Schulungskonzept für ehrenamtliche Demenzbegleiter

„We cannot care alone“ im Krankenhaus

tröstende Hand

Cattari Pons / photocase.de

In einem Pilotprojekt am Klinikum Nürnberg helfen seit mehreren Jahren ehrenamtliche Demenzbegleiter Patienten mit einem dementiellen Syndrom sich im Klinikalltag zurechtzufinden. Die Schulungen selbst sind auf 2 3,5-stündige Nachmittage und 2 ganztägige Wochenendtermine festgelegt. Neben Grundlagen zur Demenz und zur Kommunikation werden Demenzbegleiter in Stationsabläufe geschult und auf den Stationen dem Team vorgestellt. Die Erfahrungen sind für alle Beteiligten durchweg positiv. Demenzbegleiter sind für die Demenzkranken ein „Rettungsanker“ im Klinikalltag. Sie haben Zeit und können sich auf die essentiellen Bedürfnisse der Demenzkranken im Krankenhaus einstellen.

Demenzbegleiter erhöhen Wohlbefinden und Lebensqualität der Patienten

Inhalte der Demenzbegleiterschulung

Inhalte der Demenzbegleiterschulung

Das Projekt wurde 2010 als Teil eines Modellprojekts „Demenzbegleiter im Krankenhaus“ initiiert. Begleitet wurde das Projekt von der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft Landesverband Bayern e. V. Nach einem ersten Auswahlverfahren wurden zuerst 40 Personen als Demenzbegleiter geschult. Im zweiten Jahr wurden 17 ausgewählt und geschult. Alle Demenzbegleiter wurden in einer Schulung auf ihre Tätigkeit auf Station vorbereitet.

Der Möglichkeiten an Unterstützung und Begleitung auf Station sind keine Grenzen gesetzt. Demenzbegleiter

  • führen Gespräche,
  • erzählen Geschichten,
  • lassen sich Geschichten erzählen,
  • hören zu,
  • halten aus,
  • spenden Trost,
  • halten die Hand,
  • lesen vor,
  • machen Musik
  • spielen,
  • lösen Kreuzworträtsel,
  • helfen beim erinnern,
  • schauen mit Bilder an,
  • singen,
  • basteln,
  • bringen frisches Blumenwasser,
  • helfen Kofferpacken,
  • helfen beim Essen,
  • regen zum Essen an und
  • sind einfach nur da.

Die Demenzbegleiter sollten mindestens einmal die Woche Zeit haben. Für die Einsätze gibt es keine feste Vorgaben. Es wurden jedoch Einsatzpläne erstellt um eine Kontinuität der Anwesenheit auf den Stationen sicher zustellen. Zur Frage nach der Motivation für die ehrenamtliche Tätigkeit als Demenzbegleiter nannte sie am häufigsten, dass es eine sinnvolle Tätigkeit sei. Generell war der Kenntnisstand der ehrenamtlichen Helfer bereits vor der Schulung relativ hoch. Drei Viertel waren mit der Schulung sehr zufrieden.

„Frau B. hat ihre erste Liebe in der Bibelstunde kennengelernt“

Demenzbegleiter nehmen die Bedürfnisse der Demenzkranken von einer „nicht-professionellen“ Perspektive wahr. Pflegekräfte und Ärzte sorgen sich um die korrekte Medikamenteneinnahme, den regelmäßigen Stuhlgang, die Blutwerte, die Verabreichung von Infusionen usw. Sie lernen selten den Menschen kennen. Menschen mit Demenz wollen natürlich gut pflegerisch und medizinisch betreut werden aber sie müssen sich in einer fremden Welt zurechtfinden. In der „Klinikwelt“ brauchen sie Menschen, die sich auch Zeit für ihre Realität nehmen, ehrenamtliche Demenzbegleiter können diese Aufgabe übernehmen.

Unter diesem Aspekt erscheint es wichtig, dass Demenzbegleiter nicht als „Lückenbüßer für Menschlichkeit“ verstanden werden. Sie sollen kein Öl im Getriebe der Akutstation darstellen, damit Abläufe weniger Reibungsenergie benötigen, sondern sie sind vielmehr zur Erhöhung von Wohlbefinden und Lebensqualität der Patienten da. So können die Demenzbegleiter eine eigenständige Ressource für das Team darstellen, aber vor allem den Demenzpatienten in einer existenziellen Grenzsituation während des Krankenhausaufenthalts zur Seite stehen.

Auszüge aus dem Artikel Eggenberger, E.; Myllymäki, J.; Kolb, C.; Martschin, R.; Bollheimer, L. C.; Sieber, C. (2013): „We cannot care alone“. In: Z Gerontol Geriat 46 (3), S. 226-232. Springer-Verlag

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