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	<title>Nationale Demenzstrategie Archive - Demenz im Krankenhaus</title>
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	<title>Nationale Demenzstrategie Archive - Demenz im Krankenhaus</title>
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		<title>Swen Staack über Demenzpolitik, Pflege und falsche Hoffnungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Apr 2026 18:23:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik und Panorama]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Swen Staack ist Geschäftsführer der Alzheimer Gesellschaft Schleswig-Holstein e.V. und seit November 2024 1. Vorsitzender der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V.. Dazu noch einer der Sprecher der AG Landesfachstellen Demenz der&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Swen Staack ist Geschäftsführer der <a href="https://www.alzheimer-sh.de/">Alzheimer Gesellschaft Schleswig-Holstein e.V.</a> und seit November 2024 1. <a href="https://www.deutsche-alzheimer.de/">Vorsitzender der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V.</a>. Dazu noch einer der Sprecher der AG Landesfachstellen Demenz der Länder.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ich habe ihn nach seiner persönlichen Meinung zu gerade aktuellen Themen rund um Demenz gefragt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust: </strong>Herr Staack, Sie sagen selbst, Sie regen sich gerade über vieles auf. Was ist im Moment der Punkt, an dem Sie beim Thema Demenzpolitik in Deutschland am meisten fassungslos macht?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Swen Staack:</strong> Das stimmt. Da gibt es leider gerade einige Themen: von der Diskussion um die neuen Medikamente über den Zukunftspakt Pflege bis hin zur Neuausrichtung der Nationalen Demenzstrategie. Menschen mit Demenz und ihre An- und Zugehörigen, aber auch viele Menschen, die sich beruflich oder ehrenamtlich um das Thema Demenz kümmern, sind verunsichert. Zu Recht.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-text-color has-link-color wp-elements-ea40154627bbaa775a05628d4cbd9010" style="color:#2f0a52">Neue Alzheimer-Medikamente: Hoffnung, Evidenz und Verunsicherung</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Warum ärgert Sie die aktuelle Diskussion um <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/04/15/eu-kommission-gibt-neuen-wirkstoff-frei-lecanemab-erhaelt-zulassung/">Lecanemab </a>und <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/09/29/eu-kommission-genehmigt-alzheimer-medikament-mit-donanemab/">Donanemab</a>? Eigentlich ist es doch ein Schritt nach vorne. Geht es Ihnen vor allem darum, dass zu einseitig Hoffnung verkauft wird – oder darum, dass Betroffene nun wieder zwischen Euphorie und Enttäuschung hängenbleiben?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Swen Staack:</strong> Für mich fühlt es sich tatsächlich so an, als würden mit Hoffnungen und Ängsten von Menschen Politik gemacht und Profite gesucht.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Von Anfang an wurde – sicher auch unterstützt durch die Pharmafirmen – über Medien die Aussicht auf einen bahnbrechenden Durchbruch bei der Behandlung der Alzheimer-Krankheit erzeugt. Das ist angesichts der vorliegenden Studien aber völlig überzogen, egal wie man die Daten interpretiert. Nicht umsonst haben IQWiG und G-BA auf Grundlage der vom Hersteller vorgelegten Studiendaten keinen Zusatznutzen gegenüber dem bisherigen Therapiestandard erkannt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für die Forschung mögen diese Medikamente mit Hoffnung verbunden sein, weil sie vielleicht einen Weg in die richtige Richtung weisen. Aber man darf Hoffnung nicht mit Evidenz verwechseln. Die klinische Wirksamkeit wurde momentan als nicht bedeutsam eingestuft und wird für die Betroffenen im Alltag wenig bis gar nicht spürbar sein.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Zur Verunsicherung haben auch kritische Stimmen von Fachverbänden beigetragen, die das IQWiG heftig kritisiert haben, etwa mit dem Argument, man könne hier kausal statt nur symptomatisch behandeln. Das stimmt zwar. Aber das Ergebnis der Behandlung macht eben keinen großen Unterschied. Da frage ich mich manchmal schon nach möglichen Interessenkonflikten. Für Laien sind diese Zulassungsdiskussionen kaum noch nachvollziehbar. Und bei jährlichen Gesamtbehandlungskosten von über 34.000 Euro stellt sich auch die Frage der Verhältnismäßigkeit. Die Erkenntnisse des G-BA bedeuten ja nicht automatisch, dass die Medikamente nicht verfügbar sind. Ziel ist nun, mit dem GKV-Spitzenverband eine Preisgestaltung durchzusetzen, die sich an der nachgewiesenen Wirksamkeit orientiert.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Dazu kommt noch etwas anderes: In der öffentlichen Diskussion geht es gefühlt nur noch um die Alzheimer-Krankheit, um frühe Krankheitsstadien und um medikamentöse Behandlungsansätze. Alle Menschen, die für diese Medikamente gar nicht infrage kommen – weil die Erkrankung zu weit fortgeschritten ist, weil sie eine andere Demenzform haben oder weil einer der vielen Ausschlussgründe greift –, geraten aus dem Fokus. Und das sind bei weitem die meisten Betroffenen. Und ganz wichtig: Es gibt eine ganze Reihe weiterer Behandlungsmöglichkeiten, deren positive Effekte auf den Verlauf seit langem bekannt und nachgewiesen sind. Dazu gehören neben Medikamenten auch nicht-medikamentöse Ansätze wie Ergotherapie, Musiktherapie, Hirnleistungstraining und körperliches Training. Die dürfen keinesfalls vergessen werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-text-color has-link-color wp-elements-a5561e022e9e47678161e03f9727b54c" style="color:#2f0a52">Pflegeversicherung: gute Ansätze, aber viel Flickschusterei</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Stichwort Pflegeversicherung. Wie sehen Sie die Vorschläge der<a href="https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/F/FinanzKommission_Gesundheit/FinanzKommissionGesundheit_Erster_Bericht_20260330.pdf"> Bund-Länder-Arbeitsgruppe?</a></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Swen Staack:</strong> Grundsätzlich ist es erst einmal positiv, dass sich überhaupt etwas tut. Nach Jahren der Flickschusterei wäre das ja auch dringend nötig. Aber ein großer Wurf ist der neue Vorschlag bei weitem nicht. Es bleibt eben genau dabei: Flickschusterei.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Im Maßnahmenpapier heißt es gleich am Anfang, dass die Vorschläge nicht zu Mehrausgaben führen sollen. Das gibt die Richtung vor – und in meinen Augen ist das die völlig falsche Richtung. Vielleicht saßen deshalb eher ministerielle Verwaltungsexperten in der Arbeitsgruppe und keine Fachleute aus Pflege und anderen Professionen. Diese wurden am Ende nur noch angehört. Auch die DAlzG konnte sich äußern – allerdings wie viele andere Verbände nur kurz und in meiner Wahrnehmung wenig wertschätzend.<br>Es gibt durchaus positive Punkte: die Stärkung von Prävention und Beratung, die Neugestaltung der Verhinderungspflege und eine flexiblere Budgetlösung für Sach- und Entlastungsleistungen im ambulanten Bereich. Auch im stationären Bereich wären die vollständige Übernahme der medizinischen Behandlungspflege durch die gesetzliche Krankenversicherung oder ein Sockel-Spitze-Tausch sinnvoll, also eine Begrenzung der Eigenanteile. Wenn das denn tatsächlich kommt. Denn das kostet Geld.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Sinnvoll ist auch, Verhinderungspflege für Tages- und Nachtpflege nutzbar zu machen oder die Kurzzeitpflege zu stärken. Das eigentliche Problem ist aber ein anderes: Kurzzeitpflegeplätze haben riesige Wartezeiten oder sind in manchen Regionen gar nicht verfügbar. Gleiches gilt oft für die Tagespflege. Und über Nachtpflege brauchen wir gar nicht erst reden – da gibt es deutschlandweit kaum Plätze. Was nützt Menschen ein Recht auf Leistungen, die de facto vielerorts gar nicht verfügbar sind? Das ist Augenwischerei. Besonders kritisch sehe ich die mögliche Streichung des Entlastungsbetrags in Pflegegrad 1. Gerade Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen brauchen alltagsunterstützende Angebote, die Selbstständigkeit fördern und entlasten. Der Wegfall würde die ambulante Versorgung weiter schwächen, obwohl diese Hilfen oft schon lange vor einer formalen Einstufung dringend gebraucht werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ebenso problematisch ist die geplante hälftige Zahlung des Pflegegeldes in Pflegegrad 2 und 3 über mehrere Monate bei erstmaliger Einstufung. Das würde den Einstieg in das Unterstützungssystem erheblich erschweren. Die Idee einer fachlichen Begleitung ist auf dem Papier erstmal gut. Aber angesichts des Fachkräftemangels völlig unrealistisch – besonders dann, wenn das nur Pflegefachkräfte leisten sollen. Wo sollen die denn herkommen? Auch die Pflegestützpunkte könnten das bei der Vielzahl der Fälle kaum leisten. Im Entwurf heißt es dann wieder: Das Angebot könne auch durch Kommunen und weitere Akteure erbracht werden. Dieses „kann, sollte, würde, blabla“ kennen wir doch. Jeder, der sich mit dem Thema auskennt, weiß, dass dann oft nichts passiert. Kritisch ist auch die geplante Veränderung der Schwellenwerte für die Anerkennung von Pflegegraden nach Maßgaben von 2013. Das hätte gravierende Folgen für Menschen mit Demenz, weil Unterstützungsangebote im Alltag erst deutlich später greifen würden. Ein erschwerter früher Zugang zum Hilfesystem erhöht aber das Risiko, schneller pflegebedürftig zu werden und früher aus dem häuslichen Umfeld herauszufallen. Ein bekanntes Muster: kurzfristig wird gespart, langfristig wieder mehr ausgegeben. Aber dann ist vielleicht längst ein anderer Minister zuständig.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Mein Fazit: In der Bund-Länder-Arbeitsgruppe gibt es einige gute Ansätze. Aber sie müssen konkretisiert werden – und ohne ausreichende Finanzierung wird das nicht funktionieren. Das muss man den Bürgern auch ehrlich sagen, statt immer zuerst auf die nächste Wahl zu schauen.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-text-color has-link-color wp-elements-f23c65e6c795c24590f145f7e39f2fb8" style="color:#2f0a52">Nationale Demenzstrategie: viel begonnen, zu wenig verbindlich</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Zur Nationalen Demenzstrategie: Sie läuft Ende 2026 aus und soll weitergeführt werden. Ist sie ein Erfolg gewesen?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Swen Staack:</strong> Die Erarbeitung und Verabschiedung der Nationalen Demenzstrategie im Jahr 2020 war aus meiner Sicht zunächst ein starkes politisches Signal: Demenz wurde als gesamtgesellschaftliche Herausforderung anerkannt. Dass die Fortführung nun auch im Koalitionsvertrag steht, unterstreicht das.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Leider hat sich in den vergangenen Jahren aber gezeigt, dass die NDS nicht die nötige Durchschlagskraft hatte, um die Lebensrealität von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen spürbar und nachhaltig zu verbessern. Es gab erhebliche Schwächen: den weitgehend fehlenden direkten Einbezug von Menschen mit Demenz und Angehörigen, die schlechte bis gar nicht vorhandene finanzielle Ausstattung vieler Maßnahmen und die fehlende Verbindlichkeit.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Natürlich gab es positive Effekte. Dazu gehören etwa die Landesfachstellen Demenz, deren Arbeitsgemeinschaft inzwischen fachlich unverzichtbar und gut vernetzt ist, die vielen Lokalen Allianzen, die Etablierung der Woche der Demenz oder die Entwicklung eines Versorgungspfades Demenz. Es gibt noch viele weitere gute Maßnahmen. Das Problem ist nur: Vieles wurde nur modellhaft als Projekt umgesetzt. Oft erfolgreich und gewinnbringend – aber ohne Übergang in die Regelversorgung. Mobile Beratung im ländlichen Raum oder Dementia Care Management sind dafür gute Beispiele. Beides funktioniert nachweislich gut, wird aber nicht verstetigt, weil es Geld kostet.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Und manche Maßnahmen, die im Monitoring als „erfüllt“ geführt werden, verärgern mich massiv, weil die Menschen dort schlicht veräppelt werden. Wenn etwa die Maßnahme „Parkerleichterung für Menschen mit Demenz“ als erfüllt gilt, nur weil der Bund im <a href="https://www.wegweiser-demenz.de/">Wegweiser Demenz</a> Informationen zur Beantragung eingestellt hat, dann erleichtert das in der Realität gar nichts.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Oder die angeblich erfüllte Maßnahme zur „Verbesserung des Zugangs zu aufsuchender psychologischer Beratung von Angehörigen“. Im Monitoring heißt es sinngemäß: Hausbesuche von Psychotherapeuten seien in der gesetzlichen Krankenversicherung bereits vorgesehen, man sehe keinen Handlungsbedarf. Ich kenne nur keinen einzigen Angehörigen, der jemals einen solchen Therapeuten zum Hausbesuch gesehen hätte.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Und noch ein Beispiel: Die „Umsetzung des Expertenstandards Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz in der pflegerischen Praxis im Krankenhaus“ gilt als voll erfüllt, weil die Deutsche Krankenhausgesellschaft in ihren Gremien zum Expertenstandard Entlassmanagement informiert hat. Da fällt mir dann wirklich nichts mehr ein.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-text-color has-link-color wp-elements-c648a2e70fbc8f8011214dde4b1b6f8a" style="color:#2f0a52">Ab 2027: Fortsetzung mit offenen Fragen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Nun steht ein neues Konzept der NDS ab 2027 im Raum. Wie stehen Sie dazu?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Swen Staack:</strong> Zunächst einmal ist für mich wichtig und positiv, dass die NDS fortgesetzt wird. Ein Teil der Kritik wurde offenbar aufgegriffen. So sollen künftig – und das ist ganz wichtig – Menschen mit Demenz stärker und verlässlich eingebunden werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Geplant ist außerdem, jeweils für drei Jahre Arbeitsgruppen einzurichten, die sich an prioritären strategischen Zielen orientieren und diese entlang der WHO-Vorgaben bearbeiten. Im ersten Jahr sollen konkrete Maßnahmen formuliert werden, in den beiden folgenden Jahren geht es um die Umsetzung. Danach zieht man Bilanz, veröffentlicht Ergebnisse und erarbeitet Empfehlungen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das klingt erstmal innovativ. Aber es wirft viele offene Fragen auf: Arbeiten diese Gruppen rein ehrenamtlich? Gibt es überhaupt ein Budget für Maßnahmen? Wer priorisiert was – und nach welchen Kriterien? Die dringend notwendige Geschäftsstelle soll fortgeführt werden. Hoffentlich dann mit mehr fachlichem Input und nicht überwiegend mit Verwaltungsaufgaben. Die bisherige Steuerungsgruppe soll offenbar in einen fachlichen Beirat überführt werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Man muss jetzt abwarten, was die Diskussionen in den nächsten Wochen tatsächlich ergeben. Ich bin gespannt. Und eine Anmerkung noch: Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft hatte in den vergangenen Jahren den Co-Vorsitz der NDS inne. Im neuen Konzept der Ministerien war dieser Co-Vorsitz – trotz wirklich guter Zusammenarbeit – einfach verschwunden. Mittlerweile konnten wir das aber in einem konstruktiven Gespräch klären. Es wird dabei bleiben.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Muss die nächste Phase der NDS stärker an messbaren Verpflichtungen hängen – also an Zuständigkeiten, Finanzierung, regionaler Umsetzung und überprüfbaren Standards?</p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Swen Staack:</strong> Darauf mal eine ganz kurze Antwort: Ja.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Warum die fehlenden Diagnosen auch ein Auftrag für die Pflege sind</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/11/29/warum-die-fehlenden-diagnosen-auch-ein-auftrag-fuer-die-pflege-sind/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 29 Nov 2025 19:23:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Sommer 2025 machten Meldungen die Runde, in deutschen Arztpraxen würden „weniger Demenzen“ diagnostiziert. Grundlage waren Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen, die vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) ausgewertet wurden:&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/11/29/warum-die-fehlenden-diagnosen-auch-ein-auftrag-fuer-die-pflege-sind/">Warum die fehlenden Diagnosen auch ein Auftrag für die Pflege sind</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Im Sommer 2025 machten Meldungen die Runde, in deutschen Arztpraxen würden „weniger Demenzen“ diagnostiziert. Grundlage waren Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen, die vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) ausgewertet wurden: zwischen 2015 und 2022 ist die Zahl der in Praxen kodierten Demenzdiagnosen gesunken, während Diagnosen wie „leichte kognitive Störung“ zunahmen. Das klingt wie eine gute Nachricht – ist aber vor allem ein Hinweis darauf, wie sich Diagnostik und Kodierung verändern. Gezählt wurde, wie oft Ärztinnen und Ärzte Demenz in ihre EDV eingeben, nicht, wie viele Menschen tatsächlich erkrankt sind. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Leider griffen manche Medien und auch einige &#8222;Fachleute&#8220; online die Auswertung in einer unangemessenen Weise auf. Sie erweckten den Eindruck, man könne aus diesen Daten schließen, dass es weniger Fälle von Demenz in Deutschland gäbe. Das ist falsch. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Nicht erkannt und nicht kodiert</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bevölkerungsbezogene Daten zeichnen weiterhin ein anderes Bild: Demenz bleibt im höheren Alter häufig, und die Gesamtzahl der Betroffenen steigt mit der Alterung der Bevölkerung eher an. Schätzungen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft gehen derzeit von rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz in Deutschland aus, Tendenz bis 2030 deutlich steigend. Der eigentliche Befund lautet deshalb nicht „Demenz wird seltener“, sondern: Ein großer Teil der Fälle wird gar nicht oder spät als Demenz erkannt und kodiert.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die bekannte Aussage „nur etwa jede zweite Demenz ist diagnostiziert“ kommt aus dem Vergleich zweier Zahlen: Prävalenzstudien zeigen, wie häufig Demenz in bestimmten Altersgruppen objektiv auftritt – unabhängig von Akteneinträgen. Routinedaten aus Praxen und Kassen zeigen, bei wie vielen dieser Menschen tatsächlich eine Demenzdiagnose dokumentiert ist. Zwischen beiden Linien bleibt eine stabile Lücke: Formell diagnostiziert ist etwa die Hälfte dessen, was epidemiologisch zu erwarten wäre; in manchen Analysen etwas mehr, in anderen etwas weniger.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Deshalb wird so oft nicht diagnostiziert</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Gründe für diese Unterdiagnostik sind bekannt: auf der Seite der Betroffenen und Angehörigen spielen Angst vor Stigmatisierung, Scham und der Wunsch, „das Problem nicht groß zu machen“, eine große Rolle. Vergesslichkeit wird als normales Altwerden abgetan, Verhaltensänderungen als „Eigenart“. Dazu kommen Sprach- und Kulturbarrieren, mangelnde Information und die Sorge, mit einer Demenzdiagnose sei die Selbstständigkeit sofort in Gefahr.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Strukturelle Rahmenbedingungen verstärken das Problem: Gedächtnisambulanzen sind regional ungleich verteilt, Wartezeiten lang, Krankenhausstrukturen oft nicht demenzsensibel. In der Konsequenz gibt es viele Menschen, bei denen „eigentlich alle sehen, dass etwas nicht stimmt“, ohne dass es je zu einer konsequenten diagnostischen Klärung und sauberen Dokumentation kommt.<br><br>Trotz aller strukturellen Probleme bleibt die Hausarztpraxis der Dreh- und Angelpunkt: Fast alle älteren Menschen werden dort regelmäßig gesehen, nur ein kleiner Teil landet je in einer Gedächtnisambulanz – und wenn, dann meist spät. Leitlinien verlangen dabei kein „Mini-Gedächtniszentrum“, sondern eine realistische Basisdiagnostik: gezielte Anamnese und Fremdanamnese, ein kurzer kognitiver Test, eine orientierende körperlich-neurologische Untersuchung, Basislabor und eine Entscheidung, ob und an wen weiterüberwiesen wird. Spezialambulanzen bauen auf dieser Grundlage auf, sie können sie nicht ersetzen. Wenn diese Basis in der Primärversorgung aus Zeitdruck, Unsicherheit oder Skepsis heraus nur zögerlich genutzt wird, bleiben viele Demenzen zwangsläufig unsichtbar.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="background:#e6f4ff; border:1px solid #bcd7f5; padding:20px 24px; border-radius:10px; max-width:900px; font-size:20px; line-height:1.6; margin:24px 0;">
  <p style="margin-top:0; margin-bottom:12px; font-size:24px;">
    Demenzdiagnostik in der Hausarztpraxis: Warum so viel liegen bleibt
  </p>

  <p style="margin:0 0 10px 0;">
    In der hausärztlichen Versorgung kommt ein ganzes Bündel an Faktoren zusammen, die dazu beitragen, dass Demenzen oft spät oder gar nicht diagnostiziert werden:
  </p>

  <ul style="margin:0 0 4px 24px; padding:0;">
    <li style="margin-bottom:8px;">
      Qualitative Studien zeigen bei vielen Hausärztinnen und Hausärzten eine distanzierte Haltung zur Demenzdiagnostik.
    </li>
    <li style="margin-bottom:8px;">
      Demenz wird eher als Thema von Neurologie, Psychiatrie oder Gedächtnisambulanzen gesehen.
    </li>
    <li style="margin-bottom:8px;">
      Der Nutzen einer frühen Diagnose wird unterschätzt, weil keine Heilung möglich ist.
    </li>
    <li style="margin-bottom:8px;">
      Die anspruchsvolle Differenzialdiagnose zwischen Demenz, Depression, Delir und „normalem Altern“ gilt im knappen Praxisalltag als kaum leistbar.
    </li>
    <li style="margin-bottom:8px;">
      Zeit- und Vergütungsdruck erschweren ausführliche Gespräche, Fremdanamnese und Testung.
    </li>
    <li style="margin-bottom:8px;">
      Es besteht die Sorge, die Arzt-Patient-Beziehung mit dem Thema „Demenz“ zu belasten.
    </li>
    <li>
      Zudem gibt es Skepsis gegenüber standardisierten Tests, die als wenig alltagsnah empfunden werden.
    </li>
  </ul>
</div>

</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Pflegefachpersonen als Hinweisgeber und Diagnostik-Ermöglicher</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Genau an dieser Stelle wird die Rolle der Pflegeberufe zentral – nicht als Diagnostiker, sondern als Ermöglicher von Diagnostik. Pflegeprofis sehen die Betroffenen im Alltag, über Tage, Wochen und Monate. Sie erleben schleichende Veränderungen in Orientierung, Alltagskompetenzen, Verhalten und Emotionen, die in einer Zehn-Minuten-Sprechstunde leicht untergehen. Wenn diese Beobachtungen konkret beschrieben und in Arztkontakten, Visiten oder Berichten benannt werden – etwa mit Angaben dazu, seit wann bestimmte Probleme bestehen und wie sie sich im Verlauf verändert haben –, entsteht überhaupt erst ein begründeter Anlass, an Demenzdiagnostik zu denken. Entsprechend wichtig ist der Austausch mit Betroffenen, Angehörigen und Vollmachtinhabern / Betreuern. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Überhaupt: viele Familien schildern ihre Sorgen zuerst dem Pflegeteam. Pflegefachleute können diese ernst nehmen, erläutern, warum eine Abklärung beim Hausarzt sinnvoll ist, und helfen, das Thema in der Praxis anzusprechen, ohne gleich von „Demenz“ sprechen zu müssen. Je besser Pflege, Hausarztpraxis und ggf. spezialisierte Dienste hier zusammenarbeiten, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass offensichtliche Veränderungen über Jahre im Hintergrund bleiben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vereinfachte Diagnose wird immer wichtiger</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Vor diesem Hintergrund sind vereinfachte, alltagstaugliche Test- und Screeningverfahren und neue Versorgungsmodelle kein Luxus, sondern eine logische Reaktion auf die Unterdiagnostik. Kurze, gut handhabbare Verfahren und klare Algorithmen und Modelle in denen Pflegefachpersonen eng mit Hausärztinnen und Hausärzten zusammenarbeiten, können helfen, aus subjektiven Eindrücken strukturierte Verdachtsdiagnosen zu machen – und damit die Lücke zwischen „eigentlich sieht man es doch“ und „es steht als Diagnose im System“ kleiner werden zu lassen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die sinkenden Demenzkodierungen in KV-Statistiken sind in diesem Zusammenhang weniger eine Entwarnung als ein weiterer Hinweis darauf, wie stark Diagnostik und Sichtbarkeit von Demenz vom Verhalten der Akteure und von den Rahmenbedingungen abhängen. Ob Menschen mit Demenz rechtzeitig passende Behandlung, Pflege und Entlastung erhalten, entscheidet sich nicht in Zahlenkolonnen, sondern im Zusammenspiel von Hausarztpraxis, Spezialambulanzen und Pflege. Und genau hier haben Pflegeberufe mit ihrem Blick auf den Alltag und ihrer Nähe zu Angehörigen eine Schlüsselrolle.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nehmen wir sie an.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Weiterlesen: </p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31811446/">Dementia diagnostics in general practitioner care : Do general practitioners have reservations? The findings of a qualitative study in Germany</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://alz-journals.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1016/j.dadm.2014.11.007">Rates of formal diagnosis of dementia in primary care: The effect of screening</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/11/29/warum-die-fehlenden-diagnosen-auch-ein-auftrag-fuer-die-pflege-sind/">Warum die fehlenden Diagnosen auch ein Auftrag für die Pflege sind</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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