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	<title>Beziehungsgestaltung Archive - Demenz im Krankenhaus</title>
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		<title>„Also, ich bin doch nicht Ihre Tochter!“ &#8211; vom Umgang mit Fehlidentifizierungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Feb 2026 14:40:32 +0000</pubDate>
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<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2026/02/05/so-reagieren-sie-professionell-bei-personenverwechslung/">„Also, ich bin doch nicht Ihre Tochter!“ &#8211; vom Umgang mit Fehlidentifizierungen</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei fortgeschrittener Demenz kommt es vor, dass Betroffene Pflegende als „Tochter“, „Sohn“ oder „Ehepartner“ ansprechen. Das ist keine Art Provokation, sondern eine Verwechslung. Sie entsteht aus einem Zusammenspiel von Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, veränderter Verarbeitung von Vertrautheit sowie situativem Stress. Vertraute Signale (Stimme, Gestik, Haltung, Geruch) werden erkannt, aber nicht mehr zuverlässig der richtigen Person im Hier und Jetzt zugeordnet. Das Gehirn greift dann auf emotional bedeutsame Rollen zurück, weil diese Sicherheit geben. Der Satz „Du bist meine Tochter“ ist deshalb häufig ein Bindungsversuch und ein Ausdruck von Bedürfnis nach Nähe und Schutz – keine Faktenbehauptung, die man unbedingt widerlegen muss. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Drei Kernfaktoren</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Zeitanker verschieben sich<br>Aktuelle Informationen werden schlechter gespeichert, ältere, emotional bedeutsame Erinnerungen bleiben länger verfügbar. Das Gehirn greift dann auf vertraute Rollen zurück, weil sie Sicherheit geben.</li>



<li class="has-medium-font-size">Wiedererkennen ohne korrektes Zuordnen<br>Stimme, Gesten, Körperhaltung oder Geruch lösen Vertrautheit aus. Wenn Details fehlen, wird diese Vertrautheit automatisch einer Rolle zugeordnet: Tochter, Ehepartner, Mutter, Kollege.</li>



<li class="has-medium-font-size">Stress verstärkt Verwechslungen<br>Schmerz, Überforderung, Reizüberflutung, Schlafmangel, fremde Umgebung, Infekte oder auch Durst und Hunger senken die Orientierung und erhöhen das Bedürfnis nach Bindung. Die Zuschreibung („Du bist meine Tochter“) ist dann oft ein Bindungsversuch, keine Faktenbehauptung.</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">&#8222;Wollen Sie, dass ich die Patienten anlüge?&#8220;</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Korrigieren, „Rolle spielen“ oder bewusst täuschen? Wie sollen Pflegende in einer solchen Situation reagieren? Wahrhaftigkeit versus Leidreduktion &#8211; das ist das Dilemma, in dem sich manches Team, manche Kollegin und Kollege wiederfindet. Zur Klärung und Information soll dieser kurze Film beitragen: </p>



<figure class="wp-block-video"><video height="1072" style="aspect-ratio: 1904 / 1072;" width="1904" controls src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2026/02/FinalKorrigieren.mp4"></video><figcaption class="wp-element-caption"><a href="https://youtu.be/oMnEQNdWylg">Den Film können Sie hier bei Youtube sehen. </a></figcaption></figure>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Als professioneller Standard ist deshalb eine Vorgehensweise hilfreich, die Gefühl und Bedarf trifft, ohne überprüfbare Zusagen zu machen, die Sie nicht sicher einlösen können. Bewusst falsche Zusagen bleiben – wenn überhaupt – eine eng begründete Ausnahme für akute Eskalationen, nicht die Routine.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Praxisregel, die Streit im Team meist beendet</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wir bestätigen das Gefühl und versorgen den Bedarf, aber wir bestätigen nicht die falsche Tatsache.<br>Das ist beziehungsorientiertes Arbeiten, keine Lüge.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Eine professionelle Korrektur klingt nicht wie ein hartes Nein, sondern wie eine kurze Rollenklärung plus Angebot. Oft reicht es, die eigene Rolle zu setzen, ohne die falsche Identität frontal zu verneinen:<br>„Ich bin XY vom Team. Ich bleibe kurz bei Ihnen und erkläre Ihnen, was ich jetzt mache.“.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wie Sie bei Personenverwechslung professionell bleiben, ohne in die Falle zu gehen</h2>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<!-- Infokasten für WordPress (HTML-Block) -->
<div style="border:1px solid #d0d0d0; padding:16px 18px; border-radius:8px; background:#fafafa; margin:18px 0;">
  <div style="font-size:18px; line-height:1.25; margin:0 0 10px 0;">
    Wenn eine falsche Zusage doch als Ausnahme genutzt wird
  </div>

  <p style="margin:0 0 10px 0; line-height:1.5;">
    Damit aus „hat einmal geholfen“ keine riskante Routine wird, helfen Team-Leitplanken.
    Eine bewusst falsche Zusage ist nur dann vertretbar, wenn:
  </p>

  <ul style="margin:0 0 0 18px; padding:0; line-height:1.55;">
    <li style="margin:0 0 6px 0;">
      eine akute Eskalation oder ein Sicherheitsrisiko vorliegt und andere schnelle Beruhigung nicht greift
    </li>
    <li style="margin:0 0 6px 0;">
      es nicht um Einwilligung, Therapieentscheidungen oder belastbare Planung geht
    </li>
    <li style="margin:0 0 6px 0;">
      der Satz nicht als Druckmittel genutzt wird („dann machen Sie jetzt …“)
    </li>
    <li style="margin:0 0 6px 0;">
      die Aussage möglichst klein gehalten wird (keine großen Versprechen)
    </li>
    <li style="margin:0;">
      das Vorgehen im Team abgestimmt ist und die Wirkung beobachtet wird (wirkt es nachhaltig oder verschiebt es nur das Problem?)
    </li>
  </ul>
</div>

</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Zwei typische Fallen in der Praxis</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Überidentifikation<br>Sie werden zur Familienersatzperson. Das fühlt sich kurzfristig wirksam an, führt aber zu Grenzproblemen, Teamkonflikten und emotionaler Erschöpfung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Falsche Versprechen<br>„Ich bleibe die ganze Nacht“, „Ich bringe Sie nach Hause“, „Ich rufe sofort an“ – wenn Sie das nicht sicher einlösen, entsteht Misstrauen. Bei kognitiver Einschränkung zählt nicht Ihr guter Wille, sondern die erlebte Verlässlichkeit.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Professioneller Gegenentwurf: Bindung in kleinen, realistischen Einheiten wie etwa <br>„Ich bleibe jetzt zwei Minuten.“, „Ich setze mich kurz zu Ihnen.“, „Möchten Sie sitzen oder ans Fenster?“ oder „Gleich kommt meine Kollegin. Ich sage ihr, was Ihnen wichtig ist.“. </p>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Kurz dokumentieren, damit das Team konsistent bleibt</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ein Satz reicht oft, wenn er handlungsleitend ist:<br>„Hält Mitarbeitende für Tochter. Bedarf: Sicherheit und Nähe. Wirksam: Gefühl benennen, kurzer Sitzkontakt, klare Zeitansage. Trigger: harte Korrektur führt zu Unruhe/Abwehr.“. Hingegen ist &#8222;Ruft mal wieder nach der Tochter.&#8220; &#8211; keine sinnvolle Dokumentation. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei Verwechslungen und Fehlidentifizierung geht es meist um Bindung und Sicherheit, nicht um Fakten. Zumindest erlebe ich häufig, dass Fakten keineswegs zur Beruhigung beitragen. Fachlich stark ist eine Vorgehensweise, die Beziehung stabilisiert, ohne falsche Tatsachen zu behaupten. Bewusste Täuschung kann kurzfristig deeskalieren, bleibt aber eine eng begründete Ausnahme mit klaren Grenzen. Wenn Sie konsequent mit „Gefühl bestätigen – Bedarf klären – Angebot machen“ arbeiten, reduzieren Sie Stress, verbessern Kooperation und bleiben professionell klar in Ihrer Rolle.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die &#8222;Ruhe weg haben&#8220;</h2>



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<div style="border:1px solid #b9d7f2; padding:16px 18px; border-radius:8px; background:#eaf4ff; margin:18px 0;">
  <div style="font-size:18px; line-height:1.25; margin:0 0 10px 0;">
    Infokasten: Wann Schweigen hilft
  </div>

  <p style="margin:0; line-height:1.55;">
    Manche Fehlidentifizierungen sind Momentäußerungen oder entstehen aus Überforderung. Dann kann es besser sein,
    nicht zu korrigieren und auch nicht nach Bedürfnissen zu fragen, sondern kurz zu schweigen und Sicherheit
    herzustellen. Das gilt besonders bei hoher Erregung, starker Reizlast (Lärm, viele Personen) oder wenn jede
    Rückfrage die Verwechslung füttert. Professionelles Schweigen heißt: ruhig bleiben, Blickkontakt dosieren,
    Tempo herausnehmen und nonverbal unterstützen. Wenn ein Satz nötig ist, reichen Minimalformeln wie „Ich bin da“,
    „Ich höre Sie“ oder „Einen Moment“. Sobald die Situation abklingt, können Sie wieder gezielt mit
    „Gefühl bestätigen – Bedarf klären – Angebot machen“ arbeiten. Nicht geeignet ist Schweigen bei Einwilligung
    und Intimsphäre, akuter Gefahr oder wenn die Person aktiv und eindeutig um Hilfe bittet.
  </p>
</div>




<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>
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		<title>Expertenstandard Beziehungsgestaltung: &#8222;Ich glaube, dass wir mehr Brücken zwischen der Pflegewissenschaft und der Praxis benötigen.&#8220;</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2022/05/20/expertenstandard-beziehungsgestaltung-ich-glaube-dass-wir-mehr-bruecken-zwischen-der-pflegewissenschaft-und-der-praxis-benoetigen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 May 2022 13:52:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein & Speziell]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Noch ist der Expertenstandard Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung (DNQ) ein häufiges Thema in der Pflege und es werden hunderte Vorträge, pdf-Dateien,&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2022/05/20/expertenstandard-beziehungsgestaltung-ich-glaube-dass-wir-mehr-bruecken-zwischen-der-pflegewissenschaft-und-der-praxis-benoetigen/">Expertenstandard Beziehungsgestaltung: &#8222;Ich glaube, dass wir mehr Brücken zwischen der Pflegewissenschaft und der Praxis benötigen.&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Noch ist der Expertenstandard Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz des <a href="https://www.dnqp.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung (DNQ)</a> ein häufiges Thema in der Pflege und es werden hunderte Vorträge, pdf-Dateien, Powerpointfolien, Publikationen und natürlich Schulungen dazu gemacht und angeboten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie die Expertenstandards des DNQ insgesamt, sind es vielfältige, fundierte Informationen von Fachleuten, die in großem Umfang zusammengestellt wurden. Jede*r professionell Pflegende kennt diese Arbeiten. Allerdings sieht die praktische Umsetzung häufig so aus, dass Pflegende den neuen Expertenstandard, sobald er herausgegeben wurde, von Vorgesetzen zu lesen bekommen. Häufig müssen sie abzeichnen, ihn gelesen zu haben. Und manche*r Referent*in beschränkt sich darauf, letztlich „an die Wand zu werfen“, was drinsteht. Fall abgeschlossen, Expertenstandard umgesetzt.</p>



<h2 class="has-tertiary-color has-text-color wp-block-heading">Expertenstandard umgesetzt. Wirklich?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht wenige Pflegefachpersonen reagieren mit einem Reflex der Unterwürfigkeit, sobald das Wort „Expertenstandard“ fällt. Weil sie nicht wissen was darinsteht. Oder es nicht nachvollziehen und verstehen können. Oder ihnen die Energie dazu fehlt, sich &#8222;neben&#8220; ihrem Dienst intensiv damit auseinanderzusetzen. Oder ihnen eine Art biblische Unfehlbarkeit der Expertenstandards vermittelt wurde, von deren Gebote keinesfalls abgewichen werden darf. Jedoch: Praxisleitfäden sind Expertenstandards nicht, auch keine Leitlinien. Es sind die bestmöglichen Ausgangslagen, verifizierte Basisinformationen. Umsetzen, in die pflegerische Praxis bringen, müssen das aber nicht die Autor*innen. Die Expertenstandards für die eigene Einrichtung, den eigenen Dienst anzupassen und umsetzbar zu machen – das wäre, das ist Aufgabe leitender Mitarbeiter. Und zwar unter den vorherrschenden Bedingungen in der Pflege. Abzeichnen, dass der Expertenstandard gelesen wurde oder wenigstens zu wissen in welchem Regal er steht – das unterstützt keine Pflegefachperson in ihrer Arbeit – und nützt auch den Pflegebedürftigen erstmal nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h2 class="has-tertiary-color has-text-color wp-block-heading">Buch: Expertenstandard in der Praxis anwenden &#8211; Fragen an den Autor</h2>



<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile is-image-fill" style="grid-template-columns:38% auto"><figure class="wp-block-media-text__media" style="background-image:url(https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2022/05/hjwbildautor-739x1024.jpg);background-position:47% 17%"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="739" height="1024" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2022/05/hjwbildautor-739x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1043 size-full" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2022/05/hjwbildautor-739x1024.jpg 739w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2022/05/hjwbildautor-217x300.jpg 217w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2022/05/hjwbildautor-768x1064.jpg 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2022/05/hjwbildautor-1109x1536.jpg 1109w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2022/05/hjwbildautor-1479x2048.jpg 1479w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2022/05/hjwbildautor.jpg 1535w" sizes="(max-width: 739px) 100vw, 739px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p class="has-tertiary-color has-light-gray-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph"><a href="https://www.drwilhelm.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dr. Hans-Jürgen Wilhelm</a>; Soziologe und Jurist, Vorstand des Elisabeth Alten- und Pflegeheim (Hamburg) und Autor des Buchs &#8222;Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz &#8211; Expertenstandard in der Praxis anwenden&#8220;. </p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Herr Dr. Wilhelm, Pflege ist immer auch Arbeit in Beziehung. Muss es dafür einen Standard geben?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hans-Jürgen Wilhelm:</strong> Wenn der Standard dazu führt, dass ich mir die Beziehung in der konkreten Situation bewusst mache, dann auf jeden Fall. Im normalen Alltag steht die Beziehung, die ich zu meinem Gegenüber habe meist fest, so dass ich nicht gezwungen bin, diese zu hinterfragen. In der Pflege fällt es jedoch oft schwer, die tatsächliche Beziehung zu definieren. In der Arbeit mit an Demenz erkrankten Menschen wird dies nochmals schwieriger. Der an Demenz erkrankte Mensch ist sicher, dass die Pflegekraft seine Tochter ist und sein Sohn irgendein Fremder, den er noch nie gesehen hat. Hier wird deutlich, wie wichtig ist es, zu erkennen, dass die gerade für den an Demenz erkrankten Menschen gültige Beziehung nicht wie sonst vorgegeben ist, sondern im konkreten Handeln mit ihm erkannt werden muss. Manchmal bin ich der Sohn, dann später vielleicht ein Schüler oder…</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust: </strong>Ihr Buch nimmt Aussagen des Expertenstandards Beziehungsgestaltung und fasst diese kurz zusammen, zieht sozusagen die Essenz heraus. Ist dieser oder sind die Expertenstandards des DNQ so schwer verständlich, dass eine solche Übersetzung nötig ist?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hans-Jürgen Wilhelm:</strong> Ich glaube, dass wir mehr Brücken zwischen der Pflegewissenschaft und der Praxis benötigen. Der Expertenstandard ist ein wissenschaftliches Werk und als solches wichtig und großartig. Aber in dieser Form kann er für die im Pflegealltag Handelnden keine Hilfe sein. Die Idee für dieses Buch ist entstanden, als wir in unserem Leitungsteam darüber diskutierten, was unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benötigen, um diesen Expertenstandard bei der täglichen Arbeit tatsächlich als Hilfe und Unterstützung zu erkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jochen Gust:</strong> Haben Sie grundsätzliche Tipps zur Umsetzung der Expertenstandards in die Praxis?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hans-Jürgen Wilhelm:</strong> Wie Sie oben richtig schreiben, ist sehr viel mehr notwendig, als abzuzeichnen, dass ich den Expertenstandard gelesen habe. Er muss als Werkzeug seinen festen Platz im Pflegealltag erhalten und dies kann er nicht in der Form als wissenschaftliches Werk, dass auf jedem Bereich im Regal steht. Er muss in den Alltag übertragen und dort gelebt werden. Das geht aber nicht schnell im Rahmen einer 45-minütigen Fortbildung, sondern benötigt viel Arbeit, Zeit und Konstanz.</p>



<div class="wp-block-media-text alignwide has-media-on-the-right is-stacked-on-mobile"><figure class="wp-block-media-text__media"><img decoding="async" width="725" height="1024" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2022/05/05_AP_978-3-7486-0354-2_BeziehungsgestaltungInDerPflegeVonMenschenMitDemenzoffiziell-725x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1046 size-full" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2022/05/05_AP_978-3-7486-0354-2_BeziehungsgestaltungInDerPflegeVonMenschenMitDemenzoffiziell-725x1024.jpg 725w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2022/05/05_AP_978-3-7486-0354-2_BeziehungsgestaltungInDerPflegeVonMenschenMitDemenzoffiziell-212x300.jpg 212w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2022/05/05_AP_978-3-7486-0354-2_BeziehungsgestaltungInDerPflegeVonMenschenMitDemenzoffiziell-768x1084.jpg 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2022/05/05_AP_978-3-7486-0354-2_BeziehungsgestaltungInDerPflegeVonMenschenMitDemenzoffiziell-1088x1536.jpg 1088w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2022/05/05_AP_978-3-7486-0354-2_BeziehungsgestaltungInDerPflegeVonMenschenMitDemenzoffiziell-1451x2048.jpg 1451w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2022/05/05_AP_978-3-7486-0354-2_BeziehungsgestaltungInDerPflegeVonMenschenMitDemenzoffiziell.jpg 1600w" sizes="(max-width: 725px) 100vw, 725px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p class="has-tertiary-color has-light-gray-background-color has-text-color has-background wp-block-paragraph">Das Buch <a href="https://www.altenpflege-online.net/shop/altenpflege/b%C3%BCcher/beziehungsgestaltung-in-der-pflege-von-menschen-mi" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz – Expertenstandrad in der Praxis anwenden“</a> ist bei Vincentz Network erschienen (17.04.2020) und umfasst 72 illustrierte Seiten zum Preis von 17,90 €. Die Illustrationen sind von <a href="http://polym.de/tkurtz.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Tobias Kurtz.</a></p>
</div></div>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Titelfoto: Foto von fauxels v. Pexels; Foto d. Autors persönl., Covergrafik mit freundl. Genehmigung Vincentz Network</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2022/05/20/expertenstandard-beziehungsgestaltung-ich-glaube-dass-wir-mehr-bruecken-zwischen-der-pflegewissenschaft-und-der-praxis-benoetigen/">Expertenstandard Beziehungsgestaltung: &#8222;Ich glaube, dass wir mehr Brücken zwischen der Pflegewissenschaft und der Praxis benötigen.&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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