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	<title>aggression Archive - Demenz im Krankenhaus</title>
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		<title>Schmerzmanagement im Alter neu sortiert: Was die neue S3-Leitlinie GeriPAIN bringt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Dec 2025 20:10:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Schmerz ist bei älteren Menschen selten „nur ein Symptom“. Er ist häufig ein Kipppunkt: für Mobilität und Funktion, für Schlaf und Appetit, für Stimmung und Kooperation. Bei Menschen mit Demenz&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/12/16/schmerzmanagement-im-alter-neu-sortiert-was-die-neue-s3-leitlinie-geripain-bringt/">Schmerzmanagement im Alter neu sortiert: Was die neue S3-Leitlinie GeriPAIN bringt</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Schmerz ist bei älteren Menschen selten „nur ein Symptom“. Er ist häufig ein Kipppunkt: für Mobilität und Funktion, für Schlaf und Appetit, für Stimmung und Kooperation. Bei Menschen mit Demenz nicht selten auch für Unruhe, Abwehr oder Rückzug. Genau deshalb ist es konsequent, dass die neue S3-Leitlinie „Schmerzmanagement bei geriatrischen Patient:innen in allen Versorgungssettings“ (GeriPAIN) Schmerz nicht als Einzelthema behandelt, sondern als durchgängigen Versorgungsprozess.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Worum geht es in GeriPAIN – und für wen gilt die Leitlinie?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">GeriPAIN richtet sich an geriatrische Patienten, also an ältere Menschen mit typischerweise komplexer Multimorbidität, funktionellen Einschränkungen und besonderer Vulnerabilität. Die Leitlinie betont ausdrücklich die Versorgungsrealität dieser Patientengruppe: Polypharmazie, Frailty, kognitive Einschränkungen, häufige Sektorwechsel, mehrere beteiligte Professionen. Daraus leitet sie ihren Anspruch ab: Schmerzmanagement darf nicht bei der Skala stehen bleiben, sondern muss als strukturierter Prozess organisiert werden: wiederkehrende Screenings, gezieltem Assessments, Verlaufskontrolle, Therapieentscheidungen und Koordination.</p>



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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Für Pflegefachpersonen bringt die neue S3-Leitlinie GeriPAIN vor allem drei praktische Veränderungen: Erstens wird Schmerzmanagement konsequent als Prozess definiert. Das macht Schmerzerfassung weniger zufällig und stärker routinisiert: Zuständigkeiten, Zeitpunkte und eine einheitliche Dokumentationslogik rücken in den Vordergrund. Zweitens schärft die Leitlinie den demenzsensiblen Blick: Auch bei kognitiver Beeinträchtigung soll die Selbstauskunft grundsätzlich versucht werden, aber bei Verdacht oder Vorliegen einer Einschränkung ist zusätzlich eine strukturierte Fremdeinschätzung vorgesehen. Drittens stärkt GeriPAIN die Rolle der Pflege in der Koordination: Interprofessionelle Abstimmung, saubere Übergaben und Versorgungskontinuität sind Kernaufgaben, inklusive der Möglichkeit, dass Pflegefachpersonen (je nach Setting und Qualifikation) koordinierende Funktionen übernehmen. </p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<section class="infokasten-geripain" style="border:1px solid #d9d9d9; border-left:6px solid #444; padding:16px 18px; margin:20px 0; background:#fafafa;">
  <h3 style="margin:0 0 10px 0; font-size:1.1em; line-height:1.3;">
    Ist die S3-Leitlinie GeriPAIN verpflichtend?
  </h3>

  <p style="margin:0 0 10px 0; line-height:1.5;">
    Nein – eine S3-Leitlinie wie GeriPAIN ist in Deutschland grundsätzlich keine gesetzlich verbindliche Muss-Vorschrift.
  </p>

  <ul style="margin:0; padding-left:18px; line-height:1.5;">
    <li>Keine Rechtsnorm: AWMF-Leitlinien sind Empfehlungen, keine Gesetze und keine G-BA-Richtlinien.</li>
    <li>Hoher Orientierungsmaßstab: S3-Leitlinien gelten als wichtiger Maßstab für fachlich anerkannte Versorgungsqualität und können in Haftungsfragen als Referenz herangezogen werden.</li>
    <li>Abweichen ist möglich: Abweichungen sind im Einzelfall zulässig, sollten aber begründet und dokumentiert werden (z. B. Patient:innenwunsch, Kontraindikationen, besondere Situation).</li>
    <li>Intern kann es verbindlich werden: Übernimmt eine Einrichtung Inhalte in SOPs, Pflegestandards oder QM-Vorgaben, entsteht eine organisationsinterne Verbindlichkeit.</li>
  </ul>
</section>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Was wissen wir aktuell zur Schmerzlage bei Menschen mit Demenz?</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Vor allem dies: Schmerzen sind häufig, aber die Spannbreite der berichteten Häufigkeiten ist groß, weil sie stark davon abhängt, wie Schmerzen erfasst werden. Das ist keine akademische Nuance, sondern ein zentraler Grund für Untererkennung. Eine systematische Übersichtsarbeit zu Beobachtungsstudien in Pflegeheimen berichtet je nach Studie und Messansatz Prävalenzen von unter 10 Prozent bis knapp 80 Prozent; gegen Lebensende lagen einzelne Werte ebenfalls in dieser Größenordnung. <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37817061/">Die Autoren betonen, dass Messmethode und Erfassungsstrategie entscheidend sind und dass Beobachtungsinstrumente eine wichtige Rolle spielen</a>. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Praktisch heißt das: Wenn man sich nur auf spontanes Benennen oder auf reine Selbstauskunft verlässt, unterschätzt man Schmerz bei Menschen mit Demenz. Strukturierte Beobachtung, idealerweise auch in Aktivitätssituationen, erhöht die Chance, Schmerz überhaupt zu erkennen – ein Vorgehen, das durch die S3-Leitlinie GeriPAIN ausdrücklich gestützt wird. </p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="683" height="1024" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2025/12/ChatGPT-Image-16.-Dez.-2025-19_24_21-683x1024.png" alt="" class="wp-image-3317" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2025/12/ChatGPT-Image-16.-Dez.-2025-19_24_21-683x1024.png 683w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2025/12/ChatGPT-Image-16.-Dez.-2025-19_24_21-200x300.png 200w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2025/12/ChatGPT-Image-16.-Dez.-2025-19_24_21-768x1152.png 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2025/12/ChatGPT-Image-16.-Dez.-2025-19_24_21.png 1024w" sizes="(max-width: 683px) 100vw, 683px" /></figure>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Bei den Schmerzorten dominieren – wie bei vielen älteren Menschen – muskuloskelettale Ursachen: Arthrose (häufig Knie, Hüfte, Hände), degenerative Wirbelsäulenveränderungen, chronischer Rückenschmerz, schmerzhafte Bewegungseinschränkungen, Kontrakturen sowie Sturzfolgen und Frakturen. Das erklärt, warum geriatrische Schmerzleitlinien inhaltlich stark auf muskuloskelettale Schmerzbilder fokussieren. Gleichzeitig gibt es Bereiche, die in der Demenzversorgung besonders häufig übersehen werden. Dazu zählen orofaciale und dentale Schmerzen: Eine Meta-Analyse aus 2024 schätzt die gepoolte Prävalenz orofacialer Schmerzen bei Menschen mit Demenz oder leichter kognitiver Störung auf rund 19 Prozent. Mundschmerzen zeigen sich dabei oft unspezifisch, etwa durch Essverweigerung, Unruhe, Abwehr beim Zähneputzen oder eine veränderte Mimik. Ebenfalls unterschätzt werden „körperliche Basics“ mit hoher Schmerzlast wie Obstipation, Harnverhalt, Druckstellen, Hämatome, ungünstige Lagerung oder schlecht sitzende Hilfsmittel. <a href="https://www.jpain.org/article/S1526-5900(07)00601-3/fulltext">Ein klassischer Überblick zu Schmerz bei Demenz betont, dass Schmerz bei Demenz häufig und oft komplex ist und dass gerade behandelbare Ursachen konsequent gesucht werden sollten. </a></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Auslöser und Verstärker entstehen bei Demenz häufig aus einer Mischung von degenerativen, neuropathischen und situativen Faktoren. Immobilität, Schlafmangel, akute Erkrankungen sowie Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Medikamenten können bestehende Schmerzen verstärken oder neue Beschwerden auslösen. Erschwerend kommt hinzu: Bei Demenz werden solche Faktoren schneller übersehen, weil Schmerz nicht immer als „Ich habe Schmerzen“ formuliert wird, sondern sich als Verhalten zeigen kann.</p>
</div>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Schmerzen professionell managen</h2>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">GeriPAIN ist eine Leitlinie, die die Versorgung neu ordnet: systematisch, interprofessionell, sektorübergreifend und mit einem besonderen Blick auf Risikokonstellationen wie kognitive Einschränkung. Gerade für die Demenzversorgung im Krankenhaus liefert sie ein starkes Argument: Wenn Schmerzen nicht verlässlich erkannt werden, entstehen Folgeprobleme, die dann viel mehr Ressourcen binden als ein strukturiertes Schmerzassessment und konsequentes Nachsteuern. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Demenzsensibles Arbeiten im Krankenhaus ist ohne konsequentes Schmerzmanagement nicht vollständig. Und konsequentes Schmerzmanagement bei Demenz gelingt nur, wenn man Selbstauskunft und strukturierte Beobachtung systematisch kombiniert.</p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Quellen und Weiterführendes<br><a href="AWMF-Leitlinienregister: S3-Leitlinie „Schmerzmanagement bei geriatrischen Patient:innen in allen Versorgungssettings (GeriPAIN)“, Reg.-Nr. 145-005">AWMF-Leitlinienregister: S3-Leitlinie „Schmerzmanagement bei geriatrischen Patient:innen in allen Versorgungssettings (GeriPAIN)“, Reg.-Nr. 145-005</a><br><a href="https://register.awmf.org/assets/guidelines/145-005l_S3_Schmerzmanagement-bei-geriatrischen-Patientinnen-in-allen-Versorgungssettings-GeriPAIN_2025-10.pdf">AWMF-Leitlinien-PDF (Langfassung, Version 1.0, 2025-10)</a><br><a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37817061/">Helvik AS et al. Systematic Review: Prävalenz von Schmerz bei Pflegeheimbewohner:innen mit Demenz (BMC Geriatrics, 2023)</a><br><a href="https://www.schmerzgesellschaft.de/topnavi/patienteninformationen/leitlinien-zur-schmerzbehandlung/geripain">Deutsche Schmerzgesellschaft – Leitlinienübersicht GeriPAIN </a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2025/12/16/schmerzmanagement-im-alter-neu-sortiert-was-die-neue-s3-leitlinie-geripain-bringt/">Schmerzmanagement im Alter neu sortiert: Was die neue S3-Leitlinie GeriPAIN bringt</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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			</item>
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		<title>Schreien und Rufen als Extremphänomen</title>
		<link>https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/01/27/schreien-und-rufen-als-extremphaenomen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 27 Jan 2024 13:09:29 +0000</pubDate>
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<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/01/27/schreien-und-rufen-als-extremphaenomen/">Schreien und Rufen als Extremphänomen</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Wenn Menschen mit Demenz anhalten schreien und rufen, ist das für alle eine Belastungsprobe. Ohne systematisches Vorgehen von Pflegefachleuten wird die Versorgung durch Angehörige häufig unmöglich. Aber auch im Pflegeheim oder in Kliniken sind diese Patienten nicht wohlgelitten. Das hat auch mit dem Gefühl zu tun, dass sich gegenüber dem Schreiphänomen zügig ein allseitiges Gefühl einstellt: Hilflosigkeit.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-primary-color has-text-color has-link-color wp-elements-4d7ba8cdb2ace802d7855dcacedcb197">Schreien und Rufen hat viele Ursachen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn und weshalb Menschen mit Demenz anhaltend schreien, kann viele Gründe haben. Möglicherweise ist das Phänomen rein dem pathologischen Prozess eines Hirnbereichs geschuldet. Dies wird allzuoft als alleinige Ursache angenommen – und da kann man eben bei einer Demenz nichts machen. Oder? Schreien und Rufen kann jedoch auch bei Menschen mit Demenz <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/08/14/expertenstandard-schmerzmanagement-in-der-pflege-3-auflage/">Schmerzausdruck</a> sein, Stressabbau, eine Form der Aggression, ein <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/07/22/buchempfehlung-bindung-und-demenz/">Versuch der Kommunikation</a> und und und.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diesen Ursachen auf den Grund zu gehen ist eine der Aufgaben. Nicht immer ist dies von Erfolg gekrönt oder abschließend möglich. Pflegefachleute sollten daher „zweigleisig fahren“: einerseits ist die Frage „Warum schreit der Patient?“ übergeordnet wichtig; zugleich können jedoch Versuche unternommen werden, insbesondere wenn körperliche Schmerzen so gut als möglich ausgeschlossen wurden, das Verhalten zu dämpfen, in aushaltbare Bahnen zu lenken oder es sogar ganz zurückzudrängen. Dabei gilt es oft, ein Bündel von Maßnahmen auszuprobieren. Wichtig ist, dass dies systematisch geschieht und auch (kleine) Erfolge dokumentiert werden. Nur so gewinnt Pflege Ausgangspunkte für weiteres Vorgehen und kann an Dritte weitergeben, was zu tun ist. In diesem Zusammenhang muss ich aus der Erfahrung in der Arbeit in vielen Einrichtungen erwähnen: es geht um Versuch und Irrtum. Etwas was nicht funktioniert ist ein Baustein auf dem Weg zu einer möglichen Lösung, nicht „Fehler“ oder Unvermögen eines / einer KollegIn.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/01/infofolieschreienbild.jpg"><img decoding="async" width="1024" height="576" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/01/infofolieschreienbild-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-2237" style="width:880px;height:auto" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/01/infofolieschreienbild-1024x576.jpg 1024w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/01/infofolieschreienbild-300x169.jpg 300w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/01/infofolieschreienbild-768x432.jpg 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2024/01/infofolieschreienbild.jpg 1280w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Die Pfeile und deren Anordnung, ebensowenig die enthaltenen Stichpunkte stellen eine Gewichtung (Reihenfolge) dar <br>und auch keine einzelfallbezogenen Empfehlungen. </figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading has-primary-color has-text-color has-link-color wp-elements-8d5292d677918b0768e48157c54fd85c"><strong>Schreien im Krankenhaus</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wird die ambulante Versorgungssituation aufgrund eines Schreiphänomens unaushaltbar, landen die Betroffenen nicht selten auch im Krankenhaus. Im Wesentlichen stehen dort jedoch keine anderen Mittel zur Verfügung dem Schreien zu begegnen, als im Pflegeheim oder eigenem Zuhause. Als Demenzbeauftragte eines Krankenhauses ist es wichtig, <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/01/24/viele-bausteine-fuehren-zum-demenzfreundlichen-krankenhaus/">ein systematisches Vorgehen zu etablieren</a>. Allzu schnell wird die Verantwortung sonst der Ärzteschaft übergeben, die häufig wiederum versucht mit dem Einsatz verschiedener Medikamente eine Beruhigung herbeizuführen. Nicht selten um den Preis, dass Betroffene <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/09/22/aok-pflege-report-2023-starke-regionale-qualitaetsunterschiede-in-pflegeheimen/">so stark sediert werden</a>, dass sie zwar nicht mehr schreien – aber auch sonst nichts weiter tun können. Patienten mit Demenz im medikamentösen Dämmerschlaf zu entlassen, kann jedoch nicht Ihr Ziel <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2019/11/02/was-macht-eigentlich-ein-demenzbeauftragter-im-krankenhaus/">als Demenzbeauftragte</a> sein. &nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keinesfalls soll dies bedeuten, dass Medikamente nicht sinnvoller Teil der Behandlung sein können und ihre Berechtigung haben. Als einzige Maßnahme sind sie angesichts dessen, dass es kein spezifisches Anti-Schrei-Medikament gibt aber zu wenig für all jene die von sich sagen, dass sie sich der speziellen Versorgung von Menschen mit Demenz widmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2021/06/06/verhalten-im-grenzbereich-schreien-und-rufen-bei-demenz/">Zum Thema empfehle ich Experten und deren Buch hier.</a></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



<div style="height:100px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



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<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2024/01/27/schreien-und-rufen-als-extremphaenomen/">Schreien und Rufen als Extremphänomen</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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			</item>
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		<title>&#8230;.und dann schlug sie plötzlich zu.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Jochen Gust]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Jan 2023 20:10:41 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Menschen können gewalttätig werden. Auch dann, wenn sie Patienten sind oder pflegebedürftig. Pflege- und Betreuungskräfte sind immer wieder auch physischer Gewalt ausgesetzt, die allzuoft nicht aufgearbeitet wird. Gerade wenn eine&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/01/13/und-dann-schlug-sie-ploetzlich-zu/">&#8230;.und dann schlug sie plötzlich zu.</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Menschen können gewalttätig werden. Auch dann, wenn sie Patienten sind oder pflegebedürftig. Pflege- und Betreuungskräfte sind immer wieder auch physischer Gewalt ausgesetzt, die allzuoft nicht aufgearbeitet wird. Gerade wenn eine Demenz hinzukommt, wird häufig von Mitarbeitenden im Gesundheitswesen unterschwellig erwartet, dass sie das mehr oder weniger unauffällig hinnehmen. Ja, gewalttätige Übergriffe von Menschen mit Demenz kommen vor. Und wir sollten darüber reden.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color">Mein erstes Mal</h2>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



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<p class="wp-block-paragraph">Ende der 90er Jahre, nach meiner ersten Ausbildung, absolvierte ich meinen Zivildienst im norddeutschen Malente in einem Pflegeheim. Das war eine tolle Zeit – und ich entdeckte dort mein Interesse an Menschen mit Demenz. Die erste körperliche Begegnung hatte ich auch genau dort. In der Bibliothek des Hauses waren einige der Heimbewohner beschäftigt. Die Tür ging auf, und eine alte Dame mit Gehstock in der einen und einer Gießkanne mit dünnem Ausgießhals in der and Hand kam herein. Sie blickte sich um und begann dann, mit dem Metallhals der Gießkanne in einer Steckdose zu bohren.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Ich sprach die Dame an – die das aber zunächst überhaupt nicht kümmerte. Als ich ihr schließlich eine Hand auf den Arm legte reagierte sie gereizt. Lautstark machte sie klar, dass sie hier sei um Wasser zu holen um die Blumen zu gießen. Meine Erklärungsversuche, dass Wasser prinzipiell nicht aus Steckdosen kommt, prallten an ihr ab. Irgendwann wusste ich mir nicht mehr zu helfen: ich packte das Ende der Gießkanne und hielt es fest. Das empörte sie. Sehr sogar. Und sie hatte einen Gehstock, den sie einzusetzen wusste….</p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color">Gekniffen, geschlagen, getreten, gekratzt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem sind über 20 Jahre vergangen. Und noch manches Mal befand ich mich in einer gewalttätigen Auseinandersetzung mit Menschen mit Demenz und oder Delir. Immer das Gute wollend, oft am Rande meiner Mittel, meines Könnens lies es sich nicht immer vermeiden. Z.B. als es darum ging, einen entlaufenden Patienten daran zu hindern auf eine vielbefahrene Bundesstraße zu laufen oder eine Kollegin aus dem festen Griff des völlig verwirrten Mannes zu befreien. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Um das hier klarzustellen: Menschen mit Demenz sind keine besonders „aggressive Gruppe“; oder anders gesagt: es ist nicht typisch, dass Menschen mit Alzheimer anlasslos durch die Gegend laufen und Jagd auf Gesundheitsmitarbeiter machen. Ich war nur einen Tick öfter in solchen Situationen, weil ich sie jahrelang gesucht habe. Diejenigen zu versorgen, die richtig „schwierig“, „böse“, „nicht pflegbar“ oder „ein Fall für die Psychiatrie“ waren. Das hat mich immer am meisten gereizt. Manchmal gehörte dazu, sich körperlich einzulassen bis jemand verstand, dass ich eben keine Bedrohung für ihn war. Wenn man sich absichtlich in diese Situationen begibt, passiert logischerweise auch mehr.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color">Gründe, Ziele, Kränkungen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es wurde und wird viel geschrieben zum Thema Aggression von Menschen mit Demenz. Da kann man viel im Internet finden (Links am Ende des Artikels). Für mich – das ist eine reine persönliche, erfahrungsbasierte Ansicht &#8211; lässt sich in der ganz überwiegenden Zahl der Erlebnisse feststellen, dass die Tätlichkeit eigentlich vorhersehbar war. Dass ein Angriff durch einen Menschen mit Demenz ganz überwiegend nicht aus „dem Nichts“ kommt. Vielmehr erklärt – im Nachhinein zumindest – das Setting meist, was passierte. Beispiele finden Sie hier bei <a href="https://www.alter-und-wuerde.de/wenn-menschen-mit-demenz-gewalttaetig-werden-was-tun/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Alter und Würde</a>.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/01/Moegliche-Ursachen-aggressiver-Rektionen.jpg"><img decoding="async" width="1024" height="576" src="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/01/Moegliche-Ursachen-aggressiver-Rektionen-1024x576.jpg" alt="" class="wp-image-1396" srcset="https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/01/Moegliche-Ursachen-aggressiver-Rektionen-1024x576.jpg 1024w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/01/Moegliche-Ursachen-aggressiver-Rektionen-300x169.jpg 300w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/01/Moegliche-Ursachen-aggressiver-Rektionen-768x432.jpg 768w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/01/Moegliche-Ursachen-aggressiver-Rektionen-1536x864.jpg 1536w, https://demenz-im-krankenhaus.de/wp-content/uploads/2023/01/Moegliche-Ursachen-aggressiver-Rektionen.jpg 1920w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color">Befürchtung: Gewalt nimmt zu in einer zeitlosen Pflege</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ursachen von gewalttätigen Übergriffen von Menschen mit Demenz sind vielfältig. Aber es gibt sie, die Ursachen und Auslöser. Und für mich gibt es ebenso die klassischen Fehlreaktionen in Krankenhäusern und Pflegeheimen, die ein hohes Risiko haben die Situation zu eskalieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Klassiker: Demenzerkrankungen machen Angst, der Ortswechsel in die Klinik gibt dem ganzen einen Schub. Nun liegt man an einem fremden Ort im Bett, Licht blendet, etwas schmerzt, mehrere Personen machen irgendwas an einem und reden und reden und reden…. . Es war für mich als Demenzbeauftragter im Krankenhaus fast immer eine der ersten Maßnahmen, wenn ich die Pflege selbst übernommen habe und kein akuter medizinischer Bedarf bestand: alle raus! Lasst uns allein!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gewalt wird weiter zunehmen in der Versorgung von Menschen mit Demenz. Offene und verdeckte. Durch die Betroffenen selbst als Übergriff auf jene, die helfen wollen einerseits. Andererseits wird auch die Gewalt gegen Menschen mit Demenz weiter zunehmen. Aufgrund der unterschiedlichen Position ist sie in der Regel verdeckter, drückt sich nicht in einem Faustschlag oder Kneifen aus normalerweise. Meiner Meinung nach ist auch dies u.a. ein Effekt des Fachkräftemangels und der Arbeitsverdichtung. Wenn ich weiß, wie schnell ein einzelner Patient mit etwas überfordert ist, sein Misstrauen registriere, sein Nichtverstehen – aber dennoch keine Zeit habe, darauf irgendwie Rücksicht zu nehmen weil noch X Aufgaben und Patienten auf mich warten &#8211; &nbsp;denen ich ebenfalls nicht gerecht werden kann, sinkt die Schwelle. Auch das bedeutet Fachkräftemangel in der Pflege – eine Zunahme von Gewaltformen gegenüber Patienten mit und ohne Demenz. Wenn geeignete Pflege- und Betreuung geleistet werden soll, braucht das neben spezifischen Kenntnissen eben auch Zeit. Zeit, die der Pflege schon länger hauptsächlich nur noch auf Projektinseln zur Verfügung steht.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color">Eskalation durchbrechen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt Bedingungen, die lassen sich nicht durch den Einzelnen ändern. Auf sein eigenes Verhalten, wozu er bereit ist und wozu nicht – darauf hat er Einfluss und auch die Verantwortung. Strukturell fällt mir aber immer wieder auf: es gibt häufig wenig Raum in Einrichtungen, mit Übergriffen gezielt umzugehen. Und das, obwohl es Mitarbeitende gibt denen körperliche Gewalt so fern ist, dass sie regelrecht schockiert von einem Übergriff sind. Übrigens auch dann, wenn er für die „alten Hasen“ kaum der Rede wert ist. Nicht immer wird dann zwischen erfahrenem Pflegeprofi und abgestumpftem Fatalismus unterschieden. Es ist die Verantwortung der Führungsebene, Mitarbeitende aufzufangen und Raum zu schaffen, offen mit den damit verbundenen Gefühlen umzugehen. Nach einem Angriff durch einen Patienten kann und darf man alles sein. Ich war schon erschrocken, wütend, enttäuscht, gekränkt und wasweißichnoch. Egal ob ich, mein Handeln, mein Fehler zu dem Angriff geführt hatten oder ich mich völlig unschuldig wähnte – all diese Gefühle waren da. Und sie mir zuzugestehen war mein wichtigster Schritt um wieder zu einer professionellen, zugewandten Haltung zurückkehren zu können und mich erneut auf den Weg zu machen, eine konstruktive, machbare Lösung zu finden.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-tertiary-color has-text-color">Es macht was mit uns – und muss was mit Kliniken und Pflegeheimen machen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Pflege ist keine Einbahnstraße. Pflegende sind und werden persönlich berührt, erschüttert. Das ist weder ein Fehler noch eine Schwäche. Es ist auch nicht unprofessionell. Es ist menschlich, gar nicht zu verhindern.<br>Unprofessionell sind höchstens jene die Angst vor der Erschütterung ihres Selbstbilds haben, wenn die vermeintliche durch den Verstand gebotene Distanz so plötzlich durch einen aggressiven Patienten unterbrochen wird und dann jedem vorhandenen Impuls unkontrolliert folgen müssen. <a href="https://www.zqp.de/gewaltpraevention-pflege/?gclid=EAIaIQobChMInsnqyK3F_AIVUvlRCh2cVAzcEAAYASAAEgLCLvD_BwE" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Pflegende Angehörige finden hier hilfreiche Informationen</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Erlauben wir uns unter KollegInnen, erschüttert und erschrocken zu sein. Und immer wieder neue Wege zu suchen, uns zu stärken und aufzufangen. Eine Kultur des Austauschs darüber was wir erleben einerseits, und wie wir andererseits Strukturen vorhalten die konstruktiv und professionell mit solchen Situationen umgehen ist unbedingt erforderlich. In der in Deutschland etablierten Pflege ohne Zeit müssen Übergriffe von allen Seiten an der Tagesordnung sein. So zu tun als sei das in der Versorgung von Menschen mit Demenz normal und einfach hinzunehmen, führt jede Behauptung in Leitbildern und Stellenanzeigen wie wichtig die Mitarbeitenden im Pflegeheim oder Krankenhaus doch angeblich sind, ad absurdum. </p>



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<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph">Jochen Gust</p>



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<p class="has-light-gray-background-color has-background has-small-font-size wp-block-paragraph">Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen: für den Käufer ändert sich nicht, jedoch bekomme ich eine kleine Werbekostenerstattung.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de/2023/01/13/und-dann-schlug-sie-ploetzlich-zu/">&#8230;.und dann schlug sie plötzlich zu.</a> erschien zuerst auf <a href="https://demenz-im-krankenhaus.de">Demenz im Krankenhaus</a>.</p>
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