Mit dem Latein am Ende? Eine kleine Hilfe den Blick zu lenken bei herausforderndem Verhalten von Menschen mit Demenz

Sie arbeiten seit vielen Jahren mit Menschen mit Demenz, sind gut geschult und Ihnen ist die richtige Haltung beigebracht worden? Vielleicht sind Sie betreuende / pflegende Angehörige – und haben dementsprechend viel Erfahrung mit Ihrem erkrankten Angehörigen? Oder sind Sie Pflegefachfrau – oder fachmann und haben in Ihrem derzeitigen Arbeitsalltag kaum Zeit, sich intensiv mit einem einzigen Menschen mit Demenz zu befassen?

All das kann auf Sie zutreffen. Oder nichts davon. Dennoch kann es vorkommen, dass wir in der Versorgung von Menschen mit Demenz auf Verhaltensweisen treffen, die wir uns nicht nur nicht erklären können, sondern bei denen es uns auch nicht gelingt sie zu beeinflussen. Das kann richtig Nerven kosten im Alltag – und am Ende besteht immer die Gefahr, dass Betroffene nicht in ihren eigenen vier Wänden bleiben können, Medikamente erhalten die sie nicht benötigen oder andere folgenreiche Entscheidungen getroffen werden. Weil wir etwas übersehen haben, Druck und Stress uns den Blick verstellt haben.

Zunächsteinmal ist immer zu schauen, ob wir überhaupt irgendwie Einfluss darauf nehmen müssen und sollten, was der Mensch mit Demenz macht oder unterlässt. Dazu habe ich hier einen Beitrag geschrieben.

Gestresst? Wenig Zeit? Viel Wirkung!

Wie Sie mit vergleichsweise wenig Aufwand den eigenen Blick nochmals anders auf eine schwierige Lage mit einem Menschen mit Demenz lenken können, sehen Sie in diesem Video. In diesem Fall wurde ein Herr von seiner Ehefrau bereits seit mehreren Jahren versorgt. Seit längerem auch schon mit Hilfe eines ambulanten Dienstes. In jüngster Vergangenheit wurde er körperlich immer aggressiver. Die Ehefrau war irgendwann am Rand ihrer Kräfte, zumal ihr das aggressive Verhalten ihres Mannes hochnotpeinlich war. Im Gespräch mit den Kolleginnen und Kollegen des Dienstes gewann ich auch den Eindruck, dass einige MitarbeiterInnen regelrecht Angst hatten, den Herrn weiter versorgen zu müssen, zumal es stets „ganz plötzlich“, unvermittelt zu den aggressiven Ausbrüchen kam.

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(Nicht nur) wenn es um Menschen mit Demenz geht, wird eine Menge interpretiert, spekuliert – letztlich geraten, warum sich jemand wie verhält. Thesen können hilfreich sein, wenn sie wirklich der Analyse dienen und sich daraus sinnvolle Entscheidungen ableiten. Unterstellungen und reine Ratespiele die mehr oder minder deutlich auf charakterliche Defizite der Erkrankten zielen sind weder professionell noch hilfreich.

Für das Beispiel im Video sagen Sie vielleicht: „Das war ja einfach! Da wäre ich auch so drauf gekommen.“. Schön, wenn das so gewesen wäre. Im alltäglichen Kontext ist das jedoch keineswegs selbstverständlich. Das Beispiel im Film soll deutlich machen, wie Sie z.B. in Ihrer Arbeit als Demenzbeauftragte die Dokumentation Ihres Krankenhauses oder Pflegeheimes noch „screenen“ können bei Bedarf. Alternativ die Kolleginnen und Kollegen bitten, über wenige Tage die Situation so zu dokumentieren. Es dient auch als Beispiel, wie Sie als Angehörige vielleicht doch noch einen Ausweg finden können, wenn die Situation Zuhause sehr verfahren und schwierig ist und bisher kein noch so gut gemachter Versuch die Situation zu entspannen, funktioniert hat. Sie brauchen nur einen Stift und ein Blatt Papier.

Einen Versuch ist es immer wert.

Meint

Ihr

Jochen Gust

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