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	<title>therapeutensuche Archive -</title>
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		<title>Musik die uns fehlt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Jun 2020 13:17:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Musik ist ein starker Stimmungsträger. Schon Aristoteles (384 &#8211; 322 v. Chr.) wusste „Es gibt aber nichts, worin Zorn und Sanftmut, worin Tapferkeit, Mäßigung und alle andere[n] moralische[n] Eigenschaften, nebst&#8230;</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Musik ist ein starker Stimmungsträger. Schon Aristoteles (384 &#8211; 322 v. Chr.) wusste </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Es gibt aber nichts, worin Zorn und Sanftmut, worin Tapferkeit, Mäßigung und alle andere[n] moralische[n] Eigenschaften, nebst ihrem Entgegengesetzten sich so deutlich und ähnlich abbildeten, wenn man von der wirklichen Natur abgeht, als im Gesang und im Rhythmus. Die Erfahrung beweist es. Die ganze Stimmung des Gemüts ändert sich, wenn man verschiedene Arten der Musik hört.“. </p></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Studien belegen die Wirkung von Musik in der Arbeit mit Menschen mit Demenz. So lassen sich mit Hilfe von Musiktherapie unter anderem Agitiertheit und Ängste bei den Betroffenen mindern, was auch zu einer geringeren Belastung von Pflegefachfrauen und -männern führt. Musiktherapie gehört auch zu den nichtmedikamentösen Therapieformen, die in der<a aria-label="undefined (opens in a new tab)" href="https://www.dgn.org/leitlinien/3176-leitlinie-diagnose-und-therapie-von-demenzen-2016" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> S3-Leitlinie „Demenzen“</a> unter den Psychosozialen Interventionen aufgeführt ist. Dennoch ist sie bis heute <a aria-label="undefined (opens in a new tab)" href="https://www.musiktherapie.de/blog/forschung-1/2019/11/musik-und-kunst-bald-auf-rezept-die-who-empfiehlt-es/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">trotz anderslautender Empfehlung der WHO nicht verordnungsfähig</a>, anders als beispielsweise Ergotherapie.</p>



<h2 class="has-primary-color has-text-color has-medium-font-size wp-block-heading">Musiktherapie ist mehr als Radiogedudel</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Musiktherapie wird in Deutschland im Hinblick auf die Arbeit mit Menschen mit Demenz stiefmütterlich behandelt und bleibt so weit unter den Möglichkeiten, die sie bieten könnte. Musiktherapeut*innen sind in einem breiten Feld tätig – sowohl in der Wirtschaft, Forschung, im Bildungs- und Sozialwesen &#8211; und auch im Gesundheitswesen. Sie wird als Einzeltherapie oder auch als Gruppentherapie angewandt. Grob eingeteilt wird zwischen rezeptiver Musiktherapie, bei der der Patient im Wesentlichen durch Hören an der Therapie beteiligt ist, und aktiver Musiktherapie bei der der Patient selbst musiziert oder singt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In manchem Pflegeheim und so mancher Tagespflege steht Musiktherapie im Beschäftigungsplan, auf der Webseite oder in Broschüren. Nur findet sie häufig gar nicht mit Musiktherapeuten statt. Denn weder das Abspielen von Schlager-CDs oder das stundenlange Laufenlassen eines Radios im Aufenthaltsraum oder Zimmer aus dem sich Menschen mit Demenz nicht ohne Hilfe wegbewegen können oder dürfen (Lärmmisshandlung), noch die 30 Minuten Singrunde mittwochs im Speisesaal sind Musiktherapie. Zwar ist es gerade im Bereich der Demenzerkrankungen chic, jede noch so <a aria-label="undefined (opens in a new tab)" href="https://buecher.schluetersche.de/de/leben-statt-therapeutischer-akrobatik,571099083.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">normale Handlungsweise therapeutisch zu verbrämen</a> – wahrer oder wirkungsvoller macht es die Handlung aber nicht. Musik streamen zu können macht noch keinen Musiktherapeuten, ebenso wenig wie es jemandem zum KFZ-Mechatroniker erhebt, weil er selbst in der Lage ist Winterreifen aufzuziehen. Im Gesundheitswesen gibt es leider eine Tendenz zur Kompetenzbehauptung durch Tun bzw. durch Anbieten oder mittels Behauptungen – Geschäfte mit der Not der Betroffenen und ihrer Angehörigen sind das. Die Politik ist gefordert, ein entsprechendes Gesetz zur Ausübung von Musiktherapie zu schaffen mit welchem auch Mindestausbildungs- und qualifikationsstandards festzulegen wären. Auch ist sicher weitere Forschung, qualitativ hochwertige Studien, notwendig. Diese ist jedoch teuer und aufwändig &#8211; es fehlt an den entsprechenden Mittel und der <a aria-label="undefined (opens in a new tab)" href="https://foerderportal.bund.de/foekat/jsp/SucheAction.do?actionMode=searchmask" target="_blank" rel="noreferrer noopener">entsprechenden Förderung</a>.</p>



<h2 class="has-primary-color has-text-color has-medium-font-size wp-block-heading">Musiktherapie im Krankenhaus für Patienten mit Demenz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Demenzbeauftragte im Krankenhaus haben es nicht leicht Musiktherapie in<a aria-label="undefined (opens in a new tab)" href="https://www.uni-muenster.de/Musiktherapie/Literaturdienst/Literaturlisten/musiktherapie_mitaltenmenschen.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> die Behandlung zu integrieren</a>. Zunächst, und das ist sicherlich eines der Haupthindernisse, ist da die Falle der Fallpauschale. Wenn für einen Fall die Summe X bezahlt wird, weshalb sollte ein Krankenhausträger Musiktherapie integrieren, die am Ende seinen Erlös schmälert? Allgemein lässt sich sagen, dass Musiktherapie durchaus in <a href="https://www.dimdi.de/dynamic/de/klassifikationen/ops/" target="_blank" aria-label="undefined (opens in a new tab)" rel="noreferrer noopener">Behandlungsprozeduren</a> (z.B. 8-974 Multimodale Komplexbehandlung bei sonstiger chronischer Erkrankung) integriert ist. Dies ist aber eben u.a. sehr davon abhängig, ob im entsprechenden OPS diese Therapieform auch gelistet ist – oder nicht. Im 8550 (<a aria-label="undefined (opens in a new tab)" href="https://www.icd-code.de/ops/code/8-550.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geriatr. frührehabilitative Komplexbehandlung</a>) wäre sie z.B. gut aufgehoben, fehlt aber völlig. In der Arbeit mit Menschen mit Demenz im Krankenhaus dürfte es sich um absolute Ausnahmen handeln – genaue Zahlen waren dazu leider nicht zu ermitteln. Für Demenzbeauftragte in Allgemeinkrankenhäusern oder in Geriatrien bedeutet dies, im Schwerpunkt die fachliche Argumentation befördern und ausbauen zu müssen, die für den Einsatz von Musiktherapie spricht. Auf Erlösrelevanz kann nicht direkt gesetzt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es wird also im Vordergrund stehen, die Sinnhaftigkeit der Therapieform herauszuheben und darüber zu argumentieren. Da die therapeutischen Teams in Kliniken regelhaft unter (fach-)ärztlicher Leitung stehen, muss ergo der leitende Arzt überzeugt werden. Das Thema Demenz im Krankenhaus ist ein Zukunftsthema – auch die Aussicht auf die positive Aussenwirkung bei Anwendung von Musiktherapie für Patienten mit Demenz sollte von Ihnen als Demenzbeauftragter Ihres Hauses argumentativ genutzt werden: Musiktherapie als ein weiterer Baustein überragender Behandlungsqualität der Klinik in der Behandlung von Menschen mit Demenz.  Oder wie viele Stationen für Menschen mit Demenz im Krankenhaus kennen Sie, die eine/n Musiktherapeut*in im Team haben bzw. dies regelmäßig durch eine Fachperson anbieten? Eben. Nutzen Sie den Wunsch und die Notwendigkeit der Klinik nach Vorreiterfunktion und Alleinstellungsmerkmalen für das eigene Haus, um einen weiteren Argumentationsstrang zum Einsatz von Musiktherapie zu schaffen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-style-rounded"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2020/06/elcarito-ycEXIYZjiTk-unsplash-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-447" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2020/06/elcarito-ycEXIYZjiTk-unsplash-1024x683.jpg 1024w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2020/06/elcarito-ycEXIYZjiTk-unsplash-300x200.jpg 300w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2020/06/elcarito-ycEXIYZjiTk-unsplash-768x512.jpg 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2020/06/elcarito-ycEXIYZjiTk-unsplash-1536x1024.jpg 1536w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2020/06/elcarito-ycEXIYZjiTk-unsplash-2048x1365.jpg 2048w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<h2 class="has-primary-color has-text-color has-medium-font-size wp-block-heading">Da müsste Musik sein: Therapeutensuche</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Menschen mit Demenz erhalten in Deutschland mitunter auch deshalb Psychopharmaka, weil angepasste und angemessene Strukturen für sie (nicht nur) in Gesundheitsinstitutionen fehlen. Der Mangel an (qualifizierten) Mitarbeitenden, die Arbeitsverdichtung und ein auf Gewinnmaximierung ausgerichtetes Krankenhauswesen tun ihr Übriges dazu. In diesem Sinne sollten Demenzbeauftragte und Interessierte zumindest den Versuch wagen, (weitere) anerkannte nichtmedikamentöse Behandlungsbestandteile in die Regelversorgung zu integrieren. Vielleicht lohnt in diesem Sinne auch die Kontaktaufnahme zum Verein <a aria-label="undefined (opens in a new tab)" href="https://www.singende-krankenhaeuser.de/home.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Singende Krankenhäuser e.V</a>.?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wie findet man nun einen qualifizierte/n Musiktherapeut*in, die auch ist und kann was sie / er behauptet? Eine Möglichkeit ist über die Webseite der <a aria-label="undefined (opens in a new tab)" href="https://www.musiktherapie.de/standort/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft e.V. (DMtG) die Suchfunktion</a> zu nutzen. Das <a aria-label="undefined (opens in a new tab)" href="http://www.almuth.net/adressen.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Netzwerk Musiktherapie mit alten Menschen</a> bietet ebenfalls ein (ausbaufähiges) Adressverzeichnis.</p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">Besonders erwähnen möchte ich an dieser Stelle <a aria-label="undefined (opens in a new tab)" href="https://www.udk-berlin.de/personen/detailansicht/person/show/dorothea-muthesius/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Frau Prof. Dr. Dorothea Muthesius</a> vom Berlin Career College / Zentralinstitut für Weiterbildung. Sie hat sich nicht nur viel Zeit genommen mir geduldig die Thematik aus Sicht der <a aria-label="undefined (opens in a new tab)" href="https://www.udk-berlin.de/studium/musiktherapie-master-of-arts/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Musiktherapie</a> näher zu bringen, sondern mich auch darüber hinausgehend mit wertvollen Informationen zum Thema versorgt. Herzlichen Dank dafür. </p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph" style="line-height:1.5">I. Photo by Daniel Schludi on Unsplash<br>II. Photo by elCarito on Unsplash</p>
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