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	<title>langzeitpflege Archive - Demenz im Krankenhaus</title>
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	<title>langzeitpflege Archive - Demenz im Krankenhaus</title>
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		<title>Menschen mit Demenz versorgen: Verhalten doppelt lesen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 May 2026 21:21:52 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Menschen mit Demenz brauchen in jeder Phase der Versorgung besondere Aufmerksamkeit. Nicht nur am Lebensende. Nicht nur im Rahmen von Palliative Care. Und nicht nur dann, wenn eine Situation bereits&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/05/07/menschen-mit-demenz-versorgen-verhalten-doppelt-lesen/">Menschen mit Demenz versorgen: Verhalten doppelt lesen</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Menschen mit Demenz brauchen in jeder Phase der Versorgung besondere Aufmerksamkeit. Nicht nur am Lebensende. Nicht nur im Rahmen von Palliative Care. Und nicht nur dann, wenn eine Situation bereits eskaliert ist.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der Grund ist einfach: Viele Menschen mit Demenz können Beschwerden, Bedürfnisse, Ängste oder Überforderung nicht mehr zuverlässig in Worte fassen. Schmerzen, Atemnot, Hunger, Durst, Scham, Harndrang, Kälte, Erschöpfung, Einsamkeit oder spirituelle Not zeigen sich dann häufig anders: durch Rückzug, Unruhe, Abwehr, Rufen, Weinen, Erstarren, Aggression, veränderte Mimik oder Körperspannung. Für Pflegefachpersonen bedeutet das: Sie müssen Verhalten nicht nur registrieren, sondern deuten. Sie sind oft die ersten, die Veränderungen bemerken. Und sie sind häufig diejenigen, die zwischen körperlicher Not, psychischer Belastung, Beziehungsgestaltung, Angehörigen und ärztlichen Entscheidungen vermitteln.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Verhalten doppelt lesen: Bedürfnis und körperliche Not</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">In der Versorgung von Menschen mit Demenz sollte Verhalten immer doppelt gelesen werden: als möglicher Ausdruck eines Bedürfnisses – und als möglicher Hinweis auf körperliche Not.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Beispiel: Ein Heimbwohner ruft wiederholt, schlägt die Decke weg und lässt keine Unterstützung bei der Körperpflege zu. Das kann Angst sein. Es kann Scham sein. Es kann Überforderung sein. Es kann aber auch Schmerz, Harndrang, Atemnot, Kälte, Schwindel, Infekt, Obstipation oder ein beginnendes Delir sein.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
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  <div style="font-size: 18px; font-weight: 700; margin-bottom: 10px; color: #8a0018;">
    Klare Haltung statt Pflege-Romantik
  </div>

  <p style="font-size: 16px; line-height: 1.55; margin: 0 0 12px 0;">
    Aus einer Infektion kann man niemanden „hinausvalidieren“. Schmerzen, Delir, Harndrang, Atemnot, Exsikkose oder Stoffwechselentgleisungen verschwinden nicht durch warme Worte.
  </p>

  <p style="font-size: 16px; line-height: 1.55; margin: 0;">
    Wertschätzung bleibt wichtig. Aber sie ersetzt keine professionelle Beobachtung, keine pflegefachliche Einschätzung und keine medizinische Abklärung. Pflegefachpersonen dürfen und müssen körperliche Warnzeichen ernst nehmen – auch dann, wenn Laien das Verhalten vorschnell nur psychologisch oder biografisch (ver-)erklären.
  </p>
</div>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Deshalb braucht gute Demenzversorgung eine systematische Beobachtung. Hilfreiche Fragen sind:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Was ist heute anders als sonst?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gab es einen Auslöser?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wie sind Mimik, Atmung, Hautfarbe, Körperhaltung und Körperspannung?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gibt es Hinweise auf Schmerz, Infekt, Harndrang, Obstipation, Hunger, Durst, Übelkeit oder Atemnot?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wird die Situation besser durch Ruhe, langsamere Ansprache, vertraute Personen, Lagerung, Wärme, Musik, Nähe oder Abstand?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Diese Deutung bleibt manchmal unsicher. Aber sie wird professioneller, wenn sie nicht zufällig geschieht, sondern im Team besprochen, dokumentiert und überprüft wird.</p>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Warum ein &#8222;palliativer Blick&#8220; nicht erst am Lebensende beginnt</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Palliative Care wird oft erst mit Sterben, Schmerztherapie oder der letzten Lebensphase verbunden. Für Menschen mit Demenz ist das zu eng gedacht. Ein palliativer Blick bedeutet nicht automatisch: „Es wird nichts mehr getan.“ Er bedeutet vielmehr: Die Versorgung fragt frühzeitig nach Lebensqualität, Belastung, Würde, Symptomlinderung, Beziehung, Sicherheit, Halt und dem mutmaßlichen Willen des Menschen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei Demenz ist dieser Blick besonders wichtig, weil der Verlauf schleichend ist. Es gibt oft keinen klaren Wendepunkt. Die Versorgung verändert sich Schritt für Schritt: mehr Stürze, mehr Infekte, mehr Schluckprobleme, Gewichtsverlust, weniger Belastbarkeit, mehr Erschöpfung, zunehmende Abhängigkeit, mehr Unruhe oder Rückzug. Gerade deshalb gehört eine palliative Haltung nicht nur in spezialisierte Palliativteams. Sie gehört in die stationäre Langzeitpflege, in die ambulante Versorgung, in die Tagespflege, ins Krankenhaus und in die Angehörigenberatung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Leitfrage lautet nicht: „Ist dieser Mensch schon palliativ?“ Sondern: „Was braucht dieser Mensch jetzt, damit Belastung reduziert, Würde geschützt und Lebensqualität erhalten wird?“.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Entscheidungen werden schwieriger, wenn Sprache fehlt</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Menschen mit Demenz können häufig nicht mehr zuverlässig erklären, was sie möchten, was sie belastet oder welche Behandlung sie wünschen. Gleichzeitig bleiben Wille, Vorlieben, Abneigungen, Würde und Selbstbestimmung bedeutsam.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das macht Entscheidungen anspruchsvoll. Soll ein Mensch ins Krankenhaus eingewiesen werden? Ist eine Untersuchung noch hilfreich oder vor allem belastend? Wird eine Behandlung den Zustand verbessern oder zusätzlichen Stress verursachen? Was war früher wichtig? Was passt zum mutmaßlichen Willen? Was sagen Angehörige? Was beobachtet das Team?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Pflegefachpersonen spielen hier eine Schlüsselrolle. Sie erleben den Menschen im Alltag. Sie sehen, was beruhigt, was belastet, was Abwehr auslöst, was Nähe ermöglicht und wann sich ein Zustand verändert.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Diese Beobachtungen sind keine Nebensache. Sie sind entscheidungsrelevante Informationen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Mehr zu Thema <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/03/14/warum-sie-krankenhauseinweisungen-abwaegen/">lesen Sie hier</a> und <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/01/21/verlegungsstress-nach-umzug-oder-heimaufnahme-was-ist-normal-und-was-ist-zu-tun/">hier</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Selbstbestimmung bleibt auch bei fortgeschrittener Demenz bedeutsam</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auch wenn Entscheidungen schwieriger werden, verschwindet das Bedürfnis nach Einfluss auf das eigene Leben nicht. Menschen möchten sich nicht ausgeliefert fühlen. <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/02/08/unterstuetzen-statt-uebernehmen/">Sie möchten nicht nur Objekt von Pflegehandlungen sein.</a></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wird Autonomie nicht beachtet, kann das Folgen haben: Abwehr, Rückzug, Passivität, Frustration oder Aggression. Umgekehrt können kleine Entscheidungsmöglichkeiten viel bewirken.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Religiöse, spirituelle und existenzielle Bedürfnisse gehören zur Versorgung dazu</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Menschen mit Demenz haben nicht nur körperliche Bedürfnisse. Sie brauchen auch Halt, Trost, Zugehörigkeit, Würde, Vertrautheit, Sinn, Versöhnung, Hoffnung und das Gefühl, nicht allein zu sein.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Das ist nicht nur ein Thema für das Lebensende. Existenzielle Bedürfnisse können während der gesamten Versorgung sichtbar werden und ihren Ausdruck auch in Verhalten finden: bei Angst, Heimweh, Unruhe, Abschieden, Schmerzen, Krankenhausaufenthalten, Verlusten oder zunehmender Abhängigkeit. Dabei darf Religiosität nicht automatisch vorausgesetzt werden. Aber sie sollte auch nicht übersehen werden. Gerade bei hochaltrigen Menschen können Gebete, Lieder, Feste, Segenszeichen, Kirchenbesuche oder religiöse Rituale biografisch bedeutsam gewesen sein – auch wenn sie heute nicht mehr erklärt werden können.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine bessere Frage als „Sind Sie religiös?“ lautet deshalb oft an Angehörige: „Gab es früher Gebete, Lieder, Rituale, Feste, Musik, Orte, Symbole oder Gewohnheiten, die diesem Menschen Halt gegeben haben?“. Genauso wichtig ist die Frage: „Was sollte vermieden werden?“. Denn auch religiöse oder biografische Impulse können unpassend sein, wenn sie nicht zur Person passen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/05/Beduerfnisbild1.png"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/05/Beduerfnisbild1-1024x576.png" alt="" class="wp-image-3586" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/05/Beduerfnisbild1-1024x576.png 1024w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/05/Beduerfnisbild1-300x169.png 300w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/05/Beduerfnisbild1-768x432.png 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/05/Beduerfnisbild1.png 1280w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Biografiearbeit muss Konsequenzen haben</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/01/26/biographiearbeit-alptraum-oder-segen/">Biografiearbeit ist nur dann sinnvoll</a>, wenn aus ihr konkrete Folgen entstehen. Eine Sammlung von Informationen ohne praktische Konsequenz hilft wenig. Entscheidend ist die Frage: Was verändert sich dadurch in der Versorgung?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn bekannt ist, dass ein Mensch früher gern gesungen hat, kann Musik gezielt eingesetzt werden. Wenn ein bestimmter Name vertrauter ist, sollte er verwendet werden. Wenn jemand Berührungen am Kopf ablehnt, muss das Team es wissen. Wenn ein früheres Abendritual beruhigt, sollte es eingeplant werden. Wenn jemand auf bestimmte religiöse Zeichen positiv oder negativ reagiert, gehört auch das in die Dokumentation. Biografiearbeit wird nur wirksam, wenn sie in Alltagshandeln übersetzt wird. Ansonsten ist sie nicht mehr als eine Sammlung an Informationen, die letztlich überflüssig Zeit gebunden hat.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Fazit: Demenzversorgung braucht Haltung, Deutung und vorausschauendes Handeln</strong></h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gute Versorgung von Menschen mit Demenz beginnt nicht erst, wenn Symptome eskalieren. Und ein palliativer Blick beginnt nicht erst in der Sterbephase. Über die gesamte pflegerische Versorgung hinweg geht es darum, Belastung zu erkennen, Bedürfnisse zu verstehen, Würde zu schützen, Selbstbestimmung so weit wie möglich zu erhalten und körperliche Not nicht zu übersehen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Pflegefachpersonen leisten dabei weit mehr als Unterstützung im Alltag. Sie beobachten, übersetzen, beruhigen, schützen, erklären, vermitteln und geben Halt. Der zentrale Satz für die Praxis lautet:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei Menschen mit Demenz müssen wir Verhalten doppelt lesen: als Ausdruck von Bedürfnissen – und als möglichen Hinweis auf körperliche Not.<br></p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/05/07/menschen-mit-demenz-versorgen-verhalten-doppelt-lesen/">Menschen mit Demenz versorgen: Verhalten doppelt lesen</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>S3-Leitlinie „Delir im höheren Lebensalter“: Was ist neu?</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/01/10/s3-leitlinie-delir-im-hoeheren-lebensalter-was-ist-neu/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 10 Jan 2026 08:12:47 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Delir gehört zu den häufigsten und zugleich folgenreichsten Komplikationen im höheren Lebensalter. Neu ist jetzt nicht, dass Delir „wichtig“ ist – neu ist, dass es erstmals eine S3-Leitlinie gibt, die&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/01/10/s3-leitlinie-delir-im-hoeheren-lebensalter-was-ist-neu/">S3-Leitlinie „Delir im höheren Lebensalter“: Was ist neu?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Delir gehört zu den<a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/04/23/persistentes-delir-weit-verbreitet-und-langanhaltend/"> häufigsten und zugleich folgenreichsten</a> Komplikationen im höheren Lebensalter. Neu ist jetzt nicht, dass Delir „wichtig“ ist – neu ist, dass es erstmals eine S3-Leitlinie gibt, die das Thema konsequent über alle Versorgungsbereiche hinweg zusammenbindet: von der <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/01/25/delir-dauer-der-aufnahme-steigert-das-risiko/">Notaufnahme</a> über die Akutstation bis in die Langzeitpflege und die Nachsorge. Menschen mit Demenz sind besonders gefährdet, ein Delir zu erleiden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was bedeutet „S3“</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">„S3“ steht für die höchste Qualitätsstufe medizinischer Leitlinien in Deutschland. Das heißt: Empfehlungen entstehen nicht nur aus Expertenmeinungen, sondern auf Basis systematisch bewerteter Studienlage und eines formalen Konsensverfahrens. Für die Pflegepraxis bedeutet das: Die Empfehlungen sind in der Regel transparenter begründet und verlässlicher als bei S1 (Expertenkonsens ohne systematische Evidenzaufarbeitung) oder S2 (Teilschritte, aber nicht zwingend beides zusammen).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der große Unterschied zu früher: ein transsektoraler Rahmen statt „Insellösungen“</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Viele Einrichtungen kannten Delirempfehlungen bisher vor allem aus einzelnen Kontexten: neurologische Akutversorgung, Intensivstation, Alkoholentzugsdelir oder palliative Situationen. Die neue S3-Leitlinie <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2020/09/01/aus-der-spur-geraten-patient-mit-demenz-und-delir/">„Delir im höheren Lebensalter“</a> setzt hier einen deutlich breiteren Rahmen: Sie richtet sich an Menschen über 65 Jahre, fokussiert auf nicht <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/03/05/antipsychotika-zur-delirbehandlung/">substanzbedingtes Delir </a>(ICD-10 F05) und beschreibt einen durchgängigen Versorgungspfad – inklusive Langzeitpflege sowie Nachsorge/Reha.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ist im Alltag wirklich neu?</p>



<ol class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Delir-Risiko früher und sichtbarer erfassen – auch in der Langzeitpflege<br>Die Leitlinie stärkt ein pragmatisches Delir-Risikoscreening als Standard: bereits in der Notaufnahme, im akutstationären Bereich und präoperativ im chirurgischen Setting. Für Pflegefachpersonen besonders relevant: Auch in der Langzeitpflege soll Delirrisiko bei Aufnahme sowie bei relevanten Veränderungen (z. B. Infekt, Immobilität, <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/06/22/delir-risiko-arzneimittel/">Medikationswechsel</a>) aktiv mitgedacht und in der Dokumentation sichtbar gekennzeichnet werden. </li>



<li class="has-medium-font-size">Delirscreening als Prozess – nicht nur als „wir machen das schon“<br>Dass Delir erkannt werden soll, ist nicht neu. Neu ist, wie deutlich die Leitlinie die Umsetzung als Prozess beschreibt: Screening gezielt bei Risiko und in Phasen hoher Vulnerabilität. Dabei sollen Frequenz und Dauer so angelegt sen, dass fluktuierende Symptome nicht übersehen werden. Und Schulung als Qualitätsstandard: vor Instrumenteneinsatz Delir-/Delirmanagement-Schulung plus Screening-Training; mindestens jährliche Schulungsangebote.</li>
</ol>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein wichtiger Praxispunkt ist außerdem der Umgang mit Belastung und Ablehnung: Wiederholtes Screening kann belastend sein; eine Ablehnung ist zu respektieren. Dann soll auf Fremdbeobachtung und besonders aufmerksames klinisches Beobachten ausgewichen werden. Das ist eine klare Leitplanke für die tägliche Arbeit.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Überblick</h2>



<table style="width:100%; border-collapse:separate; border-spacing:0; font-family:Arial, sans-serif; font-size:15px; line-height:1.45; border:1px solid #d9d9d9; border-radius:8px; overflow:hidden;">
  <thead>
    <tr>
      <th style="width:50%; text-align:left; padding:14px 14px; background:#e9e9e9; color:#222; border-bottom:1px solid #d9d9d9; vertical-align:top;">
        Bisher / alt (typische Praxislage)
      </th>
      <th style="width:50%; text-align:left; padding:14px 14px; background:#dff0ff; color:#222; border-bottom:1px solid #d9d9d9; vertical-align:top;">
        Neu in der S3-Leitlinie 109-001 (pflegerelevant)
      </th>
    </tr>
  </thead>

  <tbody>
    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Delir-Management war häufig settingabhängig und inhaltlich verteilt; Übergänge zwischen Krankenhaus und Langzeitpflege waren oft nicht sauber geregelt.
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Durchgängiger, transsektoraler Versorgungspfad: Empfehlungen sind ausdrücklich für Notaufnahme, Akutstation, Langzeitpflege und Nachsorge gedacht – mit Fokus auf Team-Umsetzbarkeit.
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Delirrisiko wurde in der Pflege oft eher implizit erkannt (Erfahrung), statt als Standardprozess dokumentiert.
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Risikoscreening als strukturierter Standard: Notaufnahme, stationär und auch bei Aufnahme in die Langzeitpflege sowie bei relevanten Veränderungen; hohes Risiko soll sichtbar dokumentiert werden.
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        In der Langzeitpflege wurde Delirprävention teils über einzelne Routinen gedacht (z. B. Bilanzierung als Hauptmaßnahme).
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Flüssigkeitsbilanzierung nicht als isolierte Einzelmaßnahme zur Delirprävention; stattdessen bedarfsgerechte Multikomponenten-Ansätze.
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Delirscreening: Häufigkeit/Timing uneinheitlich; fluktuierende Symptome wurden leichter übersehen.
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Screening so häufig und so lange, dass fluktuierende Symptome erfasst werden; Algorithmus als Handreichung.
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Schulungen zu Screening-Instrumenten waren unregelmäßig; Instrumente wurden uneinheitlich angewandt.
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Qualitätsanforderung: vor Einsatz Schulung zu Delir/Delirmanagement und Screening-Training; mindestens jährliche Schulungsangebote.
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Bei Ablehnung oder Belastung durch Screening fehlte oft ein klarer Alternativweg.
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Ablehnung ist zu respektieren; dann auf Fremdbeobachtung bzw. besonders engmaschige klinische Beobachtung ausweichen.
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Instrumentenwahl war oft hausstandardgetrieben; Notaufnahme und Langzeitpflege blieben teils außen vor.
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Settingbezogene Instrumentenempfehlungen: Notaufnahme z. B. 4AT oder CAM; Akutstation u. a. CAM-Algorithmus/4AT/Nu-DESC/DOS; Langzeitpflege vorrangig klinische Beobachtung, anlassbezogen ergänzt durch Instrumente.
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Medikamentöse Präventionsideen (Melatonin, niedrig dosierte Antipsychotika, Benzodiazepine zur Beruhigung) kamen in der Praxis vor.
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Klare Nicht-Empfehlungen zur Delirprävention: keine Benzodiazepine prä-/intraoperativ, keine Antipsychotika, kein Melatonin, keine Cholinesterasehemmer allein zur Prävention.
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Prävention oft als Sammlung von Einzelmaßnahmen statt konsequenter Bündelansatz.
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Multikomponentenprogramme werden priorisiert: bei chirurgischen Patienten mit Demenz täglich individualisiert; in der Langzeitpflege ebenfalls multikomponentig, angepasst an Bedarfe (z. B. Schlafförderung, Tagesaktivierung).
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Nach Delirereignissen gab es bei Verlegungen oder Entlassungen häufig Informationsverluste (Auslöser, Risiko, Status, Plan fehlen).
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Strukturierter Informationstransfer mit Mindestinhalten: Risiko, auslösende Faktoren, Delirereignis, aktueller kognitiver und physischer Status; ePA als Kommunikationsweg erwähnt.
      </td>
    </tr>

    <tr>
      <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Tertiärprävention (Folgen reduzieren, Rückfälle vermeiden) war pflegerisch oft nicht klar mit Bausteinen hinterlegt.
      </td>
      <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
        Empfehlung zu individualisierten Maßnahmen zur kognitiven, sozialen und motorischen Aktivierung als Tertiärprävention.
      </td>
    </tr>
<tr>
  <td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
    Akutphase: Sicherheitslogik dominierte; freiheitsentziehende Maßnahmen wurden teils früh erwogen.
  </td>
  <td style="padding:14px 14px; background:#e8f4ff; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
    Kernaussage: Ursachen/Auslöser behandeln, Therapie bis Symptomabklingen, körpernahe freiheitsentziehende Maßnahmen vermeiden.
  </td>
<td style="padding:14px 14px; background:#f2f2f2; color:#222; border-top:1px solid #e6e6e6; vertical-align:top;">
      </td></tr></tbody></table>



<div style="height:37px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Was heißt das konkret für Ihre Pflegepraxis?</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Delirrisiko sichtbar machen (nicht nur „im Kopf behalten“), besonders bei Aufnahme und bei Veränderungen.</li>



<li class="has-medium-font-size">Screening so organisieren, dass Fluktuation nicht durchrutscht (und das Team dafür schulen).</li>



<li class="has-medium-font-size">Prävention als Bündel denken (Schlaf, Aktivierung, Orientierung, Umgebung), nicht als Einzelroutine.</li>



<li class="has-medium-font-size">Bei Ablehnung von Screenings: respektieren, aber strukturiert über Beobachtung und Fremdanamnese auffangen und die Dokumenation nutzen.</li>



<li class="has-medium-font-size">Übergaben nach Delirereignis verbindlich standardisieren (Risiko, Auslöser, aktueller Status, Plan).</li>
</ul>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Quellen / weitere Information: <a href="https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/109-001">AWMF Leitlinienregister: S3-Leitlinie „Delir im höheren Lebensalter“</a> (Reg.-Nr. 109-001, Version 1.0, Stand 30.04.2025). </p>



<p class="wp-block-paragraph">In Überarbeitung: AWMF Leitlinienregister: S1-Leitlinie <a href="https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/030-006">„Delir und Verwirrtheitszustände inklusive Alkoholentzugsdelir“</a> (Reg.-Nr. 030-006).</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/01/10/s3-leitlinie-delir-im-hoeheren-lebensalter-was-ist-neu/">S3-Leitlinie „Delir im höheren Lebensalter“: Was ist neu?</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Ampel-Jahre: verlorene Jahre für die Pflege</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/11/28/ampel-jahre-verlorene-jahre-fuer-die-pflege/</link>
					<comments>https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/11/28/ampel-jahre-verlorene-jahre-fuer-die-pflege/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 Nov 2024 14:16:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik und Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[altenpflege]]></category>
		<category><![CDATA[ankündigung]]></category>
		<category><![CDATA[langzeitpflege]]></category>
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		<category><![CDATA[pflege]]></category>
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		<category><![CDATA[pflegereform]]></category>
		<category><![CDATA[regierung]]></category>
		<category><![CDATA[stellungnahme]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Viele Entwicklungen in Sachen Pflege sind so zwingend, die Zustände und der Arbeitsdruck, die enormen Kosten für Pflegebedürftige bzw. Angehörige, dass Reformen eigentlich keinen Aufschub dulden. Auch Karl-Josef Laumann, Sozialminister&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/11/28/ampel-jahre-verlorene-jahre-fuer-die-pflege/">Ampel-Jahre: verlorene Jahre für die Pflege</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Viele Entwicklungen in Sachen Pflege sind so zwingend, die Zustände und der Arbeitsdruck, die enormen Kosten für Pflegebedürftige bzw. Angehörige, dass Reformen eigentlich keinen Aufschub dulden. Auch Karl-Josef Laumann, Sozialminister von NRW, hatte <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/11/13/laumann-und-kretschmer-draengen-auf-reform-der-pflegeversicherung/">Reformen dringend angemahnt und Vorschläge dazu gemacht</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color has-link-color wp-elements-7b8e1567b1acb2fb930876a2a46d040c">Minister der Ankündigungen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Leider hat Bundesgesundheitsminister Lauterbach nichts Notwendiges davon umgesetzt. Ankündigungen gab es Zuhauf. Bei denen ist es auch geblieben. Dabei geht es um nichts weniger als darum, die Versorgung Pflegebedürftiger wenigstens sicherzustellen. Mit Duldung des Bundesrates hat er die große, nach wie vor umstrittene, Krankenhausreform mit dem letzten rot-grünen Röcheln in der Regierung durchbekommen. Und für alle anderen? Werden die Beitragserhöhungen der Krankenkassen bleibende Erinnerungen schaffen. Arbeiten lohnt sich damit mal wieder ein Stück weniger. Auch ein Lauterbach-Verdienst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ambulante Pflege, stationäre Langzeitpflege – nichts ist passiert. So kann es nicht verwundern, dass Ulrich Christofczik und Roland Weigel in Ihrer Stellungnahme <a href="https://ruhrgebietskonferenz-pflege.de/">für die Ruhrgebietskonferenz Pflege</a> Lauterbach scharf kritisieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-secondary-color has-text-color has-link-color wp-elements-1c0bf530ae2ce46e9e5b8bd883ee2264">Kritik Ruhrgebietskonferenz Pflege</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„In Sachen Pflege hat die Ampelkoalition auf ganzer Linie versagt und sich der Vielzahl von Reformvorschlägen mit Ankündigungen und Scheinangeboten entzogen. Diese Bundesregierung war vermutlich die letzte, die dem aufziehenden demografischen Wandel mit seinen sozialen Folgen noch mit einer grundlegenden Reform hätte entgegenwirken können.“.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://ruhrgebietskonferenz-pflege.de/ruhrgebietskonferenz-pflege-sagt-zum-abschied-leise-vielen-dank-fuer-nix/">Die gesamte Stellungnahme lesen Sie hier. </a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die nächste Bundesregierung wird lange und vielfach damit beschäftigt sein, die Versäumnis und Schäden der letzten 3 Jahre zumindest abzumildern. Wir brauchen dringend eine echte Pflegeministerin / Pflegeminister, statt eines Ankündigungsministers. Und jemanden, der die Interessen der professionellen Pflege und der Pflegebedürftigen mutig in den Mittelpunkt rückt, sie nicht hinter andere Themen abgleiten lässt. Das wird bei den riesigen Baustellen die die Ampel hinterlässt, sicher nicht einfach.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color has-link-color wp-elements-d18196e49e476b690c24713ba5ebc166">Zeit gewinnt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Aber: auf Zeit spielen geht eben nicht (mehr). Die Zeit gewinnt immer. Und gegen jeden. Also ob man es glaubt oder nicht: es ist im eigenen, ganz persönlichen Interesse, dass Pflege gut funktioniert in diesem Land. Auch dann, wenn man weder beruflich noch privat damit zu tun hat. Die Zeit gewinnt immer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Moment stehen die Chancen, dass Politik mit einer neuen Bundesregierung tatsächlich wieder Themen aufgreift die den Menschen hierzulande auf den Nägeln brennen, gar nicht so schlecht. Pflege ist sicher eins davon. Statt kleinstteiliger, ideologiegetriebener Klientel-Politik: Machen für die Menschen. Alles, auch Fehler sind tolerierbar. Fehler können korrigiert werden. Stillstand allerdings muss mit Macht überwunden werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hoffe, nicht nur für den Bereich Pflege, kommt es so.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/11/28/ampel-jahre-verlorene-jahre-fuer-die-pflege/">Ampel-Jahre: verlorene Jahre für die Pflege</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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		<title>Buchvorstellung: Prof. Klie und der Pflegenotstand</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/07/24/buchvorstellung-prof-klie-und-der-pflegenotstand/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Jul 2024 13:06:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gerontologe und Rechtswissenschaftler Prof. Dr. habil. Thomas Klie hat sein neues Buch *„Pflegenotstand?: Eine Streitschrift“ betitelt. Im Vorwort zieht er unter anderem eine Parallele zwischen Pflegenotstand und Klimawandel. Als Gesellschaft&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/07/24/buchvorstellung-prof-klie-und-der-pflegenotstand/">Buchvorstellung: Prof. Klie und der Pflegenotstand</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Gerontologe und Rechtswissenschaftler Prof. Dr. habil. Thomas Klie hat sein neues Buch *<a href="https://amzn.to/3YfC9B6">„Pflegenotstand?: Eine Streitschrift“</a> betitelt. Im Vorwort zieht er unter anderem eine Parallele zwischen Pflegenotstand und Klimawandel. Als Gesellschaft wissen wir um die Probleme die damit auf uns zukommen oder bereits manifest sind, bleiben jedoch häufig zu passiv. Wir machen uns Sorgen, hoffen aber, dass es irgendwie schon alles klappen wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>DEN Pflegenotstand gibt es nicht</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Autor zeigt ab S. 13 zunächst, dass es nicht den einen Pflegenotstand gibt, sondern verschiedene Varianten davon und reißt an, wie diese zustande gekommen sind. Pflegenotstände haben viele Gesichter – die sich auch gewandelt haben. Denn selbst wenn ausreichend Geld zur Finanzierung von Pflegefachleuten – z.B. in Kliniken – zur Verfügung steht ist deutlich: man kann nicht kaufen, was es nicht gibt. Heißt: trotz Geld – es fehlen Pflegefachleute. Jemanden einstellen, den es nicht gibt kann auch der beste Personaler nicht und auch keine gut gemachte SocialMedia-Kampagne zaubert Fachleute herbei, die nicht da sind. &nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch dem Thema der Pflege durch Angehörige widmet er sich und warnt im Buch vor „Lobhudelei“ selbiger. Denn häufig wird vergessen, dass hinter dem „größten Pflegedienst der Nation“ auch prekäre, traurige und mitunter gefährliche Situationen und Schicksale völlig überforderter Angehöriger stehen. Klie nennt das den „heimlichen Pflegenotstand“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie das möglicherweise gelöst – oder zumindest Verbesserungen erzielt werden, hat natürlich auch mit der Finanzierung dieser Pflege zu tun, worauf der Autor auch eingeht und deutlich macht, dass es da oft am politischen Willen fehlt, wirklich etwas zu verändern.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Pflegefachleute braucht es in jeder Pflegekonstellation – aber nicht für jeden Handschlag</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zeit von den ohnehin zunehmend rarer gesäten Pflegefachleuten wird zu oft verschwendet mit Dingen, <a href="https://www.zeit.de/wirtschaft/2024-07/ausbildung-pflegeassistenz-bundesfamilienministerium-gesetz-pflegehelfer">die geringer qualifizierte Menschen übernehmen können</a>. Begleitet, beraten, organisiert und auch kontrolliert von Pflegefachleuten, kann eine bessere Versorgung mit mehr Geringerqualifizierten gelingen. Zumindest aufrechterhalten. Muss es sogar – es wird gar nicht anders gehen – ist bloße Mathematik. Möglicherweise sind <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/07/05/pebem-in-der-langzeitpflege-nicht-mehr-sondern-anders-verteilt/">Personalbedarfsregulierungen</a> dafür entscheidende Schritte die bereits gegangen werden, ebenso wie die Vereinheitlichung der Ausbildung von Hilfs- und Assistenzberufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://amzn.to/3YfC9B6">Klie schreibt im *Buch (S. 39)</a>: <em>„Ein Gutteil der Sorge- und Unterstutzungsaufgaben verlangt zwar fachliche Begleitung und Beratung, aber nicht in jedem Fall den Einsatz von Professionellen. Dies wäre auch in keiner Weise darstellbar.“.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Money money money – Pflege als Geschäft</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das fünfte Kapitel seiner Streitschrift widmet Klie dem Wirtschaftsfaktor Pflege. Als Aufgabe der Daseinvorsorge sieht er die Kommunen in der Pflicht und erklärt dies auch anhand von Beispielen. Auch hier zeigt er Fehlentwicklungen und Fehlsteuerungen auf. Gesundheit als nichthandelbares Gut im Sinne pflegerischer (und ärztlicher) Ethik, aber auch aufgrund ihrer Wertebasis einer Gesellschaft machen diese Tätigkeiten schlecht – oder unvergleichbar mit anderen Wirtschaftsbereichen, wie Klie im Kapitel ausführt. Die verschiedenen Aspekte – und Dilemmata die das verursacht, zeigt der Autor gekonnt auf.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Fazit: eine lesenswerte Streitschrift für Pflegefachleute?</strong></h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kapitelübersicht</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">1 Vorwort | Schicksalsfrage Pflege<br>2 Pflegenotstände – ein Dauerthema in verschiedenen Variationen und Kontexten <br>3 »Familienpflege«<br>4 Deutschland – eine pflegeerfahrene Nation<br>5 Pflege als Geschäft <br>6 Heime zwischen Versorgungs- und Abschreckungsfunktion <br>7 Die häusliche Pflege – das Rückgrat der gesundheitlichen Versorgung <br>8 24-Stunden-Betreuung: Die Live-Ins als eigener<br>Versorgungssektor<br>9 Professionalisierung und Pflegepersonalbedarf<br>in der Pflege <br>10 Zwischenfazit: Pflegemythen <br>11 Solidarische Sorge und professionelle<br>Pflege – neue Mixturen der Vergesellschaftung von Pflegeaufgaben<br>12 Umgang mit und Wege aus den »Pflegenotständen« <br>13 Ausblick | Zeitenwende in der Pflege?</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://amzn.to/46kONAR"><img decoding="async" width="683" height="1024" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/07/9783777633824_cover-683x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2480" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/07/9783777633824_cover-683x1024.jpg 683w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/07/9783777633824_cover-200x300.jpg 200w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/07/9783777633824_cover-768x1152.jpg 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/07/9783777633824_cover-1024x1536.jpg 1024w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/07/9783777633824_cover-1366x2048.jpg 1366w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/07/9783777633824_cover-1320x1979.jpg 1320w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/07/9783777633824_cover.jpg 1654w" sizes="(max-width: 683px) 100vw, 683px" /></a></figure>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Buchvorstellung ist bereits zu lang geraten. Mich jedenfalls hat Klie „gekriegt“. Aber was wäre ein solches Buch, eine Streitschrift, die sich lediglich darauf verlegt die schwierigen, besorgniserregenden Zustände zu beschreiben und einer, wenn auch trefflich aufbereiteten Analyse zu unterziehen? Zu wenig, denn lediglich auf Missstände und Probleme hinzuweisen – das geschieht seit Jahrzehnten und ist bis heute auch „Geschäftsgrundlage“ einiger Personen der Szene. Immer und immer wieder lautstark auf die sattsam bekannten Probleme hinweisen und das Schlagwortbingo der Deprofessionalisierung spielen: aber nie einen einzigen (durchdachten) Vorschlag zur Lösung beizutragen – mich jedenfalls langweilt man damit ziemlich zügig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und genau deshalb lohnt es sich für Pflegefachleute, die Streitschrift zu lesen. Anders als viele andere ist es nicht nur eine Beschreibung der Probleme mit der platten Forderung nach mehr Geld für irgendwen und irgendwas. Klie entwirft auch. Spätestens ab S. 155 die er treffend damit beginnt, dass es eben nicht den einen Weg raus aus dem Pflegenotstand geben kann und wird, wird es auch für Pflegeprofis nochmal interessant. Dann wird nochmal deutlich, was es nach Meinung des Autors braucht, um rauszukommen aus der Misere. Es fehlt auch nicht an Beispielen, nicht am Wissen – an der Einigkeit und am Tun. Und an einer gesellschaftlichen Haltung, die eine gute Pflege formt, die der Gegenwart und Zukunft gewachsen sein kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich empfehle die Lektüre all jenen, die noch Zeit und Energie haben sich mit diesem wichtigen Thema auseinanderzusetzen. Ja, es sind durchaus Sätze enthalten, die sehr „rechtswissenschaftlich formuliert“ sind – um nicht zu sagen eckig, gestelzt, den Lesefluss nicht leichter machend. Für mein Empfinden waren sie aber selten – und allen Kolleginnen und Kollegen die ganz und gar nicht bereit sind Pflege fatalistisch zu betrachten, sei die Streitschrift wirklich empfohlen. Als Pflegefachperson sollte man sie gelesen haben.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>In dieser Buchvorstellung:</strong> Pflegenotstand?: Eine Streitschrift von Prof. Dr. Thomas Klie, erschienen <a href="https://www.hirzel.de/">bei Hirzel </a>(06 / 2024); 24,00 Euro. <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/category/rezensionen/">Weitere Buchvorstellungen finden Sie hier. </a></p>



<p class="has-light-gray-background-color has-background wp-block-paragraph"><em>*Auf dieser Webseite / in einzelnen Artikeln sind bei einigen Links zu Produkten – Büchern z.B., sog. Amazon-Affiliate-Links gesetzt. Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen: für den Käufer ändert sich nichts, jedoch bekomme ich eine kleine Werbekostenerstattung.</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/07/24/buchvorstellung-prof-klie-und-der-pflegenotstand/">Buchvorstellung: Prof. Klie und der Pflegenotstand</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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