Herausforderung Demenz – Projekt Dem-i-K

Ein Pilotprojekt zur Verbesserung der Versorgungssituation von Patienten mit der Diagnose „Demenz“

Füße im Krankenbett

Francesca Schellhaas / photocase.de

Menschen fortgeschrittenen Alters sind vergleichsweise häufig und auch länger im Krankenhaus, als jüngere Personen. Da Demenzerkrankungen altersassoziiert sind, nimmt dementsprechend auch die Zahl dementer Patienten zu. Im Saarland wurde bis Ende 2013 ein Pilotprojekt finanziert, welches die Verbesserung der Versorgungssituation von Patienten mit der (Neben-)Diagnose Demenz im Krankenhaus verbessern helfen sollte.

Handlungsempfehlungen für saarländische Krankenhäuser

Die Autoren und Mitglieder dieses Projektes erarbeiteten konkrete Handlungsempfehlungen, die in jedem Krankenhaus umgesetzt werden sollten:

  1. Demenzbezogene Wissensinhalte sollen konsequent in die Ausbildungsordnungen der Gesundheitsberufe einfließen. Praxisanleiter/innen müssen ebenso über Wissen zum Umgang mit dementen Patienten verfügen.
  2. Es sollten Qualifizierungsmaßnahmen für Ärzte und Pflegekräfte durchgeführt werden.
  3. Es sollten Pflegekräfte wöchentlich in Fallbesprechungen begleitet werden, um das theoretisch vermittelte Wissen zu vertiefen.
  4. Um auf die Nebendiagnose Demenz aufmerksam zu werden, empfiehlt sich der Einsatz eines Kurzscreenings (z.B. 3-Uhren-Wörter-Test) auf den Stationen.
  5. Für die nachhaltige Etablierung von Projekten zur Verbesserung der Versorgung dementiell erkrankter Patienten, sollten Projektverantwortliche ernannt werden. Zudem empfehlen die Experten die Einrichtung runder Tische mit interdisziplinärer Besetzung.
  6. Die rückhaltlose Unterstützung durch die gesamte Krankenhausleitung ist unabdingbare Voraussetzung für die Umsetzung demenzfreundlicher Arbeitsweisen. Eine wichtige Aufgabe der Leitungskräfte besteht darin, eine positive Haltung des Personals zu demenzkranken Patienten zu erwirken.
  7. Bei der Konzipierung und Umsetzung demenzfreundlicher Strukturen und Prozesse ist es von Vorteil, wenn nach unterschiedlichen Zielgruppen differenziert wird (delirgefährdete
    bzw. an Delir erkrankte Patienten; Personen in verschiedenen Demenzstadien).
  8. Für die Finanzierung des Mehraufwandes, der durch die Einführung demenzsensibler Strukturen und Prozesse entsteht, muss eine sachgerechte Finanzierungsregelung gefunden werden.

Sind Patienten mit „Demenz“ lukrativ?

Innerhalb dieses Pilotprojektes wurde analysiert, inwieweit die Kodierung der Nebendiagnose „Demenz“ in der Regel nicht ursächlich für eine höhere Vergütung ist. Den Berechnungen zu Folge führt die Nebendiagnose „Demenz“ nur im Zusammenwirken mit anderen Nebendiagnosen zu einer Höherbewertung und spielt in diesem Zusammenhang nur eine untergeordnete Rolle. Mit der Diagnose „Demenz“ kann kein Geld verdient werden.

Die Arbeitsgruppe hatte sich nach Analyse der Zahlen zu einem Antrag für einen Zuschlag für Patienten mit der Nebendiagnose Demenz bei den Krankenkassen nach § 5 Abs. 3 Krankenhausentgeltgesetz entschlossen. Reaktion der Krankenkassen, zitiert aus dem Bericht (siehe auch Seite 77 in dem Bericht):

Ende 2010 wurde den saarländischen Krankenkassen der Antrag vorgestellt und mit der Begründung abgelehnt, dass zum einen keine Problemlage bei der Versorgung von Patienten
mit Demenz im Krankenhaus zu erkennen sei und zum anderen etwaige anfallende Kosten für die Versorgung demenziell erkrankter Patienten im Krankenhaus von den Krankenhäusern aus der bestehenden Finanzierung zu tragen seien.

Erster Kontakt: Notaufnahme

Ebenso wird ein dem Bericht die besondere Situation in der Anlaufstelle jedes Krankenhauses thematisiert: Die Notaufnahme (siehe Seite 84 in dem Bericht):

Eine Notaufnahme muss auf dementiell erkrankte Menschen eingerichtet und vorbereitet sein. Bei der Aufnahme dieser Patienten treten erhebliche Probleme auf, die u. a. auf folgende Faktoren zurückzuführen sind:

  • Demenz ist nicht im Blick und demenzkranke Patienten werden nicht erkannt.
  • Mangelnde demenzbezogene Kompetenz des Personals; dadurch Verstärkung herausfordernden Verhaltens.
  • Ungünstige Rahmenbedingungen für Demenzkranke (Zeitdruck, Hektik, Stress, lange Wartezeiten).

Folgende erste Schritte können unternommen werden, um die Notaufnahmen an das Demenzthema heranzuführen:

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