den Zukunftspakt Pflege bis hin zur Neuausrichtung der Nationalen Demenzstrategie. Menschen mit Demenz und ihre An- und Zugehörigen, aber auch viele Menschen, die sich beruflich oder ehrenamtlich um das Thema Demenz kümmern, sind verunsichert. Zu Recht.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-text-color has-link-color wp-elements-ea40154627bbaa775a05628d4cbd9010" style="color:#2f0a52">Neue Alzheimer-Medikamente: Hoffnung, Evidenz und Verunsicherung</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Warum ärgert Sie die aktuelle Diskussion um <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/04/15/eu-kommission-gibt-neuen-wirkstoff-frei-lecanemab-erhaelt-zulassung/">Lecanemab </a>und <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/09/29/eu-kommission-genehmigt-alzheimer-medikament-mit-donanemab/">Donanemab</a>? Eigentlich ist es doch ein Schritt nach vorne. Geht es Ihnen vor allem darum, dass zu einseitig Hoffnung verkauft wird – oder darum, dass Betroffene nun wieder zwischen Euphorie und Enttäuschung hängenbleiben?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Swen Staack:</strong> Für mich fühlt es sich tatsächlich so an, als würden mit Hoffnungen und Ängsten von Menschen Politik gemacht und Profite gesucht.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Von Anfang an wurde – sicher auch unterstützt durch die Pharmafirmen – über Medien die Aussicht auf einen bahnbrechenden Durchbruch bei der Behandlung der Alzheimer-Krankheit erzeugt. Das ist angesichts der vorliegenden Studien aber völlig überzogen, egal wie man die Daten interpretiert. Nicht umsonst haben IQWiG und G-BA auf Grundlage der vom Hersteller vorgelegten Studiendaten keinen Zusatznutzen gegenüber dem bisherigen Therapiestandard erkannt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für die Forschung mögen diese Medikamente mit Hoffnung verbunden sein, weil sie vielleicht einen Weg in die richtige Richtung weisen. Aber man darf Hoffnung nicht mit Evidenz verwechseln. Die klinische Wirksamkeit wurde momentan als nicht bedeutsam eingestuft und wird für die Betroffenen im Alltag wenig bis gar nicht spürbar sein.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Zur Verunsicherung haben auch kritische Stimmen von Fachverbänden beigetragen, die das IQWiG heftig kritisiert haben, etwa mit dem Argument, man könne hier kausal statt nur symptomatisch behandeln. Das stimmt zwar. Aber das Ergebnis der Behandlung macht eben keinen großen Unterschied. Da frage ich mich manchmal schon nach möglichen Interessenkonflikten. Für Laien sind diese Zulassungsdiskussionen kaum noch nachvollziehbar. Und bei jährlichen Gesamtbehandlungskosten von über 34.000 Euro stellt sich auch die Frage der Verhältnismäßigkeit. Die Erkenntnisse des G-BA bedeuten ja nicht automatisch, dass die Medikamente nicht verfügbar sind. Ziel ist nun, mit dem GKV-Spitzenverband eine Preisgestaltung durchzusetzen, die sich an der nachgewiesenen Wirksamkeit orientiert.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Dazu kommt noch etwas anderes: In der öffentlichen Diskussion geht es gefühlt nur noch um die Alzheimer-Krankheit, um frühe Krankheitsstadien und um medikamentöse Behandlungsansätze. Alle Menschen, die für diese Medikamente gar nicht infrage kommen – weil die Erkrankung zu weit fortgeschritten ist, weil sie eine andere Demenzform haben oder weil einer der vielen Ausschlussgründe greift –, geraten aus dem Fokus. Und das sind bei weitem die meisten Betroffenen. Und ganz wichtig: Es gibt eine ganze Reihe weiterer Behandlungsmöglichkeiten, deren positive Effekte auf den Verlauf seit langem bekannt und nachgewiesen sind. Dazu gehören neben Medikamenten auch nicht-medikamentöse Ansätze wie Ergotherapie, Musiktherapie, Hirnleistungstraining und körperliches Training. Die dürfen keinesfalls vergessen werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-text-color has-link-color wp-elements-a5561e022e9e47678161e03f9727b54c" style="color:#2f0a52">Pflegeversicherung: gute Ansätze, aber viel Flickschusterei</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Stichwort Pflegeversicherung. Wie sehen Sie die Vorschläge der<a href="https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/F/FinanzKommission_Gesundheit/FinanzKommissionGesundheit_Erster_Bericht_20260330.pdf"> Bund-Länder-Arbeitsgruppe?</a></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Swen Staack:</strong> Grundsätzlich ist es erst einmal positiv, dass sich überhaupt etwas tut. Nach Jahren der Flickschusterei wäre das ja auch dringend nötig. Aber ein großer Wurf ist der neue Vorschlag bei weitem nicht. Es bleibt eben genau dabei: Flickschusterei.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Im Maßnahmenpapier heißt es gleich am Anfang, dass die Vorschläge nicht zu Mehrausgaben führen sollen. Das gibt die Richtung vor – und in meinen Augen ist das die völlig falsche Richtung. Vielleicht saßen deshalb eher ministerielle Verwaltungsexperten in der Arbeitsgruppe und keine Fachleute aus Pflege und anderen Professionen. Diese wurden am Ende nur noch angehört. Auch die DAlzG konnte sich äußern – allerdings wie viele andere Verbände nur kurz und in meiner Wahrnehmung wenig wertschätzend.<br>Es gibt durchaus positive Punkte: die Stärkung von Prävention und Beratung, die Neugestaltung der Verhinderungspflege und eine flexiblere Budgetlösung für Sach- und Entlastungsleistungen im ambulanten Bereich. Auch im stationären Bereich wären die vollständige Übernahme der medizinischen Behandlungspflege durch die gesetzliche Krankenversicherung oder ein Sockel-Spitze-Tausch sinnvoll, also eine Begrenzung der Eigenanteile. Wenn das denn tatsächlich kommt. Denn das kostet Geld.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Sinnvoll ist auch, Verhinderungspflege für Tages- und Nachtpflege nutzbar zu machen oder die Kurzzeitpflege zu stärken. Das eigentliche Problem ist aber ein anderes: Kurzzeitpflegeplätze haben riesige Wartezeiten oder sind in manchen Regionen gar nicht verfügbar. Gleiches gilt oft für die Tagespflege. Und über Nachtpflege brauchen wir gar nicht erst reden – da gibt es deutschlandweit kaum Plätze. Was nützt Menschen ein Recht auf Leistungen, die de facto vielerorts gar nicht verfügbar sind? Das ist Augenwischerei. Besonders kritisch sehe ich die mögliche Streichung des Entlastungsbetrags in Pflegegrad 1. Gerade Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen brauchen alltagsunterstützende Angebote, die Selbstständigkeit fördern und entlasten. Der Wegfall würde die ambulante Versorgung weiter schwächen, obwohl diese Hilfen oft schon lange vor einer formalen Einstufung dringend gebraucht werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ebenso problematisch ist die geplante hälftige Zahlung des Pflegegeldes in Pflegegrad 2 und 3 über mehrere Monate bei erstmaliger Einstufung. Das würde den Einstieg in das Unterstützungssystem erheblich erschweren. Die Idee einer fachlichen Begleitung ist auf dem Papier erstmal gut. Aber angesichts des Fachkräftemangels völlig unrealistisch – besonders dann, wenn das nur Pflegefachkräfte leisten sollen. Wo sollen die denn herkommen? Auch die Pflegestützpunkte könnten das bei der Vielzahl der Fälle kaum leisten. Im Entwurf heißt es dann wieder: Das Angebot könne auch durch Kommunen und weitere Akteure erbracht werden. Dieses „kann, sollte, würde, blabla“ kennen wir doch. Jeder, der sich mit dem Thema auskennt, weiß, dass dann oft nichts passiert. Kritisch ist auch die geplante Veränderung der Schwellenwerte für die Anerkennung von Pflegegraden nach Maßgaben von 2013. Das hätte gravierende Folgen für Menschen mit Demenz, weil Unterstützungsangebote im Alltag erst deutlich später greifen würden. Ein erschwerter früher Zugang zum Hilfesystem erhöht aber das Risiko, schneller pflegebedürftig zu werden und früher aus dem häuslichen Umfeld herauszufallen. Ein bekanntes Muster: kurzfristig wird gespart, langfristig wieder mehr ausgegeben. Aber dann ist vielleicht längst ein anderer Minister zuständig.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Mein Fazit: In der Bund-Länder-Arbeitsgruppe gibt es einige gute Ansätze. Aber sie müssen konkretisiert werden – und ohne ausreichende Finanzierung wird das nicht funktionieren. Das muss man den Bürgern auch ehrlich sagen, statt immer zuerst auf die nächste Wahl zu schauen.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-text-color has-link-color wp-elements-f23c65e6c795c24590f145f7e39f2fb8" style="color:#2f0a52">Nationale Demenzstrategie: viel begonnen, zu wenig verbindlich</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Zur Nationalen Demenzstrategie: Sie läuft Ende 2026 aus und soll weitergeführt werden. Ist sie ein Erfolg gewesen?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Swen Staack:</strong> Die Erarbeitung und Verabschiedung der Nationalen Demenzstrategie im Jahr 2020 war aus meiner Sicht zunächst ein starkes politisches Signal: Demenz wurde als gesamtgesellschaftliche Herausforderung anerkannt. Dass die Fortführung nun auch im Koalitionsvertrag steht, unterstreicht das.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Leider hat sich in den vergangenen Jahren aber gezeigt, dass die NDS nicht die nötige Durchschlagskraft hatte, um die Lebensrealität von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen spürbar und nachhaltig zu verbessern. Es gab erhebliche Schwächen: den weitgehend fehlenden direkten Einbezug von Menschen mit Demenz und Angehörigen, die schlechte bis gar nicht vorhandene finanzielle Ausstattung vieler Maßnahmen und die fehlende Verbindlichkeit.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Natürlich gab es positive Effekte. Dazu gehören etwa die Landesfachstellen Demenz, deren Arbeitsgemeinschaft inzwischen fachlich unverzichtbar und gut vernetzt ist, die vielen Lokalen Allianzen, die Etablierung der Woche der Demenz oder die Entwicklung eines Versorgungspfades Demenz. Es gibt noch viele weitere gute Maßnahmen. Das Problem ist nur: Vieles wurde nur modellhaft als Projekt umgesetzt. Oft erfolgreich und gewinnbringend – aber ohne Übergang in die Regelversorgung. Mobile Beratung im ländlichen Raum oder Dementia Care Management sind dafür gute Beispiele. Beides funktioniert nachweislich gut, wird aber nicht verstetigt, weil es Geld kostet.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Und manche Maßnahmen, die im Monitoring als „erfüllt“ geführt werden, verärgern mich massiv, weil die Menschen dort schlicht veräppelt werden. Wenn etwa die Maßnahme „Parkerleichterung für Menschen mit Demenz“ als erfüllt gilt, nur weil der Bund im <a href="https://www.wegweiser-demenz.de/">Wegweiser Demenz</a> Informationen zur Beantragung eingestellt hat, dann erleichtert das in der Realität gar nichts.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Oder die angeblich erfüllte Maßnahme zur „Verbesserung des Zugangs zu aufsuchender psychologischer Beratung von Angehörigen“. Im Monitoring heißt es sinngemäß: Hausbesuche von Psychotherapeuten seien in der gesetzlichen Krankenversicherung bereits vorgesehen, man sehe keinen Handlungsbedarf. Ich kenne nur keinen einzigen Angehörigen, der jemals einen solchen Therapeuten zum Hausbesuch gesehen hätte.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Und noch ein Beispiel: Die „Umsetzung des Expertenstandards Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz in der pflegerischen Praxis im Krankenhaus“ gilt als voll erfüllt, weil die Deutsche Krankenhausgesellschaft in ihren Gremien zum Expertenstandard Entlassmanagement informiert hat. Da fällt mir dann wirklich nichts mehr ein.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-text-color has-link-color wp-elements-c648a2e70fbc8f8011214dde4b1b6f8a" style="color:#2f0a52">Ab 2027: Fortsetzung mit offenen Fragen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Nun steht ein neues Konzept der NDS ab 2027 im Raum. Wie stehen Sie dazu?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Swen Staack:</strong> Zunächst einmal ist für mich wichtig und positiv, dass die NDS fortgesetzt wird. Ein Teil der Kritik wurde offenbar aufgegriffen. So sollen künftig – und das ist ganz wichtig – Menschen mit Demenz stärker und verlässlich eingebunden werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Geplant ist außerdem, jeweils für drei Jahre Arbeitsgruppen einzurichten, die sich an prioritären strategischen Zielen orientieren und diese entlang der WHO-Vorgaben bearbeiten. Im ersten Jahr sollen konkrete Maßnahmen formuliert werden, in den beiden folgenden Jahren geht es um die Umsetzung. Danach zieht man Bilanz, veröffentlicht Ergebnisse und erarbeitet Empfehlungen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das klingt erstmal innovativ. Aber es wirft viele offene Fragen auf: Arbeiten diese Gruppen rein ehrenamtlich? Gibt es überhaupt ein Budget für Maßnahmen? Wer priorisiert was – und nach welchen Kriterien? Die dringend notwendige Geschäftsstelle soll fortgeführt werden. Hoffentlich dann mit mehr fachlichem Input und nicht überwiegend mit Verwaltungsaufgaben. Die bisherige Steuerungsgruppe soll offenbar in einen fachlichen Beirat überführt werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Man muss jetzt abwarten, was die Diskussionen in den nächsten Wochen tatsächlich ergeben. Ich bin gespannt. Und eine Anmerkung noch: Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft hatte in den vergangenen Jahren den Co-Vorsitz der NDS inne. Im neuen Konzept der Ministerien war dieser Co-Vorsitz – trotz wirklich guter Zusammenarbeit – einfach verschwunden. Mittlerweile konnten wir das aber in einem konstruktiven Gespräch klären. Es wird dabei bleiben.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Muss die nächste Phase der NDS stärker an messbaren Verpflichtungen hängen – also an Zuständigkeiten, Finanzierung, regionaler Umsetzung und überprüfbaren Standards?</p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Swen Staack:</strong> Darauf mal eine ganz kurze Antwort: Ja.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Pflegeausbildung: nicht alle bleiben bis zum Schluss</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Sep 2025 09:28:22 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Der Fachkräftemangel in der Pflege ist längst Realität. Und die Situation wird sich in den kommenden Jahren verschärfen. Umso bedenklicher ist es, dass es im Rahmen der Ausbildung eine hohe&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/09/01/pflegeausbildung-nicht-alle-bleiben-bis-zum-schluss/">Pflegeausbildung: nicht alle bleiben bis zum Schluss</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Der Fachkräftemangel in der Pflege ist längst Realität. Und die Situation wird sich in den kommenden Jahren verschärfen. Umso bedenklicher ist es, dass es im Rahmen der Ausbildung eine hohe Abbrecherquote gibt. Zwar verzeichnet die generalistische Ausbildung steigende Anmeldezahlen – aber, um <a href="https://aerzteverbund.de/pflegeberuf-in-der-krise-warum-so-viele-auszubildende-abbrechen">die 30% brechen die Ausbildung vorzeitig ab</a>. Das hat unterschiedliche Ursachen &#8211; nicht selten sind die Auszubildenden aber mit ihren Problemen allein, die während der Ausbildung entstehen können. Es ist kaum anzunehmen, dass die Abbrecherquote im<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kreis_Soest"> Kreis Soest</a> sehr anders ist als im Schnitt im Bundesgebiet. Angesichts des Fachkäftemangels ist die Quote in jedem Fall zu hoch. Aber was tun?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ausbildung in Soest &#8211; auch mit &#8222;Handicaps&#8220;</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der „CariCampus“ der Caritas im Kreis Soest ist eine vergleichsweise neue Schule. Seit September 2023 können sich dort Menschen auf den Weg zum Examen, zur Pflegefachperson, machen. Begleitet werden Sie bei Bedarf unter anderem von Joergen Mattenklotz. Er betreut und berät Auszubildende, die Einschränkungen mitbringen bzw. sich in akuten Problemlagen befinden. „Handicaps“ nennt er solche Umstände. Und die können bei den Auszubildenden dazu führen, dass die Ausbildung abgebrochen wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Warnzeichen: in der Schule anwesend, in Praxiseinsätzen höhere Fehlzeiten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auszubildende in der Pflege brechen ihre Ausbildung häufiger ab, als Auszubildende in anderen Berufen. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von psychischer Vorbelastungen die Auszubildende ohne Unterstützung nicht bewältigen, bis hin zu Erfahrungen während der Ausbildung die gerade junge Menschen aus der Bahn werfen können. Das können schwierige Erlebnisse in der Praxis ebenso sein wie Schwierigkeiten im Privatleben. Auszubildende bei Problemen zu unterstützen und Ausbildungsabbrüche zu vermeiden ist ein wichtiges Anliegen. Für das Interview traf ich Joergen Mattenklotz in Räumlichkeiten der Tagespflege der <a href="https://www.seniorenresidenz-moehnesee.de/">Senioren-Residenz Völlinghausen</a>.</p>



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</div></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere <a href="https://www.caritas-soest.de/beitraege/neu-fuer-alle-caritas-azubis-individuelle-lebensbe/2939404/">Informationen zum Projekt gibt es hier</a>. Kontakt zum <a href="https://www.caritas-soest.de/pflegeschule-caricampus/servicefuerunternehmen">„CariCampus“ der Caritas Soest und Informationen zur Ausbildung hier</a>.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/09/01/pflegeausbildung-nicht-alle-bleiben-bis-zum-schluss/">Pflegeausbildung: nicht alle bleiben bis zum Schluss</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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		<item>
		<title>Generalistische Pflege-Ausbildung: &#8222;Ich hätte mir ein deutschlandweites, einheitliches Curriculum gewünscht.&#8220;</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/10/13/generalistische-pflege-ausbildung-ich-haette-mir-ein-deutschlandweites-einheitliches-curriculum-gewuenscht/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Oct 2023 10:57:10 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die bisher getrennten Ausbildungen in der Altenpflege, der Kranken- und Kinderkrankenpflege wurden zusammengelegt und hatte zum Ziel, den Auszubildenden eine zeitgemäße, moderne und hochwertige Ausbildung anzubieten. Nach der Neugestaltung durch&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/10/13/generalistische-pflege-ausbildung-ich-haette-mir-ein-deutschlandweites-einheitliches-curriculum-gewuenscht/">Generalistische Pflege-Ausbildung: &#8222;Ich hätte mir ein deutschlandweites, einheitliches Curriculum gewünscht.&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die bisher getrennten Ausbildungen in der Altenpflege, der Kranken- und Kinderkrankenpflege wurden zusammengelegt und hatte zum Ziel, den Auszubildenden eine zeitgemäße, moderne und hochwertige Ausbildung anzubieten. Nach der Neugestaltung durch das Gesetz zur Reform der Pflegeberufe sind 2020 die ersten Ausbildungsjahrgänge für den Berufsabschluss „Pflegefachfrau“ und „Pflegefachmann“ gestartet und in diesem Jahr fertig geworden. <br>Ist die Reform gelungen? Ich habe einen Schulleiter gefragt. </p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color has-link-color wp-elements-2214750953c1e19e6d0c61bea0c19b8e">4 Fragen an Christian Horstmann, Schulleiter der Pflegeschule Lippstadt der ESTA-Bildungswerk gGmbH zur generalistischen Pflegeausbildung</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Herr Horstmann – die ersten Auszubildenden haben die generalistische Pflegeausbildung durchlaufen: wie sieht Ihre Bilanz aus? Was hat sich durch die Reform verbessert?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Christian Horstmann: </strong>Vielen Dank, Herr Gust, für diese Frage. Meine Bilanz nach den ersten Durchläufen der generalistischen Pflegeausbildung sieht durchwachsen aus. Ich beginne einmal mit meinen positiven Erfahrungen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">In meiner 17jährigen Tätigkeit an unserer Schule, erinnere ich mich sehr gut an die deutliche jahrzehntelange Unterfinanzierung der Altenpflegeausbildung. Hier wurden die ehemaligen Krankenpflegeschulen erheblich finanziell bevorzugt. Im Zuge der generalistischen Umstellung, haben alle Pflegeschulen den gleichen Status erhalten und bekommen in diesem Zuge eine identische Ausbildungspauschale. Dies halte ich für eine sehr positive Entwicklung, auch hinsichtlich der Wertschätzung für die Altenpflege, wobei die Ausbildungspauschale mir noch ausbaufähig erscheint.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erfreulicherweise hat die hiesige Landesregierung außerdem über das NRW-Sonderinvestitionsprogramm „Krankenhäuser und Pflegeschulen“ auch den staatlich anerkannten Pflegeschulen, die nicht den Vorgaben des Krankenhausfinanzierungsgesetzes (KHG) unterliegen, finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt, um sich zukunftsfähig aufzustellen. Dies hat zwar auch mit der Pandemie zu tun, jedoch wäre dies meines Erachtens nicht ohne die generalistische Umstellung erfolgt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als weiteren positiven Erfolg sehe ich die beruflichen Möglichkeiten für die Auszubildenden an, mit der auch eine Gehaltsannäherung in den Versorgungsbereichen einhergeht. </p>



<div class="wp-block-media-text is-stacked-on-mobile"><figure class="wp-block-media-text__media"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="768" height="1024" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/10/Foto-Horstmann-1.jpg" alt="" class="wp-image-1912 size-full" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/10/Foto-Horstmann-1.jpg 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/10/Foto-Horstmann-1-225x300.jpg 225w" sizes="(max-width: 768px) 100vw, 768px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><em><strong>Christian Horstmann, Leiter der Lippstädter Akademie für Pflege und Gesundheit im ESTA-Bildungswerk, zieht nach drei Jahren generalistischer Pflegeausbildung eine durchwachsene Bilanz.</strong></em></p>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph">Prinzipiell halte ich einen deutschlandweit einheitlichen Berufsabschluss mit EU-weiter Anerkennung für sehr sinnvoll. Und da wären wir nun bei den verbesserungswürdigen Aspekten der Reform:<br>Ich hätte mir ein deutschlandweites einheitliches Curriculum gewünscht. Stattdessen war es Aufgabe jeder einzelnen Pflegeschule – in anderen Bundesländern gab es später teils länderspezifische Curricula &#8211; unter Beachtung der Vorgaben des Pflegeberufegesetzes, der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Pflegeberufe und des Rahmenlehrplans &#8211; ein schulinternes Curriculum zu erstellen. Dies war ein enormer Kraftakt für die Pflegeschulen und ich wage es zu bezweifeln, dass damit eine bundeseinheitliche oder gar europaweite Vergleichbarkeit des Abschlusses „Pflegefachfrau/Pflegefachmann“ erzielt werden konnte. Die wissenschaftliche Begründung, dass sich so jede Schule individuell mit „Ihrem“ Curriculum identifizieren könne, ist zwar korrekt, rechtfertigt aber meines Erachtens nicht das unzureichend gelenkte Vorgehen.<br>Auch die Beurteilungsinstrumente, sonstigen Formalitäten und auch die Prüfungskonzepte mussten überwiegend von den einzelnen Schulen erstellt werden. Hinzu kommen teils unterschiedliche Vorgaben der einzelnen Bundesländer und sogar einzelner Bezirksregierungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als nächsten Punkt, der nicht zufriedenstellend ist, sehe ich den Mangel an geeigneten Lehrpersonen. Der Stellenmarkt ist aktuell „leer gefegt“ und das Konkurrenzverhalten unter den Pflegeschulen ist verständlicherweise massiv. Um eine ausreichende Zahl an Pflegefachleuten auszubilden, wäre eine angemessene Anzahl an Pflegepädagoginnen und Pflegepädagogen wichtig, die es jedoch noch bei weitem nicht gibt. Die Pflegeschulen können somit flächendeckend ihre Ausbildungskapazitäten nicht steigern und mussten/müssen teils sogar ihre Ausbildungszahlen reduzieren. Einzelne Bundesländer haben Übergangsregeln bezüglich der Qualifikation der Lehrenden geschaffen. Für NRW reicht dies jedoch meines Erachtens nicht aus und ich sehe auch für die nächsten Jahre eine Fortführung und Erweiterung der Sonderregelung für wichtig an. Bis die Hochschulen eine ausreichende Anzahl an qualifiziertem Personal ausgebildet haben, werden noch mehrere Jahre vergehen. Ich rechne mit deutlichen Einbrüchen der Zahlen ausgebildeter Pflegefachpersonen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch ein Aspekt, der zu überdenken wäre: Die generalistische Pflegeausbildung verlangt von den Auszubildenden komplexe Denkprozesse. Das Ausbildungsniveau wurde deutlich, aus meiner Sicht teils zu massiv, angehoben und hier sollte einmal hinterfragt werden, ob dem Ausbildungsmarkt – gerade im Bereich der stationären oder ambulanten Langzeitpflege &#8211; eine ausreichende Anzahl an Bewerbern/-innen zur Verfügung steht, welche die Voraussetzungen und auch das Interesse für eine erfolgreiche Ausbildung mitbringen. Es gibt viele tolle Bewerberinnen und Bewerber, die praktisch tolle Pflegefachkräfte wären, jedoch Schwierigkeiten hätten, die Ausbildung erfolgreich zu durchlaufen und am Ende auch zu bestehen (für NRW verspreche ich mir für diese Bewerbergruppe jedoch viel von der Pflegefachassistenzausbildung, die wir im Dezember erstmals an unserer Schule starten werden).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wurde nicht extra das Pflegestudium (B.Sc.) mit dem Berufsabschluss „Pflegefachfrau/Pflegefachmann“ geschaffen, um eine entsprechende Klientel zu begeistern und dadurch akademisierte Pflegepersonen für die Basis zu generieren?<br>Ein weiterer Punkt meiner Bilanz betrifft die Praxisanleitung in den Betrieben: Vergleichbar mit der Situation der nicht ausreichenden Zahl an Pflegepädagoginnen und Pflegepädagogen, kämpfen die Betriebe damit, eine gesetzeskonforme Zahl an geeigneten Praxisanleitenden vorzuhalten. Hier sehe ich eine weitere Hemmschwelle für eine Ausweitung der Ausbildungszahlen, welche im Rahmen einer Evaluation vom Gesetzgeber her, dringend beleuchtet werden müsste. Auch hier halte ich Sonderregelungen für den Übergang als wichtig an. Ich frage mich zudem für NRW, wieso in der Pflegefachassistenzausbildung langjährige Pflegefachpersonen die Anleitung der Auszubildenden übernehmen können, in der dreijährigen Ausbildung jedoch ausschließlich weitergebildete Fachkräfte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun zwei letzte Punkte meiner Bilanz:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nehme wahr, dass der Erwerb eines Führerscheins für junge Menschen – auch im ländlichen Bereich – zunehmend eine geringe Rolle zu spielen scheint bzw. an fehlenden finanziellen Ressourcen scheitert. In unserer Region gibt es sehr viele Pflegeauszubildende, welche über keinen Führerschein verfügen. Hier würde ich mir finanzielle Anreize für Auszubildende in der Pflege wünschen, damit diese frühzeitig einen Führerschein erwerben. Durch die Vorgabe der verschiedenen externen Einsatzbereiche in der Ausbildung, wird Mobilität der Auszubildenden gefordert, was diese – und auch die einsatzkoordinierenden Pflegeschulen – vor große Herausforderungen stellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Gesetzgeber sieht, wie schon erwähnt, verpflichtende externe Einsätze vor. Dies halte ich auch für wichtig. Jedoch zeigt sich in unserer Region deutlich, dass gerade die Einsätze in der stationären Akutpflege sehr gefragt sind und teils viel zu wenig freie Plätze zur Verfügung stehen. Als einsatzkoordinierende Schule müssen wir dann auf entferntere Krankenhäuser zugreifen, was dann mit der meist nicht ausreichenden Mobilität der Auszubildenden kollidiert. Mein Vorschlag an das Landesministerium, auch ausgewählte Rehabilitationskliniken – nach intensiver Prüfung – als Einsatzort der stationären Akutpflege auszuweisen, wurde leider als nicht realisierbar bezeichnet. Erfahrungsgemäß besteht im Rehabereich eine große Bereitschaft, praktische Einsätze für die angehenden Pflegefachfrauen und –männer zu ermöglichen. Schade, dass diese Chance an behördlichen Hürden scheitert und sich ein Einsatz im rehabilitativen Bereich auf den kurzen „weiteren Einsatz“ in der Ausbildung begrenzt.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color has-link-color wp-elements-41dc7a581a5ecb5c125919db664df0fc">Generalistische Pflegeausbildung: Nachteil für die Altenpflege?</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Die generalistische Ausbildung eröffnet den Auszubildenden mehr berufliche Perspektiven, ermöglicht mehr Entscheidungsfreiheit in welchem Feld die Pflegefachfrauen /-männer schließlich arbeiten. Sehen Sie auch Nachteile der gemeinsamen (Grund-)Ausbildung – z.B. für die Altenpflege?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Christian Horstmann:</strong> Die Idee der generalistischen Ausbildung fußt auf dem Grundsatz des lebenslangen Lernens. So erwerben die Teilnehmer/-innen mittels dieser Basisausbildung ein Fundament, auf dem es aufzubauen gilt. Und hier sehe ich ein Problem für alle Versorgungsbereiche: Es muss ein übersichtliches, ineinander verzahntes Fort- und Weiterbildungsprogramm geben, das den Pflegepersonen eine berufliche Qualifizierungsperspektive liefert. Hier sehe ich den Gesetzgeber in der Pflicht, zeitnah für solche Strukturen zu sorgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachteile für die Altenpflege sehe ich darin, dass die Sogwirkung für Interessenten/-innen der Pflegeausbildung in einem Krankenhaus immer noch deutlich größer zu sein scheint, als dies für die Altenpflege der Fall ist. Hier spielt natürlich auch die mediale Präsenz des Krankenhausbereiches eine große Rolle. Aktuell nehme ich jedoch wahr, dass sich dies ggf. schleichend ändert, aber das müssen wir abwarten. Viele Senioreneinrichtungen – gerade im ländlichen Bereich – haben weiterhin viel zu wenig Zulauf an geeigneten Bewerbern/-innen. Natürlich hängt dies auch mit der Attraktivität eines potenziellen Arbeitgebers zusammen: Werden Auszubildende in der Pflege gut behandelt, werden sie dort auch die Ausbildung erfolgreich abschließen und später auch als Pflegefachfrau oder Pflegefachmann das Team verstärken.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color has-link-color wp-elements-b2d9bb6cf6f13b09e7b7e5242489637a">Bürokratieabbau, Bürgerdienst, Gesundheitsunterricht</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust: </strong>Der Fachkräftemangel ist in Deutschland Dauerthema geworden, auch in der Pflege. Was braucht es aus Ihrer Sicht – der Sicht des Schulleiters – um mehr Menschen für die Ausbildung zur Pflegefachfrau /-mann zu gewinnen?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Christian Horstmann: </strong>Ausgehend von meiner eigenen Berufsbiografie, würde ich mir die Einführung eines verpflichtenden Sozialen Bürgerdienstes für alle jungen Frauen und Männer wünschen. Ich habe selbst – wie viele andere junge Männer damals auch – nur durch den Zivildienst Erstkontakt mit dem Pflegebereich erhalten, der meinen Wunsch weckte, eine Pflegeausbildung zu absolvieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die allgemeinbildenden Schulen halte ich ein Pflicht-Unterrichtsfach „Gesundheit, Pflege und Soziales“ für sinnvoll. Somit werden schon die Kinder und Jugendlichen an den Bereich heran geführt und verlieren die Hemmschwelle, sich mit einer möglichen Berufsperspektive im Pflegeberuf zu beschäftigen. In den letzten Jahren ist die Nachfrage an Ausbildungsplätzen durch Bewerber/-innen aus dem Ausland stark gestiegen. Ich bin beeindruckt von vielen Interessenten/-innen, die bereits ein hohes Sprachniveau mit sich bringen und meist sogar über einen in Deutschland anerkannten Fachhochschulabschluss verfügen. Leider erschwert die deutsche Bürokratie – u.a. auch aufgrund der föderalistischen Unterschiede – die Einreise dieser in der Regel hoch motivierten zukünftigen Kolleginnen und Kollegen.</p>



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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<p class="has-black-color has-light-gray-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-44fcbe9a282f8bdb3fa7e831a3de0852 wp-block-paragraph"><em>Direkt am Hauptbahnhof von Lippstadt ist die <a href="https://www.esta-bw.de/schulen/lippstadt/">Pflegeschule der ESTA-Bildungswerk gGmbH</a> &#8211; zusammen mit dem angegliederten Zentrum für Aus-, Fort- und Weiterbildung &#8211; unter dem Dach der Lippstädter Akademie für Pflege und Gesundheit verortet. Nach einer umfassenden Modernisierung präsentiert sie sich in frisch renovierten, hellen, klimatisierten und modern ausgestatteten Räumlichkeiten – technisch auf dem neuesten Stand. Das Herzstück der Pflegeschule bildet das neue SkillsLab, über das sich Azubis und Kollegium besonders freuen.</em></p>
</div>



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<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://www.esta-bw.de/schulen/lippstadt/"><img decoding="async" width="768" height="1024" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/10/ESTA-Foto-Akademie-Lippstadt-Stand-Sept-16-1-768x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1914" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/10/ESTA-Foto-Akademie-Lippstadt-Stand-Sept-16-1-768x1024.jpg 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/10/ESTA-Foto-Akademie-Lippstadt-Stand-Sept-16-1-225x300.jpg 225w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/10/ESTA-Foto-Akademie-Lippstadt-Stand-Sept-16-1-1152x1536.jpg 1152w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/10/ESTA-Foto-Akademie-Lippstadt-Stand-Sept-16-1-1536x2048.jpg 1536w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/10/ESTA-Foto-Akademie-Lippstadt-Stand-Sept-16-1-1320x1760.jpg 1320w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/10/ESTA-Foto-Akademie-Lippstadt-Stand-Sept-16-1-scaled.jpg 1920w" sizes="(max-width: 768px) 100vw, 768px" /></a></figure>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust: </strong>Bei allen Bemühungen mehr Menschen für die Pflege zu begeistern – am Ende sind es pure Zahlen, die uns aktuell sagen: wir werden die angemessene Versorgung so wie bisher personell nicht stemmen können. Wir werden mehr Hilfsberufe benötigen, mehr nachbarschaftliches Engagement. Erwarten Sie, dass es eine Art Fachpflegefundament für alle geben wird, aber die Versorgung insgesamt in mehrere Assistenz- und Hilfsberufe zerfasert? Und dementsprechend Standards – z.B. die Pflege-Patient-Ratio weiter abgesenkt werden wird?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Christian Horstmann:</strong> Auch die Einführung der generalistischen Pflegeausbildung, die zweifelsfrei ein wichtiger – jedoch dringend zu evaluierender &#8211; Schritt war, die Pflegeausbildung den sich wandelnden gesellschaftlichen Veränderungen anzupassen, wird es allein nicht schaffen, die Zahl an ausgebildeten Pflegefachkräften zu erhöhen. Ein verstärkter Einbezug von pflegerischem Assistenzpersonal wird unumgehbar sein. Hier halte ich es jedoch für wichtig, bundeseinheitliche Vorgaben zu schaffen, um eine qualitativ hochwertige und einheitliche Assistenzausbildung zu erzielen.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust: </strong>Herr Horstmann, ich danke Ihnen für Ihre Antworten. <br></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/10/13/generalistische-pflege-ausbildung-ich-haette-mir-ein-deutschlandweites-einheitliches-curriculum-gewuenscht/">Generalistische Pflege-Ausbildung: &#8222;Ich hätte mir ein deutschlandweites, einheitliches Curriculum gewünscht.&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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