Stellungnahme des Bundesministerium für Gesundheit

Was macht die Politik?>

Leeres Krankenhausbett

prokop / photocase.de

Das Thema Demenz im Krankenhaus bewegt derzeit nicht nur die Krankenhäuser. Auch das Bundesgesundheitsministerium sieht dringenden Handlungsbedarf. Ich konnte zwar Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe leider nicht für ein Interview gewinnen können, jedoch erhielten wir durch die Pressestelle des Bundesgesundheitsministeriums (Sebastian Gülde) folgende Stellungnahme zur Thematik unseres Blogs:

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels verdient die akutmedizinische Versorgung demenzerkrankter Patienten im Krankenhaus besondere Aufmerksamkeit. Der Anteil betagter und hoch betagter Krankenhauspatienten wird in Zukunft weiter steigen, weshalb sich die Krankenhäuser auch auf einen erhöhten Anteil an Patienten mit einer demenziellen Erkrankung einstellen müssen. Dabei stehen die Krankenhäuser vor großen Herausforderungen, denn für Menschen mit einer demenziellen Erkrankung stellt der Aufenthalt in einem Akutkrankenhaus eine starke Belastung dar.

Auf diese Herausforderungen und generell um die Lebenssituation der Menschen mit Demenz und deren Angehörigen zu verbessern, hat die Bundesregierung mit der Gründung einer Allianz für Menschen mit Demenz im Jahr 2012 reagiert. Darin haben die im Gesundheitswesen maßgeblichen Gestaltungspartner auch zielgruppenspezifische Vereinbarungen zur Verbesserung der akutstationären Versorgung getroffen. Dabei erkennen die Gestaltungspartner insbesondere auch die Notwendigkeit an, für Patienten mit Demenz spezielle Angebote der Tagesstrukturierung sowie individuellen Beschäftigungsangebote bereitzustellen. Darüber hinaus haben die Gestaltungspartner erkannt, dass das ehrenamtliche Engagement neben dem hauptberuflichen Einsatz des Krankenhauspersonals eine entscheidende Rolle bei der Schaffung demenzfreundlicher Krankenhausstrukturen spielt. So hat vor allem die Deutsche Krankenhausgesellschaft umfangreiche Hilfestellungen angeboten, um die Krankenhäuser bei der Verbesserung der akutstationären Versorgung entsprechend den Vereinbarungen der Allianz für Menschen mit Demenz zu unterstützen. Detailliertere Informationen auch zu den Vereinbarungen der Gestaltungspartner zur Versorgung demenziell erkrankter Menschen im Krankenhaus finden Sie unter www.allianz-fuer-demenz.de.

Auch im Rahmen der anstehenden Reform zur Verbesserung der Strukturen der Krankenhausversorgung findet die Patientengruppe der Demenzerkrankten besondere Beachtung. So konnte in einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Vorbereitung dieser Krankenhausreform die Auflage eines Pflegestellenförderprogramms vereinbart werden. Im Rahmen des Pflegestellenförderprogramms wird die allgemeine Pflege durch die Gewährung zusätzlicher Mittel in Höhe von 660 Mio. Euro innerhalb von drei Jahren deutlich gestärkt werden. Darüber hinaus soll bei dem Bundesministerium für Gesundheit eine Expertinnen- und Expertenkommission aus Praxis, Wissenschaft und Selbstverwaltung eingerichtet werden. Sie soll bis spätestens Ende 2017 prüfen, ob im gegenwärtigen Vergütungssystem ein erhöhter Pflegebedarf von demenzerkrankten, pflegebedürftigen oder behinderten Patienten und der allgemeine Pflegebedarf in Krankenhäusern sachgerecht abgebildet werden. Abhängig vom Prüfergebnis sollen Vorschläge unterbreitet werden, wie besonderer Pflegebedarf sachgerecht abgebildet werden kann.

Mit all diesen Maßnahmen leisten die Bundesregierung und die anderen Gestaltungspartner einen wichtigen Beitrag zur Einrichtung demenzfreundlicher Strukturen in Krankenhäusern. Seien Sie versichert, dass das Bundesministerium für Gesundheit auch weiterhin die besonderen Bedürfnisse demenzerkrankter Patienten im Blick haben wird.“

Es gibt in Deutschland etwa 2000 Krankenhäuser. Meiner Meinung nach wird weder die ehrenamtliche Arbeit noch eine Förderung dieser ausreichen, um den Problemen für und mit Patienten mit Demenz im Krankenhaus human zu begegnen. Eine flächendeckende „gute“ Versorgung von Menschen mit Demenz im Krankenhaus dürfte nach wie vor schlecht sein. Initiativen, wie die lokalen Allianzen für Menschen mit Demenz, tragen sicher dazu bei, die Situation für Menschen mit Demenz und deren Angehörigen zu verbessern. Grundsätzliche auch strukturelle, hierarchische und personelle Veränderungen in den Institutionen können sie aber nicht ersetzen. Erfreulich, dass es in Deutschland zunehmend fortgebildete sogenannte „Demenzbeauftragte im Krankenhaus“ gibt. Deren Erfolg ist aber abhängig von ihrem Status in der jeweiligen Klinik. Zusätzliche Betreuungsangebote und eigene Betreuungskräfte wären sicher auch im Krankenhaus willkommen. Diese werden aber bisher nur in den Pflegeheimen von den Pflegekassen bezahlt. Warum?

Wir dürfen gespannt sein, welche Antworten oder Veränderungen die in der Stellungnahme genannte Expertenkommission bringen wird.

Jochen Gust, April 2014

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