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	<title>interkulturelle Pflege Archive - Demenz im Krankenhaus</title>
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		<title>Demenz und Pflegebedürftigkeit: warum Qualifizierungskurse für Menschen mit Migrationshintergrund sinnvoll sind</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Dec 2023 19:27:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik und Panorama]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Laut statistischem Bundesamt hatten im Jahr 2022 etwa 23,8 Millionen Menschen in Deutschland einen Migrationshintergrund. Dass wir als Gesellschaft altern ist nicht neu und auch nicht, dass Themen wie Pflegebedürftigkeit&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/12/06/demenz-und-pflegebeduerftigkeit-warum-qualifizierungskurse-fuer-menschen-mit-migrationshintergrund-sinnvoll-sind/">Demenz und Pflegebedürftigkeit: warum Qualifizierungskurse für Menschen mit Migrationshintergrund sinnvoll sind</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Laut statistischem Bundesamt hatten im Jahr 2022 etwa 23,8 Millionen Menschen in Deutschland einen Migrationshintergrund. Dass wir als Gesellschaft altern ist nicht neu und auch nicht, dass Themen wie Pflegebedürftigkeit und Demenz in allen gesellschaftlichen Gruppen und Schichten ankommen. So gibt es <a href="https://alter-pflege-demenz-nrw.de/akteure/themen/migration/">Informationsmaterialien in den verschiedenen Sprachen</a> zum <a href="https://www.demenz-und-migration.de/">Thema Demenz, z.B. hier</a>. Und auch <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2021/10/27/interkulturelle-pflege-bei-demenz/">Beratungs- und Schulungsangebote</a> ermöglichen den Zugang und sollen Familien mit Betroffenen erreichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kürzlich hatte ich im Auftrag einen kurzen Gastauftritt in Hamm im <a href="https://alter-pflege-demenz-nrw.de/regionalbueros/region-muensterland/">Rahmen eines Projektes</a>. <a href="https://serviceportal.hamm.de/suche/-/egov-bis-detail/einrichtung/438/show">Organisiert von Meryem Öztop von der Stadt Hamm</a> und Aynur Ergül, die mit viel Elan nicht nur übersetzte, sondern viel Schwung und Atmosphäre mit in die Veranstaltung brachte.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color has-link-color wp-elements-175ea99fc0260afb493dfb2a783cb7d0"><strong>3 Fragen an Meryem Öztop</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Frau Öztop, mein Gastauftritt in Hamm fand im Rahmen eines Qualifizierungskurses statt für die ehrenamtliche oder berufliche Begleitung von Senioren bzw. Menschen mit Demenz statt. Gibt es, abgesehen von der Sprachbarriere, noch anderen Gründe eigene Kurse und Qualifizierungsangebote zu machen die sich speziell an Menschen mit Migrationshintergrund richten?</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
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<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="461" height="1024" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/12/Screenshot_20230711_125831_Gallery-461x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2118" style="width:284px;height:auto" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/12/Screenshot_20230711_125831_Gallery-461x1024.jpg 461w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/12/Screenshot_20230711_125831_Gallery-135x300.jpg 135w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/12/Screenshot_20230711_125831_Gallery-768x1707.jpg 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/12/Screenshot_20230711_125831_Gallery-691x1536.jpg 691w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/12/Screenshot_20230711_125831_Gallery-922x2048.jpg 922w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/12/Screenshot_20230711_125831_Gallery.jpg 1080w" sizes="(max-width: 461px) 100vw, 461px" /><figcaption class="wp-element-caption">Meryem Öztop von der Fachstelle Leben im Alter der Stadt Hamm</figcaption></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Meryem Öztop</strong>: Weitere Gründe neben der Sprachbarriere für eigene Kurse sind z.B. der Abbau von Hemmungen und Diskriminierungserfahrungen, Selbstsicherheit stärken sowie der Möglichkeit der kultursensiblen Ausrichtung der Kurse durch zB. durch Zeitanpassung, kultursensible Brille bei Themen wie z.B: Demenz, Aktivierung von Älteren (da es in zB. muslimischen Familien üblich ist, Ältere oder Kranke zu ver-/ umsorgen und man den Menschen alles abnimmt). </p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Wertschätzung DURCH Qualifizierungsangebote, da die Frauen mit Migrationsgeschichte oft schon sehr lange Jahre in der eigenen Community ehrenamtlich aktiv sind. Ausserdem haben Frauen mit Migrationsgeschichte oft andere Bedarfe und somit andere Themenschwerpunkten (Wer bin ich? Was kann ich? Weg von alten Rollenmustern). Zu beachten ist auch, dass sich die alte Rollenverteilungen im System Familie ändert. Ältere Menschen mit </p>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Migrationsgeschichte sind zunehmend nicht mehr in den Kreisen der Familie versorgt, d.h. es müssen neue Strukturen geschaffen werden, um hilfe -und pflegebedürftige Menschen auffangen zu können. Und ganz wichtig: bereits bestehende Angebote, die immer noch nicht von der Mehrheit der Menschen mit Migrationsgeschichte wahrgenommen werden, sollen bekannt werden und nutzbar sein für alle. Durch die qualifizierten Frauen findet oftmals schon ein erster Ansatz zum Wissenstransfer statt im eigenen Umfeld statt und Bedarfe können ermittelt und angegangen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Am Rande der Veranstaltung wurde auch erwähnt, dass sich z.B. bei türkischen jungen Frauen in Deutschland auch die Familienstruktur geändert hat und weiter verändert. Sie seien weniger bereit als früher, ihr eigenes Leben komplett auf die Familie &#8211; d.h. im Zweifel auch auf die Pflege und Betreuung von Angehörigen – auszurichten. Was bedeutet diese Entwicklung, gerade im Hinblick auf die Versorgung pflegebedürftiger Angehöriger?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Meryem Öztop</strong>: Es wird in den nächsten Jahren eine Welle von demenziell erkrankten Menschen (mit Migrationshintergrund) geben und auch pflegende Angehörige die sich mit der Situation sehr belastet und gefordert fühlen. Um nachhaltige Strukturen schaffen und dies auffangen zu können, ist es wichtig Menschen aus der Community für die Community zu informieren, zu qualifizieren und zu sensibilisieren sowie entsprechende Hilfsangebote bekannter zu machen.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Ein Dauerthema ist der Fachkräftemangel. Es fehlen tausende Mitarbeitende, auch in Pflege und Betreuung. Zugleich gibt es immer wieder Berichte – in der Presse und auch in der persönlichen Begegnung, dass Menschen die aus anderen Ländern hierherkommen um in der Pflege zu arbeiten, wieder abspringen, aussteigen nach relativ kurzer Zeit. Das sogenannte „onboarding“ klappt offenbar zu oft nicht. Können Sie das aus Ihrer Arbeit heraus bestätigen – und sagen, was da oft schiefläuft?</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="768" height="1024" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/12/1701887076201-768x1024.jpg" alt="" class="wp-image-2121" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/12/1701887076201-768x1024.jpg 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/12/1701887076201-225x300.jpg 225w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/12/1701887076201-1152x1536.jpg 1152w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/12/1701887076201-1536x2048.jpg 1536w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/12/1701887076201-1320x1760.jpg 1320w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/12/1701887076201-scaled.jpg 1920w" sizes="(max-width: 768px) 100vw, 768px" /></figure>
</div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Meryem Öztop</strong>: Ich denke, dass gerade Frauen mit Migrationsgeschichte eine hohe Motivation und Bereitschaft zeigen, sich in Bereichen der Pflege oder Betreuung / Unterstützung von älterwerdenden Menschen einzusetzen. Ich wünschte mir hier mehr berufliche Perspektiven und Möglichkeiten diese hoch motivierten Frauen, auch wenn sie aufgrund persönlicher Lebensumstände (z.B. Tätigkeit als Hausfrau und Mutter) nicht immer den vorausgesetzten Bildungsabschluss mitbringen. So könnten Frauen mit Migrationsgeschichte durch gezieltere Förderung einen Beitrag zur Überwindung des Fachkräftemangels leisten und auch perspektivisch ihre wirtschaftliche Grundlage verbessern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Letztendlich bin ich davon überzeugt, dass durch die berufliche Integration auch die gesellschaftliche Integration und gegenseitige Anerkennung sowie Respekt gestärkt werden könnten.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> vielen Dank für Ihre Antworten.</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Titelbild: Christina Morillo on pexels</p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">M. Öztop mit freundl. Genehigung von Fr. Öztop</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/12/06/demenz-und-pflegebeduerftigkeit-warum-qualifizierungskurse-fuer-menschen-mit-migrationshintergrund-sinnvoll-sind/">Demenz und Pflegebedürftigkeit: warum Qualifizierungskurse für Menschen mit Migrationshintergrund sinnvoll sind</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Interkulturelle Pflege bei Demenz</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2021/10/27/interkulturelle-pflege-bei-demenz/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Oct 2021 12:36:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[interkulturelle Pflege]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[mehrheimisch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vielfalt gehört zur Pflege längst dazu. Ohne Kolleginnen und Kollegen mit Wurzeln in anderen Ländern sähe es übel aus in der pflegerischen Versorgung, gleich welcher Art und Abteilung. Und Menschen&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2021/10/27/interkulturelle-pflege-bei-demenz/">Interkulturelle Pflege bei Demenz</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Vielfalt gehört zur Pflege längst dazu. Ohne Kolleginnen und Kollegen mit Wurzeln in anderen Ländern sähe es übel aus in der pflegerischen Versorgung, gleich welcher Art und Abteilung. Und Menschen mit Migrationshintergrund werden auch hier alt, pflegebedürftig – und auch dement.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kultursensible Pflege kann Pflegefachpersonen ein großes Maß an Verständnis von kulturellen Gepflogenheiten abverlangen und erfordert viel soziale Kompetenz. Kommt eine Demenz hinzu, können zusätzliche Schwierigkeiten entstehen. Menschen mit Einwanderergeschichte machten und machen vielfach Diskriminierungserfahrungen. Auch kann die Sichtweise auf professionelle Pflege und was sie leistet eine andere sein, als wir sie gewohnt sind.</p>



<h2 class="has-secondary-color has-text-color wp-block-heading">Plötzlich nur noch russisch</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Mann war aufgebracht, als er auf der Trage zur Inneren gebracht wurde. Und nicht zu beruhigen. Lediglich den Namen bekam man heraus. Verwirrt und hilflos sprach er jeden an, der sich ihm auf Rufweite näherte. Obwohl seit mehr als 20 Jahren in Deutschland lebend, war er der Sprache nicht mehr mächtig. Seine Demenz erlaubte es ihm nur noch, in seiner Muttersprache zu sprechen. So konnten weder Pflegefachpersonen noch die anwesenden Ärzte verstehen, was er mitteilen wollte. Er lies sich nur schwer beruhigen, Angehörige waren nicht erreichbar. Alle fühlten sich hilflos. Schließlich entschied man, ihm Beruhigungsmittel zu geben da sein hilfloses Rufen in aggressives Schreien übergegangen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hätten die Mitarbeitenden in dieser Situation in dieser Klinik etwas anderes tun können? Meine Antwort: nein. Das lies die personelle Situation gar nicht zu, denn der Herr war nicht der einzige Patient, auch nicht der einzige mit Demenz und die Station ohnehin überlastet.</p>



<h2 class="has-secondary-color has-text-color wp-block-heading">Kultursensibel Pflegen – 3 Fragen an Johanna Grünhagen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Menschen mit Migrationshintergrund und Demenz – das bringt Besonderheiten mit sich. <a href="https://kulturkonsens.de/ueber-mich">Johanna Grünhagen ist Expertin </a>für interkulturelle Pflege und bietet entsprechende Trainings an.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="1000" height="667" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2021/10/Johanna-Gruenhagen-2.jpg" alt="" class="wp-image-846" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2021/10/Johanna-Gruenhagen-2.jpg 1000w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2021/10/Johanna-Gruenhagen-2-300x200.jpg 300w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2021/10/Johanna-Gruenhagen-2-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust: </strong>Frau Grünhagen, wenn eine Demenz zur Pflegebedürftigkeit hinzukommt oder diese wesentlich ausmacht, stehen damit verbundene Verhaltensweisen häufig im Vordergrund. Wie unterscheidet sich die Versorgung von Menschen mit Demenz mit und ohne Migrationshintergrund?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Johanna Grünhagen:</strong> Eigentlich unterscheidet sich die Versorgung von Menschen mit Migrationshintergrund, oder Mehrheimischen gar nicht so sehr von Einheimischen. Es braucht bei allen Geduld, Zuwendung  und  Einfühlungsvermögen. Allerdings ist der letzte Punkt in einem besonders hohen Maß gefragt, wenn z.B. eine deutsche Pflegekraft für eine mehrheimische Patientin verantwortlich ist. Bei gleichkultureller Herkunft kann man mehr Gemeinsamkeiten als selbstverständlich voraussetzen, wie Sprache, Musik und Essen – die drei wichtigsten Elemente einer Kultur und bei dementen Menschen DER Schlüssel zur Kontaktaufnahme. Die deutsche Pflegekraft kann hier nicht sofort auf Bekanntes zurückgreifen, sondern muss ermitteln, welche Sprache, Musik und welches Essen für die Patientin vertraut und bedeutsam sind, um zu ihr vordringen zu können. Hierzu ist natürlich das Gespräch mit den Angehörigen von höchster Wichtigkeit. Aber auch individuelle Vorlieben müssen beachtet werden, die bei mehrheimischen Menschen manchmal übersehen werden, obwohl ja auch nicht alle Deutschen Eisbein mit Sauerkraut mögen…</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem gibt es natürlich Unterschiede in der Pflege zwischen mehr- und einheimischen Patienten. Hier die 3 wichtigsten im Überblick:</p>



<ol class="wp-block-list" type="1"><li><strong>Waschungen</strong></li></ol>



<p class="wp-block-paragraph">In den meisten muslimischen und asiatischen Kulturen, müssen Waschungen immer in fließendem Wasser vorgenommen werden! Gerade für Menschen mit Demenz ist dieses Vorgehen besonders wichtig, weil sie es wahrscheinlich als Kinder so gelernt und verinnerlicht haben.</p>



<p class="has-highlight-color has-text-color wp-block-paragraph">Mein Tipp:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Falls Sie eine bettlägerige Patientin haben, arbeiten sie mit zwei Waschschüsseln, damit Sie nicht immer wieder mit dem Waschlappen das „verunreinigte“ Wasser benutzen.</p>



<ul class="wp-block-list"><li><strong>Das Verständnis von Krankheit</strong></li></ul>



<p class="wp-block-paragraph">Krankheit wird in Deutschland gemeinhin als etwas Biomedizinisches verstanden, das durch organische Fehlfunktionen erklärt werden kann. Ihnen kann als Pflegekraft aber auch ein mythologisches Verständnis von Krankheit als „Strafe oder Prüfung Gottes“ begegnen. Dies hat möglicherweise negative Folgen für das Verhalten von Patient*in und Angehörigen bei Medikation und Therapieansätzen.</p>



<p class="has-highlight-color has-text-color wp-block-paragraph">Mein Tipp:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Holen Sie sich Unterstützung von „Autoritäten“ aus der jeweiligen Kultur der/des Patient*in, z.B. einen Imam oder sonstige Kulturvermittler, z.B. in Kulturvereinen.</p>



<ul class="wp-block-list"><li><strong>Das Verständnis von Alter und Pflege</strong></li></ul>



<p class="wp-block-paragraph">In vielen Kulturen steigt der Wert eines Menschen, je älter er wird und damit sinkt gleichzeitig auch oft seine Verpflichtung zur Selbstständigkeit. Das heißt, es kann Ihnen begegnen, dass ein alter Mensch aus einer anderen Kultur komplett umsorgt wird und die Verantwortung für seinen Zustand abgeben kann, weil er bereits “in seinem Leben genug geleistet“ hat. Gerade bei dem Ansatz der aktivierend-therapeutischen-Pflege kann das zu Mißverständnissen und Konflikten führen.</p>



<p class="has-highlight-color has-text-color wp-block-paragraph">Mein Tipp:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erläutern Sie die Hintergründe von Selbstwirksamkeit im Alter. Oft fehlt- wie umgekehrt auch &#8211; einfach nur das Verständnis für die Sinnhaftigkeit anderer kultureller Praktiken.</p>



<p class="has-light-gray-background-color has-background wp-block-paragraph"><strong>Ein Tipp noch generell:</strong> Wenn Ihnen ein fremdartiges Verhalten begegnet, urteilen Sie nicht sofort, sondern fragen Sie nach dem Sinn, denn hinter <em>jedem </em>Verhalten steckt ein Sinn. Wir können ihn bloß nicht immer sofort erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Was<a href="https://kulturkonsens.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> trainieren Pflegefachleute</a> bei Ihnen konkret, um kultursensibel arbeiten zu können?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Johanna Grünhagen:</strong> Wie der Name schon sagt: Ihre kulturelle Sensibiliät – d.h. sich Gedanken über die unterschiedlichen Biografien und Bedürfnisse von mehrheimischen Menschen machen und auch darüber, wie man diese im Pflegealltag berücksichtigen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Letztendlich können die TN dadurch auch für sich mehr Zufriedenheit in ihrer Arbeit generieren, denn das ist ja ein wichtiger Grund, weshalb Pflegekräfte in die Pflege gegangen sind: Um Menschen zu unterstützen, die Unterstützung und Zuwendung benötigen. Und je besser ich den (kulturellen) Hintergrund meiner Patient*innen kenne, desto besser kann ich versorgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust: </strong>Ich beobachte einen gewissen Wandel, etwas mehr Bewusstsein für die Problematik, in den vergangenen Jahren. Sind Sie der Auffassung, dass im Rahmen der pflegerischen Ausbildung genug Wert auf Aspekte der interkulturellen Pflege gelegt wird?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Johanna Grünhagen:</strong> Diesen Wandel beobachte ich auch, nicht zuletzt bin ich als Dozentin für interkulturelle Kompetenz in die Pflege gekommen, weil hier als eine der ersten Stellen in der Gesellschaft die Notwendigkeit gesehen wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es darf hier aber auch m.E. nach sehr gerne noch mehr Aufmerksamkeit auf das Thema gelegt werden. Denn kultursensible Pflege, bzw. interkulturelle Kompetenz in der Pflege ist nicht nur für einzelne Patient*innen&nbsp; von großer Bedeutung, sondern findet sich genauso in multikulturellen Teams und in der Integration von neu-rekrutierten Pflegekräften aus dem Ausland wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ganz wichtig:  Durch den (sensiblen!) Umgang  mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen entsteht ein wunderbares Mehr an Möglichkeiten für eine gute Versorgung und  Zusammenarbeit für <em>alle </em>Beteiligten!</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><em>Ich danke Johanna Grünhagen für Ihre Zeit und Antworten. </em></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><em>Jochen Gust</em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2021/10/27/interkulturelle-pflege-bei-demenz/">Interkulturelle Pflege bei Demenz</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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