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	<title>gewalt in der pflege Archive - Demenz im Krankenhaus</title>
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		<title>Nach dem Vorfall nicht einfach weitermachen: Warum Sie in der Pflege einen Buddy-Check etablieren sollten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Apr 2026 09:53:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Pflegefachperson unterstützt einen Menschen mit Demenz. Plötzlich schlägt die Person um sich, tritt, kratzt, spuckt oder beschimpft sie. Die Kollegin weicht zurück, atmet durch und sagt: „Alles gut, kenne&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/04/27/nach-dem-vorfall-nicht-einfach-weitermachen-warum-sie-in-der-pflege-einen-buddy-check-etablieren-sollten/">Nach dem Vorfall nicht einfach weitermachen: Warum Sie in der Pflege einen Buddy-Check etablieren sollten</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine Pflegefachperson unterstützt einen Menschen mit Demenz. Plötzlich schlägt die Person um sich, tritt, kratzt, spuckt oder beschimpft sie. Die Kollegin weicht zurück, atmet durch und sagt: „Alles gut, kenne ich.“ Dann geht sie ins nächste Zimmer.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Genau hier beginnt das Problem</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Natürlich gehört es zur Professionalität, krankheitsbedingtes Verhalten einzuordnen. Ein Mensch mit Demenz schlägt meist nicht, weil er gezielt verletzen will. Oft versteht er die Situation nicht, <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/11/02/huerden-und-stellungsfehler-das-provoziert-taetliche-uebergriffe-von-menschen-mit-demenz/">fühlt sich bedroht</a>, hat Schmerzen, Angst oder Scham. <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/01/13/und-dann-schlug-sie-ploetzlich-zu/">Eine Analyse wie es zur Situation gekommen ist</a>, lohnt immer um sie künftig vermeiden zu können. Diese Einordnung schützt vor Schuldzuweisung und Gegenaggression. Aber sie bedeutet nicht, dass der Vorfall an der Pflegefachperson spurlos vorbeigeht.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Schlag kann verletzen, auch wenn er krankheitsbedingt ausgelöst wurde. Bespuckt zu werden kann beschämend sein, auch wenn es nicht absichtlich demütigen soll. Eine Drohung kann nachhallen, auch wenn die betroffene Person fünf Minuten später nichts mehr davon weiß.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zwischen „Stell dich nicht so an“ und „Du brauchst Therapie“</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nach kritischen Ereignissen gibt es in Teams oft zwei Reflexe. Der eine lautet: „Das gehört dazu. Wir sind Profis.“ Der andere lautet: „Wenn dich das belastet, brauchst du professionelle Hilfe.“. Beides greift zu kurz. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ja, Pflegefachpersonen erleben in der Demenzpflege Krisen, Abwehr, Aggression, Sterben, Stürze und Überforderung. Aber Professionalität bedeutet nicht, unverwundbar zu sein. Und ein Buddy-Check ist auch keine Therapie. Er ist eine kurze kollegiale Sicherheits- und Stabilisierungsschleife.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was ein Buddy-Check ist</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Buddy-Check ist ein kurzer Blick auf die Kollegin oder den Kollegen nach einem kritischen Ereignis. Nicht als Verhör. Nicht als Schuldsuche. Sondern als einfache Klärung:</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bist du verletzt? Kannst du gerade weiterarbeiten? Brauchst du Abstand oder Ablösung? Ist die Versorgung der Person mit Demenz gesichert? Muss jemand informiert werden? Braucht es Dokumentation, Unfallmeldung, Arztkontakt oder später eine Nachbesprechung?</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der Buddy-Check dramatisiert nicht. Er verhindert aber, dass jemand nach Gewalt, Sturz, Tod, Reanimation, Fehler, Angehörigeneskalation oder einer beschämenden Situation allein im Funktionsmodus weiterläuft.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:33.33%">
<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/04/buddycheck1.png"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="725" height="1024" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/04/buddycheck1-725x1024.png" alt="" class="wp-image-3567" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/04/buddycheck1-725x1024.png 725w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/04/buddycheck1-212x300.png 212w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/04/buddycheck1-768x1085.png 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/04/buddycheck1.png 1055w" sizes="(max-width: 725px) 100vw, 725px" /></a></figure>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Wann er sinnvoll ist</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Buddy-Check sollte angeboten werden nach körperlichen Angriffen wie Schlagen, Treten, Kratzen, Beißen, Stoßen oder Spucken. Ebenso nach Drohungen, massiver verbaler Eskalation, sexualisierten Grenzverletzungen, schweren Stürzen, Todesfällen, Reanimationen, Medikationsfehlern, Weglaufereignissen, Gewalt zwischen Bewohnern oder Patienten und massiven Angehörigeneskalationen. Und immer dann, wenn eine Kollegin / Kollege sagt oder zeigt: „Das geht mir gerade nahe.“. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Verbindlich sollte der Blick auf die Kollegin oder den Kollegen sein. Freiwillig bleibt, wie viel die betroffene Person erzählen möchte, ob sie das Angebot wahrnimmt oder nicht. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>So kann der Buddy-Check aussehen</strong></p>



<ol class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Anlass erkennen<br>Nach Gewalt, Drohung, Sturz, Tod, Fehler, massiver Eskalation oder sichtbarer Belastung.</li>



<li class="has-medium-font-size">Kurz absichern<br>„Bist Du verletzt?“<br>„Kannst Du weiterarbeiten?“<br>„Brauchst Du Abstand, Ablösung oder Hilfe?“</li>



<li class="has-medium-font-size">Versorgung ordnen<br>Wer kümmert sich jetzt um die Person mit Demenz? Wer übernimmt Dokumentation, Leitungskontakt, Arztkontakt oder Angehörigeninformation?</li>



<li class="has-medium-font-size">Belastung ernst nehmen<br>Kein „Stell dich nicht so an“. Kein Verhör. Kein Schuldgespräch. Ein Satz reicht oft: „Das war gerade viel. Wir schauen jetzt, was nötig ist.“. </li>



<li class="has-medium-font-size">Weiteren Bedarf prüfen<br>Reicht der kurze Check? Oder braucht es Entlastungsgespräch, Unfallmeldung, Gefährdungsanzeige, Supervision, Betriebsarzt oder sogar professionelle Hilfe?</li>
</ol>



<h2 class="wp-block-heading">&#8222;Ich hab doch Erfahrung &#8211; das macht mir nichts mehr aus.&#8220; </h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Viele erfahrene Pflegefachpersonen entwickeln eine hohe Belastungsroutine. Sie bleiben ruhig, wenn jemand schreit, abwehrt oder schlägt. Diese Routine ist wertvoll und gerade in einem Beruf mit hohem Druck auch unabdingbar. Aber Routine ist nicht Unverletzlichkeit.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wiederholte Gewalt, Demütigung und Bedrohung können sich leise ablagern: als Erschöpfung, Gereiztheit, Zynismus, Schlafproblem, Rückzug oder Verlust an Mitgefühl. Manchmal merkt man die Belastung nicht sofort. Sondern daran, dass man härter im Ton wird, weniger Geduld hat, bestimmte Personen meidet oder nach Diensten schlechter abschaltet. Und für Leitungskräfte und Institutionen wird am Ende oftmals eine Stundenreduzierung oder sogar eine &#8222;Kündigung aus dem Nichts&#8220; daraus. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der Buddy-Check unterstellt niemandem Schwäche. Er fragt nur: Hat diese Situation gerade etwas mit Dir gemacht – körperlich, innerlich oder für die nächsten Arbeitsschritte? Er kann ein festes, entlastendes Element der Teamroutine werden, dass in einem spannungsreichen Arbeitsfeld tätig ist. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Nicht jeder ist als Buddy geeignet</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="background:#eaf6ff; border-left:6px solid #2f80c9; padding:22px 24px; margin:28px 0; border-radius:10px; font-size:18px; line-height:1.55; color:#1f2933;">
  <h3 style="margin-top:0; margin-bottom:14px; font-size:24px; line-height:1.25; color:#174a7c;">
    Buddy-Check für Führungskräfte
  </h3>

  <p style="margin:0 0 14px 0;">
    So machen Sie aus einer guten Idee einen verlässlichen Ablauf:
  </p>

  <ol style="margin:0; padding-left:24px;">
    <li style="margin-bottom:10px;">
      <strong>Standard festlegen:</strong><br>
      Der Buddy-Check wird als kurzer Pflichtschritt nach definierten kritischen Ereignissen eingeführt – nicht als freiwillige Nettigkeit.
    </li>

    <li style="margin-bottom:10px;">
      <strong>Zuständigkeit klären:</strong><br>
      Pro Dienst muss klar sein: Wer startet den Buddy-Check? Wer kann kurz ablösen? Wer informiert bei Bedarf die Leitung?
    </li>

    <li style="margin-bottom:10px;">
      <strong>Zeitfenster ermöglichen:</strong><br>
      Führungskräfte erlauben ausdrücklich, dass eine Pflegefachperson nach einem Vorfall kurz aus der Situation genommen wird.
    </li>

    <li style="margin-bottom:10px;">
      <strong>Schlank dokumentieren:</strong><br>
      Nicht Gesprächsinhalte dokumentieren, sondern nur: Buddy-Check angeboten, Weiterleitung nötig, Ablösung organisiert.
    </li>

    <li style="margin-bottom:0;">
      <strong>Nachsteuern:</strong><br>
      Leitung prüft regelmäßig: Wird der Buddy-Check genutzt? Gibt es Häufungen? Braucht das Team Schulung, Entlastung oder klarere Abläufe?
    </li>
  </ol>
</div>

</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für einen Buddy-Check braucht es ein Mindestmaß an Vertrauen und Vertraulichkeit. Geeignet sind Kolleginnen und Kollegen, die ruhig, diskret und nicht wertend sind. Die zuhören können, ohne sofort zu belehren. Die entlasten, ohne zu verharmlosen.<br>Ungeeignet sind Personen, die Vorfälle weitererzählen, Schuld verteilen, andere beschämen oder alles mit einem „Das ist doch normal bei Demenz!“ abtun. Eine einfache Faustregel lautet: Buddy ist nicht, wer am meisten redet. Buddy ist, wem andere auch nach einem schlechten Moment noch vertrauen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der Buddy-Check richtet sich zunächst an die Pflegefachperson. Aber er schützt auch die Versorgung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Menschen mit Demenz nehmen Anspannung, Ärger, Angst, Hast und Unsicherheit oft sehr deutlich wahr. Ein angespannter Tonfall, ein schneller Griff oder eine gekränkte Reaktion können neue Abwehr auslösen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein kurzer Buddy-Check kann verhindern, dass aus einem Vorfall eine Eskalationskette wird. Eine Kollegin kann übernehmen, Abstand schaffen und mitdenken: Was hat die Person mit Demenz gerade erlebt? Was braucht sie jetzt? Und was braucht die Pflegefachperson, um wieder ruhig und sicher handeln zu können?</p>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Natürlich braucht nicht jeder nach einem kritischen Ereignis Therapie. Das wäre lebensfremd. Aber jedes kritische Ereignis verdient einen kurzen professionellen Blick auf die betroffenen Kollegen. Der Buddy-Check macht Teams auch nicht empfindlicher. Er macht sie professioneller. Er schließt die Lücke zwischen Vorfall und Weiterarbeiten – genau dort, wo Pflegefachpersonen oft funktionieren müssen, obwohl sie innerlich noch nicht wieder stabil sind.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gute Pflege gelingt besser, wenn auch die Helfenden nach belastenden Momenten nicht allein gelassen werden. Ein Buddy-Check als Teamroutine lässt sich vergleichsweise einfach und schnell implementieren. Er hat zudem den niedrigschwelligen Vorteil, dass jene die ihn brauchen bestenfalls auf jene treffen, die tägliches Arbeitsumfeld, Umstände und Situation kennen, statt als Dritte von Außen Dinge (er)klären zu wollen. </p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/04/27/nach-dem-vorfall-nicht-einfach-weitermachen-warum-sie-in-der-pflege-einen-buddy-check-etablieren-sollten/">Nach dem Vorfall nicht einfach weitermachen: Warum Sie in der Pflege einen Buddy-Check etablieren sollten</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Hürden- und Stellungsfehler: das provoziert tätliche Übergriffe von Menschen mit Demenz</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/11/02/huerden-und-stellungsfehler-das-provoziert-taetliche-uebergriffe-von-menschen-mit-demenz/</link>
					<comments>https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/11/02/huerden-und-stellungsfehler-das-provoziert-taetliche-uebergriffe-von-menschen-mit-demenz/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 02 Nov 2025 09:12:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[aggression bei demenz]]></category>
		<category><![CDATA[alzheimer]]></category>
		<category><![CDATA[deeskalation bei demenz]]></category>
		<category><![CDATA[demenz]]></category>
		<category><![CDATA[fallbesprechung]]></category>
		<category><![CDATA[ftd]]></category>
		<category><![CDATA[gewalt gegen pflegende]]></category>
		<category><![CDATA[gewalt in der pflege]]></category>
		<category><![CDATA[handgreiflichkeiten bei demenz]]></category>
		<category><![CDATA[lewy-body-demenz]]></category>
		<category><![CDATA[übergriffe auf pflegepersonen]]></category>
		<category><![CDATA[vaskuläre demenz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Handgreiflichkeiten durch Menschen mit Demenz sind seltener als vielfach allgemein angenommen wird. Aber eben leider auch nicht so selten, dass sie kein immer wieder zu beachtendes Thema sind. Kommt es&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/11/02/huerden-und-stellungsfehler-das-provoziert-taetliche-uebergriffe-von-menschen-mit-demenz/">Hürden- und Stellungsfehler: das provoziert tätliche Übergriffe von Menschen mit Demenz</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Handgreiflichkeiten durch Menschen mit Demenz sind seltener als vielfach allgemein angenommen wird. Aber eben leider auch nicht so selten, dass sie kein immer wieder zu beachtendes Thema sind. Kommt es dazu, sind es für viele Pflegende sehr einschneidende Erlebnisse die je nach Situation großen Eindruck machen können. Manchmal ist ein solches Ereignis der Endpunkt der häuslichen Versorgung, manchmal ein Grund für Pflegende die Abteilung, die Einrichtung oder den Dienst, vielleicht sogar die Branche zu wechseln. Und für Menschen mit Demenz bedeutet ein solches Verhalten nicht selten, dass eine Kaskade von Maßnahmen in Gang gesetzt wird. Diese reicht von Dauer- oder Bedarfsmedikation bis zur Einweisung zur „medikamentösen Einstellung“, (vorläufiger) geschlossener Unterbringung oder auch täglicher Versorgung mit erhöhtem personellen Aufwand.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Aggression ist nicht grundlos</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Zum Thema Aggression gibt es viel zu lesen und zu lernen. Alle möglichen Umstände und Aspekte – Personalmangel, Überforderung, nicht diagnostizierte psychische Erkrankungen und unerkannte Zustände die aggressives Verhalten hervorrufen oder zumindest beeinflussen können, spielen im Einzelfall eine Rolle. Sie können und sollen hier nicht beleuchtet werden. Vielmehr geht es darum, auch aus Selbstschutzgründen auf ein Problem aufmerksam zu machen. Das ist der Aufbau einer Barriere gegenüber Menschen mit Demenz mit dem eigenen Körper.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Männer in den Pflege-Kampf?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">(Mir) ist wichtig, dass über Handgreiflichkeiten seitens Betroffener nicht einfach hinweggegangen wird in Pflegeteams. So, als seien sie „normal“. Pflegende haben selbstverständlich Recht und Anspruch darauf, im Rahmen ihrer Arbeit keine Gewalt zu erfahren – auch wenn das im Lauf der Berufsjahre praktisch unweigerlich vorkommen wird. Interessanterweise beobachte ich als Reaktion auf Aggressivität in Einrichtungen weniger ein fallanalytisches Vorgehen, denn das Phänomen, dass zu Menschen mit Demenz die aggressiv in Erscheinung getreten sind, besser „der Mann im Team“ gehen soll. Warum kann mir häufig nicht so richtig beantwortet werden von den Kolleginnen. Männer an die Front? Weil Männern es grundsätzlich weniger ausmacht, wenn sie geschlagen werden? Oder sie mehr Kraft haben – also den dementen alten Menschen dann im Kampf eher besiegen können? Die Begründungen sind manchmal amüsant, der Hintergrund ist und bleibt es jedoch nicht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Umstände analysieren – davon profitieren alle Beteiligten</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wenn es zu einem Vorfall mit Handgreiflichkeiten kommt, lohnt es für Pflegeprofis immer zu untersuchen, wie es dazu kam. Häufig können Aspekte gefunden werden, die von A nach B geführt haben. Der „Angriff“ durch den Menschen mit Demenz ist häufig erklärbar, wenn versucht wurde sich in seine Rolle zu versetzen, sein Erleben nachzuvollziehen. Angst ist in meinen Augen ein Hauptgrund für Aggression bei Menschen mit Demenz. Das soll jedoch nicht nur Verständnis schaffen, sondern ganz alltags- und pflegepraktische Wirkung erzielen. Ein Problem ist auch hier der Zeit- und Mitarbeitermangel. Dann fallen wichtige Analysen weg, wichtige Absprachen zu gemeinschaftlichem Vorgehen, zur Ursachen- und Bedingungsanalyse und auch das gegenseitige kollegiale Auffangen nach einem solchen Vorfall.</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<div style="background:#f5f7fa;padding:14px 16px;border:1px solid #e3e7ee;border-left:6px solid #3a7bd5;border-radius:8px;font-family:system-ui,-apple-system,Segoe UI,Roboto,Arial,sans-serif;line-height:1.5;">
  <div style="font-size:1.05rem;margin-bottom:6px;">Häufigkeit von Tätlichkeiten/Aggression bei Menschen mit Demenz – Deutschland (Überblick)</div>
  <ul style="margin:8px 0 0 18px;">
    <li>
      ambulant/zu Hause: in einer deutschlandweiten ZQP-Befragung pflegender Angehöriger berichteten 11 % körperliche und 45 % psychische Gewalt durch die gepflegte Person.
      <a href="https://www.zqp.de/thema/haeufigkeit-gewalt-pflege/" target="_blank" rel="noopener">ZQP – Häufigkeit von Gewalt (Zusammenfassung)</a>,
      <a href="https://www.zqp.de/wp-content/uploads/ZQP_Analyse_Gewalt_informelle_Pflege.pdf" target="_blank" rel="noopener">ZQP-Analyse 2018 (PDF)</a>
    </li>
    <li>
      pflegeheim/langzeitpflege: der BMG-Bericht zu „herausforderndem Verhalten“ nennt Prävalenzen körperlicher Aggression bei Menschen mit Demenz zwischen 31 % und 42 % (methodisch unterschiedliche Studien).
      <a href="https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Pflege/Berichte/Bericht_Rahmenempfehlungen_zum_Umgang_mit_herausforderndem_Verhalten_bei_Menschen_mit_Demenz_in_der_stationaeren_Altenhilfe.pdf" target="_blank" rel="noopener">BMG-Rahmenempfehlungen (PDF)</a>
    </li>
    <li>
      akutkrankenhaus: die General Hospital Study (GHoSt) zeigt deutlich erhöhte Anteile von problematischem/agitiertem Verhalten bei Patientinnen und Patienten mit Demenz gegenüber Nicht-Demenz (Setting: Allgemeinkrankenhäuser in BW/BY).
      <a href="https://www.bosch-stiftung.de/sites/default/files/publications/pdf/2019-11/Demenz_im_Allgemeinkrankenhaus_Ergebnisse_einer_epidemiologischen_Studie_GHoSt.pdf" target="_blank" rel="noopener">GHoSt-Abschlussbericht (PDF)</a>,
      <a href="https://www.bosch-stiftung.de/de/publikation/general-hospital-study-ghost" target="_blank" rel="noopener">Kurzinfo der Bosch-Stiftung</a>
    </li>
  </ul>
  <p style="margin:10px 0 0 0;font-size:0.92rem;color:#333;">
    hinweis: messinstrumente und definitionen (z. b. „aggressiv“ vs. „agitiert“) sowie beobachtungszeiträume unterscheiden sich; prozente sind daher nicht 1:1 zwischen den settings vergleichbar.
  </p>
</div>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Zwei Beispiele: „Stellungsfehler“ – (Flucht-)Wege offen lassen, statt blockieren</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">1. Stellen Sie sich vor, der alte Herr mit Demenz sucht den Ausgang. Dringend, er nimmt an, seine (längst verstorbene Frau) ist in Not. Er wird immer aufgebrachter, wie er so den Flur entlangläuft, er muss hier unbedingt raus, nach Hause. Er geht also so schnell er kann – und plötzlich steht jemand (die sorgende Person) direkt in seinem Weg und sagt: „Halt! Sie müssen hierbleiben.“. Ohne jetzt auf das Ansprechen einzugehen: wenn Sie sich die Szene vorstellen: sehen Sie den „Stellungsfehler“? Wenn Sie die Hürde auf dem Weg zum rettenden Ausgang sind und keinen Platz machen hilft am Ende nur, Sie beiseite zu schieben. Kräftig, wenn nötig. Ich vermeide es stets, mich aufgebrachten Menschen mit Demenz in den Weg zu stellen, solange das gefahrlos für ihn ist. Bleiben Sie an der Seite, lassen Sie Platz. Sie können sich im Notfall – z.B. um einen Sturz zu verhindern oder auch das Betreten einer vielbefahrenen Straße immer noch ungefragt unterhaken von der Seite. Aber, so lange es geht: machen Sie sich nicht selbst zur Barriere, die es zu überwinden gilt. Es besteht das Risiko, dass es zu einer Tätlichkeit kommt, weil Betroffene buchstäblich keinen anderen Weg (mehr) sehen.  </p>



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<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="683" height="1024" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2025/11/badezimmerbild-683x1024.png" alt="" class="wp-image-3237" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2025/11/badezimmerbild-683x1024.png 683w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2025/11/badezimmerbild-200x300.png 200w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2025/11/badezimmerbild-768x1152.png 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2025/11/badezimmerbild.png 1024w" sizes="(max-width: 683px) 100vw, 683px" /></figure>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">2. Beispiel: ein Klassiker sind auch räumliche Bedingungen die nicht beachtet werden. Stellen Sie sich ein Badezimmer vor. Ein klassischer, kleiner Raum, womöglich ohne Fenster. Immer wieder möchte die alte Dame raus aus diesem Raum, in den sie gebracht wurde zur „Morgentoilette“. Sie geht hinaus, wird wieder hineingeführt, geht hinaus, wird wieder hineingeführt. Selbstverständlich immer mit der begleitenden Belehrung, dass sie jetzt gewaschen werden müsse oder etwas in der Art. Da sie wieder drauf und dran ist das Bad zu verlassen, stellt sich die Pflegeperson direkt in den Türrahmen. Damit ist der Ausweg zu. Die einzige Fluchtmöglichkeit für die alte Dame ist jetzt versperrt. Was soll sie, was kann sie noch tun um zu fliehen? </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Beide Beispiele zeigen, dass es für Pflegende nicht nur wichtig ist zu verstehen wie Sie sich bewegen oder stellen sollen bei einer aufgebrachten Person mit Demenz. Beide Situationen zeigen auch, dass eine Fallbesprechung im Anschluss die höhere Chance bietet, derlei &#8222;Fehler&#8220; zu entdecken und sich entsprechend anders zu verhalten. </p>
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<h2 class="wp-block-heading">Keine Frage von Schuld</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Diese beiden kurzen Beispiele sollen eigentlich nur eines zeigen: Tätlichkeiten kommen in der Regel nicht aus „dem Nichts“. Vielmehr verpassen wir zu oft den Punkt an dem wir die Spannung herausnehmen müssen, ein Vorhaben abbrechen, eine Situation neu initiieren sollten.&nbsp; Häufig ist viel zuviel Druck in der Pflege – und der überträgt sich auch auf Menschen mit Demenz. Was genau passiert eigentlich Schlimmes, wenn die Dame im 2. Beispiel heute nicht gewaschen wird? Es geht nicht darum, Fehler festzustellen. Es geht darum, Auslöser, Trigger zu vermeiden die eine Situation zum handgreiflichen Konflikt werden lässt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Dabei geht es um derartig viele, auch ganz individuelle Punkte, dass sich das genaue Hinsehen für alle Beteiligten lohnt. Menschen mit Demenz sind per se keine besonders aggressive Personengruppe. Sie haben aber viel weniger Möglichkeiten, der Pflege auszuweichen. Sie können sich und ihre Emotionen und Handlungen schlechter regulieren und sich mit dem Krankheitsfortschritt auch immer schlechter verständlich machen. Das ist kein Freibrief für Handgreiflichkeiten durch Menschen mit Demenz. Es ist ein Zugeständnis, dass Pflege meist viel mächtiger ist eine Situation zu beeinflussen, als die Person mit Demenz. Suchen wir also nicht nach Schuldigen im Team, sondern suchen wir ganz bewusst nach Möglichkeiten unsere Arbeit so zu gestalten, dass wir nicht die Hürden sind. Beziehen wir – buchstäblich &#8211; kluge Positionen. Eine sinnvolle Analyse wie es zu einer Handgreiflichkeit kam wird übrigens durch schlechte Dokumentation erschwert: oder was lässt sich aus dem Eintrag „ist unmotiviert aggressiv“ für eine Verbesserung der Situation schließen? Eine Fallbesprechung sollte sich an einen Vorfall stets anschließen. Aggressionserfahrene Kolleginnen und Kollegen müssen zudem darauf achten, wie und ob ein solches Ereignis Dritte belastet und ggfs. Unterstützung bei der Verarbeitung anbieten.</p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



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		<title>&#8230;.und dann schlug sie plötzlich zu.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Jan 2023 20:10:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
		<category><![CDATA[abwehr]]></category>
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<p class="wp-block-paragraph">Menschen können gewalttätig werden. Auch dann, wenn sie Patienten sind oder pflegebedürftig. Pflege- und Betreuungskräfte sind immer wieder auch physischer Gewalt ausgesetzt, die allzuoft nicht aufgearbeitet wird. Gerade wenn eine Demenz hinzukommt, wird häufig von Mitarbeitenden im Gesundheitswesen unterschwellig erwartet, dass sie das mehr oder weniger unauffällig hinnehmen. Ja, gewalttätige Übergriffe von Menschen mit Demenz kommen vor. Und wir sollten darüber reden.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color">Mein erstes Mal</h2>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:66.66%">
<p class="wp-block-paragraph">Ende der 90er Jahre, nach meiner ersten Ausbildung, absolvierte ich meinen Zivildienst im norddeutschen Malente in einem Pflegeheim. Das war eine tolle Zeit – und ich entdeckte dort mein Interesse an Menschen mit Demenz. Die erste körperliche Begegnung hatte ich auch genau dort. In der Bibliothek des Hauses waren einige der Heimbewohner beschäftigt. Die Tür ging auf, und eine alte Dame mit Gehstock in der einen und einer Gießkanne mit dünnem Ausgießhals in der and Hand kam herein. Sie blickte sich um und begann dann, mit dem Metallhals der Gießkanne in einer Steckdose zu bohren.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Ich sprach die Dame an – die das aber zunächst überhaupt nicht kümmerte. Als ich ihr schließlich eine Hand auf den Arm legte reagierte sie gereizt. Lautstark machte sie klar, dass sie hier sei um Wasser zu holen um die Blumen zu gießen. Meine Erklärungsversuche, dass Wasser prinzipiell nicht aus Steckdosen kommt, prallten an ihr ab. Irgendwann wusste ich mir nicht mehr zu helfen: ich packte das Ende der Gießkanne und hielt es fest. Das empörte sie. Sehr sogar. Und sie hatte einen Gehstock, den sie einzusetzen wusste….</p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color">Gekniffen, geschlagen, getreten, gekratzt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem sind über 20 Jahre vergangen. Und noch manches Mal befand ich mich in einer gewalttätigen Auseinandersetzung mit Menschen mit Demenz und oder Delir. Immer das Gute wollend, oft am Rande meiner Mittel, meines Könnens lies es sich nicht immer vermeiden. Z.B. als es darum ging, einen entlaufenden Patienten daran zu hindern auf eine vielbefahrene Bundesstraße zu laufen oder eine Kollegin aus dem festen Griff des völlig verwirrten Mannes zu befreien. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Um das hier klarzustellen: Menschen mit Demenz sind keine besonders „aggressive Gruppe“; oder anders gesagt: es ist nicht typisch, dass Menschen mit Alzheimer anlasslos durch die Gegend laufen und Jagd auf Gesundheitsmitarbeiter machen. Ich war nur einen Tick öfter in solchen Situationen, weil ich sie jahrelang gesucht habe. Diejenigen zu versorgen, die richtig „schwierig“, „böse“, „nicht pflegbar“ oder „ein Fall für die Psychiatrie“ waren. Das hat mich immer am meisten gereizt. Manchmal gehörte dazu, sich körperlich einzulassen bis jemand verstand, dass ich eben keine Bedrohung für ihn war. Wenn man sich absichtlich in diese Situationen begibt, passiert logischerweise auch mehr.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color">Gründe, Ziele, Kränkungen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es wurde und wird viel geschrieben zum Thema Aggression von Menschen mit Demenz. Da kann man viel im Internet finden (Links am Ende des Artikels). Für mich – das ist eine reine persönliche, erfahrungsbasierte Ansicht &#8211; lässt sich in der ganz überwiegenden Zahl der Erlebnisse feststellen, dass die Tätlichkeit eigentlich vorhersehbar war. Dass ein Angriff durch einen Menschen mit Demenz ganz überwiegend nicht aus „dem Nichts“ kommt. Vielmehr erklärt – im Nachhinein zumindest – das Setting meist, was passierte. Beispiele finden Sie hier bei <a href="https://www.alter-und-wuerde.de/wenn-menschen-mit-demenz-gewalttaetig-werden-was-tun/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Alter und Würde</a>.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/01/Moegliche-Ursachen-aggressiver-Rektionen.jpg"><img decoding="async" width="1024" height="576" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/01/Moegliche-Ursachen-aggressiver-Rektionen-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-1396" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/01/Moegliche-Ursachen-aggressiver-Rektionen-1024x576.jpg 1024w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/01/Moegliche-Ursachen-aggressiver-Rektionen-300x169.jpg 300w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/01/Moegliche-Ursachen-aggressiver-Rektionen-768x432.jpg 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/01/Moegliche-Ursachen-aggressiver-Rektionen-1536x864.jpg 1536w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/01/Moegliche-Ursachen-aggressiver-Rektionen.jpg 1920w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color">Befürchtung: Gewalt nimmt zu in einer zeitlosen Pflege</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ursachen von gewalttätigen Übergriffen von Menschen mit Demenz sind vielfältig. Aber es gibt sie, die Ursachen und Auslöser. Und für mich gibt es ebenso die klassischen Fehlreaktionen in Krankenhäusern und Pflegeheimen, die ein hohes Risiko haben die Situation zu eskalieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Klassiker: Demenzerkrankungen machen Angst, der Ortswechsel in die Klinik gibt dem ganzen einen Schub. Nun liegt man an einem fremden Ort im Bett, Licht blendet, etwas schmerzt, mehrere Personen machen irgendwas an einem und reden und reden und reden…. . Es war für mich als Demenzbeauftragter im Krankenhaus fast immer eine der ersten Maßnahmen, wenn ich die Pflege selbst übernommen habe und kein akuter medizinischer Bedarf bestand: alle raus! Lasst uns allein!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gewalt wird weiter zunehmen in der Versorgung von Menschen mit Demenz. Offene und verdeckte. Durch die Betroffenen selbst als Übergriff auf jene, die helfen wollen einerseits. Andererseits wird auch die Gewalt gegen Menschen mit Demenz weiter zunehmen. Aufgrund der unterschiedlichen Position ist sie in der Regel verdeckter, drückt sich nicht in einem Faustschlag oder Kneifen aus normalerweise. Meiner Meinung nach ist auch dies u.a. ein Effekt des Fachkräftemangels und der Arbeitsverdichtung. Wenn ich weiß, wie schnell ein einzelner Patient mit etwas überfordert ist, sein Misstrauen registriere, sein Nichtverstehen – aber dennoch keine Zeit habe, darauf irgendwie Rücksicht zu nehmen weil noch X Aufgaben und Patienten auf mich warten &#8211; &nbsp;denen ich ebenfalls nicht gerecht werden kann, sinkt die Schwelle. Auch das bedeutet Fachkräftemangel in der Pflege – eine Zunahme von Gewaltformen gegenüber Patienten mit und ohne Demenz. Wenn geeignete Pflege- und Betreuung geleistet werden soll, braucht das neben spezifischen Kenntnissen eben auch Zeit. Zeit, die der Pflege schon länger hauptsächlich nur noch auf Projektinseln zur Verfügung steht.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color">Eskalation durchbrechen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt Bedingungen, die lassen sich nicht durch den Einzelnen ändern. Auf sein eigenes Verhalten, wozu er bereit ist und wozu nicht – darauf hat er Einfluss und auch die Verantwortung. Strukturell fällt mir aber immer wieder auf: es gibt häufig wenig Raum in Einrichtungen, mit Übergriffen gezielt umzugehen. Und das, obwohl es Mitarbeitende gibt denen körperliche Gewalt so fern ist, dass sie regelrecht schockiert von einem Übergriff sind. Übrigens auch dann, wenn er für die „alten Hasen“ kaum der Rede wert ist. Nicht immer wird dann zwischen erfahrenem Pflegeprofi und abgestumpftem Fatalismus unterschieden. Es ist die Verantwortung der Führungsebene, Mitarbeitende aufzufangen und Raum zu schaffen, offen mit den damit verbundenen Gefühlen umzugehen. Nach einem Angriff durch einen Patienten kann und darf man alles sein. Ich war schon erschrocken, wütend, enttäuscht, gekränkt und wasweißichnoch. Egal ob ich, mein Handeln, mein Fehler zu dem Angriff geführt hatten oder ich mich völlig unschuldig wähnte – all diese Gefühle waren da. Und sie mir zuzugestehen war mein wichtigster Schritt um wieder zu einer professionellen, zugewandten Haltung zurückkehren zu können und mich erneut auf den Weg zu machen, eine konstruktive, machbare Lösung zu finden.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color">Es macht was mit uns – und muss was mit Kliniken und Pflegeheimen machen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Pflege ist keine Einbahnstraße. Pflegende sind und werden persönlich berührt, erschüttert. Das ist weder ein Fehler noch eine Schwäche. Es ist auch nicht unprofessionell. Es ist menschlich, gar nicht zu verhindern.<br>Unprofessionell sind höchstens jene die Angst vor der Erschütterung ihres Selbstbilds haben, wenn die vermeintliche durch den Verstand gebotene Distanz so plötzlich durch einen aggressiven Patienten unterbrochen wird und dann jedem vorhandenen Impuls unkontrolliert folgen müssen. <a href="https://www.zqp.de/gewaltpraevention-pflege/?gclid=EAIaIQobChMInsnqyK3F_AIVUvlRCh2cVAzcEAAYASAAEgLCLvD_BwE" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Pflegende Angehörige finden hier hilfreiche Informationen</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Erlauben wir uns unter KollegInnen, erschüttert und erschrocken zu sein. Und immer wieder neue Wege zu suchen, uns zu stärken und aufzufangen. Eine Kultur des Austauschs darüber was wir erleben einerseits, und wie wir andererseits Strukturen vorhalten die konstruktiv und professionell mit solchen Situationen umgehen ist unbedingt erforderlich. In der in Deutschland etablierten Pflege ohne Zeit müssen Übergriffe von allen Seiten an der Tagesordnung sein. So zu tun als sei das in der Versorgung von Menschen mit Demenz normal und einfach hinzunehmen, führt jede Behauptung in Leitbildern und Stellenanzeigen wie wichtig die Mitarbeitenden im Pflegeheim oder Krankenhaus doch angeblich sind, ad absurdum. </p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-light-gray-background-color has-background has-small-font-size wp-block-paragraph">Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen: für den Käufer ändert sich nicht, jedoch bekomme ich eine kleine Werbekostenerstattung.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/01/13/und-dann-schlug-sie-ploetzlich-zu/">&#8230;.und dann schlug sie plötzlich zu.</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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