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	<title>patientensicherheit Archive -</title>
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		<title>Gegeben, aber nicht genommen: der stille Medikationsfehler</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 28 Feb 2026 11:19:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[Adhärenz]]></category>
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		<category><![CDATA[Tablette im Mund]]></category>
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<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/02/28/gegeben-aber-nicht-genommen-der-stille-medikationsfehler/">Gegeben, aber nicht genommen: der stille Medikationsfehler</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de"></a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Szenario kennen viele Kolleginnen und Kollegen in der Pflege: beim abendlichen Zu-Bett-Bringen findet man eine Tablette in der Kleidung, im Bett oder auf dem Boden. Oft angelutscht oder angekaut.  Nicht selten ist die Reaktion ein Achselzucken. Ab in den Müll damit – und weiter im Dienst. Manchmal sind Tablettenfunde derart normalisiert, dass die Information noch nicht einmal innerhalb von Teams weitergegeben wird. Keine Übergabe, keine Dokumentation, keine Rückmeldung an behandelne Ärzte. Und das ist ein Fehler. Denn der Fund ist nicht „nur“ eine unangenehme Kleinigkeit, sondern ein Medikationsereignis. Und wenn es nicht als solches behandelt wird, bleiben Risiken unsichtbar, wiederholen sich – und können medizinisch, organisatorisch und rechtlich relevant werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum Sie Tablettenfunde nicht bagatellisieren sollten</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine Tablette, die später aufgefunden wird, bedeutet zunächst: die tatsächliche Einnahme ist unsicher. Damit wird aus „Medikament gegeben“ möglicherweise „Medikament nicht eingenommen“. Das kann unterschiedliche Folgen haben – je nach Wirkstoff und Situation. Denkbar sind </p>



<ul class="wp-block-list has-medium-font-size">
<li>Unterdosierung und Therapieversagen (z.B. <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/12/16/schmerzmanagement-im-alter-neu-sortiert-was-die-neue-s3-leitlinie-geripain-bringt/">Schmerzen</a>, Blutdruckentgleisung, zunehmende Unruhe etc.)</li>



<li>Doppelgabengefahr, wenn „vorschnell nachgegeben“ wird</li>



<li>Aspiration oder Schleimhautreizungen, wenn Tabletten im Mund immer wieder angelöst werden</li>



<li>Wiederholungsrisiko: Wenn niemand informiert wird, bleibt das Muster bestehen und wird zum Dauerproblem &#8211; noch dazu zu einem, von dem es keine offizielle Kenntnis gibt</li>



<li>Überdosierungen: die beabsichtigte Wirkung kann nicht eintreten &#8211; der behandelnde Arzt erhöht in der Folge die Dosis. </li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Was in der Praxis immer wieder falsch läuft</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Zum Teil erlebe ich einen sehr laxen Umgang mit der Thematik. Das bei Frau X oder Herrn Y immer wieder (!) nicht eingenommene Tabletten in Essensresten, im Müll, eingewickelt in Servietten oder zufällig beim Bettenmachen findet, sei &#8222;ganz normal&#8220;, sagte man mir. Eine Pflegeassistentin in <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/10/11/warum-kommen-menschen-mit-demenz-ins-pflegeheim-und-wann-ist-der-richtige-zeitpunkt/">einem Pflegeheim</a> erklärte mir nebenbei, dass sie &#8222;gar nicht mehr Bescheid&#8220; sage, weil sowieso niemand darauf reagiere. Funde werden kommentarlos entsorgt, nicht als Medikationsereignis behandelt. </p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wie mit Tablettenfunden umgegangen werden sollte, sehen Sie hier im Film.</p>



<figure class="wp-block-video"><video height="1080" style="aspect-ratio: 1920 / 1080;" width="1920" controls src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/02/TablettengenommenFinal-1.mp4"></video><figcaption class="wp-element-caption"><a href="https://youtu.be/nzvEC9WsSPI">Dieses Video können Sie auch auf Youtube sehen und teilen.</a></figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">2 Fehler, die gefährlich werden</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Fehler 1: Der Fund wird „entsorgt“ statt als Medikationsereignis behandelt. Genau hier entstehen Folgeschäden: Beim nächsten Dienst weiß niemand, dass Kontrolle nötig ist, dass die Person Tabletten „bunkert“ oder weglegt, oder dass eine Anpassung der Darreichungsform sinnvoll wäre.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Fehler 2: Keine Übergabe, keine Dokumentation, keine Rückkopplung. Ohne Dokumentation wird aus einem echten Risiko ein unsichtbares Risiko. Und ohne Übergabe bleibt die nächste Pflegefachperson blind. Das ist der Grund, warum manche Bewohner oder Patienten über Tage oder Wochen „angeblich alles bekommen“ – und trotzdem instabil bleiben oder werden, je nach dem.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der Vorgang an sich, dass ein Mensch mit Demenz Medikamente &#8222;bunkert&#8220;, wieder herausnimmt, irgendwo liegen lässt oder einfach ablehnt, ist an sich nicht völlig ungewöhnlich. Die pflegefachliche Reaktion darf aber deshalb nicht in einem &#8222;ist doch egal&#8220; bestehen. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Was Sie als Pflegefachpersonen tun sollten</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Funde werden konsequent als Medikationsereignis eingeordnet.</li>



<li class="has-medium-font-size">Es wird versucht, zu identifizieren was genau gefunden wurde und wann der eigentliche Einnahmezeitpunkt hätte sein sollen.</li>



<li class="has-medium-font-size">Vorschnelles Handeln ohne Klärung und Absprachen wird unterbunden &#8211; es wird nicht automatisch „nachgeben“ solange etwas unklar ist.</li>



<li class="has-medium-font-size">Rückmeldung an den behandelnden Arzt / Ärztin nach Risiko und Kontext.</li>



<li class="has-medium-font-size">Saubere Dokumentation und Übergabe.</li>



<li class="has-medium-font-size">Ggfs. Darreichungsform überprüfen und Alternativen besprechen.</li>



<li class="has-medium-font-size">Muster prüfen: wann kommt das vor? Kontext? Äußerungen? Wie ist der Vorgang?</li>



<li class="has-medium-font-size">Grenzen einhalten: keine &#8222;kreativen Eigenlösungen&#8220; &#8211; z.B. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=e8cmR3XHqd4">der verdeckten Medikamentengabe</a> bei Ablehnung.</li>



<li class="has-medium-font-size">Erforderlichenfalls Einnahmekontrolle sicherstellen.</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine gefundene Tablette ist kein „kleiner Zwischenfall“, sondern ein Warnsignal: Die Einnahme war unsicher – und damit auch die Wirkung der Therapie. Entscheidend ist nicht, ob die Tablette im Müll landet, sondern ob das Ereignis im Team ankommt: mit kurzer Dokumentation, klarer Übergabe und einem Plan für die nächste Gabe (beobachtete Einnahme, Cheeking-Risiko, Darreichungsform prüfen). So wird aus einem achselzuckenden Moment ein professioneller Sicherheitsstandard – zum Schutz der betroffenen Person und zur Entlastung des Teams.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Quellen und weitere Infos:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">ZQP: Sicherheit bei der Medikation (Grundlagen, Risikopunkte, Hilfsmittel): <a href="https://www.zqp.de/thema/medikation/?utm_source=chatgpt.com">https://www.zqp.de/thema/medikation/</a></li>



<li class="has-medium-font-size">ZQP: Medikationsfehler bei pflegebedürftigen Menschen vermeiden (Presse/Infos): <a href="https://www.zqp.de/presse/medikationsfehler-vermeiden/?utm_source=chatgpt.com">https://www.zqp.de/presse/medikationsfehler-vermeiden/</a></li>



<li class="has-medium-font-size">Smith et al. (2017): Medication non-adherence in persons with dementia or cognitive impairment (systematische Übersichtsarbeit, PLOS ONE): <a href="https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371%2Fjournal.pone.0170651&amp;utm_source=chatgpt.com">https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0170651</a></li>



<li class="has-medium-font-size">§ 1832 BGB Ärztliche Zwangsmaßnahmen (amtlicher Text): <a href="https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1832.html?utm_source=chatgpt.com">https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1832.html</a></li>



<li class="has-medium-font-size">Wegweiser Demenz: Betreuungsrecht – ärztliche Zwangsmaßnahmen (Einordnung): <a href="https://www.wegweiser-demenz.de/wwd/rechtliches/rechte-und-pflichten/betreuungsrecht-aerztliche-zwangsmassnahmen?utm_source=chatgpt.com">https://www.wegweiser-demenz.de/wwd/rechtliches/rechte-und-pflichten/betreuungsrecht-aerztliche-zwangsmassnahmen</a></li>



<li class="has-medium-font-size">Fachartikel (Nursing/Medikation bei Demenz): <a href="https://www.magonlinelibrary.com/doi/pdf/10.12968/nrec.2008.10.1.27955?download=true&amp;utm_source=chatgpt.com">https://www.magonlinelibrary.com/doi/pdf/10.12968/nrec.2008.10.1.27955?download=true</a></li>



<li class="has-medium-font-size">Studie zu Praxis und Risiken beim Zerkleinern von Medikamenten (Open Access, PMC): <a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12877580/?utm_source=chatgpt.com">https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12877580/</a></li>
</ul>
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		<title>Verhalten verstehen und handhaben – wie geht man sachlich und kriteriumsgeleitet vor?</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/02/11/verhalten-verstehen-und-handhaben/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Feb 2026 17:25:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Klinik, ambulanter Versorgung und Pflegeheimen begegnet Ihnen Verhalten, das als seltsam, auch als „abnorm“ oder „herausfordernd“ erlebt wird: Unruhe, Abwehr, Rufen, Aggression, Weglaufdrang, Misstrauen, Mitmachen verweigern, Entkleiden, dauerndes Klingeln,&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/02/11/verhalten-verstehen-und-handhaben/">Verhalten verstehen und handhaben – wie geht man sachlich und kriteriumsgeleitet vor?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de"></a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">In Klinik, ambulanter Versorgung und Pflegeheimen begegnet Ihnen Verhalten, das als seltsam, auch als „abnorm“ oder „herausfordernd“ erlebt wird: Unruhe, Abwehr, Rufen, Aggression, Weglaufdrang, Misstrauen, Mitmachen verweigern, Entkleiden, dauerndes Klingeln, Fixiertsein auf ein Thema. Die entscheidende Frage ist selten: &#8222;Wie kriege ich das weg?&#8220; – sondern: &#8222;Was will mir dieses Verhalten sagen, und was braucht die Person jetzt, damit sich die Situation normalisiert?&#8220;. Da der Pflegealltag vielerorts häufig von Zeitdruck geprägt ist, braucht es griffige, einprägsame Methoden. Schritte, die auch unter Druck gelingen sind wichtiger als der gute Rat: &#8222;Setzen Sie sich doch mal ne halbe Stunde zum Betroffenen.&#8220; &#8211; weil man &#8222;die halbe Stunde&#8220; im normalen Dienst einfach meist nicht hat. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Herausforderndes Verhalten wirkt im Moment oft wie ein persönlicher Angriff oder wie „reine Unkooperativität“. Im Alltag hilft es, den emotionalen Impuls kurz zu parken und in einen strukturierten Modus zu wechseln: erst beobachten, dann prüfen, dann handeln – und das Ganze so dokumentieren, dass es in Übergabe, Visite und Verlegungsbericht sofort nutzbar ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Drei Merksätze, die Sie durch fast jede Situation tragen</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/02/zwischenbild1-1-scaled.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="538" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/02/zwischenbild1-1-1024x538.jpg" alt="" class="wp-image-3443" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/02/zwischenbild1-1-1024x538.jpg 1024w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/02/zwischenbild1-1-300x158.jpg 300w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/02/zwischenbild1-1-768x403.jpg 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/02/zwischenbild1-1-1536x806.jpg 1536w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/02/zwischenbild1-1-2048x1075.jpg 2048w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/02/zwischenbild1-1-1320x693.jpg 1320w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Der einfache 5-Schritt-Algorithmus: STOPP – PRÜFEN – EINORDNEN – HANDELN – DOKUMENTIEREN</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">STOPP: Sichern Sie in den ersten 20 Sekunden Beziehung und Sicherheit, indem Sie Tempo rausnehmen (Merksatz: Langsam werden, um schneller zu werden). Halten Sie ggfs. Abstand, bleiben Sie offen in der Körperhaltung, <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2022/03/19/stay-focused-kontakt-und-kommunikationsverhalten-verbessern/">sprechen Sie ruhig und in kurzen Sätzen</a>, reduzieren Sie nötigenfalls Reize (Licht, Lärm, Personenanzahl) und bieten Sie echte Wahlmöglichkeiten an (zwei akzeptable Optionen). Wenn möglich, spricht nur eine Bezugsperson. Mini-Sätze, die fast immer tragen: „Ich sehe, das ist gerade zu viel. Ich bleibe bei Ihnen.“ / „Wir machen erst eine kurze Pause. Dann schauen wir gemeinsam weiter.“ / „Sie müssen das nicht jetzt. Wollen Sie erst sitzen oder erst trinken?“</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">PRÜFEN: Wechseln Sie direkt in den „Körper zuerst“-Schnellcheck, vor allem wenn das Verhalten plötzlich kippt (Merksatz: <strong>Wenn Verhalten plötzlich kippt, ist es oft Körper</strong>) und nicht auf den ersten Blick eine in Frage kommende Ursache wahrscheinlich ist. Prüfen Sie je nach Setting systematisch Schmerz (auch „stumm“: Mimik, Schonhaltung, Abwehr bei Berührung), Harndrang/Obstipation/Übelkeit, Atemnot/Hypoxie, Fieber/Infekt/Dehydratation, Hypo-/Hyperglykämie und Blutdruckentgleisung, Nebenwirkungen/Interaktionen (neue Medikamente, Dosisänderungen, Sedierung), Sinnesprobleme (Brille/Hörgerät fehlt, Blendung, Dunkelheit) sowie Entzug (Nikotin, Alkohol, Benzodiazepine) und Schlafmangel. Pragmatischer Merksatz: Wenn Sie keinen Auslöser finden: Abstimmung mit Team / Arzt und: behandeln Sie zuerst das Naheliegende, das gefährlich ist oder zu werden droht.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">EINORDNEN: Trennen Sie konsequent Fakten von Deutung (Merksatz: Fakt ist messbar. Deutung ist eine Hypothese). Beschreiben Sie konkret, was passiert (was, wie lange, wie oft, in welcher Situation, mit welchen Worten) und markieren Sie erst danach Ihre Vermutung als Hypothese, statt sie als Eigenschaft der Person zu formulieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Drei robuste Interventionsblöcke, die fast immer helfen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">A) Orientierung und Kontrolle zurückgeben</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">ankündigen, erklären, in kleine Schritte zerlegen</li>



<li class="has-medium-font-size">Zustimmung aktiv einholen (auch nonverbal)</li>



<li class="has-medium-font-size">Optionen: „Jetzt oder in 10 Minuten?“ – „Links oder rechts?“</li>
</ul>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">B) Reiz und Tempo anpassen</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Umgebung beruhigen, Personenzahl reduzieren</li>



<li class="has-medium-font-size">Pausen einbauen, Tätigkeiten verkürzen</li>



<li class="has-medium-font-size">bekannte Routinen nutzen (gleiche Reihenfolge, gleiche Worte)</li>
</ul>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">C) Beziehung und Würde schützen</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">nicht diskutieren, nicht belehren, nicht „gewinnen“</li>



<li class="has-medium-font-size">bei Abwehr: „Rückzug statt Druck“</li>



<li class="has-medium-font-size">bei Angst: „Sicherheitssätze“ wiederholen, nicht argumentieren</li>
</ul>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn Gefahr im Verzug ist:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Teamruf, klare Rollen, Schutz vor Verletzungen</li>



<li class="has-medium-font-size">medizinische Abklärung priorisieren (z. B. akutes Delir, Hypoxie, Hypoglykämie)</li>



<li class="has-medium-font-size">freiheitsentziehende Maßnahmen sind Hochrisiko: immer verhältnismäßig, begründet, so kurz wie möglich, sauber dokumentiert und nach Hausstandard/gesetzlichen Vorgaben</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Dokumentieren: Kurz, standardisiert, übergabefähig</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Merksatz: Dokumentation ist Teamgedächtnis und Patientensicherheit.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nutzen Sie ein kurzes Schema, das in Übergabe, Visite und Verlegungsbericht andockt. Am praktikabelsten ist ein kurzer Eintrag im Muster Situation – Observation – Vermutete Faktoren – Maßnahme – Effekt.</p>



<!-- Infobox: S-O-V-M-E für Übergabe / Informationsweitergabe -->
<section class="infobox-so-vme" aria-label="S-O-V-M-E Schema für Übergabe, Visite und Verlegungsbericht">
  <div class="infobox-so-vme__header">
    <span class="infobox-so-vme__icon" aria-hidden="true"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f4e4.png" alt="📤" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /></span>
    <h3 class="infobox-so-vme__title">Kurzschema für Übergabe, Visite und Verlegungsbericht</h3>
  </div>

  <p class="infobox-so-vme__lead">
    Nutzen Sie ein kurzes Schema, das in Übergabe, Visite und Verlegungsbericht andockt:
  </p>

  <div class="infobox-so-vme__acronym">
    <span class="infobox-so-vme__tag">S-O-V-M-E</span>
    <span class="infobox-so-vme__meaning">(Situation – Observation – Vermutete Faktoren – Maßnahme – Effekt)</span>
  </div>

  <ul class="infobox-so-vme__list">
    <li><span class="infobox-so-vme__letter">S</span> Situation: Wann, wo, wodurch ausgelöst?</li>
    <li><span class="infobox-so-vme__letter">O</span> Observation: Was genau, wie stark, wie lange?</li>
    <li><span class="infobox-so-vme__letter">V</span> Vermutete Faktoren: Körper/Kopf/Kontext (nur als Hypothese markieren)</li>
    <li><span class="infobox-so-vme__letter">M</span> Maßnahme: Was wurde konkret getan?</li>
    <li><span class="infobox-so-vme__letter">E</span> Effekt: Was hat sich geändert, woran erkennbar?</li>
  </ul>
</section>

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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wir bewerten Verhalten nicht moralisch – wir lösen ein Versorgungsproblem. Wenn Ihr Team eine gemeinsame Sprache hat (Fakt vs. Deutung, Körper-Kopf-Kontext, S-O-V-M-E), sinkt das Konfliktpotential im Team, Übergaben werden kürzer, und die betroffene Person erlebt mehr Sicherheit und weniger Eskalation. <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/01/17/unsichtbarer-mehraufwand-demenz-ist-im-krankenhaus-auch-ein-steuerungsproblem/">Gerade Krankenhäuser sollten zudem darauf achten, dass möglicher Mehraufwand auch dokumentiert wird.</a> </p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/02/11/verhalten-verstehen-und-handhaben/">Verhalten verstehen und handhaben – wie geht man sachlich und kriteriumsgeleitet vor?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de"></a>.</p>
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		<title>Unsichtbarer Mehraufwand: Demenz ist im Krankenhaus (auch) ein Steuerungsproblem</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 17 Jan 2026 10:45:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik und Panorama]]></category>
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					<description><![CDATA[<p> Patienten mit Demenz bringen im Krankenhaus nicht automatisch „mehr Pflege“, sondern ein anderes Profil von Pflegearbeit: mehr Präsenz, mehr Kommunikation, mehr Prävention, mehr Koordination. Genau dieses Profil verschwindet im Alltag&#8230;</p>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"> Patienten mit Demenz bringen im Krankenhaus nicht automatisch „mehr Pflege“, sondern ein anderes Profil von Pflegearbeit: mehr Präsenz, mehr Kommunikation, mehr Prävention, mehr Koordination. Genau dieses Profil verschwindet im Alltag leicht hinter Routinewerten, ADL-Logiken und knappen Übergaben. Das Ergebnis ist eine paradoxe Lage: Die Station arbeitet sichtbar am Limit, aber in der Organisationslogik wirkt es wie Normalbetrieb.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für Führung und Pflegeleitung ist das kein „Pflegeproblem“, sondern ein Steuerungsproblem. Denn solange Zusatzaufwand und Risikodynamik nicht strukturiert abgebildet sind, werden sie weder planbar noch argumentierbar. Und was nicht planbar ist, wird im Akutbetrieb zwangsläufig reaktiv gelöst: mit Feuerwehrmodus, 1:1-Bindungen ohne Vorwarnung, fixierungsnahen Situationen, eskalierenden Angehörigengesprächen und vermeidbaren Komplikationen. Hinzu kommt, dass eine fehlende Abbildung den tatsächlichen Aufwand unsichtbar macht. Damit sind Ergebnisse schlecht steuerbar &#8211; und auch nicht nutzbar zum Beispiel für die Öffentlichkeitsarbeit. </p>



<h2 class="wp-block-heading">„Nicht dokumentiert“ ist meist auch „nicht geplant“ </h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Krankenhäuser steuern über Daten, Routinen und Standards: Dienstbesetzung, Skill-Mix, Prozessdesign, Risiko- und Qualitätsmanagement, Schnittstellen zum Entlassmanagement. Wenn das abweichende Pflegeprofil bei Demenzpatienten in diesen Logiken nicht auftaucht, entsteht eine systematische Verzerrung:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Der Aufwand wird als „Normalfall“ missverstanden. Personalplanung und Erwartungsmanagement passen nicht zur Realität.</li>



<li class="has-medium-font-size">Risiken werden zu Einzelfällen erklärt, statt als wiederkehrende Prozessrisiken behandelt.</li>



<li class="has-medium-font-size">Ökonomische Argumente bleiben weich: Ohne strukturierte Abbildung wirkt der Hinweis auf Mehrarbeit wie subjektive Belastung, nicht wie nachvollziehbarer Leistungs- und Risikofaktor.</li>



<li class="has-medium-font-size">Lernen wird verhindert: Häufungen (z. B. „Nächte kippen“, „Diagnostik triggert Abwehr“, „Essen und Trinken eskaliert“) bleiben unsichtbar, weil es keine vergleichbare Sprache und keine Marker gibt.</li>



<li class="has-medium-font-size">Verbesserungen und ergebnisse die das Krankenhaus hinsichtlich des handlings und Verhaltens der Betroffenen erzielen, bleiben ungesehen und ungenutzt. </li>
</ul>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Konsequenz: Nicht nur Mitarbeitende leiden unter &#8222;unerwarteter&#8220; Mehrbelastung. Auch die Organisation verliert Steuerungsfähigkeit. Sie sieht zu spät, wo Risiken entstehen, welche Maßnahmen wirken und wo Prozesse angepasst werden müssen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Patientensicherheit als Prozessfrage: Delir, Sturz, Aspiration, Eskalationen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Im Krankenhaus sind die zentralen Gefährdungen bei Menschen mit Demenz selten „die Demenz“. An sich ist eine Demenz ohnehin nicht krankenhauspflichtig. Es sind akute Entgleisungen und Folgekaskaden:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Delir und delirnahe Verläufe: wechselnde Aufmerksamkeit, Tag-Nacht-Umkehr, plötzliche Verwirrtheit, Halluzinationen.</li>



<li class="has-medium-font-size">Stürze und Verletzungen: häufig als Folge von Unruhe, impulsivem Aufstehen, Überforderung in ungewohnter Umgebung.</li>



<li class="has-medium-font-size">Aspiration, Pneumonie, Mangelernährung/Exsikkose: wenn Schluckauffälligkeiten und Ess- und Trinkunterstützung nicht früh genug sichtbar werden.</li>



<li class="has-medium-font-size">Eskalationen in körpernahen Situationen oder bei Diagnostik/Transport: Abwehr, Angst, Aggression, Fixierungs- oder Sedierungsdruck.</li>
</ul>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Leitlinien betonen seit Jahren: Delir ist häufig, hat schwere Folgen (u. a. längere Verweildauer, höhere Mortalität, Funktionsverlust) und erfordert systematische Prävention, Erkennung und Behandlung.  Wichtig für die Führungslogik: Das sind keine „Patiententhemen“, sondern Prozessereignisse. Sie binden Personal, stören Abläufe, erzeugen Zusatzdiagnostik, Beschwerden, Dokumentationsaufwand und erschweren Entlassentscheidungen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Typische Aufwandtreiber im Alltag: wo Zeit wirklich gebunden wird</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn ich in Krankenhaus-Teams frage, wo Zeit „verschwindet“, kommen selten große Einzelaufgaben. Stattdessen sind es wiederkehrende Mikrointerventionen, die sich pro Schicht addieren. Das ist die reale Pflegearbeit. Sie wird nur häufig nicht als steuerungsrelevante Leistung codiert. Genau hier entsteht der Bruch zwischen „gefühlt viel mehr“ und „organisatorisch nicht sichtbar“.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
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  <div style="font-size:22px; font-weight:700; margin:0 0 10px 0;">
    Führungslogik in einem Satz
  </div>
  <div style="font-size:18px; margin:0;">
    Nicht zusätzliche Dokumentation ist das Ziel, sondern ein kurzer, standardisierter Datensatz, der Risiken früh sichtbar macht und Entscheidungen steuerbar macht.
  </div>
</div>

</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<h2 class="wp-block-heading">Handlungsfähigkeit, ohne in Eurobeträge ausweichen zu müssen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Prozessanpassungen (Diagnostikabläufe, Transportlogik, Schlafschutz, Reizreduktion), ein passender Personal- und Skill-Mix (definierte Sicherheitszeiten, gezielte 1:1-Optionen, priorisierte Spitzenzeiten), gezielte Qualifizierung (Delirmanagement, Kommunikation, Ess- und Trinkunterstützung inklusive Schluckwarnzeichen) sowie klare Pfade und Standards (Delirpfad, Schluckauffälligkeits-Standard, Transferregeln, Eskalationsregeln) machen Versorgung planbar und sicherer. Gleichzeitig wird Rechtssicherheit greifbarer: Bei Stürzen, fixierungsnahen Situationen oder Beschwerden zählt häufig die nachvollziehbare Kette „erkannt – begründet – gehandelt“. Leitlinien betonen, dass strukturierte Erkennung und Management dokumentierbar und nachvollziehbar sein müssen, weil Delir und vergleichbare Risiken erhebliche Folgen haben.</p>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Brücke zur Praxis: wie eine kurze Verlaufsdokumentation den Alltag stabilisiert</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine kurze, verlaufsorientierte Dokumentation wirkt in der Praxis meist schneller als große Programme, weil sie genau an den neuralgischen Punkten ansetzt: Übergabequalität, Frühbesprechung, Eskalationsregeln, Entlassplanung.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img decoding="async" width="675" height="367" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/01/Steuerung1.jpg" alt="" class="wp-image-3390" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/01/Steuerung1.jpg 675w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/01/Steuerung1-300x163.jpg 300w" sizes="(max-width: 675px) 100vw, 675px" /></figure>
</div>


<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Aktuell passt dazu auch die Entwicklung der Leitlinienlandschaft: In Deutschland gibt es inzwischen eine S3-Leitlinie „Delir im höheren Lebensalter“ (AWMF-Register), die Prävention, Diagnostik und Therapie sektorenübergreifend adressiert. Das unterstreicht, dass Delir- und Risikomanagement im Krankenhaus kein Randthema ist, sondern Standard werden soll.</p>



<p class="has-light-green-cyan-background-color has-background wp-block-paragraph">Mein Tipp für die Umsetzung (für Pflegeleitung und PDL)<br>Starten Sie nicht mit einem perfekten Konzept, sondern mit einem testbaren Minimal-Set auf einer Pilotstation: 8 Marker, 1 Zeitband, 1 Ereignisschema. Nach vier Wochen sehen Sie schon Muster (Schicht, Diagnostik, Aufnahmephase). Danach entscheiden Sie datenbasiert, was wirklich ergänzt werden muss.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Unsichtbarer Mehraufwand ist kein individuelles Belastungsthema, sondern ein Systemfehler in der Steuerung. Menschen mit Demenz bringen im Krankenhaus ein anderes Pflegeprofil mit: Präsenz, Kommunikation, Prävention und Koordination. Wenn dieses Profil nicht strukturiert abgebildet wird, bleiben Risiken, Aufwand und wirksame Maßnahmen unsichtbar. Ein  standardisiertes Minimal-Set reicht häufig aus, um Patientensicherheit, Planbarkeit, Rechtssicherheit und Entlassqualität spürbar zu verbessern.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/01/17/unsichtbarer-mehraufwand-demenz-ist-im-krankenhaus-auch-ein-steuerungsproblem/">Unsichtbarer Mehraufwand: Demenz ist im Krankenhaus (auch) ein Steuerungsproblem</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de"></a>.</p>
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		<item>
		<title>Sturzrisiko bei Demenz: Nicht nur die Medikamente zählen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Jan 2026 13:17:55 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Sturzgefahr bei Menschen mit Demenz wird häufig schnell mit „zu vielen Medikamenten“ oder „Psychopharmaka“ erklärt. Ein aktueller Posterbeitrag (Posterpräsentation) aus Alzheimer’s &#38; Dementia setzt hier einen wichtigen Kontrapunkt: In einer&#8230;</p>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Sturzgefahr bei Menschen mit Demenz wird häufig schnell mit „zu vielen Medikamenten“ oder „Psychopharmaka“ erklärt. Ein aktueller Posterbeitrag (Posterpräsentation) aus Alzheimer’s &amp; Dementia setzt hier einen wichtigen Kontrapunkt: In einer Stichprobe von 185 Menschen mit klinisch diagnostizierter Alzheimer-Erkrankung und klinisch bedeutsamen neuropsychiatrischen Symptomen (zum Beispiel Unruhe oder Agitation) zeigte sich das Sturzrisiko vor allem in Abhängigkeit vom funktionellen Demenzstadium (FAST). Die Anzahl der Psychopharmaka und die Anzahl anderer Medikamente waren in den statistischen Modellen dagegen nicht signifikant mit dem Sturzrisiko (Morse Fall Scale) verbunden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was das bedeutet</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">In fortgeschrittenen Stadien ist das Grundrisiko zu Stürzen oft „stadiumsgetrieben“: eingeschränkte Stand- und Gangstabilität, Impulsaufstehen, fehlende Gefahreneinsicht, unsichere Transfers und nächtliche Wege sind zentrale Treiber. Entsprechend sollte Sturzprävention weniger als reine Medikationsfrage verstanden werden, sondern als konsequente Alltags- und Prozessarbeit: sichere Transfers (Bett–Stuhl–Toilette), ausreichende Begleitung in Hochrisikozeiten (Abend, Nacht, Schichtwechsel), klare Wegeführung, gutes Licht, passende Hilfsmittel, sichere Schuhe, sowie die dokumentierte Beobachtung typischer Auslöser und Situationen. Es unterstreicht die Wichtigkeit pflegerisch-therapeutischer Begleitung und Anleitung einerseits. Es ist aber auch ein Hinweis auf die enorme Bedeutung, die geriatrische Arbeit leisten kann, wenn sie &#8222;demenzgerecht&#8220; gemacht ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wichtige Einordnung</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das Ergebnis bedeutet nicht, dass Medikamente „egal“ sind. Es bedeutet, dass die bloße Anzahl in <strong>dieser Gruppe kein verlässlicher Hebel</strong> war. Für die Praxis bleibt der Medikationscheck sinnvoll, aber zielgerichtet: Welche Substanzen begünstigen Sedierung, Orthostase, Gangunsicherheit oder Delir? Pflege kann hier durch präzise Beobachtungen nach Änderungen (Schwanken, Tagesmüdigkeit, Blutdruckabfälle, neue Verwirrtheit) die ärztliche Anpassung fachlich stützen. Gleichzeitig sollte der Schwerpunkt der Sturzprävention im Team sichtbar auf Funktionsniveau, Transfersicherheit und situativer Unterstützung liegen.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Quelle: <a href="https://alz-journals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/alz70857_102061">Gok, S. et al. (2025). Fall Risk and Psychotropic and General Medication Use in Dementia with Neuropsychiatric Symptoms. Posterpräsentation (Posterabstract), Alzheimer’s &amp; Dementia, 21(Suppl. 3), e102061. DOI: 10.1002/alz70857_102061</a>.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/01/14/sturzrisiko-bei-demenz-nicht-nur-die-medikamente-zaehlen/">Sturzrisiko bei Demenz: Nicht nur die Medikamente zählen</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de"></a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>S3-Leitlinie „Delir im höheren Lebensalter“: Was ist neu?</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/01/10/s3-leitlinie-delir-im-hoeheren-lebensalter-was-ist-neu/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 10 Jan 2026 08:12:47 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Delir gehört zu den häufigsten und zugleich folgenreichsten Komplikationen im höheren Lebensalter. Neu ist jetzt nicht, dass Delir „wichtig“ ist – neu ist, dass es erstmals eine S3-Leitlinie gibt, die&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/01/10/s3-leitlinie-delir-im-hoeheren-lebensalter-was-ist-neu/">S3-Leitlinie „Delir im höheren Lebensalter“: Was ist neu?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de"></a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Delir gehört zu den<a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/04/23/persistentes-delir-weit-verbreitet-und-langanhaltend/"> häufigsten und zugleich folgenreichsten</a> Komplikationen im höheren Lebensalter. Neu ist jetzt nicht, dass Delir „wichtig“ ist – neu ist, dass es erstmals eine S3-Leitlinie gibt, die das Thema konsequent über alle Versorgungsbereiche hinweg zusammenbindet: von der <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/01/25/delir-dauer-der-aufnahme-steigert-das-risiko/">Notaufnahme</a> über die Akutstation bis in die Langzeitpflege und die Nachsorge. Menschen mit Demenz sind besonders gefährdet, ein Delir zu erleiden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was bedeutet „S3“</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">„S3“ steht für die höchste Qualitätsstufe medizinischer Leitlinien in Deutschland. Das heißt: Empfehlungen entstehen nicht nur aus Expertenmeinungen, sondern auf Basis systematisch bewerteter Studienlage und eines formalen Konsensverfahrens. Für die Pflegepraxis bedeutet das: Die Empfehlungen sind in der Regel transparenter begründet und verlässlicher als bei S1 (Expertenkonsens ohne systematische Evidenzaufarbeitung) oder S2 (Teilschritte, aber nicht zwingend beides zusammen).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der große Unterschied zu früher: ein transsektoraler Rahmen statt „Insellösungen“</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Viele Einrichtungen kannten Delirempfehlungen bisher vor allem aus einzelnen Kontexten: neurologische Akutversorgung, Intensivstation, Alkoholentzugsdelir oder palliative Situationen. Die neue S3-Leitlinie <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2020/09/01/aus-der-spur-geraten-patient-mit-demenz-und-delir/">„Delir im höheren Lebensalter“</a> setzt hier einen deutlich breiteren Rahmen: Sie richtet sich an Menschen über 65 Jahre, fokussiert auf nicht <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/03/05/antipsychotika-zur-delirbehandlung/">substanzbedingtes Delir </a>(ICD-10 F05) und beschreibt einen durchgängigen Versorgungspfad – inklusive Langzeitpflege sowie Nachsorge/Reha.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ist im Alltag wirklich neu?</p>



<ol class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Delir-Risiko früher und sichtbarer erfassen – auch in der Langzeitpflege<br>Die Leitlinie stärkt ein pragmatisches Delir-Risikoscreening als Standard: bereits in der Notaufnahme, im akutstationären Bereich und präoperativ im chirurgischen Setting. Für Pflegefachpersonen besonders relevant: Auch in der Langzeitpflege soll Delirrisiko bei Aufnahme sowie bei relevanten Veränderungen (z. B. Infekt, Immobilität, <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/06/22/delir-risiko-arzneimittel/">Medikationswechsel</a>) aktiv mitgedacht und in der Dokumentation sichtbar gekennzeichnet werden. </li>



<li class="has-medium-font-size">Delirscreening als Prozess – nicht nur als „wir machen das schon“<br>Dass Delir erkannt werden soll, ist nicht neu. Neu ist, wie deutlich die Leitlinie die Umsetzung als Prozess beschreibt: Screening gezielt bei Risiko und in Phasen hoher Vulnerabilität. Dabei sollen Frequenz und Dauer so angelegt sen, dass fluktuierende Symptome nicht übersehen werden. Und Schulung als Qualitätsstandard: vor Instrumenteneinsatz Delir-/Delirmanagement-Schulung plus Screening-Training; mindestens jährliche Schulungsangebote.</li>
</ol>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein wichtiger Praxispunkt ist außerdem der Umgang mit Belastung und Ablehnung: Wiederholtes Screening kann belastend sein; eine Ablehnung ist zu respektieren. Dann soll auf Fremdbeobachtung und besonders aufmerksames klinisches Beobachten ausgewichen werden. Das ist eine klare Leitplanke für die tägliche Arbeit.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Überblick</h2>



<table style="width:100%; border-collapse:separate; border-spacing:0; font-family:Arial, sans-serif; font-size:15px; line-height:1.45; border:1px solid #d9d9d9; border-radius:8px; overflow:hidden;">
  <thead>
    <tr>
      <th style="width:50%; text-align:left; padding:14px 14px; background:#e9e9e9; color:#222; border-bottom:1px solid #d9d9d9; vertical-align:top;">
        Bisher / alt (typische Praxislage)
      </th>
      <th style="width:50%; text-align:left; padding:14px 14px; background:#dff0ff; color:#222; border-bottom:1px solid #d9d9d9; vertical-align:top;">
        Neu in der S3-Leitlinie 109-001 (pflegerelevant)
      </th>
    </tr>
  </thead>

  <tbody>
    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Delir-Management war häufig settingabhängig und inhaltlich verteilt; Übergänge zwischen Krankenhaus und Langzeitpflege waren oft nicht sauber geregelt.
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Durchgängiger, transsektoraler Versorgungspfad: Empfehlungen sind ausdrücklich für Notaufnahme, Akutstation, Langzeitpflege und Nachsorge gedacht – mit Fokus auf Team-Umsetzbarkeit.
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Delirrisiko wurde in der Pflege oft eher implizit erkannt (Erfahrung), statt als Standardprozess dokumentiert.
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Risikoscreening als strukturierter Standard: Notaufnahme, stationär und auch bei Aufnahme in die Langzeitpflege sowie bei relevanten Veränderungen; hohes Risiko soll sichtbar dokumentiert werden.
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        In der Langzeitpflege wurde Delirprävention teils über einzelne Routinen gedacht (z. B. Bilanzierung als Hauptmaßnahme).
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Flüssigkeitsbilanzierung nicht als isolierte Einzelmaßnahme zur Delirprävention; stattdessen bedarfsgerechte Multikomponenten-Ansätze.
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Delirscreening: Häufigkeit/Timing uneinheitlich; fluktuierende Symptome wurden leichter übersehen.
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Screening so häufig und so lange, dass fluktuierende Symptome erfasst werden; Algorithmus als Handreichung.
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Schulungen zu Screening-Instrumenten waren unregelmäßig; Instrumente wurden uneinheitlich angewandt.
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Qualitätsanforderung: vor Einsatz Schulung zu Delir/Delirmanagement und Screening-Training; mindestens jährliche Schulungsangebote.
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Bei Ablehnung oder Belastung durch Screening fehlte oft ein klarer Alternativweg.
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Ablehnung ist zu respektieren; dann auf Fremdbeobachtung bzw. besonders engmaschige klinische Beobachtung ausweichen.
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Instrumentenwahl war oft hausstandardgetrieben; Notaufnahme und Langzeitpflege blieben teils außen vor.
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Settingbezogene Instrumentenempfehlungen: Notaufnahme z. B. 4AT oder CAM; Akutstation u. a. CAM-Algorithmus/4AT/Nu-DESC/DOS; Langzeitpflege vorrangig klinische Beobachtung, anlassbezogen ergänzt durch Instrumente.
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Medikamentöse Präventionsideen (Melatonin, niedrig dosierte Antipsychotika, Benzodiazepine zur Beruhigung) kamen in der Praxis vor.
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Klare Nicht-Empfehlungen zur Delirprävention: keine Benzodiazepine prä-/intraoperativ, keine Antipsychotika, kein Melatonin, keine Cholinesterasehemmer allein zur Prävention.
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Prävention oft als Sammlung von Einzelmaßnahmen statt konsequenter Bündelansatz.
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Multikomponentenprogramme werden priorisiert: bei chirurgischen Patienten mit Demenz täglich individualisiert; in der Langzeitpflege ebenfalls multikomponentig, angepasst an Bedarfe (z. B. Schlafförderung, Tagesaktivierung).
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Nach Delirereignissen gab es bei Verlegungen oder Entlassungen häufig Informationsverluste (Auslöser, Risiko, Status, Plan fehlen).
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Strukturierter Informationstransfer mit Mindestinhalten: Risiko, auslösende Faktoren, Delirereignis, aktueller kognitiver und physischer Status; ePA als Kommunikationsweg erwähnt.
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Tertiärprävention (Folgen reduzieren, Rückfälle vermeiden) war pflegerisch oft nicht klar mit Bausteinen hinterlegt.
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Empfehlung zu individualisierten Maßnahmen zur kognitiven, sozialen und motorischen Aktivierung als Tertiärprävention.
      </td>
    </tr>
<tr>
  <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
    Akutphase: Sicherheitslogik dominierte; freiheitsentziehende Maßnahmen wurden teils früh erwogen.
  </td>
  <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
    Kernaussage: Ursachen/Auslöser behandeln, Therapie bis Symptomabklingen, körpernahe freiheitsentziehende Maßnahmen vermeiden.
  </td>
<td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
      </td></tr></tbody></table>



<div style="height:37px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Was heißt das konkret für Ihre Pflegepraxis?</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Delirrisiko sichtbar machen (nicht nur „im Kopf behalten“), besonders bei Aufnahme und bei Veränderungen.</li>



<li class="has-medium-font-size">Screening so organisieren, dass Fluktuation nicht durchrutscht (und das Team dafür schulen).</li>



<li class="has-medium-font-size">Prävention als Bündel denken (Schlaf, Aktivierung, Orientierung, Umgebung), nicht als Einzelroutine.</li>



<li class="has-medium-font-size">Bei Ablehnung von Screenings: respektieren, aber strukturiert über Beobachtung und Fremdanamnese auffangen und die Dokumenation nutzen.</li>



<li class="has-medium-font-size">Übergaben nach Delirereignis verbindlich standardisieren (Risiko, Auslöser, aktueller Status, Plan).</li>
</ul>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Quellen / weitere Information: <a href="https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/109-001">AWMF Leitlinienregister: S3-Leitlinie „Delir im höheren Lebensalter“</a> (Reg.-Nr. 109-001, Version 1.0, Stand 30.04.2025). </p>



<p class="wp-block-paragraph">In Überarbeitung: AWMF Leitlinienregister: S1-Leitlinie <a href="https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/030-006">„Delir und Verwirrtheitszustände inklusive Alkoholentzugsdelir“</a> (Reg.-Nr. 030-006).</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/01/10/s3-leitlinie-delir-im-hoeheren-lebensalter-was-ist-neu/">S3-Leitlinie „Delir im höheren Lebensalter“: Was ist neu?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de"></a>.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Demenz und Psychopharmaka: &#8222;zu viel“ ist oft „zu lang“ – und wie Pflege Einfluss nehmen kann</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/12/29/demenz-und-psychopharmaka-zu-viel-ist-oft-zu-lang-und-wie-pflege-einfluss-nehmen-kann/</link>
					<comments>https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/12/29/demenz-und-psychopharmaka-zu-viel-ist-oft-zu-lang-und-wie-pflege-einfluss-nehmen-kann/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Dec 2025 17:56:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[absetzen]]></category>
		<category><![CDATA[altenpflege]]></category>
		<category><![CDATA[alzheimer]]></category>
		<category><![CDATA[antipsychotika]]></category>
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		<category><![CDATA[krankenhaus]]></category>
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		<category><![CDATA[Neuroleptika]]></category>
		<category><![CDATA[patientensicherheit]]></category>
		<category><![CDATA[pflege]]></category>
		<category><![CDATA[pflegedokumentation]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegefachpersonen]]></category>
		<category><![CDATA[Pflegeheim]]></category>
		<category><![CDATA[Psychopharmaka]]></category>
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		<category><![CDATA[s3-leitlinie demenzen]]></category>
		<category><![CDATA[schlaganfallrisiko]]></category>
		<category><![CDATA[überversorgung]]></category>
		<category><![CDATA[verhaltenssymptome]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn in Deutschland über „zu viele Psychopharmaka“ bei Menschen mit Demenz gesprochen wird, geht es fachlich selten um einzelne Gaben an einem Tag. Der kritische Punkt ist viel häufiger die&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/12/29/demenz-und-psychopharmaka-zu-viel-ist-oft-zu-lang-und-wie-pflege-einfluss-nehmen-kann/">Demenz und Psychopharmaka: &#8222;zu viel“ ist oft „zu lang“ – und wie Pflege Einfluss nehmen kann</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn in Deutschland über „zu viele Psychopharmaka“ bei Menschen mit Demenz gesprochen wird, geht es fachlich selten um einzelne Gaben an einem Tag. Der kritische Punkt ist viel häufiger die Dauer: Ein Medikament wird in einer Krise begonnen und läuft dann über Wochen, Monate oder Jahre weiter, ohne konsequente Reevaluation, Reduktion oder Absetzen. Genau diese Diskrepanz zwischen restriktiven Empfehlungen und Versorgungsrealität wird im <a href="https://www.wido.de/fileadmin/Dateien/Dokumente/Publikationen_Produkte/Buchreihen/Pflegereport/2017/Kapitel%20mit%20Deckblatt/wido_pr2017_kap11.pdf">Pflege-Report 2017</a> sowie in der<a href="https://register.awmf.org/assets/guidelines/038-013l_S3_Demenzen_2025-07.pdf"> S3-Leitlinie Demenzen</a> ausdrücklich beschrieben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zu viel“ ist eine Steuerungsfrage: 43%</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"> Neuroleptika sollten nur zeitlich begrenzt eingesetzt werden; zugleich werde in der Praxis eine Diskrepanz zwischen restriktiven Empfehlungen und tatsächlicher Verordnungsprävalenz beobachtet. Ein häufig zitierter Marker ist die Zahl „43 Prozent“: Laut Berichterstattung zum Pflege-Report 2017 erhalten 43 Prozent der Menschen mit Demenz im Pflegeheim dauerhaft ein Neuroleptikum; dies verstoße gegen Leitlinien. Unabhängig davon, ob man die Zahl als Schlagzeile oder als Versorgungsindikator liest, ist sie vor allem eines: eine Aussage zur Dauer.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Warum ist „zu lang“ so problematisch? Weil die Risiko-Nutzen-Bilanz bei Antipsychotika in der Demenzversorgung eng ist und Risiken nicht nur theoretisch sind. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft dokumentierte bereits früh Signale für erhöhte Mortalität und zerebrovaskuläre Ereignisse unter Antipsychotika bei Demenz. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Wie kann Pflege Einfluss nehmen, wenn Ärzte verordnen?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Mich ärgert es gelegentlich auf Stationen, wenn gestandene Fachkräfte etwas wie &#8222;Naja, wenn der Arzt das so verordnet&#8230;.&#8220; sagen. Das ist häufig nicht mehr, als ein sich-aus-der-Verantwortung-stehlen. : Je strukturierter Pflege beobachtet, dokumentiert und nichtmedikamentös arbeitet, desto leichter wird leitlinienkonformes Überprüfen und Absetzen. Dementsprechend wäre es auch sinnvoll, die eigene Dokumentation zu betrachten: als ein Instrument zur Entscheidung, eine Entscheidungsvorlage &#8211; nicht nur als Pflichtprotokoll.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="996" height="1008" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2025/12/SchaubildPsychopharmaka2jg.jpg" alt="" class="wp-image-3338" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2025/12/SchaubildPsychopharmaka2jg.jpg 996w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2025/12/SchaubildPsychopharmaka2jg-296x300.jpg 296w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2025/12/SchaubildPsychopharmaka2jg-768x777.jpg 768w" sizes="(max-width: 996px) 100vw, 996px" /></figure>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Konkret können Pflegefachpersonen den „zu lang“-Mechanismus durch drei Standards brechen: Erstens bei Start einer antipsychotischen Medikation immer ein Review-Datum (nach etwa zwei Wochen) und einen Absetz- oder Reduktionszeitpunkt (nach wenigen Wochen) verbindlich festhalten. Zweitens <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/08/30/hilfreiches-therapieprinzip-mit-risiken-und-folgen-bedarfsmedikation/">Bedarfsmedikation strikt von Dauermedikation</a> trennen und jede Gabe mit Anlass, Wirkung und Nebenwirkungen dokumentieren, damit „Bedarf“ nicht unbemerkt zur Dauer wird. Drittens in Teamsitzungen oder kurzen Fallbesprechungen die Frage zur Routine machen: Ist das Zielsymptom noch da, und ist ein Auslassversuch fällig?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wenn von „zu vielen Psychopharmaka“ bei Demenz die Rede ist, ist der fachlich Kern häufig „zu lange“</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Zu lange ohne Review, zu lange ohne Reduktions- oder Auslassversuch, zu lange ohne klare Zielsymptome und Stop-Kriterien. Genau hier liegt der wirksamste pflegerische Einfluss: Pflege macht Verlauf, Nutzen und Nebenwirkungen so transparent, dass ärztliches Überprüfen und Absetzen nicht nur möglich, sondern naheliegend wird.</p>



<div style="height:64px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Pflege ist manchmal mächtiger als sie denkt, in jedem Fall aber mächtiger und wichtiger für die Versorgung von Menschen mit Demenz, als sie oft zeigt. Ändern wir das. </p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Hilfreiche Tipps zum Umgang mit nächtlicher Unruhe oder auch Schrei- und Rufphänomen finden Sie bei Amazon (Affiliate-Links / Amzonlinks): <a href="https://amzn.to/4aDjMMU">Schlaf und Demenz</a> / <a href="https://amzn.to/4pgdiHq">Schreien und Rufen bei Demenz</a>. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/12/29/demenz-und-psychopharmaka-zu-viel-ist-oft-zu-lang-und-wie-pflege-einfluss-nehmen-kann/">Demenz und Psychopharmaka: &#8222;zu viel“ ist oft „zu lang“ – und wie Pflege Einfluss nehmen kann</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de"></a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Demenz im Krankenhaus: warum die Versorgung so oft scheitert und was sich ändern muss</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/08/27/demenz-im-krankenhaus-warum-die-versorgung-so-oft-scheitert-und-was-sich-aendern-muss/</link>
					<comments>https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/08/27/demenz-im-krankenhaus-warum-die-versorgung-so-oft-scheitert-und-was-sich-aendern-muss/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Aug 2025 10:46:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[angehörige]]></category>
		<category><![CDATA[demenz]]></category>
		<category><![CDATA[demenzimkrankenhaus]]></category>
		<category><![CDATA[demenzsensibel]]></category>
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		<category><![CDATA[patientensicherheit]]></category>
		<category><![CDATA[pflege]]></category>
		<category><![CDATA[qualitätsmanagement]]></category>
		<category><![CDATA[sturzprävention]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://demenz-im-krankenhaus.de/?p=3044</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ein Krankenhausaufenthalt ist für die meisten Menschen eine Ausnahmesituation. Für Menschen mit Demenz bedeutet er jedoch häufig eine existentielle Krise. Angehörige berichten immer wieder, dass ihre Mutter oder ihr Vater&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/08/27/demenz-im-krankenhaus-warum-die-versorgung-so-oft-scheitert-und-was-sich-aendern-muss/">Demenz im Krankenhaus: warum die Versorgung so oft scheitert und was sich ändern muss</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de"></a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Ein Krankenhausaufenthalt ist für die meisten Menschen eine Ausnahmesituation. Für Menschen mit Demenz bedeutet er jedoch häufig <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/08/19/delir-im-krankenhaus-warum-menschen-mit-demenz-besonders-gefaehrdet-sind/">eine existentielle Krise</a>. Angehörige berichten immer wieder, dass ihre Mutter oder ihr Vater nach dem Klinikaufenthalt „wie ausgewechselt“ sei – orientierungslos, deutlich schwächer, nicht selten mit bleibenden bleibenden Einschränkungen und höherem Versorgungsbedarf als zuvor. Studien bestätigen diese Erfahrungen: Der Krankenhausaufenthalt ist für Menschen mit Demenz riskant. Warum ist das so, welche Folgen hat es – und was müsste sich ändern?</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wenn Strukturen nicht passen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/04/30/krankenhaus-report-2025-kliniken-unzureichend-vorbereitet-auf-steigende-zahl-hochaltriger-patienten-pflege-spielt-schluesselrolle/">Krankenhäuser sind in erster Linie auf akute medizinische Probleme ausgerichtet:</a> Herzinfarkte, Infektionen, Operationen. Und eine Demenz an und für sich ist erstmal kein akutes medizinisches Problem. Demenz gilt häufig nur als Nebendiagnose bei einem Krankenhausaufenthalt &#8211;  obwohl sie den gesamten Behandlungsverlauf mitbestimmt. Für Menschen mit Demenz bedeutet die Klinik fast immer den Verlust von Orientierung, Routinen und vertrauten Bezugspersonen. Hinzu kommt, dass viele Krankenhäuser baulich und organisatorisch nicht auf die besonderen Bedürfnisse dieser Patientengruppe eingestellt sind. Lange, unübersichtliche Flure, wechselndes Personal, grelles Licht, hektische Abläufe – all das verstärkt Unsicherheit und Angst. Angehörige erleben daher oft, dass ihre demenzerkrankten Familienmitglieder im Krankenhaus regelrecht „untergehen“.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Schlechtere Behandlungsergebnisse</h2>



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  <h3 id="ig-demenz-titel">Schlechtere Behandlungsergebnisse – Demenz im Krankenhaus</h3>
  <p class="lead">Vergleich von Patient:innen <strong>mit</strong> vs. <strong>ohne</strong> Demenz (stationär). Relatives Risiko (adjusted OR) und ausgewählte Komplikationsraten.</p>

  <div class="grid">
    <!-- Block 1: Relatives Risiko/OR -->
    <div class="card">
      <div class="subhead">Relatives Risiko (adjusted OR) – während des Aufenthalts</div>
      <div class="tiny">Skala bis +50 % (höher = häufiger bei Patient:innen mit Demenz)</div>

      <div class="riskbar" style="--val:32">
        <div class="label">Akutes Organversagen</div>
        <div class="barwrap"><div class="bar"></div></div>
        <div class="val">+32 %</div>
      </div>

      <div class="riskbar" style="--val:50">
        <div class="label">Schwere Sepsis</div>
        <div class="barwrap"><div class="bar"></div></div>
        <div class="val">+50 %</div>
      </div>

      <div class="riskbar" style="--val:28">
        <div class="label">Krankenhaussterblichkeit</div>
        <div class="barwrap"><div class="bar"></div></div>
        <div class="val">+28 %</div>
      </div>

      <div class="tiny" style="margin-top:8px">Hinweis: Prozentwerte entsprechen ungefähr den aOR-Steigerungen (1,32; 1,50; 1,28).</div>
    </div>

    <!-- Block 2: Komplikationsraten -->
    <div class="card">
      <div class="subhead">Komplikationsraten (Demenz vs. ohne Demenz)</div>

      <div class="legend">
        <span><i style="background:#1f6feb"></i>Demenz</span>
        <span><i style="background:#9bbcf6"></i>ohne Demenz</span>
      </div>

      <!-- UTI -->
      <div class="pair">
        <div class="what">Harnwegsinfektion</div>
        <div>
          <div class="scale" aria-label="Demenz 13,4 %">
            <span class="dmn" style="width:13.4%"></span>
          </div>
          <div class="tiny">Demenz: 13,4 %</div>
        </div>
        <div>
          <div class="scale" aria-label="ohne Demenz 7,9 %">
            <span class="nod" style="width:7.9%"></span>
          </div>
          <div class="tiny">ohne Demenz: 7,9 %</div>
        </div>
      </div>

      <!-- Pneumonie -->
      <div class="pair">
        <div class="what">Pneumonie</div>
        <div>
          <div class="scale"><span class="dmn" style="width:4.8%"></span></div>
          <div class="tiny">Demenz: 4,8 %</div>
        </div>
        <div>
          <div class="scale"><span class="nod" style="width:3.5%"></span></div>
          <div class="tiny">ohne Demenz: 3,5 %</div>
        </div>
      </div>

      <!-- Dekubitus -->
      <div class="pair">
        <div class="what">Dekubitus</div>
        <div>
          <div class="scale"><span class="dmn" style="width:5.9%"></span></div>
          <div class="tiny">Demenz: 5,9 %</div>
        </div>
        <div>
          <div class="scale"><span class="nod" style="width:3.8%"></span></div>
          <div class="tiny">ohne Demenz: 3,8 %</div>
        </div>
      </div>

      <!-- Delir -->
      <div class="pair">
        <div class="what">Delir</div>
        <div>
          <div class="scale"><span class="dmn" style="width:4.0%"></span></div>
          <div class="tiny">Demenz: 4,0 %</div>
        </div>
        <div>
          <div class="scale"><span class="nod" style="width:1.5%"></span></div>
          <div class="tiny">ohne Demenz: 1,5 %</div>
        </div>
      </div>

      <p class="tiny" style="margin-top:8px">Zusatz: Mindestens eine der vier Komplikationen tritt bei Demenz-Patient:innen deutlich häufiger auf (RR ≈ 2,5).</p>
    </div>

    <!-- Block 3: Einordnung -->
    <div class="card">
      <div class="subhead">Einordnung &#038; Methodik (Kurz)</div>
      <ul class="tiny" style="margin:0 0 6px 18px">
        <li>Vergleich stationärer Verläufe <em>mit</em> vs. <em>ohne</em> Demenz; alters- und komorbiditätsbereinigt (aOR/RR).</li>
        <li>Komplikationsraten stammen aus einem bevölkerungsweiten Kollektiv (New South Wales, Australien; 2006–2007), risikoadjustiert auf Episodebene.</li>
      </ul>
      <div class="qnote">
        <small><strong>Quellen:</strong>
          Shen&nbsp;HN et al., PLoS ONE 2012 (aOR 1,32/1,50/1,28);
          Bail&nbsp;K et al., BMJ Open 2013 (Komplikationsraten);
          Bail&nbsp;K et al., BMC Health Services Research 2015 (Kosten &#038; RR≈2,5).
        </small>
        <small>
          <a href="https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0042751" target="_blank" rel="noopener">PLoS ONE 2012</a> ·
          <a href="https://bmjopen.bmj.com/content/3/6/e002770" target="_blank" rel="noopener">BMJ Open 2013</a> ·
          <a href="https://bmchealthservres.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12913-015-0743-1" target="_blank" rel="noopener">BMC HSR 2015</a>
        </small>
      </div>
    </div>
  </div>
</section>

</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Menschen mit Demenz haben im Krankenhaus nachweislich schlechtere Outcomes als andere ältere Patientinnen und Patienten. Komplikationen wie Infektionen, Stürze, Mangelernährung und Dekubitus treten bei Demenzkranken signifikant häufiger auf. Sie liegen im Schnitt drei bis sieben Tage länger als vergleichbare Patienten ohne Demenz. Auch die Sterblichkeit ist erhöht. Viele Betroffene verlassen die Klinik in einem deutlich schlechteren Zustand – Mobilität, Alltagskompetenzen oder Kommunikationsfähigkeit gehen verloren. Innerhalb von 30 Tagen nach Entlassung kommt es zudem deutlich häufiger zu erneuten stationären Aufnahmen (Drehtür-Effekt). Besonders gravierend ist der dauerhafte Verlust an Selbstständigkeit. Nicht selten ist ein Krankenhausaufenthalt der Kipppunkt, nach dem eine Pflegeheimaufnahme unvermeidbar wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Belastung für die Mitarbeitenden jeder Klinik</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch für Pflegefachpersonen und Ärzte ist die Situation belastend. Menschen mit Demenz benötigen mehr Zuwendung, Orientierung und Begleitung – in einem System, das auf Effizienz und schnelle Abläufe getrimmt ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unruhe, Verweigerung von Untersuchungen oder Weg/Hinlauftendenzen stellen die Mitarbeitenden vor Herausforderungen, für die oft weder Zeit noch Schulungen vorhanden sind. Pflegende berichten von Frustration, Stress und dem Gefühl, den eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden zu können. Das führt zu moralischem Druck (moral distress) &nbsp;und einem erhöhten Burnout- oder Coolout-Risiko. Das Ergebnis sind schlechte Erfahrungen für Patienten und Angehörige bei gleichzeitiger Überforderung der Mitarbeitenden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Teure Fehlversorgung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die schlechte Versorgung ist nicht nur menschlich belastend, sondern auch teuer. Menschen mit Demenz verursachen durch längere Liegezeiten, zusätzliche Komplikationen und Wiederaufnahmen zum Teil deutlich höhere Kosten als andere Patienten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Deutschland werden die Zusatzkosten pro Fall auf rund 1.200 Euro geschätzt, bei verlängerten Liegezeiten kommen pro Tag weitere 500 bis 1.500 Euro hinzu. Internationale Studien sprechen von Mehrkosten im fünfstelligen Dollarbereich pro Jahr und Patient. Summiert auf die steigende Zahl Betroffener entstehen so Milliardenkosten – für etwas, das durch demenzsensible Strukturen zumindest teilweise vermeidbar wäre.</p>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Strukturelle Probleme und Fehlanreize</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Warum ändern die Kliniken das nicht einfach? Der Grund liegt u.a. im Finanzierungssystem. Abgerechnet wird über Fallpauschalen (DRGs). Gezahlt wird für die Hauptdiagnose und bestimmte Prozeduren – nicht für den tatsächlichen (Pflege)Aufwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Demenz taucht zwar oft als Nebendiagnose auf, erhöht die Vergütung aber nur geringfügig. Der Mehraufwand in der Pflege, die längere Aufenthaltsdauer und die zusätzlichen Risiken bleiben unvergütet. Für die Kliniken bedeutet das: viel Arbeit, aber kein finanzieller Vorteil. Präventive und begleitende Maßnahmen lohnen sich systemseitig nicht. So entsteht ein Teufelskreis: Je komplexer der Patient, desto unwirtschaftlicher wird seine Versorgung für das Krankenhaus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich noch als <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2019/11/02/was-macht-eigentlich-ein-demenzbeauftragter-im-krankenhaus/">Demenzbeauftragter im Krankenhaus</a> gearbeitet habe, habe ich gesehen wie viel geändert werden kann und wie effektiv eine Sonderstation sein kann. Es gibt schließlich auch Krankenhäuser, die sich des Themas (teils schon lange) angenommen haben.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Politische Forderungen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dass sich insgesamt etwas ändern muss, ist inzwischen erkannt. In der Nationalen Demenzstrategie, die Bund, Länder und Fachverbände gemeinsam beschlossen haben, werden konkrete Maßnahmen benannt: Demenzsensible Krankenhäuser sollen etabliert werden – durch bauliche Anpassungen, feste Abläufe und geschultes Personal. Angehörige sollen systematisch einbezogen werden, da sie wichtige Informationsquellen und Orientierungspersonen sind. Zudem sind Schulungen und Weiterbildungen für alle Berufsgruppen vorgesehen, die im Krankenhaus mit Menschen mit Demenz zu tun haben. Nicht zuletzt geht es um neue Finanzierungsmodelle: Der erhöhte Pflegeaufwand muss abgebildet werden, um demenzsensible Strukturen wirtschaftlich möglich zu machen. Die puren Zahlen geben es her: Demenz im Krankenhaus darf keine Nebensache sein, sondern muss in der Krankenhausplanung und -finanzierung als zentrale Herausforderung berücksichtigt werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Fazit: Menschlich und wirtschaftlich notwendig</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Krankenhäuser sind für Menschen mit Demenz aktuell Hochrisiko-Orte. Für die Betroffenen bedeutet das Leid und Verlust an Lebensqualität, für Angehörige Frustration, für Mitarbeitende Überlastung. Und für uns alle: vermeidbare Kosten in Milliardenhöhe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/01/24/viele-bausteine-fuehren-zum-demenzfreundlichen-krankenhaus/">Demenzsensible Strukturen</a>, mehr und regelmäßig praxisnahe Schulungen, Einbindung der Angehörigen und eine Finanzierung, die den tatsächlichen Aufwand abbildet. Das wäre nicht nur menschlich geboten, sondern auch volkswirtschaftlich sinnvoll. Solange diese Veränderungen ausbleiben, bleibt der Satz vieler Angehöriger leider bittere Realität: „Das Krankenhaus hat mehr geschadet, als geholfen.“. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade vor diesem Hintergrund tue ich mich schwer, wenn seitens Beratungsstellen oder auf Webseiten empfohlen wird, Menschen mit Demenz ins Krankenhaus einweisen zu lassen, wenn kein (Kurzzeit)Pflegeplatz von Angehörigen gefunden wird. <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/05/20/der-bahnhof-krankenhaus-broeckelt/">Krankenhäuser sind nicht die geeigneten Verschiebebahnhöfe </a>für Menschen mit Demenz und können ein strukturelles Problem an anderer Stelle nicht mal eben abfangen. Wer Menschen mit Demenz ins Krankenhaus einweisen lässt um für <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2019/12/11/achtung-ueberlieger-kurzzeitpflege-im-krankenhaus/">einen Zeitpuffer</a> zu sorgen oder weil das dortige Entlassmanagement schließlich <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/04/16/studie-oftmals-koennen-leistungen-nicht-in-anspruch-genommen-werden-weil-die-anbieter-oder-plaetze-fehlen/">„irgendeine“ Lösung für den fehlenden Pflegeplatz</a> finden muss nimmt zumindest in Kauf, dass die Prozedur den Betroffenen schadet. Das entbindet Krankenhäuser nicht von ihrer Verantwortung Menschen mit Demenz besser zu versorgen. Krankenhauseinweisungen sollten jedoch nicht als Abkürzung aus einem strukturellen Problem normalisiert werden.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">*Die Prozentwerte im oberen Block sind relative Risikoanstiege (adjusted OR) bei Demenz im Vergleich zu Nicht-Demenz im Krankenhaus (nicht „absolutes Risiko durch Krankenhaus“). Die Raten unten sind risikoadjustierte Komplikationsraten in einem großen Verwaltungsdatensatz (NSW, Australien).</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/08/27/demenz-im-krankenhaus-warum-die-versorgung-so-oft-scheitert-und-was-sich-aendern-muss/">Demenz im Krankenhaus: warum die Versorgung so oft scheitert und was sich ändern muss</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de"></a>.</p>
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